Hallo, seit einiger Zeit fühle ich mich in Gesellschaft unsicher, wenn ich Suppe löffeln oder Weingläser am Stiel anheben soll. Meine Hände fangen dann an zu zittern. Ich lasse die Suppe stehen und trinke nur Mineralwasser.
Neulich hatte ich schon vorher solchen Bammel, dass ich eine geschäftliche Einladung kurzfristig abgesagt habe. Ist das eine Mangelerscheinung oder hilft da nur Diazepam? Ich sehe nicht ein, deswegen zum Psychiater zu gehen und mich auf die Couch zu legen.
Hallo Schulte86,
Also ich fühle mich sehr geehrt, wenn man mich (bin weder Arzt noch Psychiater) in solchen Sachen zu Rate zieht. Einen Tip aus dem „hohlen Bauch“ heraus ist auch nicht unbedingt förderlich. Das kann weder Arzt noch Psychiater.Dein Problem hast Du trefflich geschildert, aber wieso und seit wann das so ist. Da muss wohl einiges nicht im „Lot“ sein. Diazepam hilft Dir sicher,ob dies aber der richtige Weg ist, da mache ich ein grosses Fragezeichen. Ich kann Dich sehr gut verstehen, von Wegen Couch beim „Seelendoktor“. Also ich an Deiner Stelle würde selbst versuchen die „Faktoren“ die zu dieser Unsicherheit geführt haben zu eruieren um dann schrittweise wieder den „Normalzustand“ herbeizuführen. Wird nicht leicht sein, aber sicher kostengünstiger. Eine Vertrauensperson (Ein echter Freund) kann hilfreich sein, aber den Weg den musst Du alleine gehn.
Du schaffst das!
Gruss, Kastor.
deine Vermutung geht meiner Meinung nach schon in die richtige Richtung, es hat wahrscheinlich etwas mit deiner Psyche zu tun. Sicherlich hat man dir schon oft gesagt, dass eine Ferndiagnose keinen Sinn macht, man in solchen Fällen immer einen Experten aufsuchen sollte. Wenn es dich belastet, würde ich dir raten, wenigstens den Hausarzt aufzusuchen. Aus meiner Sicht wäre aber die Kontaktaufnahme zu einem Psychologen angemessen. Auf die Couch legen muss man sich heutzutage nur noch sehr selten, das ist ein Klischee aus vergangenen Tagen. Viel Erfolg und alles Gute,
Hallo,
sorry, dass ich erst jetzt antworte, ich war in Urlaub. Ich halte die geschilderten Symptome weder für eine Mangelerscheinung noch würde ich dagegen Diazepam nehmen.
Es kann sein, dass das erstmalige Auftreten durch Nervosität, Unterzuckerung oder ähnliche siuative Faktoren bedingt war, weiter aufrechterhalten und verstärkt wird das Zittern durch entsprechende Aufmerksamkeitslenkungsprozesse. Paradoxerweise zittern Sie um so mehr je mehr Sie sich bemühen, nicht zu zittern. Das ist so ähnlich, wie beim Balancieren über einen Balken, wenn man zu sehr darauf achtet, ob man das Gleichgewicht auch wirklich hält und zu viel Angst davor hat, herunter zu fallen, läßt die Balance deutlich nach.
Hinzu kommt, das zittern ein typisches Symptom einer Überaktivierung des autonomen Nervensystems ist, d.h. je mehr Sie im Vorfeld darüber nachdenken, dass es peinlich wäre, wenn Sie zitterten und dadurch Angst entwickeln, umso stärker wird ihr autonomes Nervensystem von der Angst angeregt und das Zittern wird auch auf dem Wege stärker.
Dass Sie dazu übergehen, Mineralwasser zu trinken und andere potentielle „Zitter-Situationen“ zu vermeiden, ist emotional verständlich, geht aber genau in die falsche Richtung. Es wäre wichtig, dass Sie sich weiter regelmäßig mit diesen Situationen konfrontieren oder sogar vorübergehend extra-oft, damit ihre diesbezüglichen Ängste geringer werden, ansonsten werden sie durch das Vermeidungsverhalten immer weiter verstärkt.
Ganz konkret kann ich Ihnen neben mehr Konfrontation auch alternativ zu Diazepam das Erlernen eines Entspannungsverfahrens, beispielsweise der progressiven Muskelentspannung nach Jakobsen, empfehlen. Wenn die Situation sich trotz Ihrer Bemühungen weiter verstärkt, würde ich auf jeden Fall zeitnah einen Termin bei einem Verhaltenstherapeuten vereinbaren. Ich bin selbst psychologische Psychotherapeutin und weiß daher, dass diese Problematik sehr schnell und systematisch behandelbar ist, wenn man es früh genug anpackt. Eine Couch hat auch kein Verhaltenstherapeut (das sind Psychoanalytiker) und das Setting ist auch eher wie manb sich ein Coaching vorstellt. Es wäre nur wichtig auf die Qualifikation zu achten, dass es ein psychologischer Psychotherapeut (d.h. eine umfangreiche Ausbildung durch die Approbation nachgewiesen ist) und nicht irgendein Heilpraktiker für Psychotherapie (in diesem Fall ist die Qualifikation deutlich schlechter). Über die Seite www.therapie.de können Sie sich z.B. Kollegen in Ihrer Nähe anzeigen lassen. Wenn Sie noch Fragen haben, können Sie sich ansonsten auch gerne nochmal melden.
Hallo lieber Unbekannter,
entschuldige meine späte Antwort, ich war im Urlaub.
Ich wuerde schon empfehlen eher etwas Unterstuetzung in therapeutischer Form zu nutzen, es gibt ganz verschiedene Ansätze oder Therapiearten (nicht nur eine Analyse im klassischen Sinne). Hilfreich koennte sein einen gut ausgebildeten Psychologen oder Arzt aufzusuchen und sich beraten zu lassen. Es gibt in Deutschland die Möeglichkeit erstmal fünf Stunden einen Therapeuten anzusehen (wird von der Krankenkasse übernommen, solange der Therapeut in Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch arbeitet und zugelassen ist) und dann zu entscheiden, ob die Methode und der Therapeut etwas fuer einen ist. Evtl. reicht Dir auch eine Beratung, um besser zu verstehen was die Hintergruende der Symptome sind und dann weiter zu entscheiden. Ich wuerde eher davon abraten nur Medikation einzunehmen, da dann zwar die Symptome unterdrueckt werden, aber nicht verstanden werden und als Langzeiteffekt zusätzlich eine Abhängigkeit von dem Medikament entstehen kann.
Lieber Gruß und alles Gute