Was muss man beachten wenn man ein Buch schreibt?

Hallo @all!
…jemand der eine überaus schlimme Kindheit im wahrsten Sinne des Wortes hatte und ein sehr bewegtes Leben dazu, möchte dies in einem Buch verewigen, ohne direkte kommerzielle Absichten, weil dessen Psychologen immer wieder dazu geraten haben alles aufzuschreiben um es zu verarbeiten. Er möchte diesen Ratschlag nun annnehmen. Was darf ich meinem Freund raten; was muss er alles beachten, wenn er sich eines Tages doch entschliesst es zu veröffentlichen. Welche Schritte muss er nach und nach gehen. Gibt es Verlage die auf psychologische Themen spezialisiert sind oder Verlage die sich für „Schicksalsgeschichten“ mit entsprechender Ernsthaftigkeit interessieren?
Gruss
Helmut

Hallo Wendi1

Klar gibt’s solche Verlage. Kannst ja mal im Buchladen fragen.
Was die Kunst des Buchschreibens angeht:
Wenn du dir mal zehn beliebige Buecher herausgreifst, dann wirst du
feststellen, dass die doch recht verschieden sind. Die Vielfalt ist
gross und somit kann man auch nicht sagen, wie man ein Buch
schreiben muesse. Da gibt es nur wenig Richtlinien, z.B.
sollte es sprachlich schon ueber einem Schulaufsatz eines
durchschnittlichen Zehnjaehrigen liegen.
Es gibt zwar Stilfibeln und Schreibschulen, und es gibt auch
Techniken, die Aufmerksamkeit des Lesers zu binden und bestimmte
Dinge, die man nicht machen soll, aber so weit mir bekannt, hat
keiner der grossen Schriftsteller eine Schreibschule besucht. Wer
etwas zu sagen hat, der findet auch die passenden Worte dafuer.

Gruss, Tychi

hallo wendy,

ohne dir jetzt zu nahe treten zu wollen (BITTE nicht übelnehmen) - aber die welt ist voll von den autoren, die ein ach so schlimmes leben hatten und nun glauben, die welt müsse das unbedingt erfahren.
zu deutsch: es ist kein weiterer bedarf an solcher literatur.

ohne frage gibt es unter diesen autoren auch welche, die wirklich schlimmes erlebt haben. davon wiederum ein teil mag vielleicht sogar etwas erfahren haben, daß man wirklich veröffentlichen sollte. und wiederum davon ein ganz kleiner teil kann auch wirklich schreiben.

du verstehst, was ich meine?
leider sieht es so aus, daß diese nabelschau-storys in 99% aller fälle ein jammeriges lamentieren ist, bei dem der bösen welt die schuld an allem gegeben wird. das kann man keinem leser zumuten!
und die wenigsten, die wirklich eine geschichte zu erzählen hätten, können das auch.

grundsätzlich gibt es aber eine vorgehensweise, wie man an verlage herantritt. im folgenden geht die antwort zwar an einen kinderbuchautor, aber das tut nix zur sache: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

sollte das manuskript (oder besser schon vorher: das konzept des buches) diesen weg, den ich in dem link beschrieben habe, nicht bestehen, dann sollte man das veröffentlichen meist auch lassen.

es gibt aber auch zuschußverlage, die sich auf solche klientel spezialisiert haben: autoren, die kein verlag drucken will (sorry, wenn ich es mal so hart sage).
diese verlage sind bloß keine (denn das charakteritikum eines verlages ist, daß er vorlegt, d.h. die kosten auslegt), sondern ganz einfach dienstleistungsunternehmen. selbige drucken gegen viel, viel geld zwischen buchdeckel, was immer du willst. sofern es sich mit unseren gesetzten vereinbaren läßt, versteht sich.
der autor dieser werke bekommt dann bestenfalls tatsächlich eine garage voll mit seinen büchern - aber es findet weder ein lektorat des manuskripts statt, noch wird das buch vom „verlag“ beworben, noch gibt in der regel einen vertrieb.
wenn man also onkel und tante und alle aus der näheren und weiteren bekanntschaft damit beschenkt hat, sitzt man auf dem rest. auf stadtfesten kann man dann vielleicht mal 3 exemplare verkaufen, aber das alles steht in keinem verhältnis zu dem aufwand und den kosten.
es mag für manche sogar noch sinn machen, vielleicht, weil sie sich was von der seele schreiben wollen oder müssen. aber wenn man diesen weg geht und bei zuschußverlagen veröffentlichen will, sollte man genau wissen, daß man dort nur für die dienstleistung des buchdruckens bezahlt. (auch wenn sich literaturbeflissend gebende schwarzgekleidete herren gern den eindruck vermitteln wollen, sie förderten mit ihrer arbeit literarische talente).
meist geht sowas aber wesentlich preiswerter in copyshops und auch in angemesseneren stückzahlen.

