Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen?

Hallo,
kann jemand eine gute Weihnachtsgeschichte zum Vorlesen empfehlen für Kinder (ca 10 Jahre alt), sie sollte nicht länger als 15-20 Minuten sein.
Vielen Dank für Eure Mithilfe

Apfelsine

Moin,
Peter Rosenegger: Als ich noch ein Waldbauernbub war.
Gibt es auch im Netz, suchen mußt Du leider selber, bin knapp an Zeit.
Gruß
Dirk m,

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Hallo, Apfelsine,

wie wärs damit?

_ Die Weihnachtsmaus

Ein modernes Märchen

„Mami! Was wünschst du dir zu Weihnachten?“, ruft Toby, am Jackenärmel der Mutter ziehend. Die jedoch scheint ihn überhaupt nicht zu beachten.
„Hör zu, Jens, ich bin spätestens um elf wieder da, versprochen! Sieh zu, dass die Kleinen was essen und rechtzeitig ins Bett gehen, ja?
Jens nickt abwesend; das Videospiel erlaubt ihm nicht, seine Mutter auch nur einen Augenblick lang anzusehen.
„Mami, Mami!“ Toby zerrt immer noch an ihrer Jacke.
„Toby, ich habs wirklich eilig. Was ist denn?“
Der Junge lächelt glücklich darüber, dass sie ihm jetzt zuhört. „Was wünschst du dir zu Weihnachten, Mami?“
Sie streicht ihm über die Haare. „Gar nichts, mein Kleiner, das weißt du doch. Naja, Schnee wäre schön. So richtig viel Schnee, wie früher. Jetzt muss ich aber wirklich los. Hört auf euren Bruder, du und Mark! Ja?!“ Mit diesen Worten nimmt sie den Autoschlüssel von der Kommode neben der Haustür und verlässt die Wohnung.
Toby schleicht rüber zu seinem Bruder und lässt sich neben ihm auf die Couch fallen. „Jens?“ fragt er, doch der antwortet nicht. Also springt er auf und setzt sich direkt vor den Bildschirm. Der Computerkämpfer bekommt einige schwere Schläge versetzt, geht zu Boden, wird ausgezählt, Game Over!
„Sag mal, hast du nicht mehr alle?!“ motzt Jens ihn an. „Mach, dass du wegkommst. Geh in dein Zimmer oder wohin auch immer …“
„Nein!“ antwortet Toby trotzig.
„Doch. Du sollst auf mich hören hat Mama gesagt. Und ich sage dir jetzt, hau ab von hier!“
Der jüngere grinst den älteren Bruder siegessicher an: „Aber das hast sie nicht so gemeint. Das weiß ich genau.“
Jens zuckt mit den Schultern, zeigt auf das Telefon und sagt kühl: „Bitte. Ruf sie an und frag!“
Toby denkt kurz nach. Am Arbeitsplatz sollen sie nicht anrufen. Nur in einem Notfall. Und Mami würde das sicher nicht als Notfall ansehen. Und Jens guckt so sicher. Er gibt nach. „Also gut, ich geh nach oben. Aber du musst mir nachher sagen, wie ich Mami zu Weihnachten Schnee schenken kann!“
„Kannst du vergessen. Schenk ich ihr schon. Musst dir schon was anderes einfallen lassen.“
Toby lässt sich zur Seite schieben. Beleidigt geht er auf sein Zimmer. Er weiß, dass er jetzt seinen Bruder besser in Ruhe lassen sollte. Das Videospiel fängt wieder an.
Jens hört erst auf zu spielen, als seine beiden jüngeren Geschwister wieder nach unten kommen, weil sie Hunger haben. Also packt er was in die Mikrowelle, sieht sich, während sie essen, eine halbe Stunde lang blöde Cartoons mit ihnen an uns schickt sie dann ins Bett. Wenn die Mutter zu Hause ist, dürfen sie beim Essen nicht fernsehen; bei ihm schon; dafür gehen sie danach auch ohne viele Widerworte schlafen. Schon vor Längerem war ihm aufgefallen, dass er mit diesem System leichtes Spiel mit den Brüdern hatte, also hatte er es beibehalten. Wenn die Kleinen sich gut benommen hatten – ihm also ziemlich wenig auf die Nerven gefallen waren, sich über seine Wahl der Tiefkühlkost nicht beschert hatten, das meiste aufgegessen und den Tisch nicht zu sehr versaut hatten – bekamen sie noch eine Geschichte. Meist schlafen sie schon ein, während er noch vorliest.
