Man kann einfach erstmal zum Hausarzt gehen.
Kann man, allerdings mit dem schon geschilderten Vorbehalt, dass man damit rechnen muss, dass der damit nicht umgehen kann.
Man kann sich Antidepressiva verschreiben lassen.
Kann man nicht! Man geht grundsätzlich nicht zum Arzt, um dem zu sagen, was man für ein Medikament neu verschrieben bekommen will! Diese Einstellung ist schon grundfalsch, erst recht bei bisher nur erfolgter „Selbstdiagnose“.
Man warte drei Wochen, bis diese ihre Wirkung entfalten.
Und genau hier sind wir angesichts der im Raum stehenden Suizidalität in einem wirklich gefährlichen Bereich (den möglicherweise auch ein Hausarzt so nicht abschätzen kann): Wenn Suizidalität besteht, dann kann einfach ein nettes Pillchen (=Antidepressivum) und 3 Wochen zuwarten richtig nach hinten losgehen! Das ist nämlich eine Kombination (Suizidalität + Antidepressivum), die zwingend ein intensives Monitoring, wie das heißt, also eine engmaschige Betreuung in der Eingewöhnungsphase der ersten Wochen voraussetzt.
Gleichzeitig kann man sich an einen Psychologen / Psychater
wenden und/oder sich vom Hausarzt eine Überweisung geben
lassen.
Meiner Meinung nach wichtig: Wenn man sich erstmal in einer
Depression befindet, sich nicht von ‚irgendeinem Psychologen‘
einreden lassen, dass man ERST seine Lebenssituation verändern
muss. Den Antrieb dazu hat man nämlich inmitten einer
Depression nicht - daher sind Antidepressiva hier das Mittel
der Wahl.
Die beiden Ratschläge sind merkwürdig. Einerseits wird treffend festgestellt, dass der Antrieb in der Phase der mögicherweise schweren Depression nicht da ist - gleichzeitig aber der Tipp, „sich“ einen Pychologen zu suchen, was arbeitsintensives abtelefonieren langer Listen bedeutet. Das bedeutet natürlich nicht, dass man keinen Therapeuten braucht. Nur ist der Weg so ungeeignet.
Andererseits wird hier sehr unreflektiert Medikamentenfreundlich argumentiert, während die therapeutische Intervention schlecht weg kommt. Das kann nicht so stehen bleiben! Beides ist in dieser Phase wichtig.
Man sollte auch die Jahreszeit bedenken - SAD
(‚Winterdepression‘) schleicht sich in der grauen Jahreszeit
gerne mal bei dem ein oder anderen ein.
Nur weil es ein medienwirksames Phänomen mit einer griffigen Bezeichnung gibt und der Monat passt, muss der Rest nicht stimmen und stimmen auch nicht, wenn man den UP liest. So ein Hinweis ist geeignet, die Situation zu verharmlosen im Sinne von „Novemberblues“ haben viele, geht vorbei. Das birgt die Gefahr, dass sich dringend benötigte Hilfe nicht gesucht wird.