Was nun?

Hallo…

War heute bei einem Neurologen und habe ihm von meinen Suizidgedanken erzählt in der Hoffnung irgendeine Hilfe zu bekommen. Lange Rede, kurzer Sinn:

Er meinte eine psychotherapeutische Behandlung sei auf jeden Fall erforderlich und stuft mich als hochgradig gefährdet ein - da ich aber selbst zu ihm gekommen bin, konnte er nichts gegen meinen Willen tun.
Er schlug mir die medikamentöse Behandlung sowie die stationäre Aufnahme vor - das scheidet jedoch beides für mich aus.
Er versicherte mir, daß in meinem Stadium kein Therapeut ohne eine stationäre Aufnahme oder zumindest eine ausgedehnte medikamentöse Behanldung die Verantwortung für so ein Vorhaben übernehmen würde.

Die Frage ist jetzt: was nun???

Hallo…

worum es geht, ich verfolge nicht alles. Wieso beim Neurologen wegen Suizidgefahr?

Du kannst mich jederzeit anmailen, selbstredend.

Die Frage ist jetzt: was nun???

Also frag!

LG
hd

Hallo!

Ich kann natürlich keine Ferndiagnose machen, aber alleine der Begriff des „derzeitigen Status“ ist mir als Psychologen unbekannt und ich denke, darüber sollte sich Dein Neurologe keine Sorgen machen. Was Du machen sollst, kann Dir hier keiner sagen - denn Du musst Deine nächsten Schritte schon selbst abwägen. Allerdings kann ich Dir folgendes empfehlen zu tun:

Entweder Du suchst eine Klinik auf.

oder:

Wende Dich an einen PSYCHOLOGISCHEN (!) Psychotherapeuten in Deiner näheren Umgebung und spreche mit diesem (am besten einfach vorstellig werden - eien Termin zu bekommen ist bei der derzeitig schlechten Versorgungslage meist allerhöchstens in 6-8 Wochen möglich). Dieser ist verpflichtet, weitere Schritte einzuleiten - und entweder wird er Dich auffordern, die nächste psychiatrische Klinik aufzusuchen oder er wird Krisenintervention versuchen, d.h. Dir so gut ihm dies möglich ist, Zeit zur Verfügung stellen, in der er für Dich zur Verfügung steht.
Sollte Dich der Therapeut auffordern, eine Klinik aufzusuchen, dann solltest Du dies tun; neben stationären Aufenthalten gibt es möglicherweise in Deiner Umgebung auch Tageskliniken oder ambulant versorgende psychiatrische Gemeindezentren, die Dir weiterhelfen können.

Viel Glück!
Der Captain

.

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Hallo!

alles was Captain sagt, nur Du kannst Dich auch s o f o r t
an den Sozialen Dienst, oder an die Telefonseelsorge wenden.
Telefonseelsorge rund um die Uhr, egal wie spät oder früh, rede einfach.

Ich wünsch Dir nicht nur Glück, sondern Selbstvertrauen!
ganz viel, soviel, wie Du dazu grad brauchst.

Und hier sind auch alle lange wach!

lg
hd

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Gleiche Antwort von der Telefonseelsorge… Jede Verantwortung wird ohne Klinikaufenthalt abgeleht.

Die Zeit auf einen Termin bei einem Psychologen zu warten (6 - 8 Wochen) habe ich leider nicht mehr…

Ich denke das war es dann wohl. Ciao…

Danke für die Hilfe.

Hallo,

auch wenn es dir vielleicht unangenehm ist, wenn ich hier etwas dazu schreibe…
Ich tus trotzdem!

Erstmal finde ich es sehr mutig von dir, dass du diesen Weg geschafft hast, denn sowas kostet schonmal eine große Überwindung!
Zu dem, was er gesagt hat, kann ich allerdings wenig sagen, weil ich keine Spezialistin für sowas bin. Aber ich denke, dass du erstmal den rat eines zweiten SPEZIALISTEN einholen solltest, denn oftmals kommt es vor, dass der zweite etwas ganz anderes vorschlägt und so eröffnen sich einem neue Wege und Möglichkeiten!

Die Frage ist jetzt: was nun???

Die Entscheidung mußt du allein für dich treffen!

Liebe Grüße

PS: wie gesagt…du kannst auch mich jederzeit wieder anmailen!