Er selbst geht wieder nach unten, bleibt am Wohnzimmerfenster stehen, stützt die Hände auf das kalte Fensterbrett und schaut nach draußen. Es ist nicht richtig dunkel, neben den Straßenlaternen erhellen bunte Weihnachtsbeleuchtungen die Nacht. Am besten gefallen ihm noch immer die großen Leuchtfiguren von den Leuten im Haus gegenüber, zwei Rentiere und ein Weihnachtsmann. Wie die Nachbarn heißen weiß er nicht, sie sind erst vor einer Woche hierher gezogen. Das Elternpaar war herüber gekommen und hatte sich vorgestellt, aber er saß am Computer und so hatte er die Namen nicht richtig gehört und gleich wieder vergessen. Er ist müde, also legt er sich auf die Couch und zappt sich durch die Fernsehprogramme. Plötzlich hört er ein lautes Scheppern. Erst jetzt merkt er mit einem Blick auf das Display des Videorecorders, dass er eingeschlafen war. Nicht lange, nur eine halbe Stunde. Das Geräusch kam aus der Küche. Er stand auf, geht durch das Wohnzimmer, macht das Licht in der Küche an. Er kann sich schon denken, wo es herkam. Oben auf dem Küchenschrank tastet er nach dem Schlüssel für die Speisekammer; er sperrt die dunkle Holztür auf und schaltet die kleine Deckenlampe an. Na bitte: Die Käfigfalle ist auf den Boden gefallen. Er kniet sich nieder, nimmt den Käfig hoch und sieht hinein. „Hey?“ flüstert er leise. „Alles in Ordnung da drinnen?“ Die kleine braune Maus streckt vorsichtig ihren Kopf aus dem Eingang des Plastikhäuschens und sieht ihn an. „Naja, siehst ja ganz gesund aus.“ bemerkte er, stellt den Käfig mit dem Tier zurück ins Regal, nimmt den Futternapf aus dem Käfig und füllt ihn wieder auf.
„Hey.“ hört er da, ganz leise. Er dreht sich um, vermutet, seinen kleinen Bruder in der Tür stehen zu sehen. Da ist aber niemand. Er stellt den Napf der Maus wieder vor die Nase und macht das Käfigtürchen wieder zu. Nochmal schaut er sich um, aber da ist wirklich niemand. Wird er sich wohl eingebildet haben. Ist auch gut so. Toby soll die Maus ja noch nicht sehen, erst an Weihnachten. „Hey.“ hört er nochmal. Er schaut in den Käfig. Die Maus sieht ihn an. „Hey!“ Diesmal klingt es lauter. Die Maus bewegt ihr Mäulchen. „Was ist? Kannst du nicht reden oder was?“
„Uh … doch, schon, aber …!“ Er schüttelt den Kopf. „Mann, was machst du hier …“ flüstert er vor sich hin. „Du redest mit einer Maus!“ stellt er selbst fest, hält dann inne. „Klasse, und jetzt redest du auch noch mit dir selbst. Naja, dann gebe ich mir gleich einen guten Rat: Geh ins Bett, Jens!“ Er macht das Licht aus. „Gute Nacht, Maus.“ murmelt er, als er die Türe hinter sich zuzieht.
„Nein! Warte!“
Okay, was solls auch …“ murmelt er, „Wenn schon ein Nagetier mit dir redet, solltest du das ausnutzen.“
Er macht das Licht wieder an, nimmt den Käfig und stellt ihn auf den kleinen Tisch und setzt sich auf den gelben Plastikstuhl davor.
„Also, Maus, was willst du von mir?“ fragt er.
Die Maus kommt ganz aus ihrem Häuschen, stellt sich auf die Hinterbeine. „Mach die Käfigtüre auf. Ich muss hier raus.“
!Wieso? Gefällts dir da drinnen nicht?“ fragte Jens.
„Es hält sich in Grenzen. Aber ich muss hier raus. Wegen des Schnees.“
„Wie? Schnee? Es schneit nicht.“
„Eben. Lässt du mich jetzt raus?“
Er öffnet die Tür, streckt der Maus seine Hand entgegen und hebt sie auf den Tisch. „Und jetzt?“
„Jetzt muss ich los. Setzt du mich bitte auf den Boden?“
Jens schüttelt den Kopf. „Geht nicht. Du bist ein Geschenk. Ich kann dich nicht so einfach weglaufen lassen.“
Nun schüttelt die Maus ihr Köpfchen. „Ich will ja nicht weglaufen. Du musst sowieso mitkommen.“
„Wieso? Und wohin willst du überhaupt?“
Diesmal schüttelt die Maus langsam und resigniert den Kopf. „Zweibeiner, so groß und schwer und ebenso schwer von Verstand! Also hör zu: ich muss jetzt los, und du musst mit, weil es sonst keinen Schnee zu Weihnachten gibt, klar?“
„Nicht wirklich. Was hab ich mit Schnee zu tun? Und was hat eine Maus mit Schnee zu tun?“
„Ich bin keine Maus, sondern ein Mäuserich. Naja, schon eine Maus, aber keine einfache Maus. Oder hast du schon einmal eine einfache Maus sprechen hören? Wohl kaum. Ich bin Max d e r Mäuserich!“
„Ach …“
„Das kapierst du jetzt eh nicht. Wir haben nicht viel Zeit. Zieh dir eine Jacke an, ist kalt draußen.“
„Ich will jetzt aber eigentlich nicht mehr rausgehen.“
