Was muss man aushalten ?

Hallo liebe Leute,
ich trau mich mal- auch wenn ich ausholen muss! Vor gut zehn Jahren fing meine Ehe an zu krieseln und Ich begab mich in eine Therapie, weil ich damit nicht gut umgehen konnte.In der Zeit habe ich nicht nur den Leidensweg meines Vaters/Meiner Schwiegermutter und meiner Mutter begleitet, ich habe auch den Zerfall/Trennungen der ganzen Clique mit dem Ende meiner Ehe „Mitgemacht“. Jetzt plagen mich finanziellen Nöte, der Druck der Ex ist immer noch gegenwärtig und meine Mutter ist wieder schwer erkrankt. Der Druck den(Schon fast erwachsenen Kids) Kindern nicht mehr gerecht zu werden, der Druck aller Menschen die Probleme haben rings herum (Bin teilweise auch noch Anlaufstelle einiger Trennungsgeschädigter)macht mich z.Zt. ziemlich gelähmt und depressiv. Ich finde zwar Zeit für mich, die reicht gerade mal zum Luftholen und gar nichts tun.Zwei Operationen haben auch meinen Sport abgeschnitten und so bleibt nur noch zu Hause bleiben.Ständige Wechselschichten machen einem dazu noch das planen schwer.
Zwischendurch frage ich mich was die Therapie gebracht hat? Okay - habe mich von meiner Dominanten Ex endlich getrennt(Nach 30 Jahren),aber viel besser gehts mir nicht-eher schlechter.
Sollte ich wieder in eine Therapie gehen? Tagesklinik ? Einzeltherapie(Hatte Gruppenth.)? Oder aushalten und warten was das Jahr noch so bringt?

LG

Mike

manches, aber nicht alles…
Mahlzeit Michael,

zu deiner therapiespezifischen Frage kann ich nichts sagen, da ich Laie bin.

Aber ich wollte mal fragen, warum es dir nicht möglich ist, diesen trennungsgeschädigten Bekannten die Türe zu weisen? Schick DIE doch zur Therapie, damit du dich um dich (und vielleicht noch um deine Mutter) kümmern kannst. Wenn deine Kinder fast erwachsen sind, können die Dir oder deiner Mutter auch durchaus mal zur Hand gehen…

Vielleicht solltest du da anfangen, nicht mehr den Mülleimer für andere zu geben.

Musst du dich um deine Mutter pflegerisch kümmern oder kannst du das anderweitig organisieren?

Warum macht die Ex noch immer Druck? Das verstehe ich am wenigsten.

Wenn ich dich richtig verstehe, machst du dir selbst am meisten Druck. Du musst niemandem gerecht werden. Womit denn? Du musst DIR SELBST gerecht werden, doch niemandem anderen mehr. Oder meinst du finanzielle Forderungen der Ex und der „Kinder“…? DU bist nicht für alles verantwortlich, was andere Menschen angeht - aber du bist für dich verantwortlich!

Ich denke mal, wenn du das nicht allein gebacken bekommst, könnte dir u.U. auch eine weitere Therapie helfen…

Grüße
Demenzia

grüss dich michael,

eine therapie kann nur das bringen, was man selbst zulässt.
des weiteren hängt genau das ja von der lebensphase ab.
und wenn dein thema in der therapie hauptsächlich die trennung war - das gelingen der trennung und der umgang damit zb - wirst du wohl andere themen deines lebens nicht bearbeitet haben -
damit ists aber natürlich, dass vieles nicht nicht verändern konnte,
du dich in vielen bereichen nicht verändern konntest und sich so
das eine nur verlagert, das andere sich ggfs. sogar intensiviert hat.

(was du sicher weisst, aber irgendwie habe ich das bedürfnis dennoch darauf hinzuweisen:smile:

erkenntnisse die du in einer therapie gewinnen kannst über dich selbst und in folge dann neue wege zu beschreiten bedeutet meiner erfahrung aber eben nicht, das diese neuen wege auf alles übertragbar sind.
wäre dem so, müsste man nur eines neu lernen und könnte „es“ auf alles im leben übertragen. aber genau so gehts nicht, weil man sich hier selbst im wege steht…

allein deine überschrift - was muss man aushalten -
zeigt mir etwas auf - dass du dich nach wie vor fremdbestimmt und ferngesteuert fühlt. macht- und entscheidungslos sozusagen…
und gleichzeitig enttäuscht von den anderen - jenen die dich auf welche weise auch immer für deinen geschmack über gebühr in anspruch nehmen.

