Wehrstammbuch

Hallo,
hatte zwei Opis, welche beide im zweiten Weltkrieg dienten, einer hatte überlebt, einer gilt als verschollen. Bin dann mal irgendwann auf die Idee gekommen und habe mir von der Deutschen Dienststelle in großen Zeitabständen Informationen über beide an Land gezogen. Von dem einen habe ich nur sehr wenig erhalten, dafür überraschender Weise von dem anderen ne Menge mehr. Hätte hierzu einige Fragen und hoffe, vielleicht ein paar Antworten zu bekommen. Muss betonen, habe von Militärsachen wenig bis keine Ahnung.

Es fängt an bei der Anforderung solcher Unterlagen bei dieser Dienststelle. Man muß einen Preis nennen bis zu welchem man bereit ist, Unterlagen zu zahlen. Beim ersten mal bin ich dem auch nachgekommen, bei den Unterlagen des anderen Opis habe ich auch einen Preis genannt, aber auch erklärt, sollten sie mehr Unterlagen haben, als der genannte Preis betrifft, sollten sie mir Bescheid geben, wäre dann auch bereit mehr zu zahlen. Gekommen sind nur Unterlagen bis zum genannten Preis. Sind die da nicht verpflichtet einen mitzuteilen, wenn es mehr Unterlagen geben würde. ?

Die Unterlagen die ich nun mehr erhielt, sind teilweise in der Reihenfolge schon ziemlich durcheinander und für mich als Laie kaum im Zusammenhang zu bringen. Habe trotzdem versucht aus dem Chaos einen datenmäßig nachvollziehbaren Verlauf zu gestalten. Der Anfang ist für mich dabei fraglich und schockierend. Wie erwähnt, über den anderen Opa habe ich solche Sachen nicht erhalten.

Es beginnt mit einem Dokument von 1939, wo mein Opa unterschreiben mußte, das er kein Jude wäre. Dann folgt der Ersuch um Auskunft, aus dem Strafregister, dann zwei Monate nach Erhalt des Auszuges aus dem Register eine Untersuchung auf Wehrdiensttauglichkeit.
War das früher die normale Vorgehensweise. ?

Bei meinem anderen Opa gab es Papiere über ein Eintritt in Partei NSDAP, dann später ein Austritt. Über den jetzigen Opa habe ich solche Sachen nicht erhalten. ? Habe gehört es wäre früher Pflicht gewesen, in so eine Partei einzutreten. ?

1940 ist dann ein Eintrag in einem Strafbuch zu finden, wo steht, man habe mein Opa in einem Lokal erwischt, wo er sich wohl einen genehmigt hat, ohne einen Urlaubsschein zu besitzen.:smile: 3 Tage verschärfter Arrest.
Bedeutet wohl im Bunker sitzen. ? Weiß jemand, wie sowas heute bestraft wird in unserem Lande :smile: ?

Unterschrieben wurde der Eintrag ins Strafbuch von einem Freiherr von Wangenheim, Major und Batl. Kdr. Könnte es sich um den von Wangenheim handeln, welcher 1944 in russische Gefangenschaft geriet und dort 1953 erhängt gefunden wurde. (Wikipedia). ?

Was bedeutet Stab „Ldsch.“ - Schützen Bataillon 265. Ich meine hier die gekennzeichnete Abkürzung. ?

In einem kopierten Dokumententeil sind Abkürzung, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Auf der linken Seite steht Wehrstammkarte Nr. usw., auf der rechten Seite Wehrnummer usw. Hierunter sind diverse Spalten mit Abkürzungen. Unter einer Spalte 11 steht Fremdsprachen und dann eine 8 oder ein B und siehe Anleitung. ?
In einer Spalte 12 b steht, Befähigungsnachweis RLB. ?
In einer Spalte 13 a steht „zul. 16.9.30“, siehe Anleitung. ?
Ach ja, ganz oben in einer Spalte Brüder steht 1919 und Schwestern 09,12,14 + 22,24. Ich gehe davon aus, hiermit sind die Geburtsjahre der Geschwister gemeint. ? Mein Opa war Baujahr 1907.

Mein Opa war ein kleines schmächtiges Persönchen, Beruf eigentlich Angestellter und wurde dann im Krieg zum ? Fernsprecher ? ausgebildet. Da steht dann irgendwo Stiefelgröße 27. Kann mir jemand das Mass mal in normale Maße vermittelten. ?

Es ist auch öfter das Wort „Kriegsstammrollenauszug“ erwähnt.
Wozu diente das. ?

Nach letzter Meldung wurde er 1946 als ehemaliger Angehöriger der 114. Jäger Division von einer britischen Entlassungsstelle registiert.
Zuvor geriet er wohl in amerikanische Gefangenschaft. Kann man hierüber auch noch irgendwie irgendwo Unterlagen erhalten. ?

Mussten früher alle Soldaten, wenn überhaupt möglich, ihre Kriegspapiere nach Kriegsende abgeben und sind die Kopien die man von Deutschen Dienststellen erhält, Kopien von Kopien. ? Auf einem Dokument ist sogar ein Foto von ihm.

