Was 'ist' Versicherung. Eine Einführung (2)

„Alle Welt“ berichtet immer wieder, wo und wie man an den günstigsten Versicherungsschutz kommt.

Bevor ich im nächsten Artikel auf die existenzsichernden Versicherungen (s. hierzu Artikel 1) im einzelnen eingehe, will ich erst einmal einigen der am meisten verbreiteten „Ratschläge“ für Sie mit Informationen zur eigenen Entscheidungsfindung für Sie hinterlegen.

Zunächst einmal vorweg: Es gibt nur einen Versicherermarkt, also Anbietermarkt für das Produkt Versicherung. Nur die Wege, auf denen die Versicherer an (neue) Kunden kommen wollen, sind partiell unterschiedlich. Der „Direktversicherer“ ist ebenfalls „nur“ ein Versicherer, genau wie die anderen Versicherer auch. Schenken kann und darf Ihnen kein Versicherer etwas. Alles was Sie zu zahlen haben entspricht in jedem Fall einer sehr genau durchdachten und knappen Kalkulation. Die Kalkulation ist selbstverständlich auch ein sehr wichtiger Teil der jeweiligen Unternehmensstrategie. Jedes (Versicherungs-)Unternehmen will und muß sich ja auch auf dem Markt behaupten.

Genau so wenig, wie es den „idealen Versicherungsschutz“ gibt, genau so wenig gibt es den idealen Versicherer oder gar den idealen Vertriebsweg für den Verbraucher (= Versicherungsnehmer).

Welche Möglichkeiten gibt es und was ist beim Einkauf von Versicherungsschutz also grundsätzlich zu beachten?

Versicherungen sind ein sogenanntes „erklärungsbedürftiges Gut“. Weil Sie den Versicherungsschutz vor dem Einkauf nicht „sehen“ können. Und weil der Endverbraucher eigentlich von sich aus kaum eine Notwendigkeit erkennt, dafür viel Geld auszugeben. Dabei geht es hier - mehr als bei den meisten anderen Waren und Dienstleistungen - im wahrsten Sinne des Wortes, um seine Zukunftssicherung.

Es ist übrigens bezeichnend für die Kompliziertheit der Materie, daß selbst viele Mitarbeiter in den Versicherungsgesellschaften nicht über das Fachwissen verfügen, um sich selbst (in allen benötigten Versicherungsarten) den „optimalen Versicherungsschutz“ zusammen zu stellen. Auch sie greifen deshalb auf die angebotenen Beratungsinstitutionen des Unternehmens zurück oder erkundigen sich zuvor bei den jeweiligen Fachkollegen…

Für Sie wichtig ist, daß von den für Sie wesentlichen Versicherungen nur die folgenden in den Bedingungen und Leistungsumfängen - von vernachlässigbaren Nuancen abgesehen -immer gleichartig sind:

Rentenversicherung (z. B. über BfA)

gesetzliche Krankenversicherung (AOK, Ersatzkassen, Betriebskrankenkassen)

gesetzliche Pflegeversicherung (i. d. R. über die Krankenversicherung)

Arbeitslosenversicherung

Berufsgenossenschaft (berufliche Unfallversicherung)

Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung (private Pflichtversicherung), hier können Sie allerdings die „Deckungssummen“ aufstocken.- Achtung anders: Kaskoversicherung!

In (fast) allen anderen Versicherungssparten können die (meist privaten) Versicherungsgesellschaften eigenständig Versicherungsbedingungen, Klauseln und sonstige Vereinbarungen entwickeln, die sich u. U. sehr deutlich von denen der Mitwettbewerber unterscheiden. Nur „Otto Normalverbraucher“ kann diese Unterschiede bei der Durchsicht von Prospekten und sonstigen Druckstücken (hier insbesondere auch Anträge und deren „Rückseite“!) nicht oder nur schwer erkennen bzw. deren Folgen nicht richtig wichten. Deshalb benötigt „eigentlich“ jeder Kunde eine fachkompetente Beratung (ausgenommen bei den gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen s. oben!).

Der Berater muß also in jedem Fall Fachkompetenz (und darüber hinaus möglichst lange Erfahrung) haben. Als Minimalvoraussetzung sollte die Ausbildung zum „Versicherungsfachmann(/Fachfrau)“ oder (besser) die abgeschlossene Lehre zum „Versicherungskaufmann(Kauffrau)“ gefordert werden. Noch besser wäre Versicherungsfachwirt oder Versicherungsbetriebswirt. Selbstverständlich reicht auch die langjährige Tätigkeit in der zur Debatte stehenden Sparte. Oder auch ein Rechts- oder Wirtschaftsfachstudium an Fachhochschule/Universität. Kann Ihnen der Besitz dieser Fachkompetenz nicht glaubhaft gemacht werden, sollten Sie - in Ihrem eigenen Interesse - sehr, sehr vorsichtig sein.

Für den jeweiligen Fall ausreichende Fachkompetenz kann bei den sog. „Hotlines“ der Versicherer, bei hauptberuflichen Versicherungsvermittlern, Versicherungsmaklern und (kostenpflichtigen!) Versicherungsberatern i. d. R. vorausgesetzt werden. Über die Fachkompetenz von „Vermögensberatern“ sollten Sie sich in jedem Fall vor Inanspruchnahme ausreichend informieren - hier ist Vorsicht geboten.

