Hallo, Horst!
normalerweise empfindet man seine Sprache ja als ziemlich logisch. Das hört auf, wenn man ein Kind hat, das Schreiben lernt.
Nun, das hört auch schon auf, wenn man selber überlegt, warum dies so und jenes anders geschrieben wird.
Wie kommt es, dass sich die Schreibweise „gucken“ durchgesetzt hat,
Da sieht nach einem echten Nord-Südkompromiss aus.
Wenn ein/e Ober/Süddeutsche/r, sagen wir mal ein Schwabe, „gugg!“ sagt, so wird er wohl auch „guggen“ schreiben; wenn denn die Regel gilt: Schreibe, wie du sprichst.
Nach eben dieser Maxime wird ein/e Nieder/Norddeutsche/r, sagen wir mal eine Lübeckerin, „kieken“ schreiben.
Wenn nun die beiden Sprech- und Schreibungen in Texten aufeinanderstoßen, so kann ein findiger und auf allseitige Zufriedenheit achtender Schreiber einer der Reichskanzleien - und dies waren, mehr noch als Luther, die Brutstätten den „Hochdeutschen“ - auf die Schreibung: „gucken“ kommen; denkbar wäre auch „kucken“ gewesen.
Sodass es wenigstens vier Formen des Verbs gibt:
guggen, gucken, kucken, kieken , die alle einmal verwendet wurden, je nach dem, wo der Sprcher und Schreiber lebte.
Die Form „gucken“ scheint mir ein gelungener Kompromiss zu sein, aber wie du lesen kannst, wird er nicht überall akzeptiert.
Und warum klingt „der Weg“ ganz anders als „weg“ und erzeugt bei Kindern Irritation wenn sie eine „Mehrwegflasche“ für „mehr weg als da“ halten.
Das ist eine Schwäche der deutschen Sprache; dass sie nicht eindeutig die Fonetik in der Orthografie wiedergibt; wenngleich es bei uns damit besser steht als etwa bei Franzosen und Engländern.
Ich erinnere an: ghoti!
Es war wohl erst in frühhochdeutscher Zeit, dass das Nomen „Weg“ und das Adverb „weg“, die denselben etymologischen Ursprung haben, durch die Aussprache unterschieden wurden. Und diese Zusammengehörigkeit hat wohl auch dazu geführt, dass trotz unterschiedlicher Aussprache, die Schreibung gleich blieb.
„Der Weeeg“ wird lang gesprochen, „geh weck“ wird kurz gesprochen; und die hier von mir gewählte Schreibung würde Missverständnisse vermeiden; soo weit aaber haaben sich die Bemühungen deer Reformer nie gewaagt. Und wohl zu Recht.
In nördlicheren Gefilden bringt die Aussprache „Weech“ und „wech“ auch keine Klarheit zustande.
Hat jemand eine Vermutung?
Es sind in der Tat eher Vermutungen; aber in diesen Dingen bewegt man sich meist auf wenig festem Boden.
Gruß Fritz