„Na los, mach schon.“
Jens weiß nicht warum, aber ersteht auf, zieht sich Jacke und Schuhe an, packt Max den Mäuserich in seine Hemdtasche und geht durch die Küchentür nach draußen auf den Hinterhof. „Und jetzt? Wohin?“ fragt er.
„In den Wald.“
Es ist wirklich kalt. Und dunkel. Und still. Hier ist jetzt niemand mehr wach, obwohl es grade erst halb elf Uhr ist. Der dichte Wald beginnt schon kurz hinter ihrem Haus. Unter den großen Nadelbäumen ist es so dunkel, dass er den Weg unter seinen Füßen nicht sieht. Falls da überhaupt ein Weg ist. Der Mäuserich hat es sich in seiner Hemdtasche bequem gemacht, streckt nur ab und zu die Nase an die kalte Nachtluft, um zu sehen, ob er noch in die richtige Richtung läuft. Wie er das erkennen kann, ist ihm schleierhaft. Irgendwann krabbelt er ihm auf die Schulter: „Jetzt da zwischen den zwei großen Bäumen durch zu den großen Steinen.“
Jens verlässt den ausgetretenen Pfad. „Nein! Nicht da!“ ruft der Mäuserich ihm ins Ohr. Er bleibt stehen. „Wieso nicht?“ „Weil du genau zwischen den großen Bäumen durchlaufen sollst. Klar?“ „Sicher.“ Vor einem großen Felsen bleibt er stehen, wartet auf die nächste Anweisung. Der Mäuserich sieht sich um, zögert. „Okay. Jetzt nach links. Dann dreimal um die Steine laufen.“
„Bin ich blöd? Wieso soll ich dreimal im Kreis rennen?“
„Weil wir sonst den Weg nicht finden.“
Also schlägt er sich durch die Büsche und das dichte Laub auf dem dunklen Waldboden und läuft dreimal um den Felsen. Was solls auch. Er unterhält sich mit einem Mäuserich und trägt ihn mitten in der Nacht durch den Wald, dann kann er das auch noch machen. Als er wieder vor den Felsen steht, nickt der Mäuserich zufrieden. Um sie herum wird es langsam heller, dann erscheint der Platz taghell. Das Licht wirkt seltsam, es scheint aus der Erde zu kommen, und aus den Felsen vor Jens. Der Mäuserich huscht wieder in seine Hemdtasche. Die Steine fangen an, rot zu glühen, der eine, direkt vor ihm, noch stärker als die anderen, in der Mitte beginnt sich ein schmaler Spalt zu öffnen, das Gestein bricht auf, gleißendes Licht strömt aus dem Innern in den dunklen Wald. Schützend hält Jens die Hand vor die Augen, bis die Intensität des Lichts wieder abnimmt. Mitten in dem rundlichen Stein vor ihm war ein e große Öffnung entstanden, aus dem immer noch schwaches Leuchten in diese Welt dringt. Erst jetzt lässt sich Max wieder sehen.
„Was ist das?“ fragt Jens. „Das ist das Portal in die andere Welt. Da müssen wir rein.“ Jens zögert. „Es ist sicher für dich, solange ich bei dir bin.“ beruhigt ihn der Mäuserich.
Vorsichtig streckt Jens den Arm aus, lässt seine Hand in das warme Licht eintauchen. Er hat ein angenehmes Gefühl, bekommt das Bedürfnis, tiefer in das Licht einzutauchen. Als er einen weiteren Schritt auf den Durchgang zugeht, spürt er einen immer stärker werdenden Sog, er wehrt sich nicht dagegen und lässt sich hineinziehen. Er verliert jegliches Gefühl für Raum und Zeit, lässt sich mit geschlossenen Augen treiben, öffnet die Augen erst wieder als er einen sanften, warmen Wind spürt. Er liegt auf einer Wiese in tiefem Gras unter einem blauen Himmel, an dem neben einer großen orange-gelben Sonne noch zwei kleinere, rote Planeten leuchten. Er rappelt sich auf und sieht sich um. Überall nur Hügel mit Wiesen und Blumen. Der Mäuserich ist weg. Jens sucht nur kurz nach ihm. Er weiß nicht, wo er ist, wohin er gehen, also entschließt er sich, zu warten, bis der Mäuserich wiederkommt. Er setzt sich wieder ins Gras. Er zieht die Jacke aus, denn es ist warm wie im Sommer.
„Na endlich.“ hört er da neben sich. Der Mausbock ist wieder da. „Euch Zweibeiner nimmt die Reise doch immer viel mehr mit als uns.“ „Max, wo warst du?“ fragt er. „Hab mich ein wenig umgesehen, nach dem richtigen Weg. Das ist nicht immer einfach hier. Trägst du mich?“
