Die schweizerische Kantonale Erziehungskonferenz, die der deutschen Kultusministerkonferenz entspricht, reagierte ärgerlich auf die Initiative der deutschen Verlage und forderte Deutschland zum Festhalten an der gemeinsam mit Österreich vereinbarten Rechtschreibung auf. „Mehrere gleichzeitig gültige Rechtschreibungen wären fatal“, sagte der Sprecher der kantonalen Erziehungsdirektoren, Christian Schmid. „Wir hoffen, dass die deutsche Kultusministerkonferenz unter dem Druck der Großverlage und einiger Ministerpräsidenten nicht kippt. Das wäre verheerend“, sagte Schmidt.
Ein Sommerwitz zum Kopfschütteln
Ein Aufreger-Thema in den Medien ist die Rechtschreibdiskussion jedoch nicht. Die deutsche Diskussion werde in den Zeitungen „eher klein gefahren“, bestätigte ARD-Korrespondent Jochen Nuhn unserer Reaktion. Nicht nur beim Nein zur Rückkehr sind sich Österreicher und Schweizer einig. Auch die Kommentare über das deutsche Medienspektakel haben den gleichen Tenor: Ein Lächeln für die deutsche Vorliebe, an alten Dingen zu hängen und ein Kopfschütteln: Haben die Deutschen denn keine anderen Probleme?
Dr. Matthias Wermke (Duden-Redaktion) zum Thema "Reform ist gelungen"
Nach Ansicht von Duden-Redaktionsleiter Matthias Wermke hat sich fünf Jahre nach der Entscheidung die Aufregung gelegt. „In unserer Sprachberatung spüren wir von einer allgemeinen Kritik an der Reform praktisch gar nichts mehr“, sagte Wermke. „Die Fragen sind die gleichen, die uns auch schon vor der Reform gestellt wurden - Kommasetzung, Getrennt- und Zusammenschreibung.“ Die Gegner der Reform würden sich nicht durchsetzen.
"Bemerken kein Unbehagen"
Bei der Duden-Sprachberatung gehen nach Wermkes Angaben täglich etwa 180 Anrufe ein, von denen zwischen 50 und 60 Prozent der Rechtschreibung gelten. „In der heißen Phase in den Jahren 1995 und 1996 hatten wir durchaus einen Zuwachs der Anrufe verzeichnet, die dezidiert der neuen Rechtschreibung galten.“ Seitdem nehme die Zahl dieser Anrufe wieder ab. Auch in anfangs von Kritikern heftig gescholtenen Bereichen der Reform gebe es keine Häufung der Anrufe - etwa bei den Änderungen in Getrennt-und Zusammenschreibung. „Von einem anhaltenden Unbehagen bemerken wir nichts.“
"Einfach zu faul"
Nach wie vor werde häufig nach einzelnen Wörtern gefragt. Manche Anrufer, vermutet der Duden-Redaktionsleiter, seien einfach zu faul, im Wörterbuch nachzuschlagen. Zugenommen habe hingegen in den vergangenen zehn Jahren der allgemeine Sprachberatungsbedarf. „Wir werden beispielsweise auch gefragt, wie man den Bundespräsidenten in einem Brief anspricht.“
Während Medien und Behörden die Rechtschreibreform bereits umgesetzt hätten, hinkten manche Firmen noch hinterher, sagte Wermke. Dies werde sich aber spätestens ändern, wenn die ersten Schüler, die nach den reformierten Regeln schreiben gelernt hätten, in die Betriebe kämen. Ohnehin sei es unmöglich, eine unwiderruflich gültige Schreibung für alle Zeiten festzulegen. „Die Rechtschreibung unterliegt immer dem Wandel, völlig unabhängig von jeder Normierung.“
Solange die Schreibungen den Regeln der neuen Rechtschreibung entsprechen, habe ich dagegen nichts einzuwenden.
Was nun allerdings Springer, Süddeutsche und Spiegel einführen wollen, ist völliger Unsinn.
Diese Verlage wollen Hausorthographien einführen, die aus alten und neuen Regeln besteht.
Beispielshalber wird darüber diskutiert, die s-Schreibung beizubehalten. Die Getrennt- und Zusammenschreibung soll wohl wieder nach den alten Regeln geschehen, die Groß- und Kleinschreibung vielleicht weiterhin - zumindest teilweise - nach den neuen.
