Ich liess von einer Malerfirma meine etwa 115qm große Wohnung renovieren. Der Vereinbarter Preis sei 6000 Euro plus MVSt. In der vereinbarten Leistung war unter dem anderen 3-maliges Streichen meiner Rauchfasertapete vereinbart und zwar für etwa 1500 Euro. Die Renovierung sollte etwa 2 Wochen dauern. In etwa 4-5 Tagen war der Malermeister mir dem Abreißen der tapete, Spachteln, Grundieren, Kleben der neuen Rauchfasertapete und „3 mal Streichen“ gemäß seiner Aussage fertig. Die Arbeit schien mir relativ gut zu sein, „die Kleinigkeiten“ möchte der Maler noch in Ordnung bringen. Die schnelligkeit seiner Arbeit schien mir verdächtig zu sein. Ich freagte einen bekannten malergesellen nach seiner Meinung. Der Meinte einerseits, dass die Arbeit gut getan sei, andererrseits betonte er , dass die Wände mit Sicherheit nur einmal mit der guten Farbe gestrichen wurden und zeigte mir einige Kontrollpunkte: Keine Überschneidungen der Striche unten, Unterschiede zwischen den Pinselstrichen und Rollenstrichen neben den Türen, einige sichbare Nähte und meinte, dass so was bei dem 3-maligen Streichen nicht vorkommen kann aber auch dass 3-maliges Streichen eigentlich gar nicht notwendig sei, er könnte jetzt in ein paar Stunden alles in Ordnung bringen. Mich betrübt die Vorstellung betrogen worden zu sein, ich soll ja für 3-maliges Streichen bezahlen. Ich sprach meinen Malermeister an, er beteuert mich , dass er 3- mal am 3, 4, und 5-ten Tagen gestrichen hätte. Jetzt fühle ich mich ganz miserabel: bin ich paranoid oder ein Bauerntölpel? Soll ich meinem Malermeister , wie er es mir vorgeschlagen hat „einfach vertrauen und positiv denken“ oder doch resolut und kategorisch über Betrug sprechen.
Das Gefühl betrogen zu sein, obwohl ich eigentlich einen guten Preis zahle, scheint mich mehr zu betrüben als Geldverlust. Was meinen Sie, bin ich verarscht worden? Oder sollte ich mein schlechtes Gefühl unterdrücken und mich freuen in der Hoffnung, dass die Wohnung doch am Ende einfach gut gestrichen wird, unabhängig davon wie viele Male, obwohl ich für 3 bezahle?
Guten Abend Apollinarius,
Wenn ich das korrekt verstehe wurden in diesen angesprochenen 4-5 Tagen die kompletten 115m² (ich nehme an die 115m² sind die Wohnfläche) von der alten Rauhfaser befreit, die Wände gespachtelt, neue Rauhfaser angebracht und diese 3 mal gestrichen?
Da stellen sich mir als angehender Malermeister die Nackenhaare hoch. Diesen Gesellen/Meister, der diese Arbeit ausgeführt hat bekommt bei mir sofort einen Job!
In dieser kurzen Zeit ist dieser Umfang gar nicht machtbar.
Alleine das entfernen der alten Tapete dauert bei dieser Wohnungsgröße schon zwei Tage, das neu tapezieren auch nochmal zwei Tage (wenn, wie ich das hier verstehe dieser Maler alleine gearbeitet hat.)
Über die Qualität lässt sich hier streiten.
Das dreimalige streichen der Wandflächen ist in der Tat eher sinnlos. Bei neuer Rauhfaser ist es durchaus möglich mit nur einmal streichen ein einigermaßen akzeptables Ergebnis erzielen, der Ausführende muss aber sein Handwerk verstehen und schnell arbeiten können (Unterschied zwischen Pinsel und Rollenstruktur an Türrahmen zum Beispiel).
In der Regel wird hier zwei mal gestrichen.
Bei dieser Sachlage kann ich dir nahezu versichern das der Maler das Grundieren ausgelassen hat, nur eine sporadische Fleck- und Ausgleichspachtelung vorgenommen hat und nur einmal gestrichen hat. Sonst ist dieser Arbeitsaufwand in 5 Tagen nicht machbar.
Alleine schon durch die Trocknungszeiten kann hier etwas nicht stimmen.
Die frisch geklebte Raufaser sollte eine Nacht trocknen. Dann besteht keine Gefahr von versteckten Kleisternestern oder verschwimmen der Farbe beim Streichen.
Du betonst das der Maler überzeugt ist am 3,4 und 5ten Tag je ein mal gestrichen zu haben.
Damit müsste er am ersten und zweiten Tag die komplette Wohnung von der Rauhfaser entfernt haben und die neue geklebt haben.
Klingt eher unrealistisch.
Bei dieser Schilderung würde ich ganz kritisch an die Sache herrangehen und falls nicht schon passiert erstmal nur einen Teil bezahlen. 6000€ in 5 Tagen ist eine Menge Geld.