„Sicher.“ Er nimmt den Mausekerl hoch, setzt ihn in seine Hemdtasche, steht auf und macht sich auf den Weg, dahin, wohin ihn Max weist. Er muss nicht allzulange laufen, bis er von einem Hügel aus ihr Ziel sehen kann. Das Schloss. Es ist schön, strahlend weiß, mit vielen kleinen Türmchen, auf denen bunte Wimpel im Wind flattern.
„Dahin!?“ Es ist weniger eine Frage als eine Feststellung.
„Ja; genau! Ich denke, es ist an der Zeit, dass ich dir sage, was wir hier machen, oder?“ stellt der Mauskerl fest. „Also die Sache ist so: Der Grund dafür, dass es an Weihnachten nicht mehr schneit, liegt hier. In diesem Schloss genaugenommen. Oder noch genauer gesagt, an einer Person in diesem Schloss. Hier lebt der König mit seiner Tochter. Jeder, der hier lebt, weiß von eurer Welt, obwohl ihr gar nichts von dieser Welt wißt. Es gibt zwar einige Geschichten, die eine – freilich völlig falsche – Vorstellung von unserer Welt enthalten, die aber werden von euch als Kindergeschichten und Märchen abgetan. Obwohl man hier von euch weiß, ist kaum einer von hier je dort gewesen. Wir dürfen unsere Welt eigentlich nicht verlassen, das könnte zu großen Schaden anrichten. Die Prinzessin wollte eure Welt besuchen, aber der König erlaubt es nicht. Also hat sie aus Trotz das Schneeungeheuer im Schloss eingesperrt. Damit wollte sie einen von euch hierherlocken, und der sollte dann sie mitnehmen und ihr eure Welt zeigen.
„Was ist das Schneeungeheuer und was soll ich damit?“
„Das Schneeungeheuer heißt Samuel und ist eigentlich gar kein Ungeheuer, aber es ist für den Schnee verantwortlich und daher ungeheuer wichtig. Für euren Schnee, wohlgemerkt! Hier gibt es keinen Schnee. Hat es noch nie gegeben. Und Schnee kann Samuel nur in seiner Höhle machen. Und solange Samuel nicht in seiner Höhle, sondern im Schloss bei der Prinzessin, gibt es bei euch keinen Schnee. Alles klar?“
Jens nickte: „Ich denke schon, du willst mir erklären, dass Frau Holle eigentlich Samuel heißt und k e i n Ungeheuer ist. Und wir gehen jetzt los, um das „ungeheure Ungeheuer“ aus den Klauen der Prinzessin zu befreien?“
„Nicht ganz. Das Problem ist, dass das „ungeheure Ungeheuer“, wie du ihn nennst, dass Samuel gar nicht mehr zurück will in die Höhle. Er hat sich bei der Prinzessin gut eingelebt, genießt das Luxusleben im Schloss. Ihm gefällt es da viel besser als in seiner einsamen Höhle.“
„Und wieso lassen wir ihn dann nicht, wo er ist?“
„Weil es dann keinen Schnee mehr gibt, Dummkopf!“
„Von mir aus kein großes Problem. Ich mag es eh lieber warm.“
„Jaja, aber denk doch an die Kinder, an die vielen Kinder, die zu Weihnachten Schnee haben wolle! Was ist mit denen? Und mit deinem Bruder?“
Jens überzeugen diese Argumente nicht so recht. Aber egal, er geht weiter, bis er plötzlich vor den Toren des großen Schlosses steht. „Und jetzt?“ fragt er unsicher.
„Klingeln!“ sagt Max, und tatsächlich: neben den riesigen weißen Toren in der Wand ist ein kleiner schwarzer Klingelknopf. Er klingelt, wartet, nach ganz kurzer Zeit öffnet sich eine kleine Tür im linken Torflügel. Ein junges Mädchen steht vor ihm.
„Hallo.“ sagt sie, „zu wem willst du?“ „Äh …, zur Prinzessin.“ „Mhm. Dann komm rein. Ich schätze, das bin ich.“
Er wunderte sich. Sie sah so gar nicht wie eine Prinzessin aus; eher wie ein Mädchen aus seiner Schule.
„Also?“ fragt sie.
Ich … äh … ja, also ich komme aus einer anderen Welt und … naja … ich brauche das Schneemonster, damit es bei uns wieder schneit.“ Er kam sich wie ein Idiot vor. So als hätte er einem ganz normalen Mädchen, das keine Ahnung von der Sache, von der er redete, hatte, gerade eine absolut unglaubwürdige und blöde Geschichte erzählt. Aber sie wußte genau, wovon er redete.
„Du kommst also aus einer anderen Welt? Erzählst du mir davon? Ich war noch nie dort.“ Er weiß nicht so recht, wo er anfangen soll, aber nach einigen Minuten ist ihm aber klar, wofür sie sich am meisten interessiert, was sie hier noch nie gesehen hat: Schnee! Sie würde so gern einmal Schnee sehen, meint sie, ihn anfassen und spüren. Dann lernt Jens auch Samuel kennen. Er sieht wirklich nicht wie ein Ungeheuer aus, eher wie ein Eisbär, wie ein Eisbär mit sehr großen, kräftigen Schultern, wie ein fauler, alter Eisbär.
