Weimarer Republik - 1923

2 Fragen zu dem Jahre 1923:

Was versteht man unter einer schleichenden und einer galoppierenden Inflation?!

Was ist die Politik der produktiiven Pfänder?

Hallo !

Überall liest man von „produktiven Pfändern“, aber nirgends steht irgendetwas davon, was das ist. Nur eines ist sicher, es hängt mit den Reparationszahlungen zusammen. Und ich denke, Frankreich wollte als Sicherheit Industrieanlagen als Pfand, die gleichzeitig Geld brachten. Also so etwas, wie das Saarland, eine Industrie- und Bergbauregion.

Eine schleichende Inflation haben wir heute. Eine langsame Verteuerung sämtlicher Produkte.
Eine galoppierende Inflation hatten wir in den Zwanzigerjahren, als der Preis des Dollars täglich um mehrere Millionen RM stieg.

Gruß max

Hallo!

Was ist die Politik der produktiiven Pfänder?

Kontext: Ruhrbesetzung

Wegen der akuten wirtschaftlichen und finanziellen Probleme des Reiches (Verbrauch der Gold- und Devisenvorräte für die Reparationen, Staatsverschuldung, Währungsverfall,…) verzichteten die Alliierten im August 1922 vorläufig auf Geldleistungen. Zum Ausgleich verlangten sie eine Erhöhung der Güterlieferungen, unter anderem Holz(Telegraphenstangen) und Kohle. Die entgegengesetzten Bemühungen um eine Revision des Versailler Vertrages gingen weiter: Strebte Deutschland prinzipiell nach einer Senkung der Leistungsverpflichtungen und nach längerfristigen Zahlungsaufschüben, so trieb Frankreich unter dem Eindruck der Vertrages von Rapallo die Verwirklichung seiner sicherheitspolitischen Strategie mit der Idee der „produktiven Pfänder“ voran:

Danach sollten die Alliierten die deutschen Industrieanlagen im Ruhrgebiet kontrollieren, um die vollständige und pünktliche Ablieferung der Reparationen zu erfüllen.

Als das Reich die Holzlieferungen bis Ende 1922 nicht erfüllen konnte, stellte die Reparationskommision fest: D. hat gegen den Versailler Vertrag verstoßen (auch Absichtliche Zurückhaltung)
–> französische und belgische Divisionen besetzen das Ruhrgebiet
–> Protestwelle: Ebert ruft „passiven Widerstand“* auf

*passiver Widerstand= Behörden und Betriebe arbeiteten nur noch für deutsche Belange weiter, ohne franz. oder belg. Truppen zu gehorchen.

Zur Inflation

Ursachen:

  • Umstellung der Kriegs- auf Friedenswirtschaft (nach 1.WK)
  • Wiedereingliederung der Kriegsteilnehmer in d. Arbeitsprozess
    -Reparationen
  • Gebietsabtretungen (Abbruch der Binnenwirtschaftsbeziehungen,
    Zustrom von Flüchtlingen und Ausgewiesenen…)
  • hohe Staatsverschuldung, durch kaiserliche Kriegskredite und wegen
    einer Vervierfachung sowohl der umlaufenden Bargeldmenge als auch
    des Giralgeldes
    –> hatten eine erhebliche Nachkriegsinflation zur Folge
  • Rurbesetzung (erreicht Höhepunkt)

Kontext: von der schleichenden- zur gallopierenden- zur
Hyper-Inflation*

Für die Bedienung der Staatsverschuldung, die Erfüllung des Friedensvertrages und vor allem für den Aufbau des neuen Staates und seiner Sozialpolitik benötogte die Republik enorme finanzielle Mittel.
–> Steuerreform (Erzberger1919/20) --> Länder und Gemeinden gerieten infolge der Schmälerung ihres Steueranteils in finanzielle Schwierigkeiten und in abhängigkeit vom Reich. Die Inflation wurde zusätzlich angeheizt, weil sich das Reich zur Überbrückung der Anlaufzeit noch mehr verschulden mußte und weil in der Wirtschaft die Einkommens- und Vermögensabgaben teilweise auf die Preise abgewälzt wurden.