Aber alle Fachkompetenz schützt Sie nicht davor, den falschen Versicherungsschutz zu bekommen.

Vor- und Nachteile der einzelnen Vertriebsarten/Vertriebspartner:

Direktversicherer:

Bietet (häufig) nur sehr wenige standartisierte Versicherungsmöglichkeiten und praktisch ausschließlich eigene Produkte an. Beratung (meist) nur telefonisch oder - sehr eingeschränkt - schriftlich möglich. Selten ein persönlich verantwortlicher Ansprechpartner für alle Fälle. Häufig Preisvorteile.

Hauptberuflicher Versicherungsvermittler eines Versicherungskonzerns:

Bietet nur Produkte eines Versicherungskonzerns an. Sehr persönliche Beratung. Der Versicherungskonzern haftet für den Vermittler bei Falschberatung. Besonders wertvoll ist die Hilfestellung und Beratung im Schadenfall. Der Vermittler fühlt sich (meistens) für seinen Kunden verantwortlich. Preise liegen allerdings (trotz sog. „Bündelungsrabatte“) meist in der oberen Hälfte der Anbieter.

Mehrfachagent/Versicherungsmakler:

Bietet alle Produkte der Versicherungsgesellschaften an, mit denen er eine Zusammenarbeitsvereinbarung getroffen hat. Hilfestellung und Beratung im Schadenfall. Der Makler fühlt sich (meistens) auch für seinen Kunden verantwortlich. Er ist oft - nicht zuletzt auch aus Kostengründen - bestrebt, einen „Maklerauftrag“ zu erhalten, der ihn berechtigt, alle Versicherungsangelegenheiten für seinen Kunden zu erledigen. Die Preise sind meistens günstiger als die des konzerngebundenen Vermittlers.

Empfehlenswert ist eine Zusammenarbeit mit sog. „Fachmaklern“ (gilt hauptsächlich für Selbstständige, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe), die sog. „Rahmenvereinbarungen“ mit Verbänden geschlossen haben, deren Mitglied Sie (also nbicht der Makler!) sind. In diesen Fällen kann im allgemeinen eine besonders hohe Fachkompetenz im betrieblichen bzw. speziellen Versicherungsbereich erwartet werden. Und natürlich besondere Versicherungsleistungen und günstige Preise.

„Richtig“ neutral sind die genannten Vertriebspartner alle nicht.
Sie wollen und müssen letztendlich ihr eigenes Produkt oder das ihrer Partner verkaufen. Makler und Mehrfachagenten lassen sich auch schon einmal davon leiten, von welcher Gesellschaft sie die höchsten Provisionen (= Courtagen) bekommen. Konzerngebundene Vermittler versuchen z. T. auch Verträge zu verkaufen, für die sie besonders honoriert (z. B. bei internen Wettbewerben) werden. Umgekehrt sind sie allerdings auch sehr kundennah und müssen deshalb besonders auch auf ihren Ruf achten.

Jeder Vertriebsweg hat also für Sie Vor- und Nachteile. Vorteilhaft wäre natürlich die Inanspruchnahme von i. d. R. sehr neutralen „Versicherungsberatern“. Das kostet allerdings auch (zusätzlich) Geld. Möglicherweise aber auch gut angelegtes, weil Einsparungen durch Optimierung des Versicherungsschutzes möglich sind.

Makler und Mehrfachagenten lassen
sich auch schon einmal davon leiten, von welcher Gesellschaft
sie die höchsten Provisionen (= Courtagen) bekommen.

Ohne die zitierte Aussage in Zweifel zu ziehen, Makler arbeiten aber auch umgekehrt, d.h., sie verhandeln mit Gesellschaften, deren Konzept in einer bestimmten Sparte für den Kundenkreis des Maklers passend ist, des öfteren höhere Provisionen, weil sie denen natürlich entsprechend viele Kunden zuführen.

Gruß Heike

Stimmt Heike,

diese Spezialisten unter den Maklern habe ich auch (an anderer Stelle) erwähnt. Sie bieten in „ihrem“ Spezialfach fast immer konkurrenzlose Konditionen, die deshalb auch für die Kunden dieser Makler hochattraktiv sind. Allerdings findet man diese Makler - leider (meines Wissens) nicht in den Bereichen der m. E. (fast) unverzichtbaren Versicherungen für Privatkunden.

Dagegen sehr oft z. B. in der Versicherung für Sportboote oder auch für Wohnmobile usw.

Warum gibt es keinen „Familienmakler“ oder „Singlemakler“ o. ä.?

Ein fertiggeschnürtes Paket mit den wichtigsten Versicherungen mit jeweils komplettem Deckungsumfang plus einige Module des typischerweise ebenfalls benötigten Versicherungsschutzes (z. B. Tierhalterhaftpflicht u. ä.), das ganze variiert um einige vernünftige Selbstbehaltsvarianten für alle im Paket enthaltenen Versicherungen. Und ein akzeptabler Preis mit Versicherungsschutz bei einem/einigen zuverlässigen Versicherern.

Das wär es doch.

Dafür könnte diese Makler dann von mir aus jede beliebige Provision erhalten, wenn der Preis für den Endkunden stimmt. Und der Service z. B. vor Vertragsbeginn und im Schadenfall.

Vielleicht greift ja mal einer diese Anregung auf? Und Versicherer werden sich dafür auch finden.