Wein

Hallo Experten,

ich habe irgenwo mal gelesen, daß mäßiger Genuß von Rotwein vor Schlaganfall, Herzschlag usw. schützen soll. Was ist da dran? Gilt das nur für Rotwein? Ist die Sorte relevant? Was ist in dem Zusammenhang „mäßig“? Fragen über Fragen…

Schonmal Danke für Eure Beiträge.

gruß - hans
***

Hallo !

Ich glaube, das ist vollkommener Blödsinn!
Nur weil Rotwein rot wie Blut ist, passt das gut in die Werbung und wird auch gläubig aufgenommen.
Ich wäre selbst davon betroffen mit einem Herzinfarkt und vier Bypässen, glaube aber nicht daran.
Fragt man den Kardiologen, grinst der nur schwach.

Wein in Massen ist sicher nicht ungesund, aber hilfreich gegen den Infarkt??!!

mfgConrad

hallo hans,

irgendwein stoff im rot wein scheint tatsächlich vor gefäßkrankheiten zu schützen.
wenn du näheres wissen willst, müßte ich nachher erst mal meinen gefährten fragen. der hat erst vor wenigen wochen, nachdem ihm im deutschen herzzentrum 3 bypässe eingebaut worden sind, solche sachen ausgiebig in der reha büffeln müssen.

„mäßig“ würde ich mal als gelegentlich 1 oder 2 gläschen deuten.

gruß
ann

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Hans,

Klar gibt es da Zusammenhänge:

http://www.quarks.de/wein/0702.htm

http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3802513282 Buch anschauen/

Servus

Mr. White

Hallo.

Wein in Massen ist sicher nicht ungesund

Das hieß, und heißt, und wird auch nach den nächsten Reformrevisionsbeanstandungskorrekturkommissionsrückgängigmachereien in Maßen , für die ohne ß auch Maszen heißen.

Ansonsten ist Rotwein natürlich kein Heilmittel für Koronargefäße von der Durchlässigkeit einer Kalkplatte, aber sicher ein „Stimulans“ für die Blutgefäße.

GRuß kw

Hallo,

dazu gibt’s bereits zig wissenschaftliche Untersuchungen. Sie zeigen fast alle, daß in der Tat Inhaltsstoffe des Rotweins (sog. „sekundäre Pflanzenstoffe“, hier bes. solche aus der Gruppe der „Polyphenole“) positive Effekte auf die Vitalität des Herz-Kreislauf-Systems haben. Die genauen Zusammenhänge (Ursache-Wirkungs-Ketten) sind jedoch noch unbekannt.

Hier kannst Du stöbern (es ist nur ein nicht-representativer Ausschnitt relativ aktueller Veröffentlichungen):

_Dell’Agli M, Busciala A, Bosisio E.
Vascular effects of wine polyphenols. Cardiovasc Res. 2004 Sep 1;63(4):593-602.

Ndiaye M, Chataigneau T, Chataigneau M, Schini-Kerth VB.
Red wine polyphenols induce EDHF-mediated relaxations in porcine coronary arteries through the redox-sensitive activation of the PI3-kinase/Akt pathway. Br J Pharmacol. 2004 Aug;142(7):1131-6.

Huisman A, Van De Wiel A, Rabelink TJ, Van Faassen EE.
Wine polyphenols and ethanol do not significantly scavenge superoxide nor affect endothelial nitric oxide production. J Nutr Biochem. 2004 Jul;15(7):426-32.

Ranaivo HR, Diebolt M, Andriantsitohaina R.
Wine polyphenols induce hypotension, and decrease cardiac reactivity and infarct size in rats: involvement of nitric oxide. Br J Pharmacol. 2004 Jun;142(4):671-8.

Serrano-Martinez M, Martinez-Losa E, Prado-Santamaria M, Brugarolas-Brufau C, Fernandez-Jarne E, Martinez-Gonzalez MA.
To what extent are the effects of diet on coronary heart disease
lipid-mediated? Int J Cardiol. 2004 May;95(1):35-8.

Whelan AP, Sutherland WH, McCormick MP, Yeoman DJ, de Jong SA, Williams MJ.
Effects of white and red wine on endothelial function in subjects with coronary artery disease. Intern Med J. 2004 May;34(5):224-8.

