Weinkorken

Hallo,

hatte gestern abend eine „Diskussion“ über verschiedene Korkarten bzw. Alternativen dafür. Ich trinke manchmal einen Rotwein, der mit Glaskorken verschlossen ist. Von diesem Winzer werden aber auch Weine mit Schraubverschluss angeboten. Dies macht er, da die Qualität der Weinkorken in den letzten Jahren sehr schlecht geworden ist. Von einem anderen Weinverkoster habe ich gehört, das sich diese Methode immer mehr durchsetzen wird, da nicht nur die Qualität (der Korken) nachlässt, sondern der Preis für Korken enorm hoch wäre. Er könne es nicht verstehen, wie Discounter einen Wein unter 2 Euro anbieten, obwohl seine Winzerei ca. 1,30 € pro Korken zahlen!!

Meine Frage: war dieser Preis nur ein schlechter Verkäuferspruch oder entspricht das tatsächlich der Wahrheit.

Freue mich über eine Antwort
Gruß
Frank

Hi Frank!
Tja, was du da gehört hast, entspricht leider der Wahrheit, der Rohstoff Kork wird immer seltener und teurer. Gründe dafür sind die relative Zurückdrängung der wichtigsten Lieferantenbäume (vorallem der Korkeiche), der extrem langsamen Regenerations- und damit Erntezyklen (sollen wohl zwischen 10 und 25 Jahren!!! liegen) und der gesteigerten Weinproduktion in der Welt (vor allem Südamerika drängt mittlerweile verstärkt auf den Markt). d.h. entweder, man verwendet Ersatzstoffe für den Verschluss oder erntet zeitiger, was sich wiederrum negativ auf die Kork-Qualität auswirkt.
Wenn sich also diese krasse Gegenentwicklung von Angebot und Nachfrage weiter verschärft, werden Korken bald noch weitaus teurer als „nur“ 1,30 sein und wir wohl immer öfter schraubend an den Wein kommen müssen.
Dabei ist aber auch zu bedenken, ob es wirklich sinnvoll ist, jeden Wein mit Kork zu verschließen. Die hervorragenden Eigenschaften (Atmungsaktivität bei gleichzeitigem Top-Verschluss) sind ja nicht für jeden Wein notwendig, weder den Billig-Discounterwein für 2euro, der noch am selben Abend getrunken wird, noch für die erste Lese, die als Premiumwein direkt im nächsten Frühjahr rausgeht, sondern eigentlich eher für edle Tropfen, die über mehrere Jahre/Jahrzehnte lagern müssen.

also: Immer schön die Korken aufheben und sammeln, die sollten schon längst zum Recyclingalltag gehören

ciao,

the_digger

Kork-Korken sind Tradition und Verkaufsargument. Kork-verkorkte Weine machen einen hochwertigeren Eindruck.

Ein ideales Verschlussmittel sind sie nicht, lange lagernde Weine müssen merhrmals neu verkorkt werden, das die K. altern und irgendwann ihre Funktion nicht mehr erfüllen.

Den Wein, den wir selber herstellen, verschließen wir mit Kronkorken. Das ist einfach zu handhaben, preisgünstig und völlig unproblematisch für die LAgerung der Weine. Natürlich ist es gewohnheitsbedürftig, Weine mit dem Kapselheber zu öffnen. Aber die - für Kronkorken geeigneten - Flaschen, die wir verwenden, sind Sektflschen von recht teurem Winzersekt. Dieser schließt seine Sektflaschen nämlich auch mit Kronkorken… . Erst für den Verkauf werden sie mit den üblichen Sektkorken versehen, damit der Gastgeber das aufmerksamkeitswirksame Ritual des Flaschenöffnens vollziehen kann. Technisch ist das Umkorken völlig überflüssig. Man erkennt diese Art Flaschen an ihrer Mündung - sieht aus wie bei Bierflaschen, hat aber 29 statt 26 mm Durchmesser. Billigere Sekte ohne Flaschengärung haben diesen typischen Kronkorkenwulst nicht.

dalga

Hallo digger,

Dabei ist aber auch zu bedenken, ob es wirklich sinnvoll ist,
jeden Wein mit Kork zu verschließen. Die hervorragenden
Eigenschaften (Atmungsaktivität bei gleichzeitigem
Top-Verschluss) sind ja nicht für jeden Wein notwendig,
sondern eigentlich eher
für edle Tropfen, die über mehrere Jahre/Jahrzehnte lagern
müssen.