nun wieder einer meiner lieblingssätze - leicht abgewandelt - wer seine umwelt anders erleben will, muss sich selbst verändern - das ist u.a. ein versteckter aufruf zu mehr eigenverantwortung. doch leicht gesagt, denn wenn man genau das nie gelernt hat, weiss man nicht wie viele gesichter diese weise hat, geschweige denn, wie man im einzelfall passend zur eigenen persönlichkeit umsetzen soll, was anderen scheinbar so leicht und selbstverständlich scheint für ihr eigenes leben…

was du beschreibst klingt für mich wie eine aneinanderreihung obigem.
welchen sekundären gewinn du dabei hast, auch das wäre sicher ein thema in einer therapie - denn diesen gewinn muss man ersetzen können, sonst kann man die eigenen verhaltensweisen nicht unterbrechen.

jedenfalls - man kann von einer therapie nicht pauschal erwarten, das sie etwas mit einem macht was allumfassend ist. sie ist ein weg diese therapie, den man selbst allein weitergehen kann im besten fall -
aber eben nur, wenn die themen während der therapiezeit auch dem entsprechend umfassend waren und angegangen wurden.
das kann aber nicht immer so sein - und so sehe ich kein versagen oder sonstwas und würde eine neue therapie angehen. ehrlicher weise muss ich aber hier sagen, ich würde nicht zum gleichen gehen wie einst.
denn man hat einen bestimmten umgang entwickelt und der kann u.U.
wenig förderlich sein für den neuen weg. - aber das ist einstellungssache und stellt meine pers. meinung dar (und die von einigen freunden die selbst profis sind).

eine einzeltherapie, bei der es wirklich um dich geht, nur um dich und dein leben, deine gefühle, deine wünsche, deine sehnsüchte und eben
deine veränderungen etc - das würde ich wohl machen, denn dabei kommt
„mehr herum“ als in einer gruppe - aber auch das wird „geschmackssache“
sein und hängt sicher von der eigenen erwartungshaltung ab.
auch die nebeneffekte finde ich sehr schön - eine person - ein profi - der sich nur auf dich konzentiert und so ganz nebenbei bekommst du in einer langzeittherapie zumindest noch vieles anderes… dinge, wie verständnis, mitgefühl, engagement, zuwendung z.b - das füllt ein den leeren krug unbemerkt auf und hat auch eine positive wirkung wie ich finde.

ansonsten kann ich nur sagen - man lebt nicht um dinge auszuhalten - aushalten heisst für mich immer - über die eigenen grenzen hinweg…
und mir scheint, es ist eher an der zeit dass du alles das lernst zu sehen und damit anders umzugehen als bisher - um nicht mehr aushalten „zu müssen“ aus mangel an alternativen.

such dir den oder die passende thera - so, dass du dich gut aufgehoben und wohl fühlst - sorge an der stelle mal gut für dich, das ist der erste schritt.-)

LG
nina

also zunächst mal, kann ich das glaube ich ganz gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. das dumme ist, wenn du um Rat bittest, was du machen sollst, lässt du andere über dich entscheiden. Willst du das? Wenn du anderen es recht machen willst, lässt du andere über dich entscheiden, willst du das?

So werde ich Dir auch nichts raten, bin der Meinung, dass jeder selbst entscheidet, wie viel er/sie aushält, bspw. als ´Redemülleimer missbraucht zu werden. Es gibt da keine Norm

mfg

Hallo Nina,
danke für die Antwort. Viele Dinge sehe ich genauso. In der ersten Therapie habe ich immer starke Zweifel gehabt, ob ich da richtig aufgehoben bin. Ich habe öfter nur „da gesessen“ und mir die Probleme der anderen angehört. Vielleicht hat die Therapie nur indirekt zur Trennung geführt-auch da wurde mir die Entscheidung aus der Hand genommen(Meine Frau ist fremdgegangen).Das war meine „erste“ große Entscheidung- auszuziehen.Eigentlich geht es mir besser, aber die Probleme rund herum, sorgen dafür das es mir schlechter geht. Freiräume zu schaffen ist schwierig, Wünsche nach Urlaub und Erholung und die kleinen netten Dinge des Lebens scheitern am Geld.Das Gefühl in einem Teufelskreis zu sitzen aus dem es kein Entrinnen gibt, ist übermächtig.Ich bin mir der Problematik bewusst, sehe aber einer erneuten Therapie mit viel Skepsis entgegen. Ich habe so einige Menschen schon begleitet in Lebenskrisen, unter anderen auch mit Therapien,Tageskliniken und Psychosomatischen Kliniken.Die Ergebnisse stimmen mich nicht optimistisch-mein eigenes ja auch nicht!