Avogaro A, Sambataro M, Marangoni A, Pianta A, Vettor R, Pagano C,
Marescotti MC, Tiengo A, Beltramello G.
Moderate alcohol consumption, glucose metabolism and lipolysis: the effect on adiponectin and tumor necrosis factor alpha. J Endocrinol Invest. 2003 Dec;26(12):1213-8.

Williams MJ, Sutherland WH, Whelan AP, McCormick MP, de Jong SA.
Acute effect of drinking red and white wines on circulating levels of inflammation-sensitive molecules in men with coronary artery disease. Metabolism. 2004 Mar;53(3):318-23.

Kikura M, Levy JH, Safon RA, Lee MK, Szlam F.
The influence of red wine or white wine intake on platelet function and
viscoelastic property of blood in volunteers. Platelets. 2004 Feb;15(1):37-41.

10: De Lange DW, Van Golden PH, Scholman WL, Kraaijenhagen RJ, Akkerman JW, Van De Wiel A.
Red wine and red wine polyphenolic compounds but not alcohol inhibit
ADP-induced platelet aggregation. Eur J Intern Med. 2003 Oct;14(6):361-366.

Fu W, Conklin BS, Lin PH, Lumsden AB, Yao Q, Chen C.
Red wine prevents homocysteine-induced endothelial dysfunction in porcine coronary arteries. J Surg Res. 2003 Nov;115(1):82-91.

Klatsky AL, Friedman GD, Armstrong MA, Kipp H.
Wine, liquor, beer, and mortality. Am J Epidemiol. 2003 Sep 15;158(6):585-95._

Gilt das nur für Rotwein?

Soweit ich es verstanden habe, gilt es vorwiegend für Rotwein, aber nicht ausschließlich.

Ist die Sorte relevant?

Das ist anzunehmen, weil die Zusammensetzung der aktiven Bestandteile (dieser „sekundären Pflanzenstoffe“) sich von Sorte zu Sorte unterscheidet. Der Unterschied ist aber vermutlich weniger groß wie zw. Rot- u. Weißwein.

Was ist in dem Zusammenhang „mäßig“?

Das ist abhängig vom Einzelfall. Die allgemeinste Definition hier ist wohl die, daß die vom Alkohol verursachten „Kollateralschäden“ die positiven Effekte der übrigen Inhaltsstoffe nicht überschreiten. Das beinhaltet letzlich immer eine „Wertung“ der „Schäden“ - und darüber läßt sich kein allgemeiner Konsens finden.

Fragen über Fragen…

Achtung, jede gute Antwort bringt zehn neue Fragen mit! :wink:

Grüße,
Jochen

Hallo hans,

Mediziner sind in der dummen Situation erklären zu müssen, warum es z.B. in mediteranene Gefilden weniger Herzinfarkte und allgemein Herzleiden gibt als z.B. in D.

Eine Zeit lang war das Olivenöl der Favorit, weil Alkohol schließlich ungesund ist.

Dann ließ sich die These mit dem Olivenöl aus verschiedenen Gründen nicht mehr halten und ein neuer Verdächtiger mußte her.

Da traf es sich gut, daß man im Rotwein Substanzen fand, die zu den sog. Radikalenfängern zählen.
Schwupp war der Grund gefunden; Studien die diese Ergebnisse untermauerten waren auch schnell auf dem Markt.
Daß es damals auch Studien gab, die unzweifelhaft dem Olivenöl die ‚Schuld‘ zuschoben wird wohlweislich unter den Teppich gekehrt.

Sicher gibt es beim Olivenöl Substanzen, die für den Aufbau von Zellwänden sehr wichtig sind.
Sicher gibt es im Rotwein Substanzen, die zu den Radikalfängern gezählt werden.
Sicher läßt sich in frischem Gemüse vieles finden, das dem Körper zuträglich ist.

Aber leider ist es so, daß man kaum einzelnen Lebensmitteln Wunder zuschreiben kann, sondern daß es die Mischung macht.
Dann kommt noch eine gute Portion Lebensgefühl dazu, eine günstige soziale Situation und schon ist der Mensch gesund.

