(Anmerkung: In diesem Thema überschneiden sich ein wenig die Bereiche „Erziehung“ und „Medizin/Neurologie“)
Hallo und Guten Tag,
es gibt in Deutschland einen Professor für Neurologie namens Manfred Spitzer welcher ein Buch geschrieben hat mit dem Titel „Vorsicht Bildschirm“, in dem er jeglichen Bildschirmkonsum (also ob nun Fernsehen, PC, Videospiel) als geradezu „teuflisch“ für die Entwicklung des Gehirn des Kindes beschreibt.
Nun sind Bildschirme aber mal Alltag in unserer Welt. Deshalb meine Frage:
Wie wird Manfred Spitzers Position bezüglich der schweren Schädlichkeit von Bildschirmmedien durch Kinder in der Fachwelt eingeschätzt?
Vielen Dank im Voraus für Antworten,
Jasper.
Moin, Jasper,
um heutzutage öffentlich bemerkt zu werden, ist es wohl erforderlich, extreme Positionen einzunehmen. So wohl auch hier.
Es ist nicht die Fernseh- und PC-benutzung an sich verdammungswürdig, sondern deren Übermaß. Und natürlich ist da auch noch eine altersmäßige Differenzierung zu treffen.
Es dürfte klar sein, dass Mediennutzung elterliche Zuwendung genausowenig ersetzen kann wie soziale Kontakte zur Peer-Group. Dass eine Stunde „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ mit Eltern und Geschwistern allemal besser ist, als eine Stunde vor der Glotze.
Aber ein wohlbedachter Fernsehkonsum ist sicher in der heutigen Gesellschaft ebenso förderlich wie der vernünftige Umgang mit dem PC.
Es ist wie überall: die Dosis macht ein Gift zur Medizin.
Gruß
Eckard
…wie schon geschrieben kommt es wohl auf die Dauer an, mit welcher die Kinder vor dem Kasten sitzen und natürlich auch auf den Inhalt… wenn ich mir so einige Sendungen auf dem KIKA ansehe, wird mir selbst als erwachsener ganz anders, weil die Bildfolgen zu schnell sind, die Geschichte zwischen verschiedenen ORten und Zeiten wechselt…alls Dinge, die Kinder noch gar nicht realisieren können und die definitiv das Gehirn überfordern.
Daneben gibt es TV für die ganz kleinen - Babys und Kinder bis drei - hier scheint es ein Problem bei der Erkundung der Umwelt, der Wahrnehmun und Verknüpfung zu geben…Kleinkinder lernen z. B. erst nach und nach, dass die Welt 3D ist - also, dass der Ball rund in 3D ist und so was wie eine Tiefe besitzt - zeigt man dem Kind jetzt einen Ball im TV, ist dieser in der Wahrnehmung des Kindes wohl nur ein runder Fleck und das Verständnis für die dahinter stehende Dimension Tiefe fehlt… das soll beim Lernprozess Probleme bereiten. Daneben sind auch bei Teletubi und Co einfach zu viele Eindrücke zu verarbeiten, denen ein Kind im Krabbelalter oder früher eben in der Masse noch nicht ausgesetzt ist…bzw. die es nicht erneut erkunden kann, weil das TV immer weiter läuft und nicht begriffen (im wörtlichen Sinne) werden kann…
hab das irgednwo mal alles gelesen glaube unter anderem in dem Buch Entwicklungspsychologie von Schenk Danzinger…
Wir werden versuchen unseren Nachwuchs weitestgehend vom TV fern zu halten, wenn es geht auch beim Stillen etc. nicht zu gucken und dann nach und Nach an wirklich Kindergeeignete Sendungen heran zu führen wie die guten Klassiker Sendung mit der Maus, Sandmännchen, Augsburger Puppenkiste… eben Sendungen und Filme, die ruhiger sind in der Bildgestaltung und versuchen zusammenhängene Geschichten zu erzählen welche auch dem stringenten Denken eines Kindes entsprechen.
