Was tun bei Depression?

Hallo zusammen
ich habe eine Frage: geht man in folgendem Fall besser zum Psychologen oder Psychiater -->
Selbstdiagnose Depression, Einsamkeit, Zukunftsängste, ständige Unruhe und Schlaflosigkeit, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit und rasche Stimmungsschwankungen, äußrest negative Lebensbilanz.
Johanniskraut überdosiert hilft nimmer.
Was für Folgen hätte eine Diagnose „suizidgefährdet“ auf diesen Menschen? Ist sein Arbeitsplatz gefährdet?

Vielen dank für Eure Hilfe zu diesem natürlich hypothetischen Fall
LG
sopheus

Hallo sopheus,

in einem solchen Fall, den man auch nicht bagatellisieren sollte, würde ich zuerst zu einem Psychiater gehen, da er auch begleitend medikamentös behandeln kann. Es gibt Psychpharmaka der „neuen Generation“, die sehr gut verträglich sind, nicht schläfrig machen und das Allgemeinbefinden verbessern, z.B. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, u.v.a. Das muss und kann nur ein Arzt entscheiden. Er würde dich vermutlich dann auch zu einem Psychologen(m/w) schicken, falls er/sie nicht selbst Therapie anbietet.
Einen Therapieplatz zu bekommen ist allerdings meistens sehr langwierig.
Wenn eine Situation, oder Stimmung nicht mehr auszuhalten ist, sollte man sich nicht scheuen, die nächste Psychiatrische Klinik aufzusuchen! Es ist nicht so, wie das Klischée es oft darstellt! Man wird nicht gefesselt, festehalten und „unter Drogen“ gesetzt!
Die Nummer, bzw. Adresse kann man im Notfall über die Telefon-Auskunft erfahren, oder wenn man es noch schafft, das Wochenblatt zu lesen, dann über den Ärztlichen Notdienst.
Auf jeden Fall sollte man diese Befindlichkeitsstörungen, die auch heftiger sein können, nicht aussitzen, sondern etwas unternehmen, solane man die Kraft dazu hat!!! Es lohnt sich immer!!! Und gut therapiert bekommt man plötzlich eine ganz andere, lebenswerte Sicht der Dinge! Vieles relativiert sich. Aber dain muss man erstmal kommen. Ganz viel Glück und nicht aufgeben!!! Alles Gute! Kirsten

Wenn Suizidgefahr besteht, dann sollte gar nicht mehr lange experimentiert werden. Für so etwas gibt es Krisendienste, an die man sich - auch zunächst anonym, wenn es dann leichter fällt - wenden kann.

http://www.krisendienst-psychiatrie.de/

Man kann einfach erstmal zum Hausarzt gehen.
Man kann sich Antidepressiva verschreiben lassen.
Man warte drei Wochen, bis diese ihre Wirkung entfalten.

Gleichzeitig kann man sich an einen Psychologen / Psychater wenden und/oder sich vom Hausarzt eine Überweisung geben lassen.

Selbiger Hausarzt kann einem sicher auch einen Tip geben, welche Art von Arzt zu empfehlen ist. Manchmal sollte man es auch einfach davon abhängig machen, wo ein Termin zu bekommen ist. Und wenn man mit dem Arzt nicht kann, suche man sich dringend einen anderen.

Sollte es akuter sein - es gibt in jeder Stadt ambulante Anlaufstellen, die man aufsuchen kann.

Meiner Meinung nach wichtig: Wenn man sich erstmal in einer Depression befindet, sich nicht von ‚irgendeinem Psychologen‘ einreden lassen, dass man ERST seine Lebenssituation verändern muss. Den Antrieb dazu hat man nämlich inmitten einer Depression nicht - daher sind Antidepressiva hier das Mittel der Wahl.

Man sollte auch die Jahreszeit bedenken - SAD (‚Winterdepression‘) schleicht sich in der grauen Jahreszeit gerne mal bei dem ein oder anderen ein.

Gruss, Isabel

Momentmoment mal…
Vielen Dank allen, die sich unserem sehr ernsten Problem angenommen haben. Schade, dass sich die Leute schon im ersten threat in die Wolle geraten *ggg*, aber persönliche Anemositäten gehören nicht in kompetente Antworten.