Aber das wollen weder die meisten Menschen wissen, noch die, die Studien in Auftrag geben. Alles muß schön einfach sein, sonst begreift es das dumme Volk nicht und wer kein Geld für Studien kriegt, kann nicht arbeiten und so …

Gandalf

Ansonsten ist Rotwein natürlich kein Heilmittel für
Koronargefäße von der Durchlässigkeit einer Kalkplatte, aber
sicher ein „Stimulans“ für die Blutgefäße.

Das ist ein echter deutscher Korn ganz sicher auch. Deshalb muß ich den „Untersuchungen und Ergebnissen“ der franz. Weinindustrie nicht hinterherlaufen!

mfgConrad

Ich wäre selbst davon betroffen mit einem Herzinfarkt und vier
Bypässen, glaube aber nicht daran.

Ob Du daran glaubst oder nicht, Conrad, ist so als ob ein Sack Reis in China umfällt oder nicht. Es ist hinlänglich bekannt und durch langjährige Studien gesichert, dass insbesondere barrique-gelagerter Rotwein genügend FLAVONOIDE enthält, um eine echte cardioprotektive Wirkung zu entfalten. Mit anderen Worten: Er schützt nachweislich die Gefäße vor Arteriosklerose. Ich selbst habe übrigens trotz familiärer Risiken (beide Eltern Herztod und hoher Cholesterinspiegel) mit jahrzehntelang konsequent eingeniommenem a) Cholesterinsenker und b) ein, zwei Glas guten (!) Rotwein abends Arterien wie ein junger Gott (habe neulich erst die ganze kardiologische Diagnostik hinter mich gebracht).

Fragt man den Kardiologen, grinst der nur schwach.

Sicherlich tut er das, aber weißt Du, warum?! Wahrscheinlich weil er weiß, dass was dran ist.
Gruß, Branden

Auch hallo.

Man kann die Logik auch umkehren und sagen, dass Gesunde tendenziell eher in der Lage sind, Wein zu trinken. Als Statistiker müsste ich sagen, dass Ursache und Wirkung vertauscht wurden :wink:)

In diesem Sinne von einem mässigen Rotweingeniesser
mfg M.L.

Hallo,

neben möglichen positiven Inhalststoffen im Rotwein dürfte eine nicht unerheblich Ursache in der entspannten Atmosphäre liegen, in der man normalerweise den Rotwein genießt. Wird das entsprechend zelebriert, so ist es Stressabbau pur und steigert die Lebensfreude. Ein Aspekt, der die Herzinfarktwahrscheinlichkeit ebenfalls deutlich senken dürfte.

Gruss, Niels

Junge, Junge, reg Dich ab! Denk an Deinen Blutdruck!!
Natürlich ist das für heimliche AA-Mitglieder eine tolle Sache!
Weiterhin Prost und seeliges Einschlummern!

Denk auch mal dran, dass neueste Erkenntnisse ganz von der Cholesterintheorie als Herzinfarkt-Ursache abgehen. Was machst Du, wenn ein Wissenschaftler plötzlich feststellt, dass Teer gut dafür oder dagegen ist?

mfgConrad

Denk auch mal dran, dass neueste Erkenntnisse ganz von der
Cholesterintheorie als Herzinfarkt-Ursache abgehen.

Das sind Außenseiter-Studien, die gabs immer nebenher. Werden zum Teil von der mächtigen „Butter-Industrie“ gesponsert.
Die Cholesterin-Risiko-Studien sind Großraumstudien und jahrzehnte-überprüft. Wenn Du die nicht ernst nimmst, kannst Du beim Herzkaschper auch gleich den Voodoo-Zauber anwenden oder den Pfarrer holen.
Gruß, Branden

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Auch Bier!
Hallo,

soweit ich informiert bin, ist es immer noch gängige Lehrmeinung, dass der Alkohol dort die eigentliche Hauptrolle spielt. So weurde für Bier ähnliches nachgewiesen (Tuborg war übrigens der Sponsor…). In Rotwein könnten wohl zusätzlich die Flavonoide eine Rolle spielen. Aber das „french paradoxon“ dürfte bis heute nicht endgültig geklärt sein. Mein Favorit zu Erklärung wäre übrigens die mediterrane Lebensweise mit weniger Stress.

