Wechsel vom Beamtentum in die Wirtschaft

Hallo erst einmal,

ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen.

Es geht darum, dass ich aktuell einen Ausstieg aus dem öffentlichen Dienst in Erwägung ziehe. Ich bin seit ca. 2 Jahren Landesbeamter z.A. (zur Anstellung) im höheren Verwaltungsdienst. Grundsätzlich würde ich nach Ablauf einer Frist von insgesamt 3,5 Jahren der Verbeamtung dann zum Lebzeitbeamten gemacht werden, also in ca. 1,5 Jahren (wenn ich die GEsundheitsprüfung bestehe).

Das ist ja alles sehr gut, wenn man den sicheren Job, das im Vergleich zum Angestelltenstatus höhere Nettogehalt, die sicheren Pensionsbezüge und den Service durch eine Private Krankenversicherung sieht. Auf der anderen Seite hasse ich die Abhängigkeit von der Willkür des Dienstherren und die z.T. wirklich schwierige Situation auf Arbeit, wenn es darum geht motiviert und mit fachlich versierten Menschen zusammen zu arbeiten. Als Akademiker habe ich bei jedem Projekt sofort Fach- und Dienstaufsicht und ein Lernen von erfahrenen Fachkollegen ist in meinem Fall nicht möglich.
Ich habe nach jetzt insgesamt 7 Jahren öffentlicher Dienst das Gefühl, dass ich langsam den Absprung schaffen muss, da ich sonst meine Vorstellungen von einem anspruchsvollen, aufstiegsorientierten und v.a. entwicklungsorientierten Arbeiten abschreiben kann. Außerdem werde ich durch das angestaubte Beamtenimage für die Wirtschaft nicht zwingend interessanter. Die Gelder im ö.D. werden zudem ja auch immer knapper. Dementsprechend sind die Möglichkeiten der bezahlten Fortbildung recht bescheiden und auch finanztechnische Sprünge sind eher die Ausnahme.

Zur Zeit überlege ich in die Wirtschaft (großes Unternehmen, Unternehmensberatung)zu gehen, nur weiss ich nicht, welche Konsequenzen das für meine Rentenversicherung, Sozialversicherung, Krankenkasse usw. hat.

Ich habe gehört, dass der Wechsel in die Wirtschaft mit finanziellen Einbußen einhergeht, weil das Brutto-Beamtengehalt im Vergleich zum Netto relativ niedrig ist und der Arbeitgeber zwar die Sozial-, Renten- und Arbeitslosenversicherung nachzahlt, aber irgendwie nicht voll. Vielleicht könnt Ihr mir hier zur Klarheit verhelfen.
Aber ist dies bei erst 2 Jahren Beamtenbesoldung nicht trotzdem zu verkraften. Schließlich muss es auch einen Preis für die Freiheit und die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung im Beruf geben, oder?

Was die Private Krankenkasse betrifft, weiss ich nicht, ob ich da einfach wieder in die gesetzliche KV kann. Soweit ich weiss, nur, wenn ich unter 42.XXX Euro verdiene, was ich als Sozialwissenschaftler vermutlich eh nicht sofort haben werde. Ich werde froh sein, wenn ich einen Einstiegsjob bekomme und mich mich nicht wesentlich zu meinem jetzigen Gehalt verschlechtere… Muss ich eigentlich die Private Krankenversciherugn zu 100% bezahlen, wenn ich in der Wirtschaft arbeite oder trägt hier der Arbeitgeber in der Wirtschaft einen Teil der privaten Krankenversicherungskosten (aktuell gilt ja die 50%ige Beihilferegelung).

Ach ja, woher bekomme ich denn die Info, welches Bruttogehalt ich in einem Wirtschaftsunternehmen erhalten müsste, wenn ich mein aktuelles Nettogehalt nicht verschlechtern möchte. Ich meine dabei nicht einfache Netto-Brutto-Rechner im Netz, sondern eine Berechnugnsgrundlage, die berücksichtigt, die all die wichitgigen Konsequenzen aus dem Wechsel aus dem Beamten- in den Angestelltenstatus berücksichtigt, z.B. die 100%e Zahlung der Privaten Krankenkasse, etwaige Rückzahlungen in Sozial-, Renten- und Arbeitslosenversicherung oder sonstige Kosten, von denen ich bislang noch nicht einmal getraumt habe.

Ihr seht Fragen über Fragen. Es wäre wirklich sehr nett, wenn jemand mit Erfahrung, z.B. weil er selbst den Schritt gewagt hat, mir helfen könnte, eine gute Entscheidung zu treffen. Ich baue auf Euch… und werde mich jetzt mal an mein erstes Bewerbungsschreiben machen.

