eigentlich weiß ich ja was bedingte reflexe sind. erlernte automatische bewegungsabläufe. die sozusagen auf knopfdruck abgerufen werden können bzw. durch einen reiz. zb das gehen, klavierspielen, schreiben usw. neulich habe ich gelesen dass das autofahren auch ein bedingter reflex ist. irgendwie habe ich meine probleme damit. ich fahre doch bewußt auto. aber eigentlich gehe ich ja auch bewußt. und alle anderen bedingten reflexe tue ich doch auch bewußt. wie kann das ein bedingter reflex sein? ich stell mir nen bedingten reflex immer so vor, wie bei einer maschine, man drückt nen knopf und die bewegung wird ausgeführt.
mit dieser und anderen fragen beschäftige ich mich schon seit jahren. und muss immer wieder drüber nachdenken.
mfg sebastian
'Nen bischen gehässig und bestimmt etwas off topic: ich denke die meisten Kommunikationsformen bestehen aus dem Austauch von bedingten Reflexen, sowie eigentlich jedes gesellschaftliches Verhalten. Das Interessante und Neue entsteht nur dadurch dass unser Bewußtsein nicht ausreicht um uns in unserer Tretmühle selbst zu erkennen bzw. dass das Gedächtnis mit der Denkfähigkeit verwechselt wird. Manch einer braucht vielleicht auch das Sicherheitsgefühl…
klingeling 
T.
das autofahren auch ein bedingter reflex ist. irgendwie habe
ich meine probleme damit. ich fahre doch bewußt auto.
Sicher tust Du das, Sebastian,
aber überlegst Du Dir jedesmal beim Schalten den erforderlichen Bewegungsablauf? Denkst Du jedesmal darüber nach, welche Fußbewegung Du zum Bremsen oder Gasgeben machen mußt?
Gerade dies ist ja der Vorteil konditionierter Reflexe, dass sie das Oberflächenbewußtsein freimachen für die wirklich wichtigen Dinge: Beobachtung des Verkehrs (um beim Beispiel zu bleiben).
Grüße
Eckard
Klassische Konditionierung als Erklärungsprinzip
Hallo Sebastian,
„Autofahren“ und „Gehen“ sind Verhaltensweisen, die in mehrere Teilverhaltensweisen aufgegliedert werden können. Manche von ihnen sind sicherlich automatisiert und Klassische Konditionierung spielte sicherlich dabei eine Rolle. Ich halte es aber für eine wenig sinnvolle Dichotomisierung danach zu fragen, ob Autofahren als Gesamtverhalten ein „bedingter Reflex“ oder eine „bewußte“ Handlung ist. Deine Frage zu beantworten, wird nicht nur dadurch erschwert, daß die Begriffe je nach Forschungstradition unterschiedlich verstanden werden. Schon „Was ist ein Reflex?“ ist eine Frage, die zu unterschiedlichen Antworten führt. Auch die Bedingungen der Klassischen Konditionierung und der ihr zugrundeliegende Mechanismus (nicht mal neurophysiologisch gemeint) sind Forschungsfragen, die nicht restlos geklärt sind. Trotzdem versuchten die Reflexologie von Pawlow und seinen Schülern, der Klassische Behaviorismus von Watson und der Neobehaviorismus von Hull Verhalten vor allem mit Prinzipien der Klassischen Konditionierung zu erklären. Auch wenn dieser Versuch zumindest bei Hull relativ weit gediehen war, ist dieses Forschungsprogramm gescheitert. Alles Verhalten läßt sich nicht hauptsächlich mit Prinzipien Klassischer Konditionierung erklären, wohl aber manche Verhaltensweisen.
mit dieser und anderen fragen beschäftige ich mich schon seit
jahren. und muss immer wieder drüber nachdenken.