„Du willst also nicht zurück in deine Höhle, was?“ fragt Jens. Samuel schüttelt langsam den Kopf. „Nein, es hat ja doch keinen Sinn.“ sagt er müde. „Wieso keinen Sinn?“ „Ihr Menschen freut euch nicht mehr darauf. Früher haben sich alle über den Schnee gefreut, aber jetzt … ich brauch mich nicht mehr. Niemand braucht mich mehr.“
Das Schneeungeheuer kommt ihm wirklich sehr deprimiert vor, also macht er sich daran, Samuel etwas aufzumuntern. Er erzählt ihm von Weihnachten, vom Schlittenfahren, von Schneeballschlachten und von Frosty dem Schneemann. Samuel hört gespannt zu. Schließlich fragt er: „Also du denkst, die Kinder freuen sich über den Schnee? Denkst du das wirklich?“ Hoffnung und Freude schwingen in der Stimme mit.
„Sicher, aber klar doch, und nicht nur die Kinder. Viele Menschen freuen sich. Zum Beispiel hat erst heute meine Mutter gesagt, wie schön es wäre, wenn es an Weihnachten Schnee gäbe. Sie wünscht sich sonst nichts.“
Samuel ist beeindruckt. „Na, wenn das so ist …“, brummt er. Er erhebt sich, breitet seine mächtigen Arme aus – jetzt erst sieht man, dass er Flügel hat – er bewegt sie einige Male zur Probe und mit den Worten: „Dann muss ich los. Es ist ja schon fast Mitternacht. Und wir wollen doch Schnee an Weihnachten, nicht wahr?“ erhebt er sich mit einigen kräftigen Flügelschlägen in die Luft und verschwindet bald am Horizont.
Jens, die Prinzessin und Max der Mäuserich sehen ihm nach. „Hey“, flüstert Max. „Wir müssen uns dann auch auf den Weg machen. Wenn wir nicht rechtzeitig zurückkommen, werden sie was merken.“
Jens nickt. Von der Prinzessin lässt er sich wieder zum Tor zurückführen. Es tut ihm leid, sich schon von ihr verabschieden zu müssen; er hätte noch gern mehr erzählt und auch von ihr sich etwas erzählen lassen. Als sie schon ein Stück gegangen sind, zögert er, dreht sich zu ihr und sagt: „Du kannst gern mal vorbeikommen, wenn du willst; ich meine, falls du mal Schnee sehen willst. Du bist jederzeit willkommen.“
Der Mausbock zieht ihn an den Haaren: „Hey, wir haben es eilig! Beweg dich!“ Jens winkt der Prinzessin, sie winkt zurück, dann läuft er los. Max klammert sich an seinem Hemd fest. Bald stehen sie wieder an dem Platz, wo er aufgewacht ist. Vor ihnen tut sich ein großes Loch im Boden auf, gefüllt mit dem gleichen Licht, das ihn hergeleitet hatte. „Was ist mit dir?“ fragt er die Maus. „Kommst du mit? ich meine, du gehörst doch eigentlich hierher, oder?“ Max seufzt leise: „Achja, aber was solls. Ohne mich kommst du sowieso nicht durch das Portal. Und vielleicht willst du mal wieder hierher. Außerdem gefällt es mir bei euch ganz gut. Nur das Plastikhäuschen ist nicht so meine Sache. Vielleicht könntest du eines aus Holz reinstellen, ist gemütlicher, weißt du.“ Jens lächelt. „Na sicher!“ Dann springt er zurück in das Licht.
Die Tür schlägt zu und er erwacht. Seine Mutter ist daheim. „Jens! Hallo! Wach auf! Geh mal an das Fenster und schau hinaus!“ sagt sie. „Und sag mal, wieso bist du noch nicht im Bett?“ Mit diesen Worten verschwindet sie erstmal in der Küche.
Jens steht vom Sofa auf, geht zum Fenster, stützt sich mit den Armen auf das kalte Fensterbrett und sieht nach draußen. ES SCHNEIT! Zarte Flocken tanzen im Licht der Straßenlaternen, eine hauchdünne, weiße Schicht überzieht wie Puderzucker die Dächer, die Gärten und den Asphalt der Straße. Jens geht in die Küche, holt ein Stückchen Käse aus dem Kühlschrank und legt es der Maus in den Käfig. Die kommt aus ihrem Häuschen, sieht ihn an und nimmt das Käsestück. Sie sagt nicht nichts. Natürlich nicht. Trotzdem flüstert er: „Das mit dem Holzhaus werde ich morgen regeln.“ bevor er die Tür wieder hinter sich schließt. Seine Mutter steht in der Küche und macht sich ein Sandwich zurecht. „Warum in aller Welt hast du um diese Zeit eigentlich noch Schuhe und eine Jacke an?“ fragt sie.

