Web-Development: Lokale Kunden finden

Hallo Experten,

inzwischen bin ich seit drei Jahren im Bereich Web-Development (PHP, mySQL und Flash) als Freiberufler tätig und habe inzwischen den Eindruck, es ist leichter über das Internet Kunden in USA und Australien zu finden als am eigenen Wohnort.

Wer von Euch ist in der gleichen Branche tätig und kann mir dies bestätigen oder Hinweise geben, wie man lokale Kunden aus der eigenen Umgebung idealerweise ansprechen kann?

Marian

… Web-Development (PHP, mySQL und Flash)…

Hallo Marian,

wenn Du Kontakt zu einem zukünftigen Kunden aufnehmen möchtest, darfst Du diesen Menschen nicht abschrecken. So platt es klingen mag: Erste Voraussetzung für jede Kommunikation ist eine gemeinsame Sprache. Und nun sage bitte selbst: Wer soll solches Kauderwelsch, wie ich es oben aus Deiner Frage zitiert habe, verstehen?

Dein Kunde ist kein privater Freak. Deine Kunde ist ein Unternehmer, der sein Geld mit Krankenfahrstühlen, als Spediteur oder Bestatter, als Geigenbauer oder Gastronom verdient. Dann mußt Du Dich auch so ausdrücken, daß dem Spediteur oder Geigenbauer nicht der Kiefer herunter fällt, sondern daß er Dich versteht. Wenn Du die Menschen nicht in ihrer Sprache ansprichst, hast Du schon verloren.

Um an Kundenkontakte zu kommen, würde ich mir die Unternehmen der unmittelbaren Umgebung vornehmen, Inhaber und Ansprechpartner telefonisch recherchieren. In einem ersten, ganz kurz zu haltenden Telefonat (unbedingt in verständlicher Sprache, jedes Fachwort bricht Dir das Genick) stellst Du Dich nur als ortsansässiger Dienstleister vor und avisierst Unterlagen, über die Du gerne reden möchtest. Dann verschickst Du etwas Kurzes, Knackiges (aber bitte allgemeinverständlich). Drei Tage nach dem Versand rufst Du wieder an. Dann kannst Du schon merken, ob grundsätzliches Interesse vorhanden ist.

Kommt es dann zu einem persönlichen Termin, führst Du auf Deinem Läppi ein paar Arbeiten vor. Dabei bemerkst Du, in welcher Darstellungsart es dem Kunden gefällt. Interessiere Dich für seine Arbeit, schließlich wird das Gegenstand Deiner Umsetzung in einen Web-Auftritt. Und tue Dir selbst den Gefallen und erzähle keinem Spediteur etwas von „Flash“ o. ä, dresche keine Kauderwelsch-Phrasen, die niemand versteht und die auch ganz einfach niemanden interessieren.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

danke das war sehr aufschlussreich. Scheint wohl so, als ob ich mich etwas vom Internet verabschieden und mehr mit dem Telefon arbeiten sollte.

Das mit dem fachchinesisch verstehe ich gut. Da ich selbst auch Schulungen mache, verwende ich normalerweise bei Kunden keine Fachbegriffe, außer natürlich sie sind Betandteil der Schulung :smile:

Marian

Scheint wohl so, als ob ich mich etwas vom Internet :verabschieden und mehr mit dem Telefon arbeiten sollte.

Nochmal Hallo,

wer selbst im Internet stöbert, hat längst jemanden für die Gestaltung. Der Markt ist schon recht abgegrast. Es gibt aber ein weit größeres Marktsegment der „Internet-Legastheniker“. Das sind Leute, die niemals die Cebit besuchen würden, denen das ganze High-Tech-Getue zuwider ist, die sich nicht endlos mit dem Zeug beschäftigen wollen.

Ich hatte vor etwa 10 Jahren mein Aha-Erlebnis. Meine damalige Freundin, eine Theologin, die mit ihrer Doktorarbeit beschäftigt war, wollte sich dafür einen PC beschaffen. Ich lernte viel Nützliches, als ich bemerkte, nach welchen Gesichtspunkten sie das Gerät kaufte. Überall war von Megabyte und Megahertz, von 386er, Slots und Prozessoren, von bus und Schnittstellen, soundsoviel Zoll des Bildschirms, von Floppy und sonstwas die Rede. Dabei wollte sie doch bloß Pastorin werden und das verdammte Ding möglichst sofort benutzen. Latein und Griechisch wären kein Problem, aber dieses Kauderwelsch aus Trivialbezeichnungen, nirgends erklärten Kürzeln und Denglisch wirkte abschreckend.