Übrigens „müssen“ Männer für den kardioprotektiven Effekt relativ viel Alkohol zu sich nehmen, so eine knappe halbe Flasche sollte es schon sein. Frauen kommen mit der Hälfte aus.

Gegen den positen Effekt auf das Herz ist dann der noch der negative Effekt auf Leber und Magen/Speiseröhre zu rechnen, letzterer fällt bei den konzentrierteren Alkoholen negativer aus. Daher würde ich den deutschen Kornfabrikanten die Durchführung einer derartige Studie nicht empfehlen. In diesem Sinne : Wohl bekomms…

Der Wellenzwerg

Hallo Hans,

über die sekundären Pflanzeninhaltstoffe (Polyphenole, Flavonoide, etc.) hast du ja nun schon einiges gehört. Sie wirken in der Tat einer Arteriosklerose eintgegen.
Aus medizinischer Sicht sollte dennoch der Konsum von Rotwein NICHT empfohlen werden, da die Alkoholaufnahme stark mit dem Krebsrisiko korreliert (das haben wir zumindest so gelernt).

Du kannst dir also überlegen, welches Risiko du in Kauf nehemn willst, oder einfach ab und an einen guten Rotwein trinken und ihn einfach geniessen :wink:.

Ach ja, es handelt sich in der Tat nur um Rotwein (es kann auch Traubensaft eingesetzt werden), und in Maßen bedeutet etwa ein Viertele am Tag.

Wohl bekomms und Grüssle von
m.

(es kann

auch Traubensaft eingesetzt werden)

… Ist der wichtigste Satz bisher. Demnach ist es eine Eigenschaft der roten Trauben und nicht der alkoholischen Gärung, die gut für die Blutgefäße sind.

Andreas

erstmal für die Antworten - obwohl ja offenbar keine Einigkeit herrscht.
Was ist nun mit rotem Traubensaft, genauso wirksam? Gibt es die wirksamen Substanzen des Rotweins auch schon als Präparat? Ich bin nur froh, daß hier keiner „Niiiemals - Suchtgefahr!!!“ geschrieben hat…

Also, in aller Ruhe einen Dämmerschoppen, das kann wohl zumindest nicht schaden.

gruß - hans
***

Moin,

… Ist der wichtigste Satz bisher. Demnach ist es eine
Eigenschaft der roten Trauben und nicht der alkoholischen
Gärung, die gut für die Blutgefäße sind.

Kann, muß aber nicht. Ist sogar unwahrscheinlich. Während des Herstellungsprozesses von Wein können Inhaltsstoffe verändert werden, zB. durch RedOx-Prozesse aber auch - und das ist wohl der wichtigere Aspekt - von der Hefe! Die alkoholische Gärung ist ja nicht der _einzige_ Stoffwechselprozeß, der läuft. Da laufen noch tausend andere und nur ein kleiner Teil ist uns überhaupt bekannt. Immerhin unterscheiden sich schon die Geschmäcker der Weine beträchtlich, wenn man nur unterschiedliche Hefestämme verwendet.

Grüße,

Jochen

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Roter Traubensaft
Hallo Hans,
im roten Traubensaft sind die gleichen guten Stoffe wie im Rotwein.
Grüße
Franz

Was ist nun mit rotem Traubensaft, genauso wirksam? Gibt es
die wirksamen Substanzen des Rotweins auch schon als Präparat?
Ich bin nur froh, daß hier keiner „Niiiemals - Suchtgefahr!!!“
geschrieben hat…

Also, in aller Ruhe einen Dämmerschoppen, das kann wohl
zumindest nicht schaden.

gruß - hans
***

Hi Hans,

Was ist nun mit rotem Traubensaft, genauso wirksam?

Gibt es die wirksamen Substanzen des Rotweins auch schon als Präparat?

Extra nur für dich:
http://www.dge.de/Pages/navigation/presse/spez0202.html

Ich bin nur froh, daß hier keiner „Niiiemals - Suchtgefahr!!!“
geschrieben hat…

Das sollte vielleicht nachgeholt werden :wink:
http://www.cardiologe.de/patient/info/kurz_fuendig/e…

Also, in aller Ruhe einen Dämmerschoppen, das kann wohl
zumindest nicht schaden.

Genau!
Grüssle
m.