Was versteht man unter Verstrickungen?

Hallo,

kann mir bitte jemand erklären, was genau man in der Psychologie unter Verstrickungen versteht? Wie löst man diese auf?

Viele Grüße,

Annette.

Nochmal…

…vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, oder warum antwortet mir miemand?

Eine Bekannte erzählte mir neulich vom Familienaufstellen nach Hellinger. Sie hatte ein solches Seminar o.ä. besucht.

Ich verstehe nicht ganz, wie es funktionieren soll und welchem Zweck es dient.
Ich habe gehört, wenn in einer Familie immer wieder dieselben Probleme oder Krankheiten auftreten, soll diese Methode helfen, dies zu unterbrechen. Es würde sich um karmische Verstrickungen handeln.

Für mich ist dies so erst einmal nicht wirklich nachvollziehbar. Wer kennt sich damit aus?

Viele Grüße noch einmal,

Annette.

Hallo Annette

…vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, oder warum
antwortet mir miemand?

Vielleicht, weil Du zunächst das Thema zu allgemein angesprochen hast. :wink:

Ich habe gehört, wenn in einer Familie immer wieder dieselben
Probleme oder Krankheiten auftreten, soll diese Methode
helfen, dies zu unterbrechen. Es würde sich um karmische
Verstrickungen handeln.

Die Vorstellung von karmischen Verstrickungen passt nicht zu den westlichen (europäischen und angloamerikanischen) Erkenntnissen und Vorstellungen von Entwicklungspsychologie.
Direkt miterlebte (auch besonders frühkindliche) Eindrücke und Einflüsse werden nach unseren Vorstellungen in die Erfahrungs-Organisation des „Ich“ eingebaut; nicht aber irgendwelche Konflikte von längst verstorbenen Großeltern und Urgroßeltern.
Gruß,
Branden

kleine Ergänzung

Direkt miterlebte (auch besonders frühkindliche) Eindrücke und
Einflüsse werden nach unseren Vorstellungen in die
Erfahrungs-Organisation des „Ich“ eingebaut;

„Unsere Vorstellungen“ bezieht sich auf Theorien der Psychoanalytiker, nicht jedoch auf die psychologische Theorien - nur zur Klarstellung, wenn Branden im Plural spricht.

Viele Grüße,
Sam

2 „Gefällt mir“

„Unsere Vorstellungen“ bezieht sich auf Theorien der
Psychoanalytiker, nicht jedoch auf die psychologische Theorien

  • nur zur Klarstellung, wenn Branden im Plural spricht.

Möchtest Du damit andeuten, dass Du dich mit dem „Karma der Urgroßeltern usw.“ durchaus intensiv beschäftigst, Sam ?
Vielleicht auch im Sinne der Hellinger-Familienaufstellungen?
fragt
Branden
nach

Noch ein paar Fragen

Hallo,

darf ich Euch noch ein paar Fragen stellen?

Wenn mehrere Personen einer Familie dasselbe auffällige Verhalten zeigen, würde ich erst einmal davon ausgehen, dass dieses Verhalten „abfärbt“.
Ich habe allerdings auch schon gehört, bestimmte Verhaltensweisen (z.B. suizidales Verhalten, Neigung zur Kriminalität, krankhaftes Lügen) seien einfach Veranlagung und würden sich manchmal durch vier, fünf Generationen weiter vererben.
Kann die Neigung zu auffälligem Verhalten wirklich genetisch bedingt sein? Wie wäre es zu erklären, wenn eine oder zwei Generationen dazwischen diese Auffälligkeiten nicht zeigen, sich danach die „Tradition“ aber weiter fortsetzt?

Viele Grüße,

Annette.

Hi Annette,

erstmal kurz zu Hellinger’s Familienaufstellung:
Da geht es darum, sich bestimmte Konstellationen, die zwar existent sind, die man aber nicht bemerkt, bewusst zu machen.

Jemand, der zB psychische Probleme hat, die von der Familie bzw von Kindheitserfahrungen herzurühren scheinen, die die Person aber nicht definieren kann, kann so manchmal den Ursachen/Gründen für bestimmte Verhaltensweisen auf den Grund kommen, und sich diese so bewusst machen.

Für deine weiteren Fragen speilt diese Familienaufstellung m.E. keine Rolle.

Hier muss man unterscheiden zwischen erlerntem Verhalten (Eltern schlagen Kind, Kind schlägt andere, oder zB später seine Kinder, weil das halt ein erlerntes Verhalten in bestimmten Konfliktsituationen ist, mal als Beispiel, auch wenn viele erlernte Verhaltensweisen viel subtiler sind) -

und der Vererbung.

Verhaltensweisen wie die von Dir genannten Beispiele (suizidales Verhalten, Hang zur Kriminalität) sind meist nur Symptome von bestimmten vererbten Krankheiten oder Störungen.

Die meisten psychischen Erkrankungen/ Störungen sind vererbbar - sei das Depression, Schizophrenie, ADS, etc…

So ist also zB suizidales Verhalten wohl nicht erlernt und abgeguckt, sondern erklärt sich durch Depression, die in der Familie liegt, und tatsächlich über viele Generationen vererbt werden kann.

Und klar kann auch mal ne Generation übersprungen werden. Nicht nur, aber vor allem auch bei Geschlechtsunterschieden.

Hier ein Beispiel einer ADS Familie:
Grossvater - ADS Symptome
Sohn- ADS Symptome - DESSEN Tochter ADS Symptome
Tochter 1 - KEINE Symptome - DERER Sohn starke ADS Symptome
Tochter 2 - keine ADS Symptome, aber starke Depression (gleiche Gene, andere Wirkung?)

