HI Stefan,
als ich das las, fiel mir spontan ein alter MitHausbewohner ein. Ich glaub, der ist noch krasser als Deiner. Er hat ZB mal gehört, dass ich kurz ein Ausweichzimmer im Haus suche (Renovierung) und sagte: Oh, komm doch zwei Monate zu mir. Total lieb und fröhlich. Ich tat das, auch, wenn er ziemlich viel Geld wollte. Schon als er sein kleines Zimmerchen für mich halb leerte, musste ich merken, dass ich dankbar zu sein hatte, dass ich nicht im vollen Zimmer wohnen muss. Abends war er sauer, dass ich mein Geld immer einschließe. Er hatte gleich alles angucken und anfassen müssen. Wenn ich Essen mitbrachte, bot ich ihm nett was an und er mäkelte: Billigzeug. Er selbst … na ja… er klaut wohl lieber. Als ich wie so oft in der Küche saß, schnauzte er sehr böse rum, dass ich die Küche eigentlich nicht betreten dürfe, die hätte ich nicht gemietet! (Was is n das für ne WG - ???Ts!) Und ich müsse dankbar sein, dass ich durch den Flur gehen darf, den hätte ich auch nicht gemietet. Ich wäre ein unmögliches Wohlstandskind, das alles geschenkt nimmt.
Aber Geld nahm er gern für das Zimmer - und später (ich blieb nur 1 Monat)hörte ich, dass er die Wohnung besetzt hält, nichts zahlt und auch keine Nebenkosten zahlt - das gesamte Haus finanzierte ihn quasi mit. Er stand dann oft im Garten und befahl uns, wie wir was zu tun hätten, hetzte uns gegeneinander auf und schrie, dass nur Ordnung hier ein gutes Klima schaffen würde. Es lief immer gleich ab: Er kam, voll GUTEN Herzens, sagte: Wollen wir nicht mal… (und dann auch echt gute Sachen - Keller leeren, Strom im Haus sparen etcetc) - aber wehe, einer hatte die Idee, das anders zu machen. Zudem fand er, jeder denke nur an sich - aber wir merkten schnell, dass er überall wo es nur ging, Sonderrechte für sich rauszuhandeln, rauszuzwingen versuchte. Keiner durfte eine Tüte im Flur stehen haben (das Haus soll schön sein) - und er stopfte Sperrmüll in alle Ecken und Winkel.
Einmal erwischte ich ihn, wie er mein Rad klauen wollte. Ich verbot es ihm, und später war es weg. Ich erwischte ihn mit dem Rad, schleppte ihn vor Gericht, mir richte es nämlich - und er erwartete Verständnis und Mitleid. Wollte sogar von mir, dass ich vor dem Richter lieb tat, damit er gut wegkommt. Er wollte doch nur… und stellte sich vor dem Richter als Opfer dar, weil ich so grausam wäre. Er wurde bestraft, Geldstrafe, und seitdem fehlen immer mehr Dinge im Haus.
undsoweiterundsoweiter - -
Also:
Ich kann wenig über seiner Vergangenheit sagen. Ich weiß nur: Er hat nie dazugehört. Er wollte immer Freunde und hat es nicht hingekriegt, weil jeder seine ewig massive Rechthaberei, seine Schreistimme, sein Monologisieren auf Dauer nicht aushält und weil er einfach - ja, ein Januskopf ist.
Ich glaube, es läuft so, dass er ehrlich Freude hat an guten Ideen und Anerkennung will, wenn er sie sagt und beschreibt. Und dann wird er totla wütend, wenn da andere Vorschläge kommen, ich denke, da läuft so was wie „Sehen die denn nicht, wie toll ich bin, verdammt! Jetzt mache ich mir solche Mühe, die Welt zu verbessern, und diese Luschen wagen es, das zu verwässern und mir nicht die Anerkennung für mein tolles Denken zu zollen!“ Das erinnerte mich etwas an Deinen Menschen. Diese extreme Selbstüberhöhung, die Welt zum „Guten“ zu ändern - und dann die Intoleranz, wenn jemand da nicht mitzieht.
Und bei „meinem“ gab es nocht: Ich habe so vie mehr verdient, weil ich besser bin als ihr alle - (das kam wohl aus der Kindheit) - und weil ihr das nicht rafft, muss ich es mir mit Gewalt nehmen, was mit zusteht. Klau…
Bei Deinen Worten dachte ich oft: Der scheint mit seinem Ich und seinem IchIdeal nicht klarzukommen. Er kam mir vor wie so ein Zerrissener zwischen eigenem Anspruch und tatsächlichen Bedürfnissen.
So kam mir das mit dem Saft vor. Er will sich Gutes gönnen (weil er sich mag oder toll findet?), dann kommt das Ideal (das ist Luxus, nix da) und dann das reelle Bedürfnis: Ich hab keinen Saft - möchte sooo gern. Dann pumpt er Dich an. Vielleicht entsteht ein „Dein Essen schmeckt scheiße“ aus diesem Zerwürfnis, dass er es isst, obwohl er nicht wollte und sollte und trotzdem…
Auch mit der Pizza - da kommt es mir auch vor wie zwei Seiten. (Aber welche…) Ich möchte Pizza backen. Toll! Ich auch. Und dann macht er irgend einen Kram und es wird nix draus - als würde er sich warum immer einen Berg vor das setzen, was er wollte. Und das WG Essen, das man doch machen könnte, hört sich an wie „ich will das so gerne!! Lass uns nochmal…“ - weil aus dem einen nix wurde. Zweiter Versuch - vielleicht kennt er es schon von sich, dass das evtl auch wieder nix wird?
O je, normalerweise schreibe ich präziser und nicht so ausschweifend. Sorry… ich habe erstmal so Einfälle kund getan.
Malna
Einfall dazu: