Was tun bei Schreibblockade?

Hallo!
Ich weiß zwar nicht, ob ich hier richtig bin, aber fragen kann man ja mal.
Eine Freundin von mir wollte mir und noch einer Freundin zu Weihnachten eine selbstgeschriebene Geschichte schenken. Sie ist eigentlich schon sehr weit gekommen, und ich finde, sie kann richtig gut schreiben. Jetzt hat sie allerdings seit einigen Wochen eine totale Schreibblockade (oder wie auch immer man das nennt). Hat Irgendjemand hier ein paar Tipps, wie man sowas überbrückt/auflöst???
Schon mal im vorraus Danke!
Verena

Hallo Verena

Ich weiß zwar nicht, ob ich hier richtig bin, aber fragen kann
man ja mal.

Ich auch nicht, aber ich antworte mal.

(snip) Jetzt hat sie allerdings seit
einigen Wochen eine totale Schreibblockade (oder wie auch
immer man das nennt). Hat Irgendjemand hier ein paar Tipps,
wie man sowas überbrückt/auflöst???

Eine Schreibblockade ist eine sehr ernste Sache, zumindest dann, wenn man einen Text bald fertigstellen muß. Das passiert (fast) allen schreibenden Menschen von Zeit zu Zeit, aber die Ursachen, Auswirkungen und Lösungen sind sehr unterschiedlich. Am schlimmsten trifft es natürlich diejenigen, die damit ihr täglich Brot verdienen, aber zumindest dazu scheint Deine Freundin nicht zu gehören.

Welche Ursachen gibt es also?

  • Es kann an der Geschichte selbst liegen. Wenn die Story einfach nicht weiterlaufen will oder kann, weil sie ausgesaugt ist, dann ist das eigentlich keine Schreibblockade. Es ist halt eine „tote“ story. Das läßt sich aber recht leicht herausfinden: schreibt Deine Freundin an anderen Texten, oder könnte sie das?
    (Ich weiß, daß es schade um die Geschichte wäre, aber was glaubst Du, wie viele geniale Anfänge von Geschichten in den Schubladen dieser Erde liegen, und nie ferig gestellt werden?!)
  • Ein anderer Grund wäre die momentane Lebenssituation (Streß!). Wenn sich beruflich oder privat gravierende Veränderungen ergeben haben, kann es passieren, daß das Schreiben sehr stark in den gedanklichen Hintergrund rückt, und die Worte also nicht mehr „fließen“. In einer solchen Situation kann man nichts erzwingen! Da heißte es Ruhe bewahren, abwarten und Tee trinken. Wenn sich die Veränderungen gesetzt haben, sollte es wieder gehen.
  • Wenn es nicht der Streß (s.o.) ist, dann ist es vielleicht das Fehlen von Streß. Einige Schreiber (insbesondere Amateure) brauchen ein gewisses Streß-Level um überhaupt schreiben zu können. Wenn das fehlt geht nichts. Dann stellt sich also die Frage: Welcher Streß war das, den ich jetzt nicht mehr habe und wie kann ich dahin zurückkommen? (Schließlich ist Streß nicht gleich Streß…)
  • Und dann wären da noch die Gefühle. Wenn man nicht gerade Sachbücher schreibt, gehören Gefühle einfach dazu. Das heißt: Sind die Gefühle plötzlich weg, dann ist auch die Story weg. Ich weiß nicht, ob man an einen derartigen, einmal abgerissenen Faden überhaupt anknüpfen kann. Aber wenn, dann wohl nur in der richtigen Stimmung. Also auch hier: Geduld und die Frage: Was waren das für Gefühle und wie komme ich dahin zurück?
  • Und dann gibt es da noch 1 Million anderer Gründe, die andere Auswirkungen haben und anders lösbar sind…

Alle diese Ursachen, Auswirkungen und Lösungen erfordern von der/dem Schreibenden, einmal tief in sich hineinzuschauen um herauszufinden, was eigentlich nicht stimmt.
Eine Patentlösung für Schreibblockaden gibt es also in dem Sinne nicht.

Trotzdem von mir an dieser Stelle ein ganz persönlicher Vorschlag (ohne jegliche Garantie!): Deine Freundin könnte sich einmal sehr viel Zeit nehmen (ein Wochenende oder mehr!) und sich nur auf die Geschichte konzentrieren. Dabei wäre das vordringliche Ziel nicht, sie weiterzuschreiben! Viel wichtiger ist es, die Geschichte immer und immer wieder zu lesen, sie zu verbessern, sich „hineinzuleben“. Vielleicht kann sie dann wieder eine neue Beziehung zu der Geschichte aufbauen und daran weiter arbeiten.