Das nenne ich Chaos!
Jörges (Stern) formulierte es treffend: Die Verlage führen _Rechtschreib- Anarchie _ ein.
Solange die Schreibungen den Regeln der neuen Rechtschreibung
entsprechen, habe ich dagegen nichts einzuwenden.
Was nun allerdings Springer, Süddeutsche und Spiegel einführen
wollen, ist völliger Unsinn.
Diese Verlage wollen Hausorthographien einführen, die aus
alten und neuen Regeln besteht.
Hast du dir mal die Mühe gemacht und das Dossier der „NZZ“ angesehen? Hier ein Auszug:
„Verbindungen aus Verb (Infinitiv) und Verb werden neu immer getrennt geschrieben. Eine bei gewissen Fügungen vorher mögliche Sinndifferenzierung wird nach neuer Rechtschreibung fallengelassen. So ergibt sich: kennen lernen, spazieren gehen, bestehen bleiben, sitzen bleiben (wörtlich und übertragen), fallen lassen (wörtlich und übertragen). Die NZZ kann sich nur teilweise mit dieser Regelung anfreunden. Sie wird weiterhin zwischen wörtlichem und übertragenem Sinne unterscheiden. Beispiel: Ein Schüler ist sitzengeblieben, also nicht versetzt worden. Er ist sitzen geblieben, also nicht aufgestanden.“
„Sitzenbleiben“ im Sinne von „nicht versetzt“ gibt es in der NDR nicht mehr. Wohl aber im Wörterbuch der NZZ. Die von dir genannte „Rechtschreib-Anarchie“ besteht nicht erst seit der Ankündigung vom Springer- und Spiegel-Verlag.
Aber die Schweizer reden von einer Verhinderung unterschiedlicher Rechtschreibungen. Schon erstaunlich!
Da die Schweiz im Ausland ja oft nur als ein
Konglomerat von Bergen, Banken, Schokolade, Käse
und Uhren wahrgenommen wird, ist das doch gar
nicht schlecht, wenn wir wenigstens die
Sprachfreunde einmal auf einen anderen Aspekt
aufmerksam machen können …
Solange die Schreibungen den Regeln der neuen Rechtschreibung
entsprechen, habe ich dagegen nichts einzuwenden.
Sowas aber auch, die NZZ macht, was sie will, ohne Dich vorher gefragt zu haben!
Was nun allerdings Springer, Süddeutsche und Spiegel einführen
wollen, ist völliger Unsinn.
Stell Dir vor, die machen auch, was sie wollen!
Keiner zwingt Dich, diese Blätter zu lesen.
Diese Verlage wollen Hausorthographien einführen, die aus
alten und neuen Regeln besteht. ???
(Hervorhebung + Fragezeichen von mir)
Wenn Du Dich wegen der Rechtschreibung wieder beruhigt hast, dann kümmere Dich doch bitte zur Abwechslung um die Grammatik.
Und zwar um Deine.
Sowas finde ich nämlich ganz katastrophurchterbar.
ich kann dich beruhigen: Eine eigene Grammatik habe ich nicht.
Wenn man nachträglich einen Satz umstellt, kann es schon einmal zu Inkongruenzen kommen, sofern man nicht achtsam genug ist.
In globo weiß ich, salva venia, über Grammatik wahrscheinlich etwas mehr als du.
Wenn man nachträglich einen Satz umstellt, kann es schon
einmal zu Inkongruenzen kommen, sofern man nicht achtsam genug
ist.
In der Schule würde Dir diese Ausrede nichts nützen.
In globo weiß ich, slava venia, über Grammatik wahrscheinlich
etwas mehr als du.
Ganz sicher. Ohne Zweifel. Unbestritten. Auf jeden Fall. Gar keine Frage. Vollinhaltliche Zustimmung.
Ich hingegen weiß eigentlich nicht mal, wie man Kramahtieck schreibt, geschweige denn, welche Regel hier zuträfe. Es interessiert mich auch nicht wirklich. Hauptsache, ich kann sie richtig anwenden.
Zufrieden?
Und noch was: Lockerbleiben! Und setz die Spaß-Tags an die Stelle, wo Du sie gern hättest.