Die durch Zinszahlung und Schulentilgung bereits angespannte Haushaltslage wurde durch die Produktionsausfälle im Ruhrgebiet (1923, passiver Widerstand…siehe oben!) und die Unterstützung der Ausgesperrten und Ausgewiesenen enorm verschärft. Diese Kostenlawine, die aus ordentlichen Haushaltsmitteln nicht mehr finanziert werden konnte, versuchte die Regierung mit immer höheren Krediten der Reichsbank und durch immer häufigere Betätigung der Notenpresse Herr zu werden. Die bereits (dadurch) galoppierende Inflation wurde ab Juni 1923 zu einer Hyperinflation. Die Geldmenge stieg ins Astronomische: Das Giralgeld wuchs auf 500 Trillionen Mark, das umlaufende Bargeld auf fast dieselbe Summe. Die Kaufkraft der deutschen Währung sank ins Bodenlose, dr Dollar-Kurs stieg steil an; es wurden Reichsbanknoten mit immer höherem Nennwert ausgegeben. Die anhaltende Flucht in den Dollar, in Sachwerte und in Immobilien beschleunigte sich. Den sprunghaften Preisansteigerungen in immer kürzeren Abständen hinkten die Löhne hinterher. Schließlich verlor das Geld seine Funktion als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Stann bargeld wurden überall Naturalien (z.B. Lebensmittel, Zigaretten, Kohle) verlangt. (Als der Einzelhandel dazu überging, seine Waren zu horten, kam es zu Hungerdemonstrationen und Plünderungen).

Wer damals zu den Gewinnern oder Verlierern der Inflation zählte, zeigte in jedem Einzelfall erst die Gesamtbilanz. Gewinner waren die Schuldner, die ihre Verpflichtungen schlagartig mit wertlosem Geld zurückzahlen konnten - vor allem Bauern, die ihre Schulden aus der Vorkriegszeit abschüttelten, und der Staat, der seine Kriegsanleihen bei den Bürgern ablöste. Ferner profitierten Mieter, Pächter und besonders Exportunternehmer, deren Kosten sich nicht nur mit fortschreitender Geldentwertung verringerten, sondern auch für ihre Produnkte im Ausland harte Dollars erhielten. (z.B. Hugo Stinnes: Siemens-Rhein-Elbe-Schuckert-Union, oder Friedrich Flick große Industrieanteile durch geschickte Börsenspekulationen).

Verlierer waren Gläubiger, die für „gutes“ verliehenes Geld jetzt wertloses zurückerhielten, ebenso die Bezieher fester Geldeinkommen (Arbeitnehmer, Rentner, Vermieter, Verpächter…), mit denen man immer weniger kaufen konnte, und Besitzer von Sparguthaben.

–> Währungsreform
Stresemann erkannte, dass der Kampf gegen die Ruhrbesetzung in der wirtschaftlichen Ruin führte. Deshalb verkündete er am 26.9. das Ende des passiven Widerstandes und leitete eine Währungsreform ein.
GM -> Rentenmark
Bei der Rentenmark handelte es sich zwar um eine Übergangswährung, doch wurde sie rasch als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel akzeptiert. Außerdem schuf sie die Voraussetzung für konstruktive Reparationsverhandlungen.
Am 30.8.1924 (unmittelbar vor Inkrafttreten des Dawes-Plans) erfolgte ihre Ablösung durch die goldgedeckte, im internationalen Zahlungsverkehr voll konvertierbare Reichsmark.

Was versteht man unter einer schleichenden und einer
galoppierenden Inflation?!

Das dürfte ja jetzt geklärt sein, sagen eigentlich die Begriffe doch schon aus ;o)

KURZ:

  • schleichend: langsam voranschreitend
  • gallopierend: schell voranschreitend

Liebe Grüße, Anna