Hallo Freunde,
unser Großer (14) geht seit 1½ Jahren aufs Gymnasium. Vorher IGS. Die zwei Jahre IGS haben Ihn offensichtlich total versaut.
Jedenfalls ist er seit er aufs Gymnasium geht versetzungsgefärdet und schafft den Wechsel immer nur mit Biegen und Brechen - und viel Glück.
Er ist nicht dumm - genau das ist das Problem. Er begreift sehr schnell und die letzten Jahre hat es gereicht, daß er mit einem halben Ohr hingehört hat um alles zu verstehen. Aber auf dem Gymnasium ist das eben anders. Hier müßte er selbstständig was tun, aber das tut er nicht.
Jetzt meine Frage, wie kann ich einen Jungen in der Hochzeit seiner Pupertät zum Lernen bewegen?
Bitte jetzt keine Vorschläge wie „setz dich mit Ihm hin“ - das funktioniert nicht. Er will nicht.
Wir sind langsam richtig ratlos.
Am liebsten würde ich ihm seine Zukunft mal aufzeigen, wie es aussieht, wenn man als ungelernter irgendwo arbeitet - geht das überhaupt schon nach der 8. Klasse?
Früher konnte man ja nach der 8. schon von der Schule gehen. Keine Ahnung ob das noch möglich ist.
Würde vielleicht auch mal gern ein getürktes Vorstellungsgespräch mit ihm gemeinsam bei der Stadtreinigung durchziehen - so nach dem Motte, unser Sohn geht nach der 8. Klasse von der Schule, können Sie ihn einstellen? Aber ich kenne dort leider niemanden.
Gut Zureden hilft jedenfalls im Moment nicht, er macht sofort dicht, wenn man nur die kleinste Kritik an seinem Verhalten äußert.
Weiß jemand Rat?
Vielen Dank Dobbs.
repressionen repressionen repressionen
hi,
zuerst einmal: du stehst nicht allein! es war, ist und bleibt ein weitverbreitetes thema…
ich schliesse mich da selbst nicht aus: in der achten klasse bekam ich von einem wohlwollenden lehrer einen text mit nach haus mit den worten: bereite diesen gut vor - das ergebnis der morgigen abfrage wird deine versetzung entscheiden…
und was machte ich idiot: ich hatte ihn nicht mal gelesen, den lehrer angegrinst und in der klasse den coolen macker gespielt, der sich nichts vorschreiben laesst.
die bewunderung der mitschueler war kurz, die reue dann etwas laenger…
bei meinen kindern dann viel spaeter wollte ich alles anders machen-wir hatten ja alle o’neils antiautoritaere erziehung gelesen und wollten das umsetzen… pustekuchen! in dem moment, wo du jemanden auf den abgrund zulaufen siehst, willst du ihn bremsen und aufhalten…
also gab es:
festgelegte computerzeiten zum spielen und fuer das internet, die man nur mit guten schulischen leistungen aufstocken konnte…
streng regulierte ausgehzeiten - gerade an wochenenden - auch hier konnte man sich „freizeiten“ durch gute leistungen „erkaufen“…
andere sachen, die den kids wichtig waren: knallhart beschnitten und erst mit erbrachten guten leistungen gelockert.
zusaetzliche prepaidkarten fuer handys, urlaubsgeld, zusaetzliche klamotten - halt alles, was begehrenswert war…
mein argument war:da du zuviel ablenkung durch andere dinge hast, bist du in der schule schlecht - beweise also das gegenteil.
ich kann im nachhinein sagen, dass es geklappt hat! zwei meiner kids haben abi gemacht, das dritte ist kurz davor.
diese geben auch umunwunden zu, dass sie mich in gewissen situationen gehasst haben, sind aber im nachhinein ganz zufrieden, dass ihnen so in den arsch getreten wurde…
nur unser „kleiner“ zickt rum - aehnlich wie deiner… der erlebt nun genau das gleiche…
sehr reizvoll ist uebrigens die repressionsvariante fuhrerschein:
das einstiegsalter wird ja wohl demnaechst auf 17 runtergesetzt, es spricht also nichts dagegen, dann mit jugendlichen auf verkehrsuebungsplaetzen schon mal zu ueben…
das halte ich nun so, dass autofahren eine sache ist, die sehr viel disziplin abverlangt, weil man naemlich regeln kennen und einhalten muss.