In dieser Situation würde ich ganz klar einen Sachverständigen einschalten und die Arbeit kontrollieren lassen. Der Sachverständige kann dir genau sagen wie viele Schichten Farbe auf der Wand sind. Er wird dir auch sagen können ob der Preis den du gezahlt hast für 5 Tage Arbeit gerechtfertigt sind. Zumal zuvor 14 Tage angeschlagen worden waren.
Ich möchte hiermit keinen meiner Kollegen schlecht machen, jedoch finde ich dieses Szenario mehr als fraglich und annähernd betrügerisch.
Gruß Christian
Hallo, wenn du ein gutes Gefühl hast, vergiss es…
Wenn du ein schlechtes Gefühl hast, wende dich an die Maler Innung Schiedsstelle und bitte um eine Stellungsnahme deren seits.
Gruß Lothar
Danke für Deine Antwort Christian und sei gegrüßt,
Der Malermeister lies 2 oder 3 Gesellen arbeiten (es gibt da 2 Aussagen), also die Arbeit wurde nicht von nur einer Person ausgeführt. Aber mit dem 3maligen Streichen scheint es trotzdem nicht sauber zu sein.Zu den 6000Euro gehört auch das Badezimmerfussbodenfliesen. Diese Arbeit sei noch nicht ausgeführt. Kann denn eine gute 2-er oder3-er Truppe diese Arbeit überhaupt in 5 Tagen bewältigen? Ich bemühe mich gerade bevor ich mit dem Streit beginne meinem Meister nicht Unrecht zu tun.
Gruß,
Apollinarius
Hallo apollinarius,
Mit drei guten Gesellen ist diese Aufgabe schon eher machbar.
Gruß Christian
Hallo,
die Entscheidung, ob man sowas stehen lässt, hängt natürlich generell mit der Beziehung zum Maler zusammen, also ist er bis jetzt dein Favorit gewesen, oder kennst du ihn nicht.
Zum anderen, geht es um die Qualität des Ergebnisses.
Ist dir persönlich das Ergebnis die 6000 euro wert, ist alles in Ordnung.
Meiner Meinung nach ist das jedoch eine Stattliche Summe. Für mich wäre also relevant, wie aussagekräftig sein Angebot war. Sowas sollte man natürlich immer überschlagen. Man sollte sehen können, wie hoch die Materialkosten zum Beispiel sind.
Wenn man sich z.B. einfach mal die Quasdratmeterpreise ausrechnet, liegen wir bei 52,17 m² inkl. Mwst und Material.
Gehen wir von einem Stundenlohn aus, liegen wir inkl. material bei 166,66 Euro. Das ist schon ganz schön heftig. (Es sei denn, seine Produkte sind sehr teuer.)
Wenn wir uns die Sache von einer anderen Seite aus ansehen, kommen wir auf folgendes.
Tag 1: 115m² Tapete abreißen.
Tag 2: 115m² Spachteln (und seien wir mal so nett und tun so, als hätte er nach dem Spachteln gleich grundiert, was nicht fachgerecht wäre.)
Tag 3: 115 m² Tapeziert
Tag 4: 115 m² Erster Anstrich
Tag 5: 115 m² Zweiter Anstrich
Tag 6: ??
Also ich kann das aus der Ferne natürlich nicht korrekt beurteilen, aber bei fachgerecht ausgeführten Arbeiten müssen die Trockenzeiten beachtet werden.
Auf frischer Spachtelmasse darf nicht grundiert werden.
Ich gehe mal davon aus, dass großflächig gespachtelt wurde. Die Grundierung könnte er umgangen sein, indem er mit Kleister kurz vorm Tapezieren grundiert hat, aber das wäre dann schon Tag 3 und wenn er 4-5 tage für alles gebraucht hat, bedeutet das, dass zwischen den einzelnen Anstrichen keine fachgerechte Trocknungsphase abgewartet wurde.
Zudem kommt tatsächlich die komische Geschichte mit den 3 Anstrichen. 2 Anstriche langen vollkommen.
Wenn der kerl also kein Freund von dir ist und sich weiter rausredet und dir die Arbeit keine 6000 Euro wert ist und er dir in keinster Weise entgegen kommt (Materialpreiserlass etc.) würde ich einen Gutachter einschalten. Ruf einfach bei der Fima an, von der die farben sind (Mega, Brillux, Caparol, Alligator, etc), die schicken dann einen vorbei der sich das ansieht.
Hoffe ich konnte helfen.
PS: Lass dir von dem Maler mal erklären, an welchen tagen er welche Arbeitsschritte gemacht hat, damit du anhand der trocknungszeiten einen Überblick über seine Logik erhälst.
Gruß Johanna
Vielen Dank Johanna.
Außer der Malerarbeiten waren für 6000 Euro netto inklusive noch 9 qm Fußbodenfliesenarbeiten im Badezimmer. Mein Freund ist er nicht, ich habe ihn zum ersten mal gesehen. Deine Antwort hat mir geholfen.
Gruß,
Apollinarius