Stop
Hey,

Die Zeit auf einen Termin bei einem Psychologen zu warten (6 -
8 Wochen) habe ich leider nicht mehr…

wieso nicht ? Was läuft dir denn weg ?

Ich denke das war es dann wohl. Ciao…

Danke für die Hilfe.

Ich denke, das war erste der Anfang. Warum nicht weiter gehen und abwarten, was passiert ?

lieben Gruss
Marion

Du kannst nicht ewig weglaufen (owt)

Hallo Oliver,

wenn ein Patient die Frage nach Suizidalität bejaht, so ist von einer lebensbedrohlichen Erkrankungsstiuation auszugehen, deren Akutphase mittels geegneter Therapie überwunden werden muß. Lege artis bietet sich hier eigentlich nur eine stationäre Aufnahme mit antidepressiver Therapie an. Erst wenn durch diese Akuttherapie der Patient stabilisiert ist, kommen alle anderen nichtpharmakogischen Methoden in Frage.

Eine ambulate Therapie ist insbesondere deshalb hakelig, weil Antidepressiva erst mit einigen Wochen Zeitverzögerung ansprechen. Manche steigern sogar initial das Selbsmordrisiko. Deshalb ist in dieser ersten Zeit eine Zusatztherapie mit Beruhignungsmitteln nötig. Nimmt der Patient diese nicht, z.B. weil es für ihn „keinen Sinn“ macht (Gefühl der Sinnlosigkeit ist ja typisch für depressive Erkrankungen), so wird die Gefährdung nur noch größer.

Ein Kliniker begeht also streng genommen einen Kunstfehler, wenn er einen suizidalen, aber nicht einsichtigen Patienten wieder nach Hause gehen läßt. Auf der anderen Seite steht eben, daß der „Hammer“ der Zwangseinweisung schon ein ziemlich großer ist. Durch einen Verzicht wird die Erkrankung aber nicht besser.

Stage Zero, womöglich wäre es erstmal das beste für Dich, Du würdest Dir eine kleine „Auszeit“ in der Klinik gönnen. Bitte habe keine Angst vor sozialen Stigmatisierungen, Du wirst sehen, die Leute dort sind die normalsten der Welt. Antidepressiva sind sowieso nach den Herz-Kreislaufmitteln die am häufigsten verordneten Medikamente. Und das Angebot guter Kliniken geht nach der Akutphase weit über das Verordnen von Medikamenten hinaus. Dein Umfeld muß und wird nicht erfahren, in welcher Art von Klinik Du warst.

viele Grüße,

Oliver

Hallo…

denn jetzt geht es doch erst los. Ich weiss wie nervig dies
ist…aber auch Du wirst das Glück haben, einen guten
Therapeuten zu finden.

Warum magst Du in keine Klinik, scheiß Kontrolle, ich weiss.
Vielleicht aber ist es nur am Anfang schlimm. Und gehen darfst
Du jederzeit. Dies ist kein Gefängnis. Dies ist Hilfe.

Ich hab mich sogar einweisen lassen, um eine Therapie für mein
Kind zu bekommen und was glaubst Du, was ich für einen Rabatz
gemacht hab, um nach 2 Stunden wieder rauszukommen. Kein
Problem! Aber es war eine Erfahrung, die mir die Angst genommen hat vor solchen Einrichtungen.

Na ja, ich hab mein Mantra für mich gefunden, erstmals, die
Psychol. hat es aufgeschrieben und ich lese…weil ich anfangs
nicht reden konnte.

Du weisst doch, wir sind Meister darin, uns selbst weh zu tun.
Du körperlich, ich seelisch. Egal! Es gibt den Weg da raus, besser den Umweg. Es kann eine Unterbrechung des „normalen“
Irrtums sein.

Ich würde Dir so wünschen, Du könntest es verstehen, aber ich weiss auch, wie lange ich gebraucht hab.

Und bin immer noch hier…auch und besonders jetzt für Dich.

Liebe Grüße
Dilarah

War heute bei einem Neurologen und habe ihm von meinen
Suizidgedanken erzählt in der Hoffnung irgendeine Hilfe zu
bekommen. Lange Rede, kurzer Sinn:

Er meinte eine psychotherapeutische Behandlung sei auf jeden
Fall erforderlich und stuft mich als hochgradig gefährdet ein

  • da ich aber selbst zu ihm gekommen bin, konnte er nichts
    gegen meinen Willen tun.
    Er schlug mir die medikamentöse Behandlung sowie die
    stationäre Aufnahme vor - das scheidet jedoch beides für mich
    aus.
    Er versicherte mir, daß in meinem Stadium kein Therapeut ohne
    eine stationäre Aufnahme oder zumindest eine ausgedehnte
    medikamentöse Behanldung die Verantwortung für so ein Vorhaben
    übernehmen würde.

