Guten Morgen!
Nun hatte ich mal meine Bons sortiert und was muss ich
feststellen es ist absolut nichts mehr darauf zu lesen.
Das liegt am Druckverfahren (Thermodruck) und am dafür benutzten Papier. Das Druckverfahren ist praktisch, weil nur Papier, aber keine Tinte oder Toner als Verbrauchsmaterialien erforderlich sind. Nachteilig ist die je nach Lagerung der Drucke mangelhafte Langzeitstabilität. Durch Wärme, UV-Strahlung, Weichmacher von Klarsichthüllen u. v. m. kann der Druck unleserlich werden. Deshalb findet man auf der Rückseite vieler Kassenbons einen entsprechenden Hinweis.
Bis zur Unleserlichkeit verblichene oder geschwärzte Kassenbons kann man natürlich nicht mehr gebrauchen. Schon von daher empfiehlt es sich nicht, Kassenbons längere Zeit auf dem Schreibtisch oder im Portemonnaie liegen zu lassen. Wer Buchhaltung treibt, wird solche Belege umgehend kopieren, den Beleg an die Kopie tackern (bei sachgemäßer Lagerung überstehen Thermodrucke auch längere Zeit), laufende Nummer und evtl. noch einen Hinweis zum richtigen Kontieren drauf und ab damit ins Kassenbuch. Zum Monatsultimo wird der Beleg für den Buchungsvorgang noch ein einziges Mal angefasst, um dann das nächste Jahrzehnt ungestört im Ordner zu schlummern.
Wer keine Buchhaltung treibt, geht mit den Belegen vieler eingekaufter Gegenstände sehr ähnlich vor. Immerhin gab es zum DVD-Player oder zum Aldi-Internet-Stick nicht nur einen Kassenbon, sondern auch noch eine Betriebsanleitung. Im Laufe der Zeit sammelt sich in einem normalen Privathaushalt ein Meter an Betriebsanleitungen an. Natürlich nur theoretisch. Die Praxis sieht oft ungefähr so aus: Vor über 40 Jahren war ich als Radio- und Fernsehtechniker tätig und hatte jeden Tag ein Dutzend Servicetermine in den Wohnungen der Besitzer kaputter Fernseher. Wenn sich ein Fehler nicht aus der Erfahrung heraus und mit einfachen Vor-Ort-Mitteln beheben ließ, brauchte man einen Schaltplan des defekten Gerätes. Im beleuchteten Barfach, in der Küchenschublade … einfach abenteuerlich, wo die Leute überall suchten, bis es hieß „mein Mann konnte damit nichts anfangen, hat den Kram weggeschmissen und Bedienungsanleitungen brauchen wir sowieso nicht“. Im Gewährleistungsfall nach Kaufbelegen zu fragen, kann man sich in solchem Haushalt sparen.
Die Praxis kann aber auch ganz anders aussehen. Ich empfehle, zukünftig wie folgt vorzugehen: Alle Unterlagen eines Gerätes (Bedienungsanleitung, technische Unterlagen, Kaufbelege) kommen zusammen in einen Briefumschlag oder eine Klarsichthülle. Thermodruck-Quittungen werden zuvor kopiert. Ein billiger All-in-one-Drucker mit Kopierfunktion steht inzwischen in vielen Haushalten und wenn nicht, sollte mal an die Anschaffung gedacht werden. Der Briefumschlag/die Klarsichthülle bekommt eine laufende Nummer und wandert dann in einen Stehordner. Mehrere solcher Stehordner sind ganz schnell rappelvoll. Die laufenden Nummern mit Gerätebezeichnung, Typ und Hersteller werden in z. B. einer Excel-Datei aufgenommen. Hat sich bestens bewährt. Wenn man dann nach Jahren sucht, wie die 5-Gang-Schaltung des Fahrrades einzustellen war, wie man die Gewürzmühle zerlegte, welchen Trick es zum Aushaken der Schreibtischschubladen gab, was die neuerdings leuchtende Lampe an der Brennersteuerung für die Heizung bedeutet oder ob für ein Gerät vielleicht doch noch eine freiwillige Garantiezeit des Herstellers läuft, muss man für die Suche nicht das Haus auf den Kopf stellen, sondern hat das Gewünschte binnen einer Minute.
Die Langzeitstabilität von Unterlagen aller Art ist längst zum eigenen Wissensgebiet geworden. Thermodruckpapiere sind ein besonders empfindliches und kurzlebiges Beispiel. Aber auch alle anderen Datenträger haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Wir glauben zwar, strahlenden Müll für 100.000 Jahre sicher aufbewahren zu können, haben aber nicht einmal Datenträger, um den dann lebenden Menschen mitteilen zu können, wie und wo wir unsere Hinterlassenschaften verwahrt haben. Wenn man auch nur 50 oder 60 Jahre alte Unterlagen aus dem eigenen Leben in die Hand nimmt, bekommt man eine ungefähre Vorstellung, was sich in ungeahnter Weise verändert hat oder schlicht wegdiffundiert ist.
Deinen Ärger kann ich zwar verstehen, aber Du wirst das Erlebte als Lehrgeld buchen und nächstens mit Thermopapierunterlagen in beschriebener Weise umgehen müssen.
Gruß
Wolfgang