Hallo zusammen
In der Schule haben wir noch gelernt, dass er männlich, sie weiblich und das sächlich ist.
Nun ist mir folgendes aufgefallen. In der deutschen Sprache heisst es der Junge, aber das Mädchen (warum nicht die Mädchen?) Der Jüngling, das Fräulein (ok, veraltet). Der Mann, dann aber das Weib. Einverstanden, hört man heute auch kaum mehr.
War, bezw. ist es Absicht das weibliche Wesen als Sache zu bezeichnen?
Wer kennt sich da in der Entwicklung der Sprache aus und kann mir diese Frage, die ich aus lauter Neugierde (übrigens ist die wieder weiblich *staun*) stelle, beantworten.
Gruss
HaegarCH
Hallo, HaegarCH,
heisst es der Junge, aber das Mädchen (warum nicht die
Mädchen?) Der Jüngling, das Fräulein (ok, veraltet). Der Mann,
dann aber das Weib.
Wer kennt sich da in der Entwicklung der Sprache aus und kann
mir diese Frage, die ich aus lauter Neugierde (übrigens ist
die wieder weiblich *staun*) stelle, beantworten.
da könnte FAQ:188 helfen.
Gruß
Kreszenz
Hallo!
In der deutschen Sprache
heisst es der Junge, aber das Mädchen (warum nicht die
Mädchen?)
Weil „Mädchen“ ein Deminutiv zu „Maid“ ist und die Verkleinerungen alle Neutra sind. (auch: das Bübchen).
Der Jüngling, das Fräulein (ok, veraltet). Der Mann,
dann aber das Weib.
War, bezw. ist es Absicht das weibliche Wesen als Sache zu
bezeichnen?
Das glaube ich eher nicht. Ich denke so: „Weib“ wurde verwendet „für die frau jedes alters und standes, für die ledige, verheirathete, verwitwete, lebende und tote, für jungfrauen und mütter“ (so GRIMM zu „Weib“) und ist also ein Oberbegriff. Wenn ich mich recht erinnere an eine Vorlesung über „Vergleichende Grammatik des Indogermanischen“, so war davon die Rede, dass Oberbegriffe (allerdings meist die von männlich+weiblich) häufig Neutra sind.
Vielleicht kann man hier daran erinnern, dass im Bairischen „das Mensch“ eine (nicht immer abwertende) Bezeichnung für eine Frau ist.
Gruß!
Hannes
Hallo!
Ich frag mich ja immer wieder, warum das grammatische Geschlecht eines Wortes für manche so unglaublich bedeutend zu sein scheint. Umso lustiger finde ich daher, daß du in deinem Beitrag überwiegend weibliche Substantive verwendest. Der Reihe nach:
Schule
Sprache
Absicht
Sache
Entwicklung
Frage
Neugierde (gut, zumindest die hast du ja schon erkannt)
Wenn man also mal von den von dir explizit erwähnten Gegenbeispielen absieht, benutzt du mit einer Ausnahme (Wesen) nur weibliche Substantive… sehr seltsam das. So diskriminierend kann Sprache sein…
Grüße
Stephan
Du hast vollkommen Recht, HaegarCH !
Ein weiteres Indiz, wenn auch nicht gerade ein Beweis, ist die Tatsache, dass weibliche Bezeichnungen in den allermeisten Fällen dadurch gebildet werden, dass an die entsprechende männliche Bezeichnung ein -in angehängt wird: Lehrer-in, Sänger-in, Geiger-in, Spaziergänger-in.
Deswegen fordere ich schon seit langem, dass diese weiblichen Bezeichnungen eigenen Wert und eigene Würde bekommen: Säng-in, Lehr-in,
Schneid-in, Verkäuf-in.
Gruß - Rolf
Häi,
http://www.youtube.com/watch?v=Y9FxTZ4vRdU
Vül vsiegnügün beim Änsähän,
Die miezi … äh… mieze
Nun ist mir folgendes aufgefallen. In der deutschen Sprache
heisst es der Junge, aber das Mädchen
Na und, es heisst ja auch das Männchen, deswegen fühle ich mich aber nicht unterdrückt.
Und gegen die Unterdrückung des Weiblichen an sich hat man das grosse BinnenI erfunden wie in die schöne MüllerIn.
