Hallo.
Wenn er sterben würde, könntest du aus der Nummer heraus kommen, ohne Schaden zu nehmen. Dann könnte er für immer deine große Liebe bleiben und du müsstest dir niemals eingestehen, dass du sechs Jahre deiner Jugend sinnlos vertan hast.
Klar kannst du mit deinen Freunden nicht drüber reden, denn der Zwiespalt lebt in dir.
Du wärst zwar furchtbar traurig über seinen Tod aber andererseits auch glücklich, weil sich dir doch endlich ein Ausweg aus deinem Seelendilemma bietet. Mit seinem Tod wäre dein Problem gelöst und du könntest anfangen zu leben.
Deine Freunde werden es dir schon öfter gesagt haben.
Mensch, wach auf! Niemand! Niemand auf der ganzen Welt ist es wert, dass man ihm sechs Jahre des eigenen Lebens opfert.
Er ist nicht der, den du dir ausdenkst. Er ist dich nicht wert, sonst wärt ihr längst zusammen. Wenn sich Romeo und Julia nicht umgebracht hätten, hätten sie drei Jahre später jemand anders geheiratet und eine Menge dämlicher Kinderchen in die Welt gesetzt.
Und nur noch manchmal mit einer gewissen Selbstironie daran gedacht, wie sie einst, beim Lied der Nachtigall, glaubten, nicht ohne den anderen leben zu können.
Verschmähte Jugendlieben haben es so an sich. Man denkt sich alle guten Eigenschaften hinein und nie kann der Andere beweisen, dass er auch nicht besser ist als drei Dutzend andere.
Und man hat einen gewissen Schutz. Ich brauche mich nicht um einen Partner zu bemühen, ich bin ja verliebt. Ist nicht schlimm, wenn mich jemand nicht mag, ich bin ja eh in den Einen, Einzigen verliebt.
Also, lass den einen ruhig sterben, in Gedanken natürlich nur, zieh dir die Hosen stramm und begebe dich dahin, wo sich die paarungswilligen Jugendlichen deines Alters herum treiben. Immer, wenn du Zeit hast! Und zeige Interesse, wenn sich jemand für dich interessiert. Zieh dich nicht in dein Schneckenhaus zurück. Auch wenn es dir anfangs schwer fällt.
Mit jedem gelungenen Kontakt, mit jedem Anbaggerversuch, wird sich auch dein Selbstbewusstsein wieder heben.
Das haben vergebliche Lieben nämlich auch so an sich, man begibt sich mit der Zeit in den eigenen Seelenkeller. Denn wenn der andere so klasse ist und einen nicht haben will, sucht man zwangsläufig die Schuld bei sich selbst.
Menschen kann man nur kennen lernen, wenn man sich unter Menschen begibt. Für Liebespartner gilt das erst Recht.
Gruß, Nemo.