Hi Zorro,
ich wollte Dich gerade schon bitten, doch im Brett Religion zu posten, aber als ich dann genauer las, sah ich, daß Dich wirklich die psychologische Sicht interessiert. Also gut. 
Es ist für uns Menschen in vielen Dingen so, daß etwas uns erst dann real erscheint, wenn wir es ausprechen bzw. ausgesprochen hören. Darum wollen manche Menschen von ihrem Partner hören , daß er sie liebt, es reicht ihnen nicht, es zu wissen. Dadurch, daß wir etwas aussprechen, fühlt es sich realer an.
So ist es m.E. auch mit dem Aussprechen des Segens in der Kirche.
Ich gehe recht regelmäßig in die Kirche. Und ich muß sagen: Obwohl ich sicher bin, daß Gott auch auf mich acht gäbe, wenn ich nie einen Fuß in die Kirche setzte, so ist doch das Segnen am Ende des Gottesdienstes ein schönes und kraftspendendes Ritual. Es ist einfach schön und tröstlich, dieses Ritual regelmäßig zu erleben und mir einfach noch einmal bewußt zu machen , daß ich diesen Segen einfach habe.
So wie ich meinem Sohn jeden Abend beim Gutenacht-Kuß sage: „Schlafe gut, ich habe Dich immer lieb“. Ich habe ihn auch lieb, wenn ich das nicht sage. Aber ich sage es jedes Mal, nur damit er und ich es noch einmal hören. Es ist uns ein wichtiges Ritual.
Unser Sohn ist in der Kirche gesegnet worden - und nicht getauft. Ich wollte ihn nicht taufen lassen, weil ich der Meinung bin, daß er das, wenn er alt genug ist, selbst entscheiden soll. Vielleicht möchte er dann lieber Buddhist werden oder keine Taufe haben. Wer weiß?
Trotzdem war die Feier und das Ritual des Segnens für uns sehr schön, das Aufnehmen in die Gemeinschaft, das Aussprechen des Segens.
Der Segen ist ein Ritual, daß uns an etwas erinnert - nicht eines, daß eine Realität erschafft.
Glaube zumindest ich. 
Liebe Grüße,
Nike