Hallo
Klar, er war „irgendwie links“, aber was wollte er denn?
Das lässt sich sehr schwer in nur ein paar Zeilen zusammenfassen. Deshalb behelfe ich mir mit einem Zitat von Christian Semmler, der mit Dutschke zusammen im antiautoritären Flügel des Sozialistischen Studentenbund (SDS) aktiv war, und deshalb m. E. am treffendsten wiedergeben kann, was Dutschke wollte.
„Für Rudi Dutschkes Denken und politisches Wirksamkeit in Berlin war entscheidend, dass er ein Fenster zur Welt aufstieß. […] Dutschke beharrte darauf, dass nicht nur in Asien, sondern auch in Afrika und Lateinamerika nationale Befreiungsbewegungen am Werk waren, die sich gegen koloniale und neokoloniale Unterdrückung zur Wehr setzten. […] Es war gerade diese Weitung des Blicks auf die arme Welt hin, auf die Notwendigkeit einer radikal neuen Beziehung der Industrieländer zu den „Verdammten dieser Erde“. […] Dutschke unterstützte alle, auch die bewaffneten Formen des antiimperialistischen Widerstandes. […] Rudi Dutschke war Anhänger einer direkten Basisdemokratie. Die Beliebtheit, deren sich im Milieu der späten 60er-Jahre die Rätedemokratie als Alternative zur parlamentarischen Demokratie erfreute, war nicht nur die Frucht angestrengten Quellenstudiums zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Sie speiste sich auch aus einer politischen Situation, in der es praktisch keine politisch-parlamentarische Kraft gab, der man sich hätte anschließen können. Es war die Zeit der großen Koalition und der Notstandsgesetze […] Für Dutschke und wie für viele Mitstreiter rutschte die Bonner Republik auf einer schiefen Ebene in Richtung des autoritären Staates. Gegenwehr war geboten, und sie konnte nach Auffassung der Linken nur in gesellschaftlicher Gegenwehr bestehen.“
Diese Gegenwehr bestand hauptsächlich darin, jegliche Anpassung abzulehnen, subversiv zu agieren, Zwänge zu zerbrechen, um die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse radikal zu verändern. Das bedeutet also, um wieder konkret auf deine Auflistung zurückzukommen:
Marxismus,
Nein, die antiautoritäre Bewegung des SDS hat sich von den Marxisten abgegrenzt.
Sozialismus,
Ja, aber nicht zu verwechseln mit dem Realsozialismus der Sowjetunion (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus)
Wenn du mehr über Dutschke und seine Gedanken erfahren möchtest, lege ich dir die folgenden Aufzeichnungen ans Herz:
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Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die Tagebücher 1963-1979 ISBN: 3442732026 Buch anschauen
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taz-Journal: Dutschke und Du: Verändern, kämpfen, leben: Was wir von Rudi Dutschke lernen können (dem das Zitat von Semmler übrigens entnommen ist)
http://www.taz.de/digitaz/.1/etc/tazshop/tazshop_cddvd
Viel Spaß bei der Lektüre!
Gruß
Murmel