Scheint wohl so, als ob ich mich etwas vom Internet :verabschieden und mehr mit dem Telefon arbeiten sollte.
Nochmal Hallo,
wer selbst im Internet stöbert, hat längst jemanden für die Gestaltung. Der Markt ist schon recht abgegrast. Es gibt aber ein weit größeres Marktsegment der „Internet-Legastheniker“. Das sind Leute, die niemals die Cebit besuchen würden, denen das ganze High-Tech-Getue zuwider ist, die sich nicht endlos mit dem Zeug beschäftigen wollen.
Ich hatte vor etwa 10 Jahren mein Aha-Erlebnis. Meine damalige Freundin, eine Theologin, die mit ihrer Doktorarbeit beschäftigt war, wollte sich dafür einen PC beschaffen. Ich lernte viel Nützliches, als ich bemerkte, nach welchen Gesichtspunkten sie das Gerät kaufte. Überall war von Megabyte und Megahertz, von 386er, Slots und Prozessoren, von bus und Schnittstellen, soundsoviel Zoll des Bildschirms, von Floppy und sonstwas die Rede. Dabei wollte sie doch bloß Pastorin werden und das verdammte Ding möglichst sofort benutzen. Latein und Griechisch wären kein Problem, aber dieses Kauderwelsch aus Trivialbezeichnungen, nirgends erklärten Kürzeln und Denglisch wirkte abschreckend.
In der Nähe der Uni gab es einen Laden, der u. a. PCs verkaufte. Dieser Laden bot nicht etwa mehrwöchige Lehrgänge an. Dafür hatte kein Mensch Zeit und Geld. Der Laden lieferte - man höre und staune - eine in deutscher Sprache verständlich abgefaßte Bedienungsanleitung. Damals lief die Textverarbeitung noch unter DOS, aber es reichte. In der Betriebsanleitung war auch nicht jede Feinheit mit allen möglichen Sonderfunktionen erklärt, aber man konnte danach sofort arbeiten. Die hatten ein kleines Startprogramm installiert, nichts mit C:\ und DOS-Befehl, sondern Einschalten und los. Damals kostete ein PC noch richtig viel Geld, aber der Laden machte ein irrwitziges Geschäft und das letztlich nur deshalb, weil sie sich verständlich auszudrücken verstanden und ihre Kunden nicht mit dem hohlen Gymnasiasten-Gequatsche der technischen Kaufhäuser belästigten. Die verständliche Bedienungsanleitung war der einzige Grund für die Theologie-Studentin, dort den PC zu kaufen.
Solche schlaue Geschäftstüchtigkeit vermisse ich bis zum heutigen Tag in der Branche. Es gibt sogar in der gewerblichen Wirtschaft noch eine verbreitete PC-Abstinenz. Das ist ein gewaltiger Markt, den man sich phrasendreschend nicht erschließen kann. Ebenso verhält es sich mit dem Internet. Sieh’ Dir einmal kritisch die T-Online-Seiten an. Da ist von T-DSL, von ISDN, von Usern, Account und Homepage die Rede. Angesichts eines Marktes mit ersten Sättigungserscheinungen halte ich das für Marketing-Stümperei. So wird ein riesiges Heer von Internet-Analphabeten geschaffen, denen man immer wieder vor den Kopf stößt. Das sind keine dummen Menschen, das ist Marktpotential ohne Ende, aber nicht erschließbar von Spinnern, die immer nur Ihresgleichen imponieren wollen und dabei im Kundenzugang kläglich versagen.
Fachausdrücke sind manchmal unvermeidlich, aber wenn ich Entwicklung und Beratung meine, aber Developement und Consulting sage, dann vernebele ich mehr als zu klären. Ich komme während meiner eigenen Vertriebstätigkeit beinahe täglich mit solchen Sprechblasen produzierendern Blendern in Kontakt. Selten brauche ich mehr als wenige Sätze und wenn ich gemein werde, eine einzige Rückfrage im richtigen Moment, um daraus umgängliche, erdverbundene Menschen zu machen.
Oft genug hat man es mit streng logisch denkenden, hochintelligenten Menschen zu tun, die an der branchenüblichen Schlamperei verzweifeln und aufgeben. Da wird ein und dasselbe Ding abwechselnd Kennung, Code und Pin genannt. Für einen lernenden Menschen wird solches von Unfähigkeit zeugende Geschreibsel schnell unlesbar.
Mit absolut klarer Sprache ohne Vernebelung und ohne den Versuch, durch unverständliches Blendwerk zu beeindrucken, erreichst Du auch das Kundenpotential in Deiner Nachbarschaft.
Zur angepaßten Sprache gehört natürlich auch das Äußere. Wenn Du einen Bio-Bauern überzeugst, daß er mit einer Internet-Darstellung seiner Produkte überregional verkaufen könnte, bist Du schlecht beraten, dort im Abendanzug aufzukreuzen. Und wenn Du in einigen Gegenden Schleswig-Holsteins kein Plattdeutsch sprichst oder wenigstens verstehst, kannst Du’s vergessen, Geschäfte machen zu wollen.
Gruß
Wolfgang