Nun denn-danke für eure Antworten

Mikel

hallo mikel,

darauf muss ich nun noch eingehen:smile:

ich halte es für nicht so wirklich sinnvoll wenn du dich mit anderen vergleichst. hast du den einblick - also auch fachlich gesehen - um wissen zu können was bei jenen personen für probleme/störungen oder ähnliches vorgelegen haben? weisst du warum wirklich ihre therapien nicht zum gewünschten erfolg geführt haben und stimmt das überhaupt tatsächlich?

jeder trifft im leben immer wieder auf menschen, die scheinbar nicht aus ihrem muster herauskommen. daraus aber den rückschluss zu schliessen, eine therapie würde nicht „funktionieren“ halte ich für unfair - sich selbst gegenüber und der therapie gegenüber.

wenn jemand nicht bereit ist, bringt eine thera sicher nicht arg viel.
und viele gehen zur therapie, suchen hier ihr alibi nach dem motto:
ich tue ja was für mich. - manch einer tut aber eben nicht was nötig ist - das alte vertraute mag mies sein, ist aber eben zumindest vertraut. das neue ist unbekannt und so gibts menschen die sich unbewusst anders entscheiden als der anschein sugeriert.
aber auch sonst gibts einen haufen gründe und mögliche ursachen warum eine therapie nicht den gewünschten erfolg nach sich zieht.

im übrigen kann ich nicht wirklich nachvollziehen wieso du von einer gruppentherapie (wobei über die frequenz und dauer ja nichts bekannt ist) nachhaltige verhaltensmusteränderungen erwartest nebst ein umdenken und /-umfühlen…
ich kann mir als laie kaum vorstellen, dass eine gruppentherapie derartiges leisten kann.

im übrigen - wenn ich lese wie du deinen teufelskreis beschreibst, stelle ich in frage ob du schon soweit bist daraus auszubrechen.
es klingt fast schon boshaft wenn ich nun schreibe - es ist nämlich auch irgendwie bequem wenn man da bleibt wo man steht. man kann sich so schön sagen - man kann ja eh nichts ändern und man hat für alles eine rechtfertigung - ausrede…

vielleicht brauchst du noch zeit oder musst noch einiges erleiden bis du soweit bist zu erkennen, es gibt sehr wohl auswege doch sind die massgeblich von dir selbst abhängig - gewissen entscheidungen eben und der hoffnung und dem willen, das eine richtige therapie (also regelmässig und beim für dich selbst richtigen thera) sinnvoll und auch wirkungsvoll sein wird.
wenn du eines tages in einer therapie eine perspektive für dein leben allg siehst, wirst du mittelfristig auch perspektiven entwickeln die
deine oben beschrieben probleme verbessern.

fragt sich, ob und wann du bereit bist das für dich zu tun was nötig ist, damit du der wirst der du sein willst, leben kannst wie du es dir wünscht.

es liegt aussschliesslich bei dir mikel - auch wenn du das so nicht wahrnimmst.

ich wünsche dir den mut und die kraft zu starten!

LG
nina

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Hi Mike,

da kann Dir wirklich niemand konkret raten. Du mußt wissen, wieviel zu aushalten kannst (und willst).

Aus eigener Erfahrung kann ich Dir nur sagen: Offensichtlich gibt es Phasen im Leben, da sieht man kein Land mehr. Und immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt ein neuer Schlag ins Genick daher. Und Du glaubst, das nimmt kein Ende. Man versucht immer wieder, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen und findet sich jedes Mal ein Stück tiefer in der Sch…

Dass einem da irgendwann der Mut und der Antrieb verloren geht, ist nur logisch. Da weiß man, man hat nur dieses eine Leben und sieht es in einer nicht endenden Reihe von traurigen Tagen vorübergehen.
Tipps in der Art von „Sorge Dich nicht, lebe!“ oder „Chancen in der Depression“ " Jeder ist seines Glückes Schmied" , „Da muß man sich eben zusammenreißen“ sind der pure Hohn auf eine solche Gemütsverfassung. Sich abzugrenzen, genau abzuschätzen, was man sich zumuten kann sind genau die Dinge, die man in dieser Lage nicht schafft.

Hier kann eine Verhaltens-Therapie helfen, ausdrücklich kann, insofern muß ich meinen Vorschreibern Recht geben: Du mußt die Arbeit selber machen, aber ein Anleitung dazu und ein wenig Druck durch die Sitzungen sind dabei sicher nicht von Schaden.