@Janina, ich habe alles im Griff soweit. Allerdings halte ich es als Laie für absolut möglich, dass der Patient zum Selbstschutz nicht sediert und mit Andidepressiva versorgt wird sondern eine zeitlang in der Geschlossnen Abteilung verbringen wird.
Das beantwortet dann auch die Frage nach dem Arbeitsplatz.

@Isabel: sicher spielt der Herbst in diesem Fall auch eine große Rolle. Und die Aussicht auf ein recht einsames Weihnachtsfest etc. Da aber Eltern vorhanden sind, entschärt das die Situation ein wenig.

LG
Achim

Schade, dass sich die Leute schon im ersten
threat in die Wolle geraten *ggg*, aber persönliche
Anemositäten gehören nicht in kompetente Antworten.

Nicht persönliche Animositäten - aber manchmal ist es geradezu zwingend erforderlich, dass man Unfug auch als solchen darstellt.

@Janina, ich habe alles im Griff soweit. Allerdings halte ich
es als Laie für absolut möglich, dass der Patient zum
Selbstschutz nicht sediert und mit Andidepressiva versorgt
wird sondern eine zeitlang in der Geschlossnen Abteilung
verbringen wird.
Das beantwortet dann auch die Frage nach dem Arbeitsplatz.

So ganz verstehe ich die Situation nicht. Zunächst: Es scheint nicht um dich selbst zu gehen, sondern um einen Angehörigen? In beiden Fällen Vorsicht mit einer vorschnellen Einschätzung von „im Griff haben“, wenn Unerfahrenheit mit dieser Situation da ist. Das betrifft den Gefährdeten selbst genauso wie das Umfeld! Deine Vorstellung davon, was bei akuter Gefahr passiert, ist jedenfalls recht laienhaft und so nicht zutreffend. Was sinnvoll ist, müssen Fachleute im Gespräch mit dem Betroffenen entscheiden.

Dabei ist ein stationärer Aufenthalt noch nicht einmal zwingend erforderlich - es gibt auch die Möglichkeit einer engmaschigen ambulanten Unterstützung - und wenn stationär, dann ist die geschlossene auch nur die ultima ratio und nur so lange, wie sie zum Selbstschutz wirklich zwingend erforderlich ist. Das kann auch nur eine Nacht sein (die wirklich akute Suizidalität dauert oft nur ein paar Stunden). Ob und welche Medikamente gegeben werden bzw. sinnvoll sind, ist ebenfalls eine sehr individuelle Sache, die ebenfalls nur von Fachleuten getroffen werden, NACHDEM sie sich konkret mit dem Betroffenen unterhalten haben! Grundsätzlich gilt aber für die ganze Kette der Unterstützung, dass die Einbindung des Patienten in den Prozess oberstes Ziel ist, weil man weiß, dass es überhaupt keinen Sinn hat, gegen den Patienten zu agieren.

Die Einschätzung, wie ernst die Situation ist und wie gut das „im Griff haben“ tatsächlich ist, würde ich auf jeden Fall Fachleuten überlassen. Da man sich nicht immer sicher sein kann, inwieweit der eigene Hausarzt mit so einer Situation umgehen kann (hier ist von Bagatellisieren über angemessenes Reagieren bis hin zu Überreagieren aus „Vorsicht“ alles möglich), ist ein solcher Krisendienst, wie ich ihn verlinkt habe, eine sehr gute Möglichkeit der Ansprache. Übrigens auch für Angehörige! Nicht nur, dass In solchen Krisendiensten die Kompetenz vorhanden ist, eine solche Situation einzuschätzen, man kennt dort auch die verschiedenen Hilfsmöglichkeiten vor Ort. Und es wird konkrete Hilfe angeboten bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung.

Die hier gemachten Andeutungen vor dem Hintergrund einer drohenden Zuspitzung zu Weihnachten hin halte ich jedenfalls allemal für Ernst genug, nicht auf Verdacht irgendwie zuzuwarten!