Gruss Reinhard
Grüße Dich, Rolf,
Ein weiteres Indiz, wenn auch nicht gerade ein Beweis, ist die
Tatsache, dass weibliche Bezeichnungen in den allermeisten
Fällen dadurch gebildet werden, dass an die entsprechende
männliche Bezeichnung ein -in angehängt wird: Lehrer-in,
Sänger-in, Geiger-in, Spaziergänger-in.
Hier irrst Du.
Das, was Du als vermeindlich „männlich“ erkennst, nämlich das „-er“, ist dies keineswegs, sondern hat sich aus lateinisch „-arius“ (= die handelnde Person) ergeben und ist eine typische Berufsendung, welche in ihrem Ursprung geschlechtsneutral ist. Die älteren Berufsendungen sind „-ner“ (Hafner, Wagner, Tischner etc.), die noch ältere ist „-ler“ (Tischler, Spengler, Drechsler etc.) und die älteste bis heute (selten) lebendig gebliebene Berufsendung ist „-el“ (Fischel, Tischel, Handl, Käufl etc.). Letzteres hat sich als Relikt aus dem noch heute bekannten Fremdwort „-agil“ ergeben (mit einem Zwischenschritt der Diphthongierung aufgrund Verschleifung von intervokalischem „g“) und bedeutet letztlich genau das Gleiche wie „-arius“, nämlich auch „die handelnde Person“.
Alle drei Berufsendungen finden sich übrigens bis heute in unseren Familiennamen.
Deswegen fordere ich schon seit langem, dass diese weiblichen
Bezeichnungen eigenen Wert und eigene Würde bekommen: Säng-in,
Lehr-in,
Schneid-in, Verkäuf-in.
Dann fehlt Dir genau der Aspekt des Handelns. Somit geht das schon von der Logik nicht.
Viele Grüße
Alexander
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sondern hat sich aus lateinisch
„-arius“ (= die handelnde Person) ergeben und ist eine
typische Berufsendung, welche in ihrem Ursprung
geschlechtsneutral ist.
Hallo Alexander,
Aber ist die Endung „-arius“ (z.B. in „molinarius“) vom Genus her nicht maskulin? Wäre bei „Müllerin“ auf Latein nicht „molinaria“ o.Ä. zu erwarten?
Gruß,
Hallo André,
Du hast nur bedingt Recht.
sondern hat sich aus lateinisch
„-arius“ (= die handelnde Person) ergeben und ist eine
typische Berufsendung, welche in ihrem Ursprung
geschlechtsneutral ist.
Aber ist die Endung „-arius“ (z.B. in „molinarius“) vom Genus
her nicht maskulin?
Bei -ariUS ist nur das „-us“ der Indikator für das männliche Geschlecht.
Wäre bei „Müllerin“ auf Latein nicht
„molinaria“ o.Ä. zu erwarten?
Auch bei -ariA hast Du die geschlechtsspezifische Endung ausschließlich im letzten „-a“.
Jedoch hat sich unser Berufssuffix „-er“ ja gerade aus dem geschlechtsneutralen Teil „-ari“ ergeben.
Nun ist es ja so, dass die Berufsbezeichnungen weit überwiegend nur bei Männern erscheinen, daher sind Familien- und Heimatforschern wie mir aus kirchlichen Dokumenten, welche in älterer Zeit überwiegend in lateinischer Sprache geschrieben sind, Berufsbezeichnungen mit der Endung „-arius“ überaus geläufig. Von daher hatte ich das komplette Suffix (also inklusive dem Indikator für das maskuline Geschlecht „-us“) angegeben.
Du hast Recht, ich hätte es deutlicher machen müssen, dass unser „-er“ aus „-ari-“ entstanden ist (somit ohne die lateinische Geschlechtsendung).
Entschuldigung dafür
Eine gute Nacht wünscht
Alexander
Alles klar, jetzt versteh ich! (owt)

War, bezw. ist es Absicht das weibliche Wesen als Sache zu
bezeichnen?
Ich glaube nicht, das Sprache so planvoll ist.
Letztendlich haben sich Genus und Sexus aus vermutlich verschiedensten Einzelgründen vollkomen auseinanderentwickelt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sexus_(Sprache)
http://de.wikipedia.org/wiki/Genus
Gruß,
Max