Ich schreibe hier nicht als Geläuterte, die eine solche Phase überstanden hat und im Nachhinein erkennt, wie wahnsinnig wertvoll diese Erfahrung für mich war. Ich hänge seit Jahren auf diesem Abstellgleis und bin im Prinzip genauso ratlos wie Du. Ich hoffe, dass auch das schon eine kleine Hilfe sein kann. Es scheint da kein Patentrezept zu geben.

Wobei ich immer wieder sage, dass das kein Wettbewerb ist, wem es auch schlecht oder schlechter oder noch schlechter geht. Ich will mich da nicht vergleichen müssen.

Alles Gute
kernig

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unenntrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

[Hermann Hesse]

jeder trifft im leben immer wieder auf menschen, die scheinbar
nicht aus ihrem muster herauskommen. daraus aber den
rückschluss zu schliessen, eine therapie würde nicht
„funktionieren“ halte ich für unfair - sich selbst gegenüber
und der therapie gegenüber.

Da stimme ich zu.

ich kann mir als laie kaum vorstellen, dass eine
gruppentherapie derartiges leisten kann.

Das kann ich mir auch nicht.

im übrigen - wenn ich lese wie du deinen teufelskreis
beschreibst, stelle ich in frage ob du schon soweit bist
daraus auszubrechen.

Das genau ist das Wesen einer Depression, diese Unentrinnbarkeit weil man sich immer wieder ein Bein stellt. Für Außenstehende sieht das so aus wie „Du willst ja gar nicht glücklich sein“. Es ist kein Wille, es ist das Unvermögen, etwas zu wollen. Für jemanden, der helfen will, ist das zermürbend.

vielleicht brauchst du noch zeit oder musst noch einiges
erleiden bis du soweit bist zu erkennen, es gibt sehr wohl
auswege

Das hoffen viele. Aber manchmal hat man das Gefühl, es gibt kein „Unten“ auf dem man aufschlagen kann um sich anschließend wieder zu berappeln. Man kann sich quälend lange in einer Art Schwebezustand irgendwo über dem Grund halten. Die Auswege kennt man wohl, man ist aber nicht in der Lage sie zu beschreiten.

es liegt aussschliesslich bei dir mikel - auch wenn du das so
nicht wahrnimmst.

Das genau ist eines der Probleme. Das sagt einem ja jeder, man weiß es ja längst selber. Und mit jedem Mal fühlt man sich unzulänglicher, weil man es eben immer wieder nicht schafft. Für alle Außenstehenden erscheint die Lösung völlig klar (nicht einfach): Du mußt handeln, das nimmt Dir keiner ab. Und genau daran scheiterst Du jedes Mal. So kann man Niederlagen sammeln.

Nur ein paar Gedanken zur Erklärung von mir, soll kein Angriff sein auf „hilfswillige Schreiber“.
kernig

hallo kernig,

wieso glaubst du, dass er an depressionen leidet? - es gibt ja noch mehr zwischen himmel und erde und zudem kann eine depression auch eine folge von etwas anderem sein, welches „aufgelöst“ auch keine derpressiven stimmungen mehr mit sich bringt.

ich habe bisher nur wahrnehmen können, er hat nicht gelernt nein zu sagen, kann sich nicht abgrenzen und wohl auch nicht so gut durchsetzen.
eigene ziele treten in den hintergrund. - das kann viele ursachen haben und noch mehr auswirkungen - auch jene sich fremdbestimmt zu fühlen.

und meiner information nach ist es egal welche störung man hat, erst wenn der leidensdruck hoch genug ist, wird man sich wahre hilfe suchen.
hinzu kommen vorurteile, eigene und die von anderen, gleiches gilt für ängste.

ich weiss nicht, ich sehe keinen weg eine diagnose zu stellen und würde es mir nicht zutrauen, deshalb und auch aus anderen gründen nehme ich keine depression als ursache wahr oder könnte das behaupten.

oder wie meintest du das von dir geschriebene?

LG
nina

Hi Nina,

nö, eine Diagnose wollte ich auf keinen Fall stellen. Ich denke auch, dass es „die typische Depression“ nicht gibt. Vieles, was Mikel schreibt, deutet aber in eine solche Richtung.
Oder ich habe es eben so interpretiert, wenn ich daneben liege, umso besser.
Wie massiv seine Probleme sind, kann man in so einem Forum natürlich nicht beurteilen.

Zu meinem Beitrag angeregt hat mich sicher meine eigene Situation (ist das nicht meistens so?) und die Hilfsversuche, die Deinem Beitrag sehr ähnelten und leider meist ins Leere liefen.

Soviel als Ergänzung

kernig