Was sind Graumärkte?

Was versteht man unter Graumärkte??

Der Begriff „Graumarkt“ (wie auch „Vorbörslicher Handel“ oder „Handel vor Erscheinen“) bezeichnet den Handel mit noch nicht an der Börse gelisteten Titeln vor Abschluss der Zeichnungsfrist. Dabei wechseln die Rechte auf Aktien den Besitzer – eine Art Termingeschäft, weil die ge- und verkauften Papiere ja noch nicht existieren. Hier liegt der Unterschied zum Grauen Kapitalmarkt, auf dem oft Aktien gehandelt werden, die
möglicherweise nie an die Börse kommen.

Graumarkthandel ist nach amtlichem Handel , geregeltem Markt und
Freiverkehr der Bereich mit dem geringsten Anlegerschutz, denn er unterliegt nicht den strengen Regeln der Börsenaufsicht. Dies könnte sich in Zukunft ändern, doch müsse eine Neuregelung im internationalen Rahmen erfolgen, so das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel.

Geschäfte am Graumarkt entwickeln sich, nachdem die Preisspanne
(Bookbuilding) für die Emission eines Aktienneulings feststeht, die Grunddaten des Börsengangs also bekannt sind. Dann bilden Freimakler wie Lang & Schwarz oder die Berliner Freiverkehr (Aktien) Handel AG eine erste Taxe und Investoren erteilen Kauf- bzw. Verkaufaufträge. Die Kontobelastung folgt erst nach dem Börsengang.

Der Freimakler vermittelt nicht einfach (wie ein Börsenmakler) zwischen Angebot und Nachfrage, sondern nimmt die angebotenen Aktien in seinen Bestand. Mit seiner Taxierung versucht er, den Markt zu „treffen“. „Ob der erste Preis zu günstig oder zu teuer war, wissen auch wir nur nachträglich“, räumt Schnigge ein. Kommt kein Geschäft zu Stande, verändert der Freimakler so lange den Preis, bis ge- und verkauft wird. Kritiker warnen, dass bei der Taxenbildung Manipulationen nicht auszuschließen seien.

Viele Privatanleger meinen, bei überzeichneten Neuemissionen biete der vorbörsliche Handel eine Chance, begehrte Anteilscheine unabhängig von Zuteilungsquoten zu ergattern. Doch dies ist eine riskante Strategie: Die Graumarktkurse liegen oft über den ersten offiziellen Börsenkursen.
Frank Szillat von Instock nennt als Faustregel: „Bei guter Börsenstimmung ist die Graumarkttaxe ungefähr doppelt so hoch wie die Bookbuildingspanne.“ Für Privatanleger gebe es „immer ein Risiko und kaum Schnäppchen“.

Allerdings sei der Graumarkt für Kleinanleger eine Orientierungshilfe, die „zeigt, wie Aktien bewertet sein können“, meint Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Das Beispiel Infineon beleuchte aber das Risiko beim Graumarkthandel: Infineon wurde zu 34 Euro zugeteilt, der erste Kurs lag bei gut 70 Euro – doch im
vorbörslichen Handel kletterten die Taxen auf weit über 100 Euro.
Wer zu dieser Taxe einstieg, hat draufgezahlt. Kurz empfiehlt
Zurückhaltung: „Ich kann Privatanlegern vom Graumarkt nur abraten, und in Phasen nachlassender Börseneuphorie verliert er stark an seiner Faszination …“

Quelle Focus

http://finanzen.focus.de/D/DA/DAA/DAA56/DAA56A/daa56…