Guten Tag,
ich habe im Internet, diversen Lexika, theologischen Wörterbüchern und sogar der RGG nachgesehen, was ein (nicht-adliger) Kanoniker im Teenageralter macht bzw. früher (um 1470/80 in einem bayerischen Kloster/Stift) gemacht hat. Alles, was ich gefunden habe, waren neue Fachbegriffe wie zB „Chorherr“, „weltliche Kleriker“, „Diözesanangestellte“ usw. Ich bin leider evangelisch, aber ich benötige dringend Tipps/Links.
Kann jemand helfen?
MfG
BerlinMakler
Hallo !
Kanoniker hieß ursprünglich jeder Geistliche, der in den Kanon oder die Matrikel einer Kirche eingetragen und zu Einkünften daraus berechtigt war. Zum Unterschied von solchen Geistlichen, die nur an Kapellen fungierten.
Schon zu Augustins Zeiten lebten viele Geistliche, ohne in eine klösterliche Vereinigung zu treten, nach einer allgemeinen, vor den Weltgeistlichen sie auszeichnende Norm, CANON.
Ihr Name war Canonici. Ihre Lebensweise Vita Canonica.
Sie lebten nach geistlichen Regeln, legten kein Mönchsgelübte ab, kamen täglich in ihrem Münster zusammen, hielten Kapitel, unter dem Vorsitz ihres Bischofs, beschäftigten sich mit wissenschaftlichem Unterricht, aßen und schliefen zusammen.
Sie leben nach in 32 Kapiteln bestehenden Regeln. Diese wurden von Chrodegangs, Bischof von Metz aufgestellt.
Wie : Gemeinsames Leben unter der unmittelbaren Aufsicht des Bischofs, verordnete die drei gewöhnlichen Klostergelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams, befahl fromme Übungen selbst zur Nacht nach Folge der kanon. Stunden. Wies jeden Geistlichen an, täglich zum Kapitel zu kommen, in welchem ein Abschnitt der Ordensregel, vorgelesen werden sollte.
Und vieles, das Leben schwer machende, kam noch dazu!!
Grüße Max.
Hallo BerlinMakler
was Max geschrieben hat, ist richtig - von der Idee und vom Ursprung her. Später wurden viele Klöster und Kanonikerstifte durch Schenkungen reich, die Disziplin ließ nach, und die Regeln gerieten in Vergessenheit. „Chorherr“ zu sein, bedeutete oft nicht einmal mehr, in der Gemeinschaft zu wohnen, von anderen geistlichen Aufgaben (Gebet, Seelsorge) ganz zu schweigen. Dagegen gab es dann immer neue Reformbestrebungen und Reformeinrichtungen - und der Kreislauf begann von vorn.
Der nicht-adlige Teenager, von dem du schreibst, ist schon insofern eine Regelwidrigkeit, weil Kanoniker Priester waren und für die Priesterweihe ein höheres Mindestalter vorgeschrieben war. Vermutlich also ein nachgeborenes Söhnchen aus doch wohl einflussreicher Familie, dem man als Kanoniker Versorgung und gesellschaftliche Stellung verschafft hatte.
Gruß,
Pietro
Nikolaus Kopernikus
z. B. war Kanoniker in Frauenburg, d. h. Pfündeninhaber ohne Pflichten und bezog genug Gehalt, um sich seinen Studien widmen zu können.
Ohne diese Sinekure [lat.], bildungssprachlich für Pfründe ohne Amtsgeschäfte; müheloses, einträgl. Amt. hätte er nicht genug Zeit und Muse gehabt, sein gewaltiges Werk zu vollenden.
Gruß Fritz
Jakob Fugger ist der gesuchte Kanoniker
Danke
an alle 
der nichtadlige Teenager, dessen religionsdiplizinarische und/oder kaufmännische Jugendprägung mich interessiert, ist Jakob Fugger, der jüngste von 7 Brüdern, der immerhin 8 Jahre vom 11. bis 19. Lebensjahr im „Chorherrenstift“ Herrieden an der Altmühl (schon damals zum Bischof von Eichstätt gehörend) verbrachte. Was hat er da gemacht außer lobpreisen und beten? Da muß doch irgendwas in seinem Seelchen geschaltet worden sein. (Außerdem hatte er später keine Kinder).
MfG
BerlinMakler