Irgendwo haben wir letztens ne Statistik in die Finger bekommen, aus der hervor geht, dass bereits Kindergartenkinder am Tag über 4 Stunden TV konsumieren!!! Das haben wir als Kinder vielleicht in der Woche zusammen bekommen und das trotz Kabel TV…ich finde so was muss nicht sein, die Welt da draußen ist groß genug und muss entdeckt werden (gut, wir wohnen wirklich auf dem Land und man kann hier die Kinder relativ früh schon alleine raus spielen lassen - haben hier so ne Dorfgang mit drei und vierjährigen die im Sommer die Gassen mit ihren Rutschautos und Dreirädern unsicher machen)
Resume: TV/PC für Kleinkinder halte ich für schädlich und unsinnig, da die einfach alle Sinne noch trainieren und die Welt erst begreifen müssen - bei älteren Kindern kommt es auf die Dosis und den Inhalt an, den ich mir als erwachsener ganz genau vorher ansehen würde.
Hallo
da gibt es Gegenpositionen.
Wir geben den Kindern TV, das unterstützt die mehrsprachige Erziehung, die wir machen. Wir tun das nicht täglich und nicht regelmäßig, aber so 3, 4 mal in der Woche. Ungefähr ab dem 18. Monat und natürlich nicht das laufende Programm, wie es gesendet wird, sondern ausgesuchte Video (bis 15 Minuten), die selten gewechselt sondern oft wiederholt werden.
Gruß
Docco
gesendet wird, sondern ausgesuchte Video (bis 15 Minuten), die
selten gewechselt sondern oft wiederholt werden.
Was ja ungefähr in meine Richtung geht, dass die Kinder die Chance haben müssen das Gesehene zu verarbeiten - wenn ich etwas mehrmals sehe (und in dem Alter wird das immmer gleiche Spiel nicht langweilig, sondern Kind lernt aus den ewigen Wiederholungen, bzw. entdeckt immer wieder was neues, was wir vielleicht sofort erfassen) habe ich als Kind die Chance… wenn ich übelege, wie oft meine Kusine irgendwelche Kindervideos gesehen hat - da wäre bei uns schon nach dem dritten mal die lange Weile eingekehrt…
Ich denke die Kritik geht in erster Linie gegen das TV als Beschäftigungsersatz… sobald es zielgerichtet eingesetzt wird, wie bei Euch zum Sprachen lernen ist es etwas anderes und auch dann muss man schauen, ob das Material geeignet ist.
ja, aber
Hallo,
wobei das ja wunderschön eure Ansicht zu TV beschreibt, aber danach wurde doch gar nicht gefragt.
Wenn ich es recht verstanden habe, geht es im UP doch um die spezielle Kritik des Herrn Spitzer, der behauptet, dass TV, egal welcher Inhalt, Auswirkungen auf die Gehirnfunktion hat. Eine These, die mir gar nicht so abartig scheint, ist es doch zum Beispiel erwiesen, dass Gelerntes sich eher im Langzeitgedächtnis einnistet, wenn Fernseh/PC-Konsum nicht unmittelbar danach stattfindet.
Außer obigem kleinen Faktum, dass ich irgendwo aufgelesen habe, kann ich zu dem Thema nichts beitragen, mir fehlt der medizinische Hintergrund, halte mich aber mit meiner persönlichen Ansicht, wann (meine) Kinder wieviel und welches TV gucken dürfen/durften zurück, weil danach gar nicht gefragt war.
Gruß
eklastic
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Hallo eklastic,
hatte dafür unten in meinem ersten Beitrag was dazu geschrieben…und versucht das mir bekannte Wissen aus dem Bereich Entwicklunsgpsychologie mit dem Standpunkt abzugleichen… was dann zu dem Ergebnis führt, dass ich die komplette Ablehnung der Medien nicht unterstützen kann…und die weitere Diskussion scheint ja zu zeigen (am lebenden Objekt Kind), dass die Medien in der Tat richtig eingesetzt und differenziert auch Vorteile und Perspektiven haben…aber eben wieder verknüpft mit den aktuellen Fähigkeiten des Gehrins, bzw. der Entwicklung des gleichen …
Gruß,
Alexandra
Hi!
zum Beispiel erwiesen, dass Gelerntes sich eher im
Langzeitgedächtnis einnistet, wenn Fernseh/PC-Konsum nicht
unmittelbar danach stattfindet.