In der Nähe der Uni gab es einen Laden, der u. a. PCs verkaufte. Dieser Laden bot nicht etwa mehrwöchige Lehrgänge an. Dafür hatte kein Mensch Zeit und Geld. Der Laden lieferte - man höre und staune - eine in deutscher Sprache verständlich abgefaßte Bedienungsanleitung. Damals lief die Textverarbeitung noch unter DOS, aber es reichte. In der Betriebsanleitung war auch nicht jede Feinheit mit allen möglichen Sonderfunktionen erklärt, aber man konnte danach sofort arbeiten. Die hatten ein kleines Startprogramm installiert, nichts mit C:\ und DOS-Befehl, sondern Einschalten und los. Damals kostete ein PC noch richtig viel Geld, aber der Laden machte ein irrwitziges Geschäft und das letztlich nur deshalb, weil sie sich verständlich auszudrücken verstanden und ihre Kunden nicht mit dem hohlen Gymnasiasten-Gequatsche der technischen Kaufhäuser belästigten. Die verständliche Bedienungsanleitung war der einzige Grund für die Theologie-Studentin, dort den PC zu kaufen.

Solche schlaue Geschäftstüchtigkeit vermisse ich bis zum heutigen Tag in der Branche. Es gibt sogar in der gewerblichen Wirtschaft noch eine verbreitete PC-Abstinenz. Das ist ein gewaltiger Markt, den man sich phrasendreschend nicht erschließen kann. Ebenso verhält es sich mit dem Internet. Sieh’ Dir einmal kritisch die T-Online-Seiten an. Da ist von T-DSL, von ISDN, von Usern, Account und Homepage die Rede. Angesichts eines Marktes mit ersten Sättigungserscheinungen halte ich das für Marketing-Stümperei. So wird ein riesiges Heer von Internet-Analphabeten geschaffen, denen man immer wieder vor den Kopf stößt. Das sind keine dummen Menschen, das ist Marktpotential ohne Ende, aber nicht erschließbar von Spinnern, die immer nur Ihresgleichen imponieren wollen und dabei im Kundenzugang kläglich versagen.

Fachausdrücke sind manchmal unvermeidlich, aber wenn ich Entwicklung und Beratung meine, aber Developement und Consulting sage, dann vernebele ich mehr als zu klären. Ich komme während meiner eigenen Vertriebstätigkeit beinahe täglich mit solchen Sprechblasen produzierendern Blendern in Kontakt. Selten brauche ich mehr als wenige Sätze und wenn ich gemein werde, eine einzige Rückfrage im richtigen Moment, um daraus umgängliche, erdverbundene Menschen zu machen.

Oft genug hat man es mit streng logisch denkenden, hochintelligenten Menschen zu tun, die an der branchenüblichen Schlamperei verzweifeln und aufgeben. Da wird ein und dasselbe Ding abwechselnd Kennung, Code und Pin genannt. Für einen lernenden Menschen wird solches von Unfähigkeit zeugende Geschreibsel schnell unlesbar.

Mit absolut klarer Sprache ohne Vernebelung und ohne den Versuch, durch unverständliches Blendwerk zu beeindrucken, erreichst Du auch das Kundenpotential in Deiner Nachbarschaft.
Zur angepaßten Sprache gehört natürlich auch das Äußere. Wenn Du einen Bio-Bauern überzeugst, daß er mit einer Internet-Darstellung seiner Produkte überregional verkaufen könnte, bist Du schlecht beraten, dort im Abendanzug aufzukreuzen. Und wenn Du in einigen Gegenden Schleswig-Holsteins kein Plattdeutsch sprichst oder wenigstens verstehst, kannst Du’s vergessen, Geschäfte machen zu wollen.

Gruß
Wolfgang

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Hi Marian,

hinsichtlich dessen kann ich Wolfgang nur zustimmen.

Ergänzend möchte ich noch erwähnen, daß Du auch das Wissen Deines potentiellen Kunden abklopfen kannst und schauen kannst, was er an technischem Know How hat.

