Hallo Gemeinde!
Ich bin ein 25 Jhre junger Mann, der zur Zeit als Kurierfahrer arbeitet. Vom Brutto bleibt wie üblich grad die Hälfte über, sodass mir mein Chef angeraten hat, zwar weiterhin für ihn zu fahren, aber auf selbständiger Basis. Ich würde weiterhin sein KFZ benutzen, ihm also nur meine Arbeitszeit / -kraft verkaufen.
Was sind da die wichtigsten Änderungen für mich? Klar, müsste mich selbst versichern, aber ist dieser Schritt Steuer / USt-mäßig auch sinnvoll?
Gibt es noch andere Dinge, auf die ich achten muss?
Ganz herzlichen Dank für eure Antworten!
Was sind da die wichtigsten Änderungen für mich? Klar, müsste
Du trägst die Risiken selber.
mich selbst versichern, aber ist dieser Schritt Steuer /
USt-mäßig auch sinnvoll?
Das kommt darauf an, wie die Vergütung aussieht. Du trägst die Sozialabgaben komplett selbst und bei Krankheit, Urlaub und Auftragsrückgang verdienst Du nichts.
Gibt es noch andere Dinge, auf die ich achten muss?
Haftungsfragen, wenn Du Kundeneigentum oder ein Fahrzeug beschädigst.
Servus,
weisungsgebundene Tätigkeit mit fremden Arbeitsmitteln ist ein typischer Fall von Scheinselbständigkeit.
Die ist für den Arbeitnehmer angenehm, weil die Sozialversicherungsbeiträge dann nicht 50:50 aufgeteilt werden, sondern zu 100% vom Arbeitgeber getragen werden müssen. Unangenehm daran kann werden, dass das erst bei irgendeiner künftigen Sozialversicherungsprüfung auffliegt, und der Arbeitgeber dann eine so dicke Rechnung bekommt, dass er davon pleite geht.
Für den Arbeitnehmer kann unangenehm werden, wenn er krank wird, einen Unfall hat, in Urlaub gehen will etc. etc., und nicht damit gerechnet hat, daß da plötzlich kein Geld mehr kommt.
Oder wenn er z.B. bei Glatteis den Wagen an eine Ampel setzt, dabei Wagen und Inhalt kaputthaut und vorher nicht gelesen hat, was zu solchen Themen in seinem Vertrag steht, und keine geeignete Versicherung abgeschlossen hat.
Oder wenn er wegen Auftragsschwundes nicht mehr gebraucht wird und dann mit u.U. ganz kurzer Frist von vollen Einnahmen auf ALG II rutscht.
Die Steuerbelastung ist beim Scheinselbständigen ungefähr gleich, je nach Gewerbesteuer-Hebesatz kann sie ein bissel höher sein als beim Arbeitnehmer.
Schöne Grüße
MM
Hallo!
Vom Brutto bleibt wie üblich grad die Hälfte über,
Was sich durch die (Schein-)Selbständigkeit nicht unbedingt ändern wird - schließlich kriegst Du ja auch keinen Arbeitgeberantuil mehr, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen bezahlten Urlaub, keine Unfallversicherung etc.
sodass mir mein Chef angeraten hat
-) Der Gute!
aber auf selbständiger Basis.
Wahrscheinlich für das gleiche Geld oder geringfügig mehr? Dann spart dein Chef eine Menge und Du zahlst drauf.
aber ist dieser Schritt Steuer /
USt-mäßig auch sinnvoll?
Meiner Meinung nach nicht. Selbständigkeit ist nur dann eine feine Sache, wenn man auch wirklich selbständig agieren kann - z.B. wenn Du mit eigenem Fahrzeug für mehrere Firmen fährst, einen besonderen Service bietest, dadurch lukrativere Aufträge bekommst usw. Bei dem Modell, das dein Chef vorschlägt, kombinierst Du eigentlich nur die Nachteile des Angestelltendaseins mit den Nachteilen der Selbständigkeit - während dein Chef die Vorteile eines ASngestellten mit den Vorteilen eines dienstleisters kombiniert.
Gruß,
Max
Vom Brutto bleibt wie üblich grad die Hälfte über,
sodass mir mein Chef angeraten hat, zwar weiterhin für ihn zu
fahren, aber auf selbständiger Basis.
Weil der Chef dann seinen Anteil Sozialabgaben spart und Dich bei Auftragsflaute sofort entsorgen kann. ALG bekommst Du dann auch nicht, sondern Du rauschst sofort zu der Armenhilfe, welche nach dem vorbestraften VW- Angehörigen benannt ist.
Ich würde weiterhin sein KFZ benutzen, ihm also nur meine
Arbeitszeit / -kraft verkaufen.
Das nennt sich dann gesetzwidrige Scheinselbstständigkeit und kostet bei Aufdeckung richtig Geld.
Gibt es noch andere Dinge, auf die ich achten muss?
Selbstständig macht man sich mit einer guten Geschäftsidee. Und nicht deshalb, weil der Chef Sozialabgaben sparen möchten und keine Kündigungsfristen mehr einhalten möchte.
Caspar
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