Ich habe mal in einem schlauen Buch meiner Frau gelesen, dass es nicht anders ist, wenn direkt im Anschluss ans Lernen intensiv Musik gehört wird wird oder ein Spiel gespielt wird, was die Aufmerksamkeit des Kindes in ähnlich intensiver Form beansprucht.
Da würde ich nicht das TV als Solches verantwortlich machen.
Es gibt so ein hübsches Spiel zum Thema „Stiller-Post-Effekt“ in der Erwachsenenbildung. Man erzählt einem anderen etwas, und er soll es ein paar Minuten später möglichst wortgetreu wiederholen.
Das Gleiche macht man dann einige Male, nutzt aber die paar Minuten bei EINIGEN Leuten zum Gespräch über etwas völlig anderes.
Kurz: Es ist normal, dass Dinge sich schwieriger im Langzeitgedächtnis festbrennen, wenn man anschließend abgelenkt wird.
Ich weiß, dass es offtopic ist, aber egal 
LG
Guido
Hallo Jasper,
es gibt in Deutschland einen Professor für Neurologie namens
Manfred Spitzer welcher ein Buch geschrieben hat mit dem Titel
„Vorsicht Bildschirm“, in dem er jeglichen
Bildschirmkonsum (also ob nun Fernsehen, PC, Videospiel) als
geradezu „teuflisch“ für die Entwicklung des Gehirn des Kindes
beschreibt.
Nun sind Bildschirme aber mal Alltag in unserer Welt. Deshalb
meine Frage:
Wie wird Manfred Spitzers Position bezüglich der schweren
Schädlichkeit von Bildschirmmedien durch Kinder in der
Fachwelt eingeschätzt?
[Hypothese]
Fernsehen ist ein sehr wichtiger Faktor für den
Bestand unserer Gemeinschaft. Regelmäßiger Fern-
sehkonsum trägt dazu bei, die sonst schwer kon-
trollierbaren Massen zu infantilisieren und zu
konformieren. Fernsehen macht eigene Aktivitäten
bei der „Deutung der Welt“ überflüssig, die Beur-
teilung ob z.B. eine „Wissenschaftssendung“ tat-
sächlich „wissenschaftlich“ (oder z.B. indoktrinär)
ist liegt nicht im Ermessensraum der allermeisten
Konsumenten.
In der Kindheit wird der Mensch an den Lebensmittelpunkt
(Fernsehgerät) gewöhnt, oftmals indirekt und mit aller-
besten Absichten. Die „Welterfahrung“ durch Fernsehkonsum
wird für die Allermeisten, die diese Schule durchliefen,
zur primären, wenn nicht sogar zur einzigen wesentlichen
Welterfahrung. Das besagt, die tatsächliche Welt wird
nun an den vorgeformten und direkt ins Gehirn gelieferten
und selektierten Abbildern gemessen (und ggf. abgelehnt!).
Sofern dieses durchbrochen wird, sofern nicht >75% aller
Menschen sich „danach richten, was man so tut“
bzw. nicht das haben wollen was man so hat (was ständig
als „zu Habendes“ aus dem Lebensmittelpunkt herausstrahlt),
bricht ein wesentlicher Antrieb für die vorhandene gesell-
schaftliche Struktur zusammen.
Demnach sollte man, sofern man am Erhalt des status quo
interessiert ist, solche radikalen Thesen wie die von
diesem eigenartigen Professor mit Feuer und Schwert
bekämpfen - oder (noch besser) als lächerliche Ver-
schwörungstheorie abtun 
(Mein Senf)
CMБ