Was ich oft vermißt habe, sind Menschen die sich mit der Sache wirklich auseinandersetzen und zwar in einer Weise, die dem Kunden gemäß ist. Was nutzt eine irre Flash-WebSite, wenn die meisten Kunden des Auftraggebers noch das Betriebssystem Windows 95 haben und demzufolge auch keinen Flash-Player aus Angst vor Viren downloaden.

Sogesehen ist einfach auch das Klientel des Kunden abzuklären. Flash finde ich persönlich geil, nur was nutzt es, wenn es die meisten User eines Kunden nicht anschauen.

Immer wieder höre ich, daß Java wegen Viren häufig abgeschaltet sein soll. Auch sowas wäre zu klären. Eine Website soll nicht nur gut aussehen, leicht navigierbar sein usw. usf., sie soll auch auf das Klientel abgestimmt sein.Und gerade hier sehe ich ganz große Mankos.

Was nutzt es überall auf der Welt gefunden zu werden, nur nicht am eigenen Wohnort? Ergo, auch der Wohnort sollte in den Metatags integriert sein. Die Kunden geben teils äußerst unpassende Suchbegriffe an. Ich wünschte mir hier eine Beratung seitens des Designers / Programmiers. Dies würde jedoch auch voraussetzen, das Metier zu kennen.

Ich kann mir auch vorstellen, daß eine Spezialisierung interessant sein kann, daß wenn man mal die Sorgen und Nöte eines bestimmten Klientel kennt und weiß, worauf es denen ankommt, kann man hier einen besseren Support in puncto Design, Webhosting, Klientengewinnung usw. übernehmen.

Du schreibst vom Arbeiten vorort… wie wäre es, für Deinen Wohnort eine WebSite, eine Art Branchenbuch zu machen?

Ciao,

Romana
Kundin

Hallo Romana,

danke für die hilfreichen Anmerkungen. Du hast völlig Recht, dass eine Website möglichst gut bedienbar sein muß. Komischerweise verdiene ich inzwischen am meisten, wenn ich einfach die Flash-Intros der Leute so mache wie sie es wollen, auch wenn Sie es später gar nicht nutzen können.

Irgendwie ist es frustrierend, aber sobald ich anfange dem Kunden klarzumachen, dass er kein Flash-Intro brauchen kann, habe ich Ihn verloren und ein anderer bekommt den Auftrag. Also mache ich inzwischen lieber was man von mir verlangt :frowning:

Bei meiner lokalen Kundschaft möchte ich allerdings ein langfristiges Vertrauensverhältnis aufbauen, so dass die Kunden später immer wieder kommen.

Das mit dem Branchenbuch scheint mir eine gute Anregung zu sein. Ich werde mir das mal durch den Kopf gehen lassen.

Marian

Das mit den Computer-Anwendern kenne ich von früher.
Ich war mal in Wiesbaden viele Jahre selbständig und habe die Leute genau so beraten, und Ihnen alle komplizierten Probleme abgenommen. Inzwischen ist mir das Problemlösen im Hardware- und Softwarebereich allerdings zu stressig (man wird älter).

Ich denke aber, vielleicht kann ich im Internetbereich mit einer ähnlichen Strategie auch etwas aufbauen. Vielleicht muß ich auch noch Plattdütsch lernen :smile:

Marian

HI Marian,

beispielsweise gibt es in München Stadtteilseiten. Z.B.

http://www.neuhausen.net
http://www.berg-am-laim.de

Sowas finde ich recht hilfreich.

Ciao,
Romana

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Hallo,

der Spruch vom Propheten, der im eigenen Land nichts zählt, gilt natürlich und leider auch im Internetbereich.

Komischerweise verdiene ich inzwischen am meisten, wenn ich
einfach die Flash-Intros der Leute so mache wie sie es wollen,
auch wenn Sie es später gar nicht nutzen können.

So hart das klingt, das finde ich völlig falsch. Ähnliche Erfahrung habe ich zwar anfangs auch gemacht, aber eine sinnvolle Beratung macht dem Kunden doch schnell klar, was sinnvoll für ihn und vor allem seine User (Kunden) ist. Mal ehrlich: Die meisten Flash-Intros haben NULL Sinn und spätestens beim zweiten Mal gehen sie einem doch schwer auf den Keks.

Es gibt allerdings auch noch Lücken im lokalen Bereich: z.B. Gewerbegebiete. Beispiel: http://www.rurbenden.de
Da denkt kaum jemand dran, aber Firmen und auch Städte / Gemeinden freuen sich über ein Internetangebot.

Gruß

Kater