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Nachtrag zum Thema Arbeitsplatz
Weil die Angst in Bezug auf den Arbeitsplatz so groß ist: Grundsätzlich erfährt der Arbeitgeber nicht, warum man krank ist. Problematisch könnte es ggf. werden, weil der Arbeitgeber sieht, wer eine evt. AU ausstellt. Aber das kann dann auch über den Hausarzt geregelt werden.

Das sollte jedenfalls kein Grund sein, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen! Denn wenn nützt der Arbeitsplatz, wenn es den zugehörigen Arbeitnehmer nicht mehr gibt…

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Danke für Deine äußerst kompetente Einschätzung, Janina. Sie war sehr hilfreich für mich. Egal, ob es um mich oder um einen Angehörigen geht: der Link und Deine Hinweise waren optimal. Danke
Zurück zum Arbeitsplatz: Der Gedanke ist amüsant. Wem nützt der Arbeitsplatz, wenn es den Angestellten nicht mehr gibt.
Mein Gedanke war logischerweise andersrum: Arbeitsplatzverlust WEGEN psychatrischer Behandlung bzw. Abwesenheit vom Arbeitplatz durch AU über mehrere Wochen.
Dass der Hausarzt dann eine „neutrale“ AU ausstellt, ist ein guter Gedanke.

Man kann einfach erstmal zum Hausarzt gehen.

Kann man, allerdings mit dem schon geschilderten Vorbehalt, dass man damit rechnen muss, dass der damit nicht umgehen kann.

Man kann sich Antidepressiva verschreiben lassen.

Kann man nicht! Man geht grundsätzlich nicht zum Arzt, um dem zu sagen, was man für ein Medikament neu verschrieben bekommen will! Diese Einstellung ist schon grundfalsch, erst recht bei bisher nur erfolgter „Selbstdiagnose“.

Man warte drei Wochen, bis diese ihre Wirkung entfalten.

Und genau hier sind wir angesichts der im Raum stehenden Suizidalität in einem wirklich gefährlichen Bereich (den möglicherweise auch ein Hausarzt so nicht abschätzen kann): Wenn Suizidalität besteht, dann kann einfach ein nettes Pillchen (=Antidepressivum) und 3 Wochen zuwarten richtig nach hinten losgehen! Das ist nämlich eine Kombination (Suizidalität + Antidepressivum), die zwingend ein intensives Monitoring, wie das heißt, also eine engmaschige Betreuung in der Eingewöhnungsphase der ersten Wochen voraussetzt.

Gleichzeitig kann man sich an einen Psychologen / Psychater
wenden und/oder sich vom Hausarzt eine Überweisung geben
lassen.

Meiner Meinung nach wichtig: Wenn man sich erstmal in einer
Depression befindet, sich nicht von ‚irgendeinem Psychologen‘
einreden lassen, dass man ERST seine Lebenssituation verändern
muss. Den Antrieb dazu hat man nämlich inmitten einer
Depression nicht - daher sind Antidepressiva hier das Mittel
der Wahl.

Die beiden Ratschläge sind merkwürdig. Einerseits wird treffend festgestellt, dass der Antrieb in der Phase der mögicherweise schweren Depression nicht da ist - gleichzeitig aber der Tipp, „sich“ einen Pychologen zu suchen, was arbeitsintensives abtelefonieren langer Listen bedeutet. Das bedeutet natürlich nicht, dass man keinen Therapeuten braucht. Nur ist der Weg so ungeeignet.

Andererseits wird hier sehr unreflektiert Medikamentenfreundlich argumentiert, während die therapeutische Intervention schlecht weg kommt. Das kann nicht so stehen bleiben! Beides ist in dieser Phase wichtig.

Man sollte auch die Jahreszeit bedenken - SAD
(‚Winterdepression‘) schleicht sich in der grauen Jahreszeit
gerne mal bei dem ein oder anderen ein.

Nur weil es ein medienwirksames Phänomen mit einer griffigen Bezeichnung gibt und der Monat passt, muss der Rest nicht stimmen und stimmen auch nicht, wenn man den UP liest. So ein Hinweis ist geeignet, die Situation zu verharmlosen im Sinne von „Novemberblues“ haben viele, geht vorbei. Das birgt die Gefahr, dass sich dringend benötigte Hilfe nicht gesucht wird.

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