In der Hoffnung, vielleicht ein bißchen geholfen zu haben,
Guido

ein Tipp…?!
Hallo Verena,

Ich habe da für mich ein Verfahren, wie ich einer solchen Schreibblockade (bislang toi, toi, toi!) vorbeugen konnte. Wenn ich etwas schreiben muss, so höre ich am Ende eines „Sitzung“ nicht mit dem Ende eines Abschnitts/Kapitels oder so auf, sondern, wenn’s geht, mitten im Satz. Am nächsten Tag, wenn ich dann wieder los legen will, habe ich dann meist einen flotteren Einstieg. Hat bislang ganz gut geklappt…

Ich weiß nicht, ob so ein „Hausmittelchen“ jetzt so viel bringt. Aber es wäre doch durchaus einen Versuch wert, wenn Deine Freundin den letzten Abschnitt des Geschriebenen mittendrin kappt, und dann neu startet. Vielleicht springt der „Kreativ-Motor“ dann ja wieder an? Sonst schreib Du ihr doch vielleicht einmal ein paar weitere Sätze, auf die sie dann wieder einsteigen kann. (Vielleicht ärgert sich sich ja dann auch so darüber, wie ‚unschön‘ ihr Dein Text vorkommt, dass sie lieber selber wieder ran will! *gggg*) Ich habe soetwas auch schon erlebt: Wenn ich nicht mehr weiter wusste, hat manchmal mein Freund ein paar Sätzchen geschrieben, die mir dann so „anders“ vorkamen, dass ich dann doch lieber wieder selbst schreiben wollte… *g*

Dir und Euch viel Glück!
Anne

Hallo!

Ich weiß zwar nicht, ob ich hier richtig bin, aber fragen kann
man ja mal.
Eine Freundin von mir wollte mir und noch einer Freundin zu
Weihnachten eine selbstgeschriebene Geschichte schenken. Sie
ist eigentlich schon sehr weit gekommen, und ich finde, sie
kann richtig gut schreiben. Jetzt hat sie allerdings seit
einigen Wochen eine totale Schreibblockade (oder wie auch
immer man das nennt). Hat Irgendjemand hier ein paar Tipps,
wie man sowas überbrückt/auflöst???
Schon mal im vorraus Danke!
Verena

Ooh, das kenne ich ja soo gut…
…hallo Verena!

Was mir bei meinen Prosablockaden manchmal hilft - auch wenn es merkwürdig klingen mag -, ist ein Wechsel der Schreibsituation: wenn ich am Computer nicht mehr weiterkomme, wechsle ich auf die gute alte Fledderkladde zurück oder umgekehrt. Statt mich an den Schreibtisch zu setzen, gehe ich mit der Kladde ins Café.

Ein anderer Trick (der hier so ähnlich schon vorgeschlagen wurde) besteht darin, den letzten geschriebenen Teil der Geschichte neu zu erzählen - also nur bzgl. der Formulierungen, nicht bzgl. des Inhalts zu „kappen“.

Falls es am Inhalt der Geschichte liegt, sollte die Autorin zu ermitteln versuchen, ab wo die Geschichte sich nicht mehr von selbst fortentwickelt, sondern „geschoben“ werden mußte - das kann durchaus ein weiter vorne liegender Abschnitt sein, ohne daß späteres entfallen muß. Mündliches Erzählen & Neuerzählen ist hier hilfreich.

Ach ja: manchmal hilft es, zwischendrin einen kurzen Text zu schreiben, der mit der Story selbst gar nichts zu tun hat, um wieder in Schreibfluß zu kommen - einen Haiku oder derlei.

Ich wünsche gutes Gelingen…

hendrik

Liebe Verena,

Ich kenne leider nicht den Grund, warum deine Freundin eine Schreibblockade hat. Da ich selber gerade ein bißchen schreibe, kann ich dir nur ein paar meiner Tips geben. Bevor ich anfange, koche ich mir immer einen Tee, setze mich auf mein Sofa. Dann Suche ich in meinem Kopf nach einem Anhaltspunkt, der zu der Geschichte führt, die geschrieben werden will. Wichtig ist, dass ich mich nicht unter Druck gesetzt fühle. Abwarten und Tee trinken ist die Devise. Manchmal dauert es über eine Stunde die ich still auf meinem Sofa sitze bevor ich zu schreiben beginne. Irgendwann passiert es aber immer, dass sich die Bilder, die zusammenhanglosen Ideen oder Phänomene des Tages, oder einfach nur Wissen oder Erlebnisse die mir in den Sinn kommen, sich an diese Anfangsidee, die zur Geschichte führt anknüpfen. Wenn genug Ideen dran hängen, kann ich anfangen.
Ich empfehle also Tee und Reflexion.

Viel Glück

Dennis

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Danke! o.T.
Verena