Netten Gruß und hoffentlich bis bald… Thomas

Krankenversicherung sieht. Auf der anderen Seite hasse ich die
Abhängigkeit von der Willkür des Dienstherren und die z.T.
wirklich schwierige Situation auf Arbeit,

Meinst Du wirklich, dass es in der Wirtschaft anders zugeht ?? Wennd as Deine Motivation für den Wechsel ist, würde ich noch mal gründlich darüber nachdenken.

Ich habe nach jetzt insgesamt 7 Jahren öffentlicher Dienst das
Gefühl, dass ich langsam den Absprung schaffen muss, da ich

Das stimmt uneingeschränkt.

Die Gelder im ö.D. werden zudem ja auch immer knapper.

Das ist in der Wirtschaft nicht anders.

Konsequenzen das für meine Rentenversicherung,

Dein Dienstherr wird dich nachversichern, allerdings auf der basis Deines Bruttogehaltes, dass Du im öD erhalten hast.

Sozialversicherung, Krankenkasse usw. hat.

Du mußt in die GKV zurück, wenn Du drei Jahre über der Jahresendgeldgrenze verdient hast, kannst Du in die private zurück, Also bei der privaten in einen Anwartschafttarif umstellen.

Ich habe gehört, dass der Wechsel in die Wirtschaft mit
finanziellen Einbußen einhergeht, weil das

Das hängt davon ab, was Du in der Wirtschaft als Gehalt bekommst.

Was die Private Krankenkasse betrifft, weiss ich nicht, ob ich
da einfach wieder in die gesetzliche KV kann. Soweit ich

Du mußt sogar, siehe oben.

verschlechtere… Muss ich eigentlich die Private
Krankenversciherugn zu 100% bezahlen, wenn ich in der

Nein, auch dafür gibt es einen Arbeitgeberzuschuß.

meine dabei nicht einfache Netto-Brutto-Rechner im Netz,

Etwas anderes wirst Du nicht finden

z.B. die 100%e Zahlung der Privaten Krankenkasse, etwaige

Gibts nicht.

Rückzahlungen in Sozial-, Renten- und Arbeitslosenversicherung oder

Hast Du nichts mit zu tun, macht der Dienstherr.

Kosten, von denen ich bislang noch nicht einmal getraumt habe.

Wenn Du die Kosten nicht weißt, wer dann ?

Ihr seht Fragen über Fragen. Es wäre wirklich sehr nett, wenn

Entweder Du willst aus grundsätzlichen Erwägungen aus dem öD raus oder nicht. Du gehst ein Risiko ein, dass nicht zu beziffern ist. Woher weißt Du, dass Du die Probezeit überstehst ? Woher weißt Du, dasss Dein neuer AG nicht kurz nach Deinem Einstieg den Laden dicht macht ? Wenn Du finanzielle Sicherheit will, bleibst Du besser, wo Du jetzt bist. Auch im öD kann man Karriere machen. Wenn Du ins kalte Wasser springen willst, spring ! Eine Schwimmweste gibt es aber nicht, schwimmen mußt du alleine. Wenn Du einen Anhaltspunkt haben willst, welches gehalt zu fordern sollst, wenn Du wechselst, müßte man wissen, was Du gelernt hast und wo Du Dich bewirbst. Als grobe Orientierung, rate ich Dir Dein jetziges brutto plus ein Drittel (andere werden Dir vielleicht andere Zahlen nennen). Noch einen Tip: In der Wirtschaft werden Akademikergehälter auf Jahresbasis verhandelt, nicht auf Monatsbasis.

Hallo Nordlicht, Danke für Deine Infos. Du hast ja scheinbar einen sehr guten Überblick. Bist Du Beamter im ö.D. oder in der Wirtschaft angestellt?

