Wechselwirkungen zwischen Giften und Gegengiften

Hallo an Alle

Ich habe mich gerade hier registriert, und möchte gerne eine frage die mich interessiert loswerden.
Kürzlich sah Ich eine Doku bei der es um Chancen und Risiken einer Gegengiftbehandlung bei einer Vergiftung ging (in dem fall ging es um einen Schlangenbiss).

Unabhängig von Schlangenbissen interessiert mich besonders die frage inwieweit bei einer Behandlung mit Gegengiften die Dosis des Gegengiftes eine Rolle spielt.
Ist diese zweitrangig oder kann es im Gegenteil sogar bei falscher Dosierung des Gegengiftes zu weiteren Gefahren kommen, etwa das das Gegengift selbst toxisch wirkt, oder das es bei einer zu niedrigen Dosierung keine Hilfe bietet?

Für die Beantwortung meiner frage bedanke Ich mich im voraus ganz herzlich

l.g.
Grundolph

Hallo,

Gegengifte haben ganz unterschiedliche Ansatzpunkte in ihrer Wirkungsweise.

Medizinische Kohle z.B., die möglichst direkt nach der Einnahme appliziert wird, bindet bestimmte oral aufgenomme Gifte und sorgt dafür, dass das Gift nicht in den Körper gelangt und gar nicht erst wirken kann. Wenn man zu wenig Kohle gibt, wird nicht genügend Gift gebunden, es gelangt in den Kreislauf und wirkt toxisch.
Gibt man zuviel, kann es z.B. zu Verstopfungen führen (was bei lebensbedrohlichen Zuständen zunächst eher vernachlässigt werden kann).

Andere Antidote besetzen die Rezeptoren, an denen die Gifte andocken. Stell es dir so vor, dass das Gift erst durch eine Tür gehen muss, damit es wirken kann; das Antidot fungiert als eine Art Türsteher. Gibt es nicht genügend Türsteher, kommen einige Giftmoleküle doch durch die Türen und wirken toxisch.
In diesem Fall kann es sein, dass es nicht schlimm ist, wenn zuviel gegeben wird.

Dann gibt es Antidote, die einfach entgegengesetzte Wirkungen wie das Gift haben. Z.B. bei einer bestimmten Vergiftung mit Mitteln, die die Frequenz des Herzschlags herabsetzt. Eine Therapie könnte sein, ein Mittel zu geben, das die Herzschlagfolge beschleunigt.
Gibt man zu wenig, bleibt das Herz zu langsam, gibt man zu viel, schlägt es zu schnell oder unregelmäßg mit den entsprechenden Konsequenzen (niedriger Blutdruck, Schock, Bewusstlosigkeit, Tod).

Es gibt noch viele andere Wirkungsmechanismen, die hier zu weit greifen würden.

Grüße
Liete

Das Wort „Gegengift“ ist ein Begriff der volksnah und gebräuchlich ist, mit der tatsächlichen biochemischen Wirkung eines „antidots“ nichts zu tun hat. Für alle Gifte die die Menschen so einnehmen, freiwillig oder nicht, hat man in der Medizin versucht, die Wirkung zu hemmen. Für alle Arzneimittel die in Überdosierung tödlich sein können, muss der Hersteller ein „antidot“ nachweisen, das in Notsituationen die Wirkung des Medikaments aufhebt. Zum Beispiel Medikamente die die Blutgerinnung hemmen. Für jeden Fall muss ein antidot speziell auf wissenschaftlicher Grundlage existieren oder entwickelt werden. Antidots gegen Schlangengifte sind Antikörper die das Schlangengift im Blut binden und ihre Wirkung blockieren. Man immunisiert Pferde durch mehrfache niedrige Dosen des Schlangengifts, so dass das Pferd nicht von dem Schlangengift geschädigt wird aber Antikörper entwickelt. Diese Antikörper werden gereinigt und dem Menschen nach einem Schlangenbiss injiziert. Die Antikörper vom Pferd binden und neutralisieren dann das Schlangengift.
Der Vortei der Erzeugung von Antikörpern ist, dass man Gemische vieler Schlangengifte einsezen kann. Man erhält so Seren die für eine bestimmte Region (Australien, Südamerika etc) gegen alle dort häufigen gefährlichen Schlangen wirken.
Udo Becker