Wenn Du Dich näher mit den Ansätzen des Behaviorismus zum Verhalten beschäftigen möchtest, dann kannst Du Anregungen dazu auf meinen Psychologie-Seiten bekommen:
http://people.freenet.de/oliverwalter/Psychologie/ps…
Der Link zum Behaviorismus auf dieser Seite führt Dich zu einer Einführung in den Klassischen Behaviorismus, den Neobehaviorismus von Hull, Spence, Dollard und Miller sowie den Radikalen Behaviorismus von Skinner und Herrnstein. Die Seiten zur Systematischen Verhaltenstheorie von Hull könnten für Dich interessant sein, weil sie einen Einblick geben, wie Hull und sein Schüler Spence mit ihrer recht anspruchsvollen Theorie versucht haben, Verhalten v.a. mit Prinzipien der Klassischen Konditionierung und einem allgemeinen Triebkonzept zu erklären. Du findest auf den Seiten auch Links zu Orginalarbeiten einiger der genannten Autoren. Zu allen Inhalten kannst Du mir ggf. gern Fragen stellen.
Gruß,
Oliver Walter
Hi Sebastian
Man kann es auch phylogenetisch als sinnvoll betrachten… Wenn wir was Neues lernen, lernen wir es - anatomisch gesehen - über die Pyramidenbahnen. Wenn es uns dann „in Fleisch und lut“ üergegangen ist, wie das besagte Autofahren z.B., dann wird es nach „extra-pyramidal“ verlagert, so dass die Pyramidenbahn wieder als „Lernschiene“ frei wird.
Gruss, Branden
hiho
natürlich denke ich nicht jedes mal darüber nach. aber ich habe irgendwie probleme damit, dass einfach so als bedingten reflex darzustellen. so ungefähr ich setze mich ins auto und lege nen schalter um, und dann fahr ich los. mit den fussbewegungen als reflex kann ich mich anfreunden. aber auf der seite wo ich das gelesen habe, stand auch, dass das lenken ein bedingter reflex. das steht mit meinem selbsterlebten und erfahrungen völlig im widerspruch irgendwie. und dann habe ich einen konflikt mit mir selbst.
p.s.: guckt mal in folgenden link:
http://www.nurindeinemkopf.de/nidk_warum_c.html
rechts bei kurz gesagt. schon heftig.
hi oliver
danke für deine antwort. ich werde mir deine seiten mal in ruhe durchlesen. deine antwort war schon sehr hilfreich. ich glaube, mein problem ist, dass ich versuche von den theorien aus mein verhalten zu erklären. also ich habe die theorie und versuche dann mich selber da irgendwie „unterzubringen“ die begriffe bedingter reflex habe ich irgendwann mal in der schule gelernt. und versuche das denn auf mich anzuwenden. und dann habe ich den schon bekannten konflikt. wieso ist das gehen oder autofahren ein bedingter reflex? es ist glaube ich besser, mein verhalten als gegeben so wie es ist hinzunehmen, und dann zu versuchen es mit theorie nachzuvollziehen.
ob ich mich wirklich näher damit beschäftigen möchte, weiß ich selber nicht. es ist irgendwie wie ein zwang diese fragen zu beantworten. siehe auch meinen beitrag " ich denke zu viel".
aber irgendwie fühl ich mich besser wenn ich drüber schreibe und auch antworten bekomme.
Hallo Sebastian,
also ich habe die theorie und
versuche dann mich selber da irgendwie „unterzubringen“
ja, das kenne ich gut. Allerdings bin ich in der günstigen Lage, flexibel Theorien auf mein Verhalten anwenden zu können und nicht nur eine Theorie zu benutzen. Denn manche Theorien sind für manche Bereiche gut geeignet, für andere weniger. Beim Autofahren z.B. würde es Dir helfen, wenn Du das Verhalten feiner gliederst und dann auf die verschiedenen Teilkomponenten verschiedene Theorien anwendest.
die
begriffe bedingter reflex habe ich irgendwann mal in der
schule gelernt. und versuche das denn auf mich anzuwenden. und
dann habe ich den schon bekannten konflikt.