Mir istschon klar, dass in der Wirtschaft auch Idioten und Inkompetenz anzutreffen sind und dass auch dort nicht alles Gold ist was glänzt. Insbesondere die berufliche Sicherheit ist halt nicht gegeben. Wenn man da in ein paar Jahren durch ungünstige Bedingungen rausgekickt wird und nichts Neues findet, dann war es das. Das ist leider die harte Realität zur Zeit. Das mit der Probezeit in einem Unternehmen sehe ich schon auch als Problem, weil ich gestestet und nach kurzer Zeit problermlos wieder gekündigt werden kann. Und das muss nicht mal an meiner unter den Erwartungen gebliebenen Arbeitsleistung liegen, sondern kann durch schlechte Auftragslage, mobbende Kollegen und Chefs und andere unbeeinflussbare externe Bedingungen der Fall sein. Ich weiss. Es ist, wie Du es sagst, man gibt wichtigte Dinge auf für eine Chance, dass man das bekommt, was man sich erhofft. Eine Garantie gibt es nicht. Deswegen mache ich mir ja die Entscheidung gerade eben nicht einfach, sondern überlege und frage im Forum nach Meinungen und Erfahrungen. Meine Hauptmotivation ist, dass ich gerne mit engagierten, sehr gut ausgebildeten, kollegialen Kollegen mit Energie und Enthusiasmus arbeiten möchte, von denen ich auch etwas lernen kann. Die Leute bei mir auf Arbeit sind z.T. sehr nett und bemühen sich, haben aber oft nicht die Ausbildung und z.T. auch nicht die geistigen Voraussetzungen, um das, was ich gerne hätte mit mir zu realisieren. Und da es im öffentlichen Dienst nur so von schlecht besetzten Stellen wimmelt, erhoffe ich mir das in der Wirtschaft anders ist. Hier werden Leute zumindest in höherem Maße wieder entlassen, wenn sie fehl am Platze sind oder nicht motiviert sind. Das ist im ö.D. aufgrund des z.T. vergebenen Beamtenstatus anders. Das Schlagwort lautet z.T. „Innere Kündigung“ und „reine Präsenz statt Arbeit“.

Du sagst, dass 7 Jahre ö.D. schon zu lange sein könnten, um noch für die WIrtschaft interessant zu sein. Gibt es da Richtwerte. Ich arbeite z.Z. als Sozialwissenschaftler vorrangig im Bereich Forschung/Personalauswahl/Organisationsentwicklung und wollte mich jetzt in der Wirtschaft bei Marktforschungsinstituten und Unternehmensberatungen bewerben.

Mit der Nachversicherung durch den Dienstherren, sagst Du, dass dies mich nicht betrifft. Ich muss also hier nicht mitzahlen? Das ist ne echt gute Info. Ich hatte da schon Bedenken, da ich ja zur Zeit keine Renten- und Arbeitslosenversicherung bezahle. Die geht ja normalerweise auch vom Lohn ab.

Ach ja: Woran machst Du denn den Rat für das Einstiegsgehalt fest? („Als grobe Orientierung, rate ich Dir Dein jetziges brutto plus ein Drittel“).

Soweit.

Vielleicht gibt es ja noch andere MEinungen und Erfahrungen. Würde mich über viele Infos und Meinungen freuen.

Hallo Thomas,

objektiv gesehen würde ich von so einem Wechsel immer dringend abraten.

Kommt halt drauf an, wie wichtig dir wenigstens halbwegs gesicherter Arbeitsplatz, Bezüge und Rente sind.

Dann denke auch an andere Vergünstigungen, die du als Beamter bekommst - z.B. Beamtentarife bei Auto-Versicherern usw.

Man kann sich ggfs. ja auch mit internen Stellenausschreibungen beruflich verändern.

Liebe Grüße
Carolin

Meine Hauptmotivation ist, dass ich gerne mit engagierten, sehr gut
ausgebildeten, kollegialen Kollegen mit Energie und
Enthusiasmus arbeiten möchte, von denen ich auch etwas lernen
kann. Die Leute bei mir auf Arbeit sind z.T. sehr nett und
bemühen sich, haben aber oft nicht die Ausbildung und z.T.
auch nicht die geistigen Voraussetzungen, um das, was ich
gerne hätte mit mir zu realisieren. Und da es im öffentlichen
Dienst nur so von schlecht besetzten Stellen wimmelt, erhoffe
ich mir das in der Wirtschaft anders ist. Hier werden Leute
zumindest in höherem Maße wieder entlassen, wenn sie fehl am
Platze sind oder nicht motiviert sind. Das ist im ö.D.
aufgrund des z.T. vergebenen Beamtenstatus anders. Das
Schlagwort lautet z.T. „Innere Kündigung“ und „reine Präsenz
statt Arbeit“.

Hallo,
glaubst du wirklich, dass das in der freien Wirtschaft anders ist???
Dann sprich doch mal mit Bekannten/Freunden drüber, die in der freien Wirtschaft sind, wie die ihre Kollegen sehen…

Je grösser das Unternehmen ist, desto mehr vom öD hat das Unternehmen.

Wenn ich da Verwandte/Freunde reden höre wie es bei Siemens, BMW, Audi, div.Banken aber auch beim kleinen Steuerberater um die Ecke zugeht,dann gefällts mir in meinem Amt auch wieder.

Und entlassen wird des öfteren nicht der Fehlplazierte oder der mit der Inneren Kündigung, sondern der Hochmotivierte, da der eine Gefahr für den Chef und dessen Aufstieg darstellt…

grüsse
dragonkidd