ENDE_

Diese Geschichte gewann in einem Erzählwettbewerb für Schüler den ersten Preis. Sie stammt von einem 14jährigen Mädchen. Sie wurde leicht überarbeitet von FR.

die weihnachtsmaus!
hallo ihr

apropos Weihnachtsmaus:
das gehört nicht ganz dazu, weil`s zu kurz ist. hab´s mal irgendwann in der grundschule auswendig zum vortragen gelernt (in kleidchen und schürzchen und mit zwei zöpfen…) und seitdem nie mehr vergessen, trag’s jetzt jedes jahr an heilig abend meiner famillie vor.

die weihnachtsmaus

james kruess

die weihnachtsmaus ist sonderbar,
sogar für die gelehrten,
denn einmal nur im ganzen jahr
entdeckt man ihre fährten.

mit fallen oder rattengift
kann man die maus nicht fangen.
sie ist was diesen punkt betrifft,
noch nie ins garn gegangen.

das ganze jahr macht diese maus
den menschen keine plage,
doch plötzlich aus dem loch heraus,
kriecht sie, am weihnachtstage.

zum beispiel war vom festgebäck,
das mutter gut verborgen,
mit einem mal das beste weg,
am ersten weihnachtsmorgen.

da rief jeder rundheraus:
ich hab es nicht genommen,
es war bestimmt die weihnachtsmaus,
die über nacht gekommen.

ein zweites mal verschwand sogar,
das marzipan vom peter,
was seltsam und erstaunlich war,
denn niemand fand es später.

die nellie, die rief rundheraus:
ich hab es nicht genommen!
das war bestimmt die weihnachtsmaus,
die über nacht gekommen.

ein drittes mal verschwand vom baum,
an dem die kugeln hingen,
ein nikolaus aus eierschaum,
nebst andren leckren dingen.

der christian, der rief rundheraus:
ich hab es nicht genommen!
das war bestimmt die weihnachtsmaus,
die über nacht gekommen.

und ernst und hans und der papa,
die riefen: welche plage!
die böse maus ist wieder da
und just am weihnachtstage!

nur mutter sprach kein klagewort,
sie sagte unumwunden:
sind erst die süßigkeiten fort,
ist auch die maus verschwunden.

und wirklich wahr,
die maus blieb weg,
sobald das letzte festgebäck
gegessen und verzehrt war.

nun sagt jemand bei ihm zuhaus’,
bei fränzchen oder lieschen,
da gäb es keine weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bisschen.

doch sag ich nichts, was jemand kränkt,
das könnte euch so passen!
was man von weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen.

möglich, dass ein paar kleine fehlerchen drinnen sind, aber eigentlich müsst’S noch stimmen,

gruß von kati

Haflo, Apfelsine,

wie wärs damit?

_ Die Weihnachtsmaus

vom Sofa auf, geht zum Fenster, stützt sich mit den
Armen auf das kalte Fensterbrett und sieht nach draußen. ES
SCHNEIT! Zarte Flocken tanzen im Licht der Straßenlaternen,
eine hauchdünne, weiße Schicht überzieht wie Puderzucker die
Dächer, die Gärten und den Asphalt der Straße. Jens geht in
die Küche, holt ein Stückchen Käse aus dem Kühlschrank und
legt es der Maus in den Käfig. Die kommt aus ihrem Häuschen,
sieht ihn an und nimmt das Käsestück. Sie sagt nicht nichts.
Natürlich nicht. Trotzdem flüstert er: „Das mit dem Holzhaus
werde ich morgen regeln.“ bevor er die Tür wieder hinter sich
schließt. Seine Mutter steht in der Küche und macht sich ein
Sandwich zurecht. „Warum in aller Welt hast du um diese Zeit
eigentlich noch Schuhe und eine Jacke an?“ fragt sie.

ENDE_

Diese Geschichte gewann in einem Erzählwettbewerb für Schüler
den ersten Preis. Sie stammt von einem 14jährigen Mädchen. Sie
wurde leicht überarbeitet von FR.

Eigentlich keine richtige Weihnachtsgeschichte, aber der langjährige Weihnachts-Favorit meiner Tochter (trotz großer Auswahl !) :

Der selbstsüchtige Riese

Ein Kunstmärchen von Oscar Wilde

Originaltitel: The Selfish Giant
(Übersetzt von Ingeborg Mayer, www.salvani.de, April 2000)

Wenn die Kinder am Nachmittag aus der Schule kamen, gingen sie für gewöhnlich in den Garten des Riesen, um dort zu spielen.

Es war ein großer, wunderschöner Garten mit weichem grünen Gras. Hier und da standen prächtige Blumen sternengleich auf der Wiese, außerdem zwölf Pfirsichbäume, die im Frühjahr zarte Blüten in rosa und perlweiß hervorbrachten und im Herbst reiche Frucht trugen. Die Vögel saßen in den Bäumen und sangen so lieblich, dass die Kinder im Spiel innehielten, um ihnen zuzuhören. „Wie glücklich sind wir doch hier!“, riefen sie einander zu.

Eines Tages kam der Riese zurück. Er hatte seinen Freund besucht, den Menschenfresser von Cornwall, und er war sieben Jahre lang bei ihm geblieben. Nachdem die sieben Jahre vergangen waren, hatte der Riese all das gesagt, was zu sagen war; seine Gesprächsbereitschaft war nämlich begrenzt, und so entschied er sich dafür, in sein eigenes Schloss zurückzukehren. Als er dort ankam, sah er die Kinder in seinem Garten spielen.

„Was macht ihr hier?“, schrie er mit äußerst mürrischer Stimme und die Kinder liefen verängstigt davon.

„Mein eigener Garten ist immer noch mein eigener Garten“, sagte der Riese, „das muss jeder einsehen, und ich werde niemals jemandem außer mir selbst erlauben, darin zu spielen“. Und so errichtete er eine hohe Mauer rings um den Garten und stellte ein Warnschild mit den folgenden Worten auf: Unbefugten ist der Zutritt bei Strafe verboten! - Er war wirklich ein sehr selbstsüchtiger Riese.