Die Frage ist jetzt: was nun???

Hallo Oliver,

Hallo zurück - aber ich bin nicht Oliver! Ich bin der Captain!

wenn ein Patient die Frage nach Suizidalität bejaht, so ist
von einer lebensbedrohlichen Erkrankungsstiuation auszugehen,
deren Akutphase mittels geegneter Therapie überwunden werden
muß.

Stimme zu - nur der Erkrankungsbegriff ist zu diskutieren.

Lege artis bietet sich hier eigentlich nur eine
stationäre Aufnahme mit antidepressiver Therapie an. Erst wenn
durch diese Akuttherapie der Patient stabilisiert ist, kommen
alle anderen nichtpharmakogischen Methoden in Frage.

Äh - wie kommst Du auf Depressivität? Es gibt eine ganze Reihe psychischer Störungen, die Suizidalität mit sich bringen (können).
Und wie gelangst Du zu der Hypothese, daß eine antidepressive Therapie per se pharmakologisch ist? Nach den Studien und Erfahrungen des Klinikalltags ist diese als alleinige Therapie gerade bei der Depression nicht sinnvoll, wenn nicht mindestens zugleich auch eine psychologische Intervention einsetzt. Denn sonst lernt der Patient nur eine Pille zu nehmen - langfristige Wirkungen sind dann nicht zu erwarten, nur Abhängigkeit.
Übrigens: Du gehst davon aus, daß der Poster depressiv ist, doch davon hat er nichts geschrieben - was wäre denn nun, wenn er eine andere psychische Erkrankung hat, bei der dann antidepressive Medikamente einen äußerst nachteiligen Effekt haben? Wenn Du z.B. einem Schizophreniepatienten (bringt auch häufig Suizid mit sich und kommt in den Suizidraten der Major Depression fast gleich) bestimmte Antidepressiva verabreichst, löst Du psychotische Schübe aus - genialer Ratschlag mit dem Pharma-Hammer über Antidepressiva dann zu reagieren. Eine medikamentöse Behandlung ist erst nach einer genauen Diagnostik angezeigt, und dann ist eine Wirkung nur in Verbindung mit Psychotherapie bei dann wieder ausschleichenden Dosen nach bestimmten Regeln sinnvoll (bei depressiven Störungen). Wie gesagt - sonst lernt der gestörte Patient zwar, eine Pille zu nehmen, aber die Behandlung seiner Störung ist dies nicht.

Eine ambulate Therapie ist insbesondere deshalb hakelig, weil
Antidepressiva erst mit einigen Wochen Zeitverzögerung
ansprechen.

Antidepressiva - wenn Du sie denn unbedingt willst - wirken tatsächlich erst nach mehreren Wochen. Allerdings schmälert dies nicht die Wirkung von Kurzzeitinterventionen oder auch ambulanten Therapien, wie gut belegt ist. Ein Ziel ist doch, daß der Patient sich wohl fühlt - denn ansonsten kann Reaktanz und Non-Compliance entstehen. Wenn ein Patient sich eben wohler fühlt bei einer ambulanten Therapie, dann ist dem eben so - allerdings stimme ich Dir zu, wenn Du meinst, daß eine abdeckende Beobachtung des Patienten bei Suizidenten sinnvoll wäre.

Manche steigern sogar initial das
Selbsmordrisiko.

Oh, das war mir gar nicht bekannt - vielleicht kannst Du mich mal anschreiben und mir die entsprechenden Medikamente nennen, sowie ihre jeweilige Wirkung. Möglich, daß Du den Schlüssel zur Biochemie der Suizidalität bei Dir im Schrank hast? Kennst Du den entsprechenden Nature-Artikel?

Deshalb ist in dieser ersten Zeit eine
Zusatztherapie mit Beruhignungsmitteln nötig. Nimmt der
Patient diese nicht, z.B. weil es für ihn „keinen Sinn“ macht
(Gefühl der Sinnlosigkeit ist ja typisch für depressive
Erkrankungen), so wird die Gefährdung nur noch größer.

