Weckkucken

Hallo zusammen,

normalerweise empfindet man seine Sprache ja als ziemlich logisch. Das hört auf, wenn man ein Kind hat, das Schreiben lernt.

Wie kommt es, dass sich die Schreibweise „gucken“ durchgesetzt hat, wo bestenfalls der Maddin am Anfang ein g- schreiben würde (aber auch ein -gg- statt -ck-)?

Und warum klingt „der Weg“ ganz anders als „weg“ und erzeugt bei Kindern Irritation wenn sie eine „Mehrwegflasche“ für „mehr weg als da“ halten.

Hat jemand eine Vermutung?

Gruß!

Horst

Hallo zusammen,

normalerweise empfindet man seine Sprache ja als ziemlich
logisch. Das hört auf, wenn man ein Kind hat, das Schreiben
lernt.

Wie kommt es, dass sich die Schreibweise „gucken“ durchgesetzt
hat, wo bestenfalls der Maddin am Anfang ein g- schreiben
würde (aber auch ein -gg- statt -ck-)?

Also, ich „kucke“ fast immer: ich kucke nach, ich kucke aus dem
fenster, ich kucke in den Briefkasten. Das einzige, was ich „gucke“,
ist TV (in Ermangelung eines geeigneten Gerätes allerdings auch eher
sporadisch :smile:

Und warum klingt „der Weg“ ganz anders als „weg“ und erzeugt
bei Kindern Irritation wenn sie eine „Mehrwegflasche“ für
„mehr weg als da“ halten.

Weil „Weg“ ein anderes Wort ist als „weg“.

Ciao,

Judy

Hallo, Horst!

normalerweise empfindet man seine Sprache ja als ziemlich logisch. Das hört auf, wenn man ein Kind hat, das Schreiben lernt.

Nun, das hört auch schon auf, wenn man selber überlegt, warum dies so und jenes anders geschrieben wird.

Wie kommt es, dass sich die Schreibweise „gucken“ durchgesetzt hat,

Da sieht nach einem echten Nord-Südkompromiss aus.

Wenn ein/e Ober/Süddeutsche/r, sagen wir mal ein Schwabe, „gugg!“ sagt, so wird er wohl auch „guggen“ schreiben; wenn denn die Regel gilt: Schreibe, wie du sprichst.

Nach eben dieser Maxime wird ein/e Nieder/Norddeutsche/r, sagen wir mal eine Lübeckerin, „kieken“ schreiben.

Wenn nun die beiden Sprech- und Schreibungen in Texten aufeinanderstoßen, so kann ein findiger und auf allseitige Zufriedenheit achtender Schreiber einer der Reichskanzleien - und dies waren, mehr noch als Luther, die Brutstätten den „Hochdeutschen“ - auf die Schreibung: „gucken“ kommen; denkbar wäre auch „kucken“ gewesen.

Sodass es wenigstens vier Formen des Verbs gibt:
guggen, gucken, kucken, kieken , die alle einmal verwendet wurden, je nach dem, wo der Sprcher und Schreiber lebte.

Die Form „gucken“ scheint mir ein gelungener Kompromiss zu sein, aber wie du lesen kannst, wird er nicht überall akzeptiert.

Und warum klingt „der Weg“ ganz anders als „weg“ und erzeugt bei Kindern Irritation wenn sie eine „Mehrwegflasche“ für „mehr weg als da“ halten.

Das ist eine Schwäche der deutschen Sprache; dass sie nicht eindeutig die Fonetik in der Orthografie wiedergibt; wenngleich es bei uns damit besser steht als etwa bei Franzosen und Engländern.
Ich erinnere an: ghoti!

Es war wohl erst in frühhochdeutscher Zeit, dass das Nomen „Weg“ und das Adverb „weg“, die denselben etymologischen Ursprung haben, durch die Aussprache unterschieden wurden. Und diese Zusammengehörigkeit hat wohl auch dazu geführt, dass trotz unterschiedlicher Aussprache, die Schreibung gleich blieb.

„Der Weeeg“ wird lang gesprochen, „geh weck“ wird kurz gesprochen; und die hier von mir gewählte Schreibung würde Missverständnisse vermeiden; soo weit aaber haaben sich die Bemühungen deer Reformer nie gewaagt. Und wohl zu Recht.

In nördlicheren Gefilden bringt die Aussprache „Weech“ und „wech“ auch keine Klarheit zustande.

Hat jemand eine Vermutung?

Es sind in der Tat eher Vermutungen; aber in diesen Dingen bewegt man sich meist auf wenig festem Boden.

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Da sieht nach einem echten Nord-Südkompromiss aus.

so etwas gibt es?

Klingt jedenfalls sehr einleuchtend. Ich stell mir gerade vor, wie die Germanen zu den Kelten sagen: Okay, wir nehmen euer GG, aber ihr akzeptiert unser K, also „kuggen“ - sonst werden wir keine Protodeutschen.
Darauf sagt der Kelte: Nix da! Unser G steht vorn, euer KK steht in der Mitte, also „gukken“.
Wie sieht denn das aus? fragt der Germane, dann will ich schon ein besseres Design, bei „gucken“ schlag ich drauf ein!
Abgemacht, sagt der Kelte, ich zieh sowieso bald weiter nach Westen, dann kannst du das mit den „Frangge“ ja abändern wie du willst.

Gruß!

Horst

Glaub mir, Horst,

man hat schon Pferde kotzen sehn und sogar vor Apotheken! :wink:

Da sieht nach einem echten Nord-Südkompromiss aus.

so etwas gibt es?

Ohja! Die Arbeit Dudens beruht auf solchen und schon Luther fing damit an.

Beide haben aber das Ober/Süddeutsche ein wenig geduckt.

So ist hochsprachlich „schwätzen“, dass im Süden durchaus auch: „reden, sprechen“ bedeutet, deutlich schlechter als die anderen beiden.

Klingt jedenfalls sehr einleuchtend. Ich stell mir gerade vor, …

So stelle ich mir das auch vor! :wink:

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

Nach eben dieser Maxime wird ein/e Nieder/Norddeutsche/r,
sagen wir mal eine Lübeckerin, „kieken“ schreiben.

Das wird die Nieder-/Norddeutsche Lübeckerin nur, wenn sie Platt schnackt/schreibt, sonst schreiben wir auch „gucken“ - sprechen aber eher „kucken“. (Auf Ortsausgangsschildern kannst Du hier häufig die fröhliche Einladung „Kiek mol wedder in“ lesen).

Bei Weeech und wech ist das etwas anderes, das wird auch in der nicht plattdütschen Alltagssprache verwendet.

Schönste Lübecker Grüße
MrsSippi