(Noch) Nicht als Experte, sondern vielmehr als ehemals „Betroffener“ kann ich Dir folgendes mit auf den Weg geben:
Die Ratschläge, welche „Captain“ gegeben hat, scheinen mir jetzt vor allem im Nachinein einer langen und beschwerlichen Krankheitsgeschichte ziemlich gut.
Ich war z.B. viele lange Jahre bei einem Psychiater und Neurologen in Behandlung, wo ich zwar mit Medikamenten behandelt wurde und auch stets meine (umfangreichen) Beschwerden schildern konnte, aber gebracht hat das nicht viel.
Am Ende bin ich dann in eine Klinik gegangen (trotz aller Vorbehalte und aus der Erwägung heraus, daß es ja eh nicht mehr schlimmer kommen könnte), gebracht hat dies auch nicht viel - mit der Ausnahme, daß ich die Vorteile der psychologischen Betreuung schätzen gelernt habe!!!
Meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß der Abtand vom Psychologen zu seinem Patienten nicht so groß ist wie bei einem Psychiater, so daß man mehr Anteilnahme spürt.
Zu Deiner konkreten Situation: Sämtliche Vorbehalte gegen einen Klinikaufenthalt sind überflüssig. Soziale Nachteile hat man dadurch nicht, und man erlebt wenigstens einmal, daß die Probleme, die einen dorthingebracht haben, als Problem verstanden werden und man nicht in Gefahr läuft (wie häufig im richtigem Leben), daß diese seelischen Verletzungen als Bagatelle abgetan werden (es blutet ja nichts).
Um das einmal kennenzulernen - auch daß solche Verletzungen ganz normal sind und daß es unheimlich viele Betroffene gibt, und auch ganz viel Hilfe für die Betroffenen - ist schon eine wertvolle Erfahrung, die eine Klinik bietet.
Solltest Du dennoch das nicht in Betracht ziehen wollen, ist tatsächlich der Besuch eines Psychologen empfehlenswert (und ich sage das nicht bloß, weil ich jetzt angefangen habe, Psychologie zu studieren und einmal einer werden möchte… ).
Einige Psychologen bieten auch Gruppentherapien zusätzlich zu einer Einzeltherapie an, da trifft man dann ebenfalls auf andere Betroffene, was einem sehr hilfreich ist, auch mit den eigenen Problemen klarzukommen.
Darüber hinaus gibt es in (fast) jeder Stadt auch städtische Anlaufstellen, notfalls über das Gesundheitsamt - aber häufig ist - glaube ich - ein psychologischer Dienst präsent, welcher einem gute Hinweise und Tips geben kann, welche Möglichkeiten man hat. Der Vorteil: diese Dienste sind kostenlos und unverbindlich - man hat also keinerlei Schwierigkeiten mit Krankenversicherungen o.ä.
Um sich ein umfangreiches Angebot über mögliche Alternativen zu verschaffen, ist es also gar nicht schlecht, möglichst viele Meinungen einzuholen, damit DU DIR am Ende dann etwas aussuchen kannst, was DIR am ehesten entspricht.
Viel Glück!
Grüße
Patrick