Was darf ich meinem Freund raten; was
muss er alles beachten, wenn er sich eines Tages doch
entschliesst es zu veröffentlichen.

schick ihm den link, den ich oben angegeben habe und suche auch mal im archiv dieses brettes. ich habe zu dem thema schon des öfteren ausführlich was geschrieben.

Welche Schritte muss er
nach und nach gehen.

siehe link + archiv.

Gibt es Verlage die auf psychologische
Themen spezialisiert sind

ja. aber das sind fachverlage.

oder Verlage die sich für
„Schicksalsgeschichten“ mit entsprechender Ernsthaftigkeit
interessieren?

nein! :smile:
jedenfalls keine seriösen.

ich bin auch gerne bereit, die mehr über das ganze thema zu erzählen. für den fall schlage ich aber vor, daß du mich anrufst (ich wohne auch in berlin).

schöne grüße
ann

Hallo, Wendi,

Psychologen immer wieder dazu geraten haben alles
aufzuschreiben um es zu verarbeiten.

Die Idee, sich den ganzen Salat mal von der Seele zu schreiben ist sicher nicht schlecht. Sie ist auch oftmals hilfreich, weil man dabei gezwungen ist, in das Ganze eine Struktur hineinzubringen, was man ja beim reinen Erzählen gewöhnlich nicht tut.

Ob man dann anschließend dieses „Eigenprotokoll“ auch veröffentlichen sollte? Das sollte man sich sicher dann mit einigem Abstand überlegen.

Ich würde empfehlen, erst einmal das ganze in Textform zu bringen. Dann einige Zeit ruhen zu lassen und danach noch einmal darüber zu gehen. Vielleicht auch einmal einem Unbeteiligten zur Kritik vorlegen.

Wenn man dann immer noch der Meinung ist, das Werk sei für die Öffentlichkeit bestimmt, nützlich und reizvoll, kann man ja mal versuchen einen Verleger dafür zu finden.

Die therapeutische Wirkung dürfte es dann allerdings für den Betreffenden bereits getan haben.

Gruß
Eckar d

Hallo Wendi,

also aufschreiben ist bestimmt gut. Auch ruhig als Roman. Schadet sicher nicht.
Ob man dann veröffentlicht?
Vielleicht will man es dann gar nicht mehr.
Aber warum gleich meinen, dass es keinen Zweck hat wie Ann, hmm, das find ich nicht unbedingt richtig. Wenn alle Schriftsteller beim ersten Buch so denken würden, gäb es gar keine. Denn man kann ja nur Misserfolg haben.
Dass die Schrifstellerei ein hartes Brot ist, ist keine Frage. Und dass es gut sein kann, dass niemanden das Geschriebene deines Bekannten interessiert kann auch sein. Aber es kann auch genau andersherum sein. Denke nicht, dass wir das entscheiden können.
Such mal im Netz nach Andreas Eschbach( Das Jesus Video hat er geschrieben) der hat eine gute Seite für angehende Schrifsteller.
Über Verlage erfährst du viel bei uschtrin.de
Um vielleicht ein bissi lockerer zu schreiben hilft auch mal eine Schreibwerkstatt. Wird oft von der VHS angeboten.
Wünsche deinem Bekannten, dass ihm das niederschreiben wirklich hilft und dann soll er weiter sehen.

Viele Grüße

Bigmama

keine reaktion?
es ist immer so frustrierend, wenn man bereitwillig und ausgiebig auskunft gibt und dann nie wieder was vom fragesteller hört…

es ist immer so frustrierend, wenn man bereitwillig und
ausgiebig auskunft gibt und dann nie wieder was vom
fragesteller hört…

sorry, habe alles an meinen bekannten weitergeleitet ann! ich bin ja lediglich der vermittler hier!
gruss
helmut

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