Von den „Beruhigungsmitteln“ ist v.a. aus klinischer Sicht größter Abstand zu nehmen - es sei denn, der Patient ist so agitiert, daß er ruhiggestellt werden muss, was eigentlich nur (bei Deiner These von bei Suizidalität per se vorliegender Depression) dann eigentlich nur bei der sehr seltenen agitierten Depression vorkommen dürfte. Aber ich bin nicht überzeugt davon, daß man dem Patienten zuallererst einmal, bevor mit ihm eine psychotherapeutische Behandlung begonnen wird, der Pharmahammer mit Antidepressiva verabreicht und zugleich mit Beruhigungsmitteln (wegen Nebenwirkungen [die ich in dieser Form überhaupt nicht kenne] der Pharmhammer wieder nivelliert werden soll.

Antidepressiva sind sowieso nach den Herz-Kreislaufmitteln die
am häufigsten verordneten Medikamente.

Nicht ganz, eher Beruhigungsmittel, bevor dann Schmerzmittel kommen… aber alleine diese Aussage spricht nicht für die Verwendung bestimmter Pharmaka. Bedenke bitte, daß ein böser Mensch auch sagen könnte, daß Haschisch eine der am häufigsten genommenen Drogen ist…

Der Captain

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(Noch) Nicht als Experte, sondern vielmehr als ehemals „Betroffener“ kann ich Dir folgendes mit auf den Weg geben:

Die Ratschläge, welche „Captain“ gegeben hat, scheinen mir jetzt vor allem im Nachinein einer langen und beschwerlichen Krankheitsgeschichte ziemlich gut.

Ich war z.B. viele lange Jahre bei einem Psychiater und Neurologen in Behandlung, wo ich zwar mit Medikamenten behandelt wurde und auch stets meine (umfangreichen) Beschwerden schildern konnte, aber gebracht hat das nicht viel.

Am Ende bin ich dann in eine Klinik gegangen (trotz aller Vorbehalte und aus der Erwägung heraus, daß es ja eh nicht mehr schlimmer kommen könnte), gebracht hat dies auch nicht viel - mit der Ausnahme, daß ich die Vorteile der psychologischen Betreuung schätzen gelernt habe!!!

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß der Abtand vom Psychologen zu seinem Patienten nicht so groß ist wie bei einem Psychiater, so daß man mehr Anteilnahme spürt.

Zu Deiner konkreten Situation: Sämtliche Vorbehalte gegen einen Klinikaufenthalt sind überflüssig. Soziale Nachteile hat man dadurch nicht, und man erlebt wenigstens einmal, daß die Probleme, die einen dorthingebracht haben, als Problem verstanden werden und man nicht in Gefahr läuft (wie häufig im richtigem Leben), daß diese seelischen Verletzungen als Bagatelle abgetan werden (es blutet ja nichts).

Um das einmal kennenzulernen - auch daß solche Verletzungen ganz normal sind und daß es unheimlich viele Betroffene gibt, und auch ganz viel Hilfe für die Betroffenen - ist schon eine wertvolle Erfahrung, die eine Klinik bietet.

Solltest Du dennoch das nicht in Betracht ziehen wollen, ist tatsächlich der Besuch eines Psychologen empfehlenswert (und ich sage das nicht bloß, weil ich jetzt angefangen habe, Psychologie zu studieren und einmal einer werden möchte… ).

Einige Psychologen bieten auch Gruppentherapien zusätzlich zu einer Einzeltherapie an, da trifft man dann ebenfalls auf andere Betroffene, was einem sehr hilfreich ist, auch mit den eigenen Problemen klarzukommen.

Darüber hinaus gibt es in (fast) jeder Stadt auch städtische Anlaufstellen, notfalls über das Gesundheitsamt - aber häufig ist - glaube ich - ein psychologischer Dienst präsent, welcher einem gute Hinweise und Tips geben kann, welche Möglichkeiten man hat. Der Vorteil: diese Dienste sind kostenlos und unverbindlich - man hat also keinerlei Schwierigkeiten mit Krankenversicherungen o.ä.

Um sich ein umfangreiches Angebot über mögliche Alternativen zu verschaffen, ist es also gar nicht schlecht, möglichst viele Meinungen einzuholen, damit DU DIR am Ende dann etwas aussuchen kannst, was DIR am ehesten entspricht.

Viel Glück!
Grüße
Patrick