Vielen Dank
Dagmar

Moin moin Moni,

ich würde dir empfehlen in deinem Bekanntenkreis mal nach einem aktiven oder ehemaligen Offizier oder Unteroffizier zu suchen, denn der könnte dir bei vielen Fragen unkompliziert Hilfe leisten. Effektiv ist Militär nämlich Militär und egal ob Reichswehr, Wehrmacht, NVA oder Bundeswehr: Die meisten Prozesse und Begriffe sind die selben.

Auf Grund der Tatsache, dass mir teilweise der Zusammenhang fehlt kann ich dir leider nicht alle Fragen beantworten.

Es beginnt mit einem Dokument von 1939, wo mein Opa
unterschreiben mußte, das er kein Jude wäre. Dann folgt der
Ersuch um Auskunft, aus dem Strafregister, dann zwei Monate
nach Erhalt des Auszuges aus dem Register eine Untersuchung
auf Wehrdiensttauglichkeit.
War das früher die normale Vorgehensweise. ?

Ja, war es leider, da Juden zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in der Wehrmacht dienen durften.

Bei meinem anderen Opa gab es Papiere über ein Eintritt in
Partei NSDAP, dann später ein Austritt. Über den jetzigen Opa
habe ich solche Sachen nicht erhalten. ? Habe gehört es wäre
früher Pflicht gewesen, in so eine Partei einzutreten. ?

Nun ja, es gab nur eine „so eine Partei“ und in der Wehrmacht war es keine Pflicht der Partei beizutreten.

1940 ist dann ein Eintrag in einem Strafbuch zu finden, wo
steht, man habe mein Opa in einem Lokal erwischt, wo er sich
wohl einen genehmigt hat, ohne einen Urlaubsschein zu
besitzen.:smile: 3 Tage verschärfter Arrest.
Bedeutet wohl im Bunker sitzen. ? Weiß jemand, wie sowas heute
bestraft wird in unserem Lande :smile: ?

Schwierig zu sagen - unerlaubtes entfernen von der Truppe ist nach wie vor ein schweres Dienstvergehen, aber da sich Deutschland nicht im Krieg befindet und es keine äquivalenten Erfahrungen in der Bundeswehr gibt kann man dazu keine definitive Aussage treffen.
Aber möglich wäre so eine disziplinare Würdigung schon.

Unterschrieben wurde der Eintrag ins Strafbuch von einem
Freiherr von Wangenheim, Major und Batl. Kdr. Könnte es sich
um den von Wangenheim handeln, welcher 1944 in russische
Gefangenschaft geriet und dort 1953 erhängt gefunden wurde.
(Wikipedia). ?

Kann sein, aber er wird nicht der einzige dieses Namens gewesen sein, der als Offizier am Krieg teilgenommen hat, um das herauszufinden wären ausführlichere recherchen notwendig

Da steht dann irgendwo
Stiefelgröße 27. Kann mir jemand das Mass mal in normale Maße
vermittelten. ?

27 cm lang. Bei der Bundeswehr wäre das Stiefelgröße 270, dann aber in mm.

Es ist auch öfter das Wort „Kriegsstammrollenauszug“ erwähnt.
Wozu diente das. ?

Die Kriegsstammrolle war ein Mittel der Personalführung, dass von dem jeweiligen Truppenteil des Soldaten geführt wurde. Hier wurden die wichtigsten Personaldaten, sowie Beförderungen und Auszeichnungen festgehalten. Pro Soldat war das in der Regel nicht mehr als ein DinA4 Blatt.

Nach letzter Meldung wurde er 1946 als ehemaliger Angehöriger
der 114. Jäger Division von einer britischen Entlassungsstelle
registiert.
Zuvor geriet er wohl in amerikanische Gefangenschaft. Kann man
hierüber auch noch irgendwie irgendwo Unterlagen erhalten. ?

Mussten früher alle Soldaten, wenn überhaupt möglich, ihre
Kriegspapiere nach Kriegsende abgeben und sind die Kopien die
man von Deutschen Dienststellen erhält, Kopien von Kopien. ?
Auf einem Dokument ist sogar ein Foto von ihm.

Die Wast und ihr Archive haben alle noch vorhandenen Personalunterlagen grundsätzlich im Original, deswegen ist das mit dem Foto nicht verwunderlich.
Hieraus resultiert aber auch der enorme Aufwand, der für jede Anfrage betrieben werden muss, denn entsprechende Archive müssen größtenteils von Hand durchsucht werden und dann müssen auch teilweise die Arbeiten in mehreren Archiven koordiniert werden.
Deswegen hast du auch nur eine Standartantwort bekommen, ohne dass auf deine Sonderwünsche weiter eingegangen wurde - den Archivaren dort fehlt einfach die Zeit, denn nach wie vor kann sich die Wast vor Anfragen kaum retten.

Wenn du einen fachkundigen Freund oder Bekannten hast und wirklich Interesse hast würde ich dir aber empfehlen einen Termin bei der Wast zu machen und dir die Akten selber anzuschauen.

Gruß Andreas