Hallo Funirl184 - den Namen finde ich komisch, ich sage einfach Steve zu Dir, das finde ich persönlicher.
Folgendes Vorgehen ist korrekt und auch glaubhaft: Auf keinen Fall gehst Du jetzt noch in irgendeine Klinik, da der Unfall ja schon gestern um 16.30 passiert ist, es sei denn, Du bekommst wahrlich jetzt noch unerträgliche Schmerzen. Versuch noch, ein Schmerzmittel zu ergattern, z.B. Ibuprofen 400 oder 600 oder auch Novalgin Tropfen , das wird Dir über die Nacht helfen. Am Samstag früh begibst Du Dich in das nächste Krankenhaus mit einer chirurgischen Ambulanz - das ist wichtig, weil die das dann auch gleich als Arbeits/Wegeunfall aufnehmen können - die haben die Bezeichung DÄrzte wie „Durchgangsärzte“ und dürfen solche Arbeits/Wegeunfälle aufnehmen und behandeln. Du machst möglichst knappe und präzise Angaben (vorher kurz notieren), dazu gehört: Arbeitgeber, wann Feierabend, warst Du direkt auf dem Weg von der Arbeit nach Hause - denn wenn Du einen Umweg gemacht hast und noch einkaufen warst, ist das kein Wegeunfall mehr- wann und wo genau und wie ist der Unfall passiert und was hast Du Dir dabei verletzt, wann sind die Schmerzen aufgetreten, sind sie über Nacht schlimmer geworden oder schon weniger, was hast Du eingenommen, um die Schmerzen zu besänftigen. Wenn Du das alles genau beschreiben kannst, spielt es keine Rolle, daß Du erst Stunden später einen Arzt aufgesucht hast, wichtig ist, daß die Geschichte genau und damit glaubhaft ist. Der Arzt - meist ein Chirurg - wird Dich dann untersuchen, eventuell eine Röntgenaufnahme machen lassen und wird den ganzen Vorgang in einen sogenannten D-Arzt-Bericht schreiben. Wenn Du eine schwere Verletzung davongetragen hast - was sich nicht unbedingt so anhört - wird die weitere Behandlung über DÄrzte laufen, das sind dann eben die Ärzte, die mit den Berufsgenossenschaften Verträge haben. Er wird Dich dann auch wenn nötig krank schreiben. Wenn die Verletzung leichter ist, wird er entscheiden, daß die weitere Behandlung kassenärztlich läuft, Du bekommst dann einen Durchschlag von dem D-Arzt Bericht mit und gehst dann am Montag zu Deinem Hausarzt. (Oder, wenn Du nicht so schwer verletzt bist, daß Du krank sein mußt, gehst Du zur Arbeit und suchst Deinen Hausarzt nach Deiner Arbeit in der Abendsprechstunde auf.) Dem mußt Du dann den Durchschlag des Berichtes geben, damit er die Daten aufnehmen kann und er kann Dich dann weiterbehandeln. Die Rezepte, die er Dir dann möglicherweise gibt, laufen über die Berufsgenossenschaft und kosten Dich nichts, wenn Dein Hausarzt das korrekt macht, steht das dann auch auf den Rezepten drauf. Dein Hausarzt kann entscheiden, ob er Dich nicht doch krankschreiben sollte, manche Verletzungen machen ja erst nach einer gewissen Zeit richtige Schmerzen. Wenn Folgeerscheinungen auftreten, mußt Du Dich dann aber wieder bei einem D-Arzt vorstellen, praktischerweise natürlich da, wo Du schon gewesen bist. Alle Verordnungen, die mit dem Unfall zu tun haben, seien es Schmerzmittel, Gymnastik oder Massagen oder Anderes, sind frei und gehen zu Lasten der Berufsgenossenschaft. Dein Hausarzt wird das dann auch nicht über die Chipkarte abrechnen, sondern Dir zum Weiterleiten oder der Berufsgenossenschaft direkt eine Rechnung schreiben. Du brauchst für diese Dinge, die mit dem Unfall zusammenhängen, auch beim Hausarzt nicht die 10Eur Praxisgebühr zu bezahlen. Wenn Du nett bist, kannst Du Deinem Hausarzt trotzdem die Chipkarte geben, dann kann er auch darüber ein wenig abrechnen, man hat ja oft irgendwelche extra Fragen.
Hört sich alles kompliziert an, ist aber ganz einfach, wenn man die Abläufe kennt. Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du mich ruhig nochmal anschreiben.
LG Dr. Pit Matthiesen