Was passiert wenn ein Alkoholiker spontan

… keinen Alkohol mehr bekommt?

Also, wenn er jetzt nen Unfall hat und mit Beinbruch oder so ins normalen Krankenhaus kommt!
Wenn er vorher die ganze Zeit jeden Tag getrunken hat und plötzlich kein Alkohol mehr bekommt!
Muß man das den Ärzten sagen und wie stellt sich ein normales Krankenhaus darauf ein?
Geben die einem sofort Medis gegen den Entzug und wird man dann automatisch nach der Behandlung in die Psychiatrie zur Entgiftung verlegt, oder zählt die Zeit, in der man dann ohne Alkohol seinen Beinbruch behandelt, auch schon als Entgiftung?
Habe mal ein Krankenhaus bei mir in der Nähe angeschrieben und die sagten, das die nur Patienten mit akuter Alkoholintoxikation behandeln und dann zur Entgiftung in die Psychiatrie verlegen!
Muß man mit der verlegung einverstanden sein oder können die Ärzte von einem normalen Krankenhaus das einfach so entscheiden!
Soviele Fragen und hoffentlich ein paar hilfreiche Antworten!
Danke!

Den Arzt unbedingt ins Vertrauen ziehen, da durch kalten Entzug ein Alk. ins Koma fallen kann. Es gibt Medikamente, die den Entzug erleichtern. Allerdings kommt man dann auf eine Wachstation. Durch ein Fenster muss der Patient beobachtet werden, damit rechtzeitig geholfen werden kann (Delirium oder Koma). Die Verlegung auf eine Station wo Fachleute arbeiten ist vom Vorteil für den Patienten, aber auch nur mit seinem Einverständnis möglich. Eine Entgiftung in einem Zimmer mit anderen Patienten (z. B. auf der Chirugie) ist für die anderen Patienten nicht zumutbar. Der Alk. ist unruhig und braucht ständig Kontrolle. Die Entgiftung versetzt den Alk. in schmerzliche Abläufe mit Wutanfällen, Weinen, Stöhnen, etc. Für ihm ist ein geschützter Raum mit Patienten mit gleichem Problem besser, da er sich auch schämt für seine Abhängigkeit.

Das Problem hast du sehr gut erkannt J . Glaube mir aber, ein Säufer wird wegen einem Beinbruch keinen Entzug oder gar Therapie anfangen. Solange er in der Klinik bei Bewusstsein ist, wird er einen Weg finden. Schau dich in den Kliniken mal um, dort wird oftmals viel zu viel getrunken. Für mich kennt das Klinik- Personal dieses Problem nur all zu gut. Kein Mensch wird dort versuchen dich zu ändern. Kenne sogar eine Klinik wo du in dem Fall Freibier bekommst.
Ein Risiko besteht trotzdem, wenn das Personal die Anzeichen von der Abhängigkeit nicht erkennt und der Betroffene diesen Klinikaufenthalt als Sprungbrett nützen wollen würde. Wenn der Entzug ohne Fachpersonal unbeaufsichtigt erfolgt ist das Lebensgefährlich. Oftmals konnten die Abhängigen das vorher noch recht gut, irgend wann reagiert der Körper aber auf diesen Entzug stärker und es kann zu dem „dremes Delierium“ kommen. Auch kommt es oft vor, dass man die berühmt berüchtigten „weißen Mäuse“ sieht.
Ich kenne von meiner Gruppe mehrere Leute, die so etwas erleben mussten. Das blieb mir als „Quartalsäufer“ zum Glück noch erspart.
Somit kann ich jedem nur raten, in der Klinik mit offenen Karten zu Spielen. Die Ärzte kennen das Alkoholproblem in unserer Gesellschaft viel besser als wir vermuten. Eine Entgiftung würde ich nur in einer Fachklinik durchführen. Darum würde ich sogar sagen, bis der Beinbruch verheilt ist, weiter Saufen… Auch die paar Wochen kommt es nach so vielen Jahren auch nicht mehr an.
Noch besser wäre natürlich dem Klinikpersonal mitzuteilen, wenn man zeitgleich eine Entwöhnung aus eigenen Stücken versuchen möchte. Hier ist es äußert wichtig sehr viel Getränke bereit zu stellen. Somit wäre man beim Selbstversuch sogar unter Aufsicht. In meiner Gruppe haben über die hälfte der Leute weder eine Therapie noch eine Entgiftung beansprucht. Wer es sich fest vorgenommen hat sollte aber unbedingt eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. In den 14 Jahren, in denen ich jetzt trocken bin (ohne Entgiftung und Therapie) habe ich das als den wichtigsten Punkt erkannt.
Hört sich so an, als wäre die Gruppe eine art Strafe, oder Schule… Ich gehe für mein Leben gerne dort hin. Es ist wie Stammtisch, oder Kaffeeklatsch J .Man muss halt die richtige Selbsthilfegruppe finden!
So, jetzt bin ich vom Thema ganz schön weit weg gekommen.
Erste Frage, will der Betroffene überhaupt aufhören? Das geht aus deiner Frage nicht hervor. Wenn nicht, dann würde ich an deiner Stelle eine Selbsthilfegruppe aufsuchen, in der auch Co- Abhängige kommen können. Hier kannst du dir alle Ratschläge einholen um dem Betroffenen Fachgerecht zu helfen.
Jetzt noch ein kleiner Tipp: Lass den Betroffenen selber nach der Entzugsklinik etc. suchen, er muss es angehen. Bitte ihn nicht an der Hand führen. Selbst Fachkliniken lassen meines Erachtens Betroffenen am langen Arm erst mal hängen. Damit klar wird ob die es auch sicher angehen wollen.
Wenn jemand nicht will, nützt auch die beste Klinik nichts. Oftmals muss erst der Tiefpunkt erreicht werden. Dieser ist bei jedem Menschen anders…Bei mir war der Schlüssel die Familie J

Falls du noch Fragen hast, melde dich einfach noch mal.
Eines muss ich aber noch mal erwähnen: Bitte auf keinen Fall ohne Arzt eine Entgiftung selber versuchen. So etwas kann tödlich enden.

Gruß
Michael