Es wäre also interessant, den Ursachen, die den von Dir angesprochenen Verhaltensweisen zugrunde liegen, zu erkunden.

gruss, isabel

darf ich Euch noch ein paar Fragen stellen?

Wenn mehrere Personen einer Familie dasselbe auffällige
Verhalten zeigen, würde ich erst einmal davon ausgehen, dass
dieses Verhalten „abfärbt“.
Ich habe allerdings auch schon gehört, bestimmte
Verhaltensweisen (z.B. suizidales Verhalten, Neigung zur
Kriminalität, krankhaftes Lügen) seien einfach Veranlagung und
würden sich manchmal durch vier, fünf Generationen weiter
vererben.
Kann die Neigung zu auffälligem Verhalten wirklich genetisch
bedingt sein? Wie wäre es zu erklären, wenn eine oder zwei
Generationen dazwischen diese Auffälligkeiten nicht zeigen,
sich danach die „Tradition“ aber weiter fortsetzt?

Viele Grüße,

Annette.

Hallo Isabel,

wenn ich Dich richtig verstehe, kommt man da mit Hellinger nicht weiter, oder?
In der durch mich erwähnten Familie ist es so, dass einzelne Personen sehr stark abweichendes Verhalten zeigen, sich über Generationen die Suizide häuften (wobei alle betroffenen Personen männlich waren und denselben Beruf ausübten), während andere trotz erheblicher nervlicher Belastung ungewöhnlich stabil waren oder sind. Bei den belastbaren Personen handelt es sich fast durchweg um Frauen.

Die männlichen Personen, soweit betroffen, zeigten schon als Kinder Verhaltensweisen außerhalb der Norm. So schoß jemand als Jugendlicher seinen besten Freund mit dem Luftgewehr an, balancierte mit geschlossenen Augen in lebensgefährlicher Höhe u.ä.
Die weiblichen Personen trugen es größtenteils mit Fassung. diese seltsame Krankheit befällt anscheinend nur Männer, schon komisch.

Viele Grüße,

Annette.

Hallo Annette,

es ist richtig, daß es bei diversen psychischen Störungen und auch bei psychischen Merkmalen wie z.B. Intelligenz, Aggressivität, Ängstlichkeit erhebliche genetische Anteile gibt. Dennoch muß man hier zwei wichtige Einschränkungen machen:

a) Ein erheblicher Anteil bedeutet nicht, daß es sich bei den Störungen um Erbkrankheiten handelt. Die Umwelt (Erfahrungen z.B. in der Familie, dem Freundeskreis, der Schule, im Beruf usw.) spielt also auch eine erhebliche Rolle. Dies gilt insbesondere für die von Dir genannten Verhaltensweisen.
b) Die Angaben über die Erblichkeitsanteile beziehen sich auf Gruppen von Personen und damit sozusagen auf den Durchschnitt. Bei konkreten Einzelpersonen kann die erbliche Komponente größer oder auch wesentlich kleiner sein.

Erblichkeit sehe ich daher eher im Sinne von Veranlagung. Manche Menschen haben eine Veranlagung zu einer psychischen Störung z.B. zur Depression oder zu einer bestimmten Merkmalsausprägung, z.B. zu hoher Intelligenz. Das heißt aber nicht, daß diese Menschen automatisch depressiv werden oder hochintelligent sind.

Beste Grüße,

Oliver Walter

4 „Gefällt mir“

Hallo Isabel,

wenn ich Dich richtig verstehe, kommt man da mit Hellinger
nicht weiter, oder?

In diesem Fall nicht, nein.

In der durch mich erwähnten Familie ist es so, dass einzelne
Personen sehr stark abweichendes Verhalten zeigen, sich über
Generationen die Suizide häuften (wobei alle betroffenen
Personen männlich waren und denselben Beruf ausübten), während
andere trotz erheblicher nervlicher Belastung ungewöhnlich
stabil waren oder sind. Bei den belastbaren Personen handelt
es sich fast durchweg um Frauen.

Die männlichen Personen, soweit betroffen, zeigten schon als
Kinder Verhaltensweisen außerhalb der Norm. So schoß jemand
als Jugendlicher seinen besten Freund mit dem Luftgewehr an,
balancierte mit geschlossenen Augen in lebensgefährlicher Höhe
u.ä.
Die weiblichen Personen trugen es größtenteils mit Fassung.
diese seltsame Krankheit befällt anscheinend nur Männer, schon
komisch.

Während das, was Oliver sagt, natürlich richtig ist, würde ich bei deiner Beschreibung mal davon ausgehen, dass es sich hier nicht (nur) um erlerntes Verhalten handelt, sondern Abnormalitäten. Diese können natürlich vererbbare Krankheiten sein.

Aber Du schreibst auch, das die Suizidopfer alle den gleichen Beruf hatten. Es ist natürlich sehr schwer, rauszufinden, inwiefern die Berufsergreifung aufgrund einer ‚Veranlagung‘, einem Hang zu bestimmten Tätigkeiten, oder aufgrund von Familientradition erfolgte.

(Wobei ich selbst bei Familientraditionen oft der Meinung bin, dass die Veranlagung erstmal da sein muss - es gibt immer also ‚schwarze Schafe‘ angesehene Familienmitglieder, die so eine Familientradition brechen, weil sie eben anders veranlagt sind, und somit nicht die gleichen Interessengebiete teilen).

Nun, was den Beruf anbetrifft: Wenn ein Beruf mit bestimmten psychischen Belastungen einhergeht, die wiederum suizidales Verhalten hervorrufen können, ist die Frage, kommt das Verhalten von den Genen, oder vom Beruf?

Oder von beidem?

Auf jeden Fall ist es sehr interessant, einen Stammbaum mal auf diese Art und Weise zu betrachten, weil da doch interessante Zusammenhänge auftauchen.

gruss, Isabel