Hallo Mohamed,
das hat mich denn nun doch interessiert, wer wann wo und warum Christoph Luxenberg in der Luft zerrissen hat. Ich habe einen halben Tag darangesetzt und mich durch ca. 300 Internetseiten gewühlt, französische und englische inclusive.
Neben einigen Interviews, vielen referierenden Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehberichten und manchen wissenschaftlichen Darlegungen (die allesamt L’s Thesen für diskussionswürdig halten) habe ich Artikel, die L. „in der Luft zerreißen“ nur aus der Feder von dezidiert muslimisch oder islamisch argumentierenden Verfassern gefunden. Deren entscheidendes Argument ist immer eins: der Koran ist von Allah offenbart und hat deswegen göttliche Qualität. Darum ist die Art, wie L. an ihn herantritt, von vornherein erstens falsch, zweitens verboten und drittens zum Scheitern verurteilt. Dies ist eine Voraussetzung, die ich nicht teilen kann.
Denn: das Gleiche, was dem Islam jetzt bevorsteht, hat das Christentum seit 230 Jahren hinter sich, genauer: seit Lessing die Fragmente von Reimarus veröffentlichte (1774-1777) ist in der christlichen Theologie unendlich viel über die Entstehung des Alten und des Neuen Testaments gearbeitet worden: textkritisch, überlieferungsgeschichtlich, redaktionsgeschichtlich, formgeschichtlich, religionsgeschichtlich, auch ideologiekritisch. Auch die Bibel ist das Wort Gottes, und all die Ergebnisse der wissenschaftlichen Bemühungen - die ich selbst lange und mit großer Freude betrieben habe - haben daran nichts geändert: in den Büchern der Bibel spricht Gott zu den Menschen und zu mir.
Natürlich hat es auch in den christlichen Kirchen viel Widerstand gegeben und gibt es noch. Aber die Behauptung, ein Text sei in seiner vorliegenden Gestalt wörtlich exakt von Gott geoffenbart, ist für einen Philologen kein Argument.
Es mag ja sein, daß L. nicht in allem Recht und manchen Fehler gemacht hat, aber das wird die philologische Diskussion erweisen.
Ich habe vom Aramäischen und Arabischen keine Ahnung, allenfalls ein wenig vom Hebräischen und mehr vom Griechischen, aber ich nehme für mich in Anspruch, die Stichhaltigkeit einer Argumentation beurteilen zu können. Und mich hat L. überzeugt.
Gruß - Rolf
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Übrigens: Die christlichen Kreuzritter waren üble
Mordgesellen, die hoffentlich Gottes Zorn zu spüren bekommen -
mit :euren Religionsverbrechern Osama & Co.
…in aller Regel die alten immer gleichen Vorurteile abgesondert
werden.
Na, dann mach mal klar, dass die Morde, die in Gottes Namen
geschahen, alte Vorurteile sind. Haben die Christen das Gebot gebrochen: Du sollst nicht töten?
Ach, Alexander,
selbstverständlich hast Du vollkommen Recht bei dem, was Du über die Kreuzritter und andere Mordbrenner, die aus dem Christentum hervorgegangen sind, schreibst. Davon ist nichts abzumarkten.
Dies meinte ich aber nicht, habe mich wohl auch ein wenig verkürzt ausgedrückt: ich meinte jene Auslassungen, die ich von ansonsten nachgewiesermaßen recht intelligenten Menschen zu lesen bekomme, Religion sei - um es mal mit Marx zu sagen - „Opium des Volkes“, verleite zur Unselbständigkeit, erziehe zum widerstandslosen Gehorsam, sei nichts anders als Gehirnwäsche etc. etc.
An solchen Diskussionen wollte ich mich mehr beteiligen.
Gruß - Rolf
Handelt die Al Kaida im Namen eures barmherzigenGottes?
Nein.
Warum lese ich das nur hier? Warum habe ich noch keine
Stellungnahme
der Musime gelesen: Das was Osama im Namen Gottes tut, ist ein
Verbrechen.
Ich weiss es nicht. Gesagt und geschrieben wird es. Warum es bei dir nicht ankommt entzieht sich meines Wissens. Just for the record:
Hier ist eine breite Sammlung an Stellungnahmen von Muslimen, muslimischen Organisationen, muslimischen Gelehrten und Wissenschaftlern zu diversen terroristischen Anschlägen. Bemerke: Dies ist nur ein Beispiel und ist nur aus der Einsicht entstanden, dass zwar ständig von Muslimen verlangt wird, sich von Terroristen zu distanzieren, aber die Pressemeldungen, Stellungnahmen und Aussagen islamischer Organisationen einfach kein Gehör bei den Medien finden.
http://www.muslime-gegen-terror.de/erklaerungen.php?..
Ich hoffe, das hilft weiter.
Wenn ich mit Muslimen dieses Problem bespreche, wird mir immer
sehr
eifrig erklärt, das dies sehr unislamisch sei. In Deutschland
wächst
das Unverständnis dieser Untaten.
s.o.
Gruss, Omar Abo-Namous
Hallo Rolf,
frage einfach an bekannteren Universitäten nach Semitistik-Profs, die das Buch gelesen haben. Vielleicht kannst Du Dich mal in eine Vorlesung schleichen und danach einen kurzen Plausch mit dem Dozenten halten.
Dass Luxenberg unprofessionell ist, sieht man allein schon daran, dass er offenbar keinen anderen Exegeten zur Widerlegung der Auslegungstrafition als Tabari zu zitieren vermag. Es gibt auch so manches Lustiges in seinem Buch, die eigentlich auch dem Laien auffallen müssten.
Folgende Seite ist zwar islamisch, aber sicher kannst Du zwischen Zitator und Zitiertem unterscheiden, und genaue Quellenangaben sind dort auch vorhanden: http://www.islamic-awareness.org/Quran/Text/luxrevie…
Auch Ludwig Ammann behandelt das traurige Medienereignis des benannten Amateur-Semitisten in einigen aufklärenden Absätzen seines Buches Cola und Koran - Das Wagnis einer islamischen Renaissance (Herder spektrum, ISBN 3-451-05432-9 Buch anschauen).
Du musst Dir es auch so vorstellen, dass Luxenberg dankbar von der Öffentlichkeit aufgenommen wurde, da er suggerierte, „endlich“ einmal die unangenehme Tatsache vom im Gegensatz zur Bibel unverfälschten Koran in Frage zu stellen. Dementsprechend groß wird die Enttäuschung wohl in einigen Jahren sein, wenn es schon peinlich geworden ist, auf sein Buch hinzuweisen. Bis dahin wird es wohl noch eine Weile vom Glanz seiner Scheinwissenschaftlichkeit zehren.
Viele Grüße,
Mohamed.
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