Weg-gehen seinen Weg gehen?

Hallo,
ich fing grade an, mich über folgendes zu wundern:
Welcher zusammenhang besteht eigendlich zwischen den Worten:
„weg(gehen)“ und „(seinen) Weg (gehen)“?
Ist doch irgendwie zu ähnlich, um reiner Zufall zu sein, oder?
Im Italienischen ist es ja ganz ähnlich: „Vai vía“ heißt, je nach Betonung: „Hau ab!“ oder „Gehst du weg“. Italienisch „vía“ bedeutet eben sowohl „weg!“ als auch „(der) Weg“.
Also „vaí vía!“ = „gehe weg!“ UND „gehe (den) Weg!“ Oder?
(Sowieso finde ich merkwürdig, daß sich zu italienisch „andare“ = gehen die Verbform "vado/vai/vamos gebildet haben.)

Wurde bei uns vielleicht früher für „geh weg!“ noch sowas wie
„gehe deiner Wege!“ gesagt?
Wenn man den gestreckten Arm und Zeigefinger sieht und „hau ab, weg!“ hört, denn weiß man ja wohl, daß einem „der WEG gewiesen wird“.
Hat jemand Ideen zu dieser Angelegenheit?
Danke, und liebe Grüße (specialmente a qualcuno chi sa che parlo di lui… piccoli bacioni!),
Amoeba

Hallo, Amoeba,

„geh weg“ ist in der Tat die Kurzversion von „geh deinen Weg!“

Nicht wirklich klar wird das aus den Artikeln bei Kluge. Aber wenn man genau hinschaut, wird es schon klar.

_ weg
Adverb Standardwortschatz (14. Jh.), mhd. enwec, ahd. in weg „auf dem Weg“, mndl. enwech, mndd. enwech Stammwort. Entsprechend ae. on weg, ne. away, nndl. weg. Als zweiter Bestandteil von Zusammensetzungen (hinweg usw.) teilweise mit Sonderbedeutung „drauf los“ (frischweg, durchweg(s).
Ebenso nndl. weg, ne. away, nschw. i väg, nnorw. i vei, vekk. deutsch s. Weg

Weg
Substantiv Maskulinum Standardwortschatz (8. Jh.), mhd. wec, weg, ahd. weg, as. weg Stammwort. Aus g. *wega- m. „Weg“, auch in gt. wigs, anord. vegr, ae. weg, afr. wei. Dem Sinn nach vergleicht sich außergermanisch lit. vEze „Wagen-, Schlittengeleise“ und vielleicht l. via f. „Weg“ (dessen lautliche Vergleichbarkeit allerdings umstritten ist). Weiter zu g. *weg-a- „bewegen“, ig. *wegh- „tragen, bringen, fahren“. Zu diesem s. bewegen2, wägen, wiegen2. Die Bedeutung geht am ehesten von „Geleise, Spur“ aus und stellt sich zu der verbalen Bedeutung „fahren“.
Ebenso nndl. weg, ne. way, nschw. väg, nisl. vegur; abwegig, Gangway, weg, wegen, Wegerich.
Meillet, A. FS Andler (1924), 249-255;
Nieto, E. Emerita 56 (1988), 37-41;
Röhrich 3 (1992), 1703-1705. indogermanisch s. bewegen_

Ich hoffe, das hilft dir.

Gruß Fritz

Fast schon off-topic
Bemerkenswert finde ich, dass die Wörter unterschiedliche Aussprachen entwickelt haben… [vɛk] vs. [veːk]

Gruß,

  • André
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Hallo, Fritz und André, vielen Dank für eure Beiträge!
André, ich finde deine Bemerkung überhaupt nicht off-topic, genau der Punkt interessiert mich auch sehr. Ich mein, zu direkten Verwechslungen kann es ja nicht kommen, die eine unterschiedliche Aussprache erzwingen, jedenfalls fiele mir jetz nichts ein.
Daher erfreche ich mich jetzt, die Antwort von Kondi, die scheinbar sofort wieder gelöscht wurde, neu zu posten:


Wenn z.B. die Polizei einen Platz von
Passanten räumt, indem sie (immer
vorne) einen Weg freimacht, mit:
„den Weg da frei(machen)!“
und die Passasnten vorne geben diese
Aufforderung (möglichst dringlich)
weiter, damit ihnen keinere mehr im
Wege steht:
Mit „Weeech da!“ oder mit „weggg da!“ ?
Lieber André, mag hier der Grund für
die versciedene Aussprache liegen?

Ich muß weggg, Kondi.

Hm, so könnte es gewesen sein, was meint ihr?
Ich freue mich auf weitere Ideen,
Amoeba

Hm, so könnte es gewesen sein, was meint ihr?
Ich freue mich auf weitere Ideen,
Amoeba

Hehe… wer weiß. :wink:

Meine Mutter sagt manchmal, wenn sie einkaufen geht, „Isch bin ä ma’ ä Weesch!“ (ich bin einmal einen Weg). Erinnert ein wenig an das englische „away“. Hier erkennt man die Verwandtschaft deutlich, will ich meinen.
Allerdings ist im Sächsischen die Aussprache noch anderser: Weg = „Weesch“ ([veːʂ]) und weg = „weck“ ([vɛk]) wie im Hochdeutschen.

Sou, un’ isch bin jetz’ ooch ma’ ä Weesch,

  • dor Ontré