Die armen Kinder hatten von nun an keinen Ort mehr, wo sie spielen konnten. Sie versuchten auf der Straße zu spielen, aber diese war sehr staubig und voll mit spitzen Steinen, und das gefiel den Kindern nicht. Immer wieder schlenderten sie nach dem Unterricht um die hohe Mauer herum und sprachen von dem herrlichen Garten, der dahinter verborgen lag. „Wie glücklich waren wir doch dort“, sagten sie zueinander.

Dann kam der Frühling und überall - landauf, landab - waren kleine Blüten zu sehen, und junge Vögel zwitscherten vergnügt. Nur im Garten des selbstsüchtigen Riesen war immer noch Winter. Die Vögel wollten dort nicht singen und die Bäume vergaßen zu blühen, weil keine Kinder mehr da waren. Einmal streckte eine wunderschöne Blume ihren Kopf aus dem Gras heraus, aber als sie das Hinweisschild sah, hatte sie so großes Mitleid mit den Kindern, dass sie sich sofort wieder in den Boden zum Schlafen zurückzog. Die einzigen, denen der Garten noch gefiel, waren der Schnee und der Frost. „Der Frühling hat diesen Garten vergessen“, riefen sie erfreut, „wir werden das ganze Jahr über hier bleiben“. Der Schnee bedeckte das Gras mit seinem dicken weißen Mantel und der Frost ließ alle Bäume silbern erscheinen. Dann luden sie den Nordwind ein, ihnen Gesellschaft zu leisten - und er kam. Er war in warme Felle gehüllt, brüllte unaufhörlich durch den Garten und blies die Schornsteinbleche hinunter. „Welch ein herrlicher Platz“, schwärmte er, „wir sollten den Hagel bitten, uns zu besuchen“. Und der Hagel kam. Jeden Tag prasselte er drei Stunden lang auf das Dach des Schlosses, bis er fast alle Ziegel zerstört hatte, und danach sauste er, so schnell er konnte, quer durch den Garten. Er war ganz in grau gekleidet und sein Atem war so kalt wie Eis.

„Ich kann nicht verstehen, warum der Frühling in diesem Jahr so spät kommt“, sagte der selbstsüchtige Riese, als er an dem Fenster saß und in seinen kalten weißen Garten blickte; „ich hoffe, dass sich das Wetter bald ändert“.

Aber es kamen weder Frühling noch Sommer. Der Herbst beschenkte jeden Garten mit goldenen Früchten, nur den Garten des Riesen sparte er aus. „Er ist zu selbstsüchtig“, sagte der Herbst. So war anhaltender Winter im Garten; und der Nordwind, der Hagel, der Frost und der Schnee tanzten im Wechsel zwischen den Bäumen herum.

Eines Morgens lag der Riese wach in seinem Bett, als er eine wunderschöne Musik hörte. Sie klang so lieblich in seinen Ohren, dass er dachte, es könnten nur die Musiker des Königs sein, die vorbeizögen. In Wirklichkeit aber war es nur ein kleiner Hänfling, der draußen vor seinem Fenster sang; aber es war so lange her, seit er einen Vogel in seinem Garten hatte singen hören, dass er das Gefühl hatte, die schönste Musik der Welt zu vernehmen. In diesem Moment hörte der Hagel auf, über seinem Kopf herumzutanzen, der Nordwind stellte sein Gebrüll ein und ein köstlicher Duft strömte ihm durch das geöffnete Fenster entgegen. „Ich glaube, nun kommt der Frühling wohl doch noch“, sagte der Riese, sprang aus dem Bett und guckte nach draußen.

Und was sah er da?

Es war der wundervollste Anblick, den man sich denken konnte. Die Kinder waren durch ein kleines Loch in der Mauer in den Garten gekrochen und saßen nun auf den Zweigen der Bäume - in jedem Baum, den er sehen konnte, ein kleines Kind. Und die Bäume waren so froh, die Kinder endlich wieder bei sich zu haben, dass sie sich mit Blüten schmückten und ihre Zweige gleich schützenden Händen über den Köpfen der Kinder auf und ab bewegten. Die Vögel flogen umher und zwitscherten vor Vergnügen und die Blumen schauten lachend aus dem frischen grünen Gras heraus. Es war ein anmutiges Bild, nur in einer Ecke des Gartens war noch immer Winter. Dort, in dem entferntesten Winkel, stand ein kleiner Junge. Er war so klein, dass er nicht an die Zweige des Baumes heranreichen konnte; immer wieder ging er um ihn herum und weinte bitterlich. Der arme Baum war immer noch über und über mit Eis und Schnee bedeckt und der Nordwind blies und heulte über ihn hinweg. „Klettere nur hinauf, kleiner Junge!“, sagte der Baum freundlich, und beugte seine Zweige so tief herunter, wie er konnte, aber der Junge war einfach zu klein.

Als der Riese das sah, wurde es ihm ganz warm um das Herz. „Wie selbstsüchtig bin ich gewesen!“, sprach er reumütig zu sich selbst, „jetzt verstehe ich, warum der Frühling nicht in meinen Garten kommen wollte. Ich werde den kleinen Jungen auf die Spitze des Baumes setzen und danach die Mauer niederreißen. Von nun an soll der Garten auf ewig der Spielplatz der Kinder sein“. Er bedauerte aufrichtig, was er getan hatte.