Daher ist es wichtig, mehrere Theorien und ihre Vor- und Nachteile zu kennen.
es ist glaube ich
besser, mein verhalten als gegeben so wie es ist hinzunehmen,
und dann zu versuchen es mit theorie nachzuvollziehen.
Auf jeden Fall. Ich halte es da mit B.F. Skinner: „The organism is always right.“ Damit wollte Skinner sagen: Wenn die Theorie nicht auf das Verhalten paßt, ist es Pech für die Theorie.
ob ich mich wirklich näher damit beschäftigen möchte, weiß ich
selber nicht. es ist irgendwie wie ein zwang diese fragen zu
beantworten. siehe auch meinen beitrag " ich denke zu viel".
Zu dem Thema habe ich nichts geschrieben, weil Du schon einige wertvolle Antworten bekommen hattest. Mein Eindruck ist, daß es besser ist, daß Du Dich mit einem Thema auseinandersetzt und dann eine Pause machst, anstatt daß ein Thema Dich beschäftigt und nicht mehr los läßt. Also: Du solltest die Kontrolle über Deine Gedanken haben und sie nicht an irgendwelche Dinge abgeben. Daran zu arbeiten, halte ich für extrem wichtig.
Beste Grüße,
Oliver Walter
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Wiedermal einige Randbeberkungen vom nicht Psychologen:
es ist glaube ich
besser, mein verhalten als gegeben so wie es ist hinzunehmen,
und dann zu versuchen es mit theorie nachzuvollziehen.
Ich habe mein Selbst auch zur Tabuzone erklärt, ich kann es beschreiben aber ich hüte mich vor Analysen. Problem dabei ist bei mir dass ich mich als unausgebilderter mal fürchterlich verannt habe und psychologisieren deswegen bei mir extrem negativ besetzt ist. Ich hab mich daraufhin auf meine Eigenverantwortung und Handlungsfähigkeit fixiert, was mir einfach nur gut tut. Ich denke auch dass du dich auf jeden Fall mit den Fragen beschäftigen solltest.
ob ich mich wirklich näher damit beschäftigen möchte, weiß ich
selber nicht. es ist irgendwie wie ein zwang diese fragen zu
beantworten. siehe auch meinen beitrag " ich denke zu viel".
aber irgendwie fühl ich mich besser wenn ich drüber schreibe
und auch antworten bekomme.
Ich sach ja, ich denke das sind bei dir einfach nur unterdrückte Potentiale, gib ihnen vernünftig Raum und es wird dir sicher gut damit gehen…
Nochwas zum bedingten Reflex, der Witz dabei war ja dass der Köter auch sabbert wenn die Klingel nur geläutet wurde und kein Futter vorhanden war. Ich denke nicht das Autofahren ein bedingter Reflex ist. Niemand wird versuchen auf die Bremse zu treten oder auch nur eine Ansträngung unternehmen diesen Impuls zu unterdrüchen, nur weil er auf ein Stopschild zugeht. Ich denke es sind einfach eingeübte automatische Verhaltensweisen die untrennbar von dem Kontext sind und eine höhere Komplexität und Flexibilität aufweisen, und dies trifft auf einen bedingten Reflex nicht zu.
T.
hi oli
deine antworten bringen mich echt weiter. ich glaube, es ist doch besser sich tiefgründig mit meinen fragen zu beschäftigen, um wieder ein wenig ordnung in meine gedankenwelt zu bringen. sonst kommen sie doch irgendwann wieder.
am besten fand ich diesen satz hier: „Wenn die Theorie nicht auf das Verhalten paßt, ist es Pech für die Theorie.“
das ist auch für mich die richtige einstellung. wie ich schon sagte, ich versuche /versuchte die theorie auf die realität anzuwenden.
momentan gucke ich mir irgendwelche bewegungsabläufe an, und überlege ob das ein bedingter reflex ist*g* zb das kauen, schuhe zu binden usw. demnach müsste ja fast jede bewegung ein bedingter reflex sein. aber ich glaube ich bin schon wieder auf dem falschen weg. *g*
mfg sebastian