wer also diese (selbst) disziplin nicht besitzt, ist auch nicht reif genug zum autofahren ueben - BASTA!
andererseits frage ich mich, ob dieser „druck“ wirklich seine berechtigung hat:
haette ich damals meinen text gelernt, waere ich wahrscheinlich ein frustrierter lehrer geworden, statt mich nun in einem interessanten job zu tummeln…
ebenso: warum muss ich eigentlich kinder heute zum abi bringen? eine gute schulbildung ist nicht mehr unbedingt garantie und voraussetzung fuer einen guten beruf - es gibt in einkaufszentren jede menge handyberater ohne schulabschluss, denen der job echt spass macht und die gutes geld verdienen…
wenn man dann viel spaeter doch noch die erleuchtung kommt, gibt es noch diverse moeglichkeiten des zweiten bildungsweges, und wenn man sich auf diesem sehr viel schwierigeren weg hochgeackert hat, dann steht hinter dem wort „bildung“ auch der urspruengliche sinn…
gruss
khs
Hallo Dobbs,
deine Idee mit dem Vorstellungsgespräch finde ich gar nicht schlecht. Ich würde eventuell weiter gehen, würde ihm das Taschengeld kürzen und ihn zum Dazuverdienen drängen/zwingen - eben zum Jobben in den Ferien schicken.
Als Erwachsener hat er niemanden mehr, der ihm Geld gibt, welches verdient sein will, in doppelter Bedeutung.
Würdest du ihn nur zum Jobben schicken, dann wäre kein Sinn und Notwendigkeit für ihn da. Mit Argumenten fürs Lernen kommst du ja nicht weiter.
Aber ich würde ihm gegenüber die Karten offen auf den Tisch legen, Und ihm deine Absichten erklären. Er will mit seinen 14 Jahren sicher und zu recht ernst genommen werden (immerhin fangen manche mit 15 eine Lehre an), probiert aber den Weg des geringen Widerstands aus.
Wenn er jobbt, kommt er mit Menschen verschiedenster Berufslaufbahnen zusammen, lernt stupides Arbeiten kennen, erfährt von Hierachien, die für die wenigsten nach oben offen sind.
Unser Schulsystem ist leider nicht auf die Entwicklungsphasen unserer Kinder ausgerichtet. Das habe ich mittlerweile auch erfahren. Da fühlt man als Eltern ganz schön alleine gelassen. Und ich weiß von einigen Eltern, die sich mit der Lernmüdigkeit ihrer Kinder plagen, wozu dann auch Zukunftsängste um die Kinder gehören.
So bringt ihm die Erfahrung als jobbende Arbeitskraft nicht wirklich weiter, denn sie ändert nichts an der Demotiviertheit was die Schule anbetrifft. Vielleicht hakt es an ein/zwei Fächern, die ein „dann lasse ich es lieber gleich ganz“ nach sich ziehen, und er braucht auf bestimmten Gebieten ein paar Anschupser. Hapert es an einer Sprache, dann kann ein Schüleraustausch, eMail-Brief-Wechsel weltweit, jeglicher Kontakt zu Ausländern in welcher Form auch immer auf die Sprünge helfen. Vielleicht mag er ein Fach besonders gern, und daraus läßt sich ein Berufsziel erarbeiten, z.B. durch eine Begehung an einem Tag der offenen Tür, den manchen Firmen anbieten, Berufsberatung (sind leider nicht immer gut), durch eine Gastvorlesung in einer Universität…
Ich denke, dein Junge braucht Perspektiven, und zwar die schlechten und die guten gleichermaßen. Und hin und wieder braucht er auch ein „du bist ok“, auch wenn er nicht immer Freude macht, denn Pupertät ist eine Sch…zeit.
viele Grüße
grilla
Hi Dobbs,
Er ist nicht dumm - genau das ist das Problem. Er begreift
sehr schnell und die letzten Jahre hat es gereicht, daß er mit
einem halben Ohr hingehört hat um alles zu verstehen. Aber auf
dem Gymnasium ist das eben anders. Hier müßte er selbstständig
was tun, aber das tut er nicht.