Der Riese schlich nach unten, öffnete ganz leise die Haustür und trat in den Garten. Aber als die Kinder ihn sahen, hatten sie solche Angst, dass sie alle davonrannten - und augenblicklich wurde es wieder Winter im Garten. Nur der kleine Junge lief nicht fort; denn er hatte, da seine Augen ganz mit Tränen gefüllt waren, den Riesen nicht kommen sehen. Dieser näherte sich dem Jungen ganz vorsichtig von hinten, nahm ihn sanft in seine Hand und setzte ihn in den Baum. Unverzüglich erstrahlte der Baum in üppiger Blütenpracht und die Vögel kamen, setzten sich hinein und sangen; und der kleine Junge streckte seine Arme aus, schlang sie dem Riesen um den Hals und küsste ihn. Und als all die anderen Kinder sahen, dass der Riese nicht länger böse war, kamen sie eilig zurück - und mit ihnen kam der Frühling. „Von nun an, Kinder, ist dies euer Garten“, sagte der Riese, nahm eine riesige Axt und riss die Mauer nieder. Und als die Menschen um die Mittagszeit zum Markt gingen, sahen sie den Riesen mit den Kindern im Garten spielen, dem schönsten Garten, den sie jemals gesehen hatten.

Sie spielten den ganzen Tag lang, und am Abend gingen sie auf den Riesen zu, um sich von ihm zu verabschieden.

„Aber wo ist denn euer kleiner Spielgefährte, der Junge, den ich auf den Baum gesetzt habe?“, fragte der Riese. Den kleinen Jungen liebte er nämlich am meisten, weil dieser ihn geküsst hatte.

„Das wissen wir nicht“, antworteten die Kinder, „er ist fortgegangen“.

„Ihr müsst ihm sagen, dass er morgen unbedingt wiederkommen soll“, sagte der Riese. Aber die Kinder entgegneten, dass sie nicht wüssten, wo er wohne, und dass sie ihn auch niemals zuvor gesehen hätten. Daraufhin wurde der Riese sehr traurig.

Jeden Nachmittag, wenn die Schule zu Ende war, kamen die Kinder und spielten mit dem Riesen. Aber den kleinen Jungen, den der Riese besonders liebte, sah man nie mehr. Der Riese war sehr freundlich zu all den Kindern, und dennoch blieb in ihm die Sehnsucht nach seinem ersten kleinen Freund; immer wieder sprach er von dem Jungen. „Wie gerne würde ich ihn wiedersehen“, pflegte der Riese dann zu sagen.

Jahre vergingen und der Riese wurde ganz alt und schwach. Er konnte nicht mehr im Garten spielen, und so saß er in einem riesigen Lehnstuhl, sah den Kindern beim Spielen zu und erfreute sich an seinem Garten. „Ich habe zwar viele herrliche Blumen, aber die Kinder sind die schönsten von allen“, sagte er zu sich selbst.

An einem Wintermorgen schaute er, während er sich anzog, aus dem Fenster. Jetzt hasste er den Winter nicht mehr, denn er wusste, dass dies nur die Zeit des schlafenden Frühlings und der sich ausruhenden Blumen war. Plötzlich rieb er sich verwundert die Augen - und schaute und schaute. Es war in der Tat ein wundervoller Anblick. In der entlegensten Ecke des Gartens war ein Baum über und über mit herrlichen weißen Blüten bedeckt. Seine Zweige waren vergoldet und silberne Früchte hingen von ihnen herab. Und unter dem Baum stand der kleine Junge, den der Riese so sehr in sein Herz geschlossen hatte.

Hocherfreut rannte der Riese nach unten und hinaus in den Garten. Er hastete über die Wiese und näherte sich dem Kind. Und als er ganz nah herangekommen war, wurde sein Gesicht rot vor Zorn, und er fragte: „Wer hat es gewagt, dich zu verletzen?“ Auf den Handflächen des Kindes waren nämlich die Male von zwei Nägeln zu erkennen, und die Male von zwei Nägeln waren auch an seinen kleinen Füßen.

„Wer hat es gewagt, dich zu verletzen?“, schrie der Riese noch einmal, „sag es mir, damit ich mein mächtiges Schwert ziehen und ihn erschlagen kann“. „Nein!“, antwortete das Kind, „denn dies sind die Wunden der Liebe“. „Wer bist du?“, fragte der Riese; eine seltsame Ehrfurcht überkam ihn und er kniete vor dem kleinen Jungen nieder.

Daraufhin lächelte das Kind den Riesen an und sagte zu ihm. „Du hast mich einst in deinem Garten spielen lassen, heute sollst du mit mir in meinen Garten kommen - in das Paradies eingehen“.

Und als die Kinder an diesem Nachmittag in den Garten gelaufen kamen, fanden sie den Riesen tot auf - er lag unter dem Baum und war über und über mit weißen Blüten bedeckt.

Liebe Grüße

Heidi