Was war vor dem Islam?

Hallo an alle,

die Frage mag einige jetzt erheitern, aber ich weiss die Antwort nicht.

Was war vor dem Islam in den Ländern des Halbmondes? Also welche Religion war verbreitet? War es die koptische (die ja wohl christlich ist, also auch eher neuern Datums). Wurden die alten ägyptischen, babylonischen (passendes bitte einsetzten) Götter angebetet?

Gab es sowas wie einen Ur-Islam? An was glaubten die Menschen in Ägypten, im (jetzigen) Libanon, Gaza, Algerien, Marokko, etc… (ich kenne nicht alle damaligen Länder- o. Völkerbezeichnungen).

War der Bergiff Allah damals schon in Gebrauch als „normaler“ Begriff für Gott? (Zerreisst mich jetzt nicht. Allah stellt wohl für die meißten Leute den eindeutigen Hinweis auf den islamischen Glauben dar - nur vielleicht ist das ja ne alte Bezeichnung für Gott…)

Links oder Buchtipps nehme ich dankbar an. Ich weiss ziemlich wenig über den Islam, vor allem über die Zeit vor Mohammed den Propheten.

Danke und Grüsse
Helena

hallo Helena,
Du meinst natürlich die Religion, die die Araber damals hatten?
Denn, dass es das Judentum und das Christentum davor schon gab, ist ja allgemein bekannt.
Lt. dem Buch „Söhne der Wüste“ (sehr empfehlenswert!!) hatten dies Leute verschiedene Religionen, die teilweise Stadtreligionen waren. Die Kabba z.B. war vor Mohammed schon ein Heiligtum und wurde angebetet. Mohammed hat sie schlauerweise mit in seine Firmenreligion (Islam) mit integriert. Er hat auch Teile der mosaischen Religion mitverwendet. Denn Erfahrung damit hatte er. Ebenso mit den Christen.
Wenn Du den Islam aus der geschichtlichen Sicht verstehen willst (z.B. auch die gar nicht so neuen Selbstmordattentate), empfehle ich Dir dieses Buch. Gibt es auch gebraucht bei Amazon.
Grüße
Raimund

Vorislamisches in Arabien
Hi Helena

die Frage nach den vorislamischen Religionen müßte man aufteilen in die Mesopotamiens (Sumer, Akkad, Babylon, Assur, Urartu und andere), Altsyriens (Syrien, Ugarit) und Altarabiens (Saba, Qataban, Ma’in, Hadramaut, und dann Zentral und Nordarabien …). Diese Gebiete sind aber so reichhaltig an Religionen, daß es fast unmöglich ist, das hier kurz zusammenzufassen.

Von speziellem Interesse für deine Frage dürfte daher vor allem das Gebiet Altarabiens sein. Hier gab es reichhaltige Kulte, in denen vor allem der Sternengott 'Attar verehrt wurde, aber auch sehr zahlreiche andere Götter und Göttinnen. Es gab Kultorte, in denen Steinstelen und Steingruppen eine besondere Rolle spielten, es gab weniger Tempel als Gebäude als vielmehr Tempel in Form sakraler, tabuisierter Bezirke (was ja eh die Vorform der Tempel ist),und es gab Gräber und Totenkulte (aus ihrer Form kann man darauf schließen, daß ein Leben nach dem Tod gedacht wurde).

In Zentral und Nordarabien gab es einen Hauptgott namens 'Allah, der als Schöpfergott und als Regengott verehrt wurde. Aber auch andere Götter waren mit von der Partie: z.B. die drei Göttinnen Manat, 'Allat und al-'Uzza, die in ganz Arabien Kulte hatten und teilweise als „die Töchter 'Allahs“ bezeichnet wurden.

Mohammed brauchte so bei seiner Verkündung einer monotheistischen Lehre keinen neuen Gott einzuführen, es machte einfach den eh schon veehrten 'Allah zum Hauptgott - wobei die dort verehrten Göttinnen auf der Strecke blieben.

Der schwarze Stein (vermutlich ein Meteor) in der Ka’ba in Mekka ist ein uralter Kultort gewesen, den Mohammed lediglich „umdefinierte“. Übrigens ist auch der Ritus des „Umlaufs“ um einen sakralen Stein oder eine Steinstele aus den früheren arabischen Kulten übernommen worden …

Reicht dir das fürs erste? *smile*

Gruß

Metapher

u.a. Christen

Was war vor dem Islam in den Ländern des Halbmondes? Also
welche Religion war verbreitet? War es die koptische (die ja
wohl christlich ist, also auch eher neuern Datums).

Damit dürfte die Hauptreligion angesprochen sein. Leider sehr vergessen gibt es diese christlichen Gemeinden ja immer noch, z.B. die assyrische oder koptische Kirche. Sie sind sehr stolz auf ihre Vergangenheit und nehmen in diesen Ländern auf Grund ihrer besseren Schulbildung meist eine gehobene Stellung ein. Inzwischen gereicht dieser Vorteil aber zum Fluch, weil die gute Qualifikation die Auswanderung in den Westen erleichert, was verbunden mit einer westlichen Geburtenrate zum Untergang dieser eigentlichen Urkirchen führen wird.

Andreas