Das war genau mein Problem Ich war Klassenbeste beim Abgang von der Grundschule und war völlig baff, als ich auf’s Gymnasium kam, dass da nur „Beste“ versammelt waren. Ich habe mich auf mein halbes Ohr verlassen und besaß in diesem zarten Alter von 10 Jahren die Arroganz zu glauben, dass es so weiter geht. Als es dann offensichtlich wurde, dass dem nicht so ist, bin ich dann in die „Revoluzzer“-Szene eingestiegen (1968!), habe auf das Establishment „gesch…n“ und mir damit endgültig meine Schulkarriere versaut…
Jetzt meine Frage, wie kann ich einen Jungen in der Hochzeit
seiner Pupertät zum Lernen bewegen?
Frag’ ihn doch einfach, ob er in seinem künftigen Leben die freie Wahl haben möchte, den Beruf zu ergreifen, den er möchte…
Bitte jetzt keine Vorschläge wie „setz dich mit Ihm hin“ - das
funktioniert nicht. Er will nicht.
Nö, natürlich nicht, denn er hat immer noch nicht begriffen, dass ER nun an der Reihe ist, etwas für sein Leben zu tun.
Wir sind langsam richtig ratlos.
Verständlicherweise…
Am liebsten würde ich ihm seine Zukunft mal aufzeigen, wie es
aussieht,
Das kannst Du nicht wissen, deshalb ist das Schmonzes und aus seiner Sicht zu Recht unglaubwürdig, gerade in einem Alter, wo man noch so viele Ideale hat…
wenn man als ungelernter irgendwo arbeitet - geht
das überhaupt schon nach der 8. Klasse?
Früher konnte man ja nach der 8. schon von der Schule gehen.
Keine Ahnung ob das noch möglich ist.
Das heißt ja nicht, dass er nicht eine Lehre macht - wieso „ungelernt“ - ein Akademiker ist auch „ungelernt“, weil er keine Lehre gemacht hat…
Würde vielleicht auch mal gern ein getürktes
Vorstellungsgespräch mit ihm gemeinsam bei der Stadtreinigung
durchziehen - so nach dem Motte, unser Sohn geht nach der 8.
Klasse von der Schule, können Sie ihn einstellen? Aber ich
kenne dort leider niemanden.
Glücklicherweise, denn er wird diesen Hokuspokus durchschauen und erst Recht auf „stur“ schalten (was ich sehr gut nachvollziehen kann…)
Gut Zureden hilft jedenfalls im Moment nicht, er macht sofort
dicht, wenn man nur die kleinste Kritik an seinem Verhalten
äußert.
Normal in diesem Alter.
Aber ich komme nochmals auf mein Anfangsargument zurück: Frage ihn, ob er künftig wählen können möchte - und dafür muss man leider/glücklicherweise was tun.
Bleib’ zuversichtlich - und lass’ ihn nicht fallen,
Anja
noch ein hinweis
hallo,
wichtig ist auch noch, dass man miteinander redet, um verstaendnispunkte zu finden.
idealerweise geschieht so etwas in groesserem kreis - also z.b. mit freunden, bekannten, etc, die in gleichen situationen sind - die gespraeche sollten auch MIT den kids stattfinden!
die pubertierenden werden sich verbuenden und gemeinsam gegen die „alten“ vorgehen - die „alten“ wiederum werden gemeinsamkeiten finden und sollten die besseren argumente haben…
hochinteressant wird es dann, wenn in einem elternhaus etwas gestattet wird, was im anderen ausgeschlossen ist - z.b. uber gesetzliche grenzen abends ausbleiben, rauchen, etc…
dann wird derjenige, der diese freiheiten bereits geniesst, einen taktischen rueckzieher machen, um seine privilegien nicht zu gefaehrden - der „behuetetere“ wird dann versuchen, seine eltern zur gewaehrung dergleichen zu bringen.
solange dann die eltern kuehlen kopf bewahren und auch selbst lernfaehig sind, haben eigentlich alle anwesenden nur vorteile von solchen gespraechen.
fuer die eltern kommt raus: ich steh mit meinen problemen nicht allein da, mein kind ist kein aussergewohnlich renitentes monster, fuer die armen geplagten kiddies ist das ergebnis: es gibt genauso schlimme andere eltern, wie es meine sind… ich steh also auch nicht allein da mit meinen noeten…
wie schon unten gesagt: geduld und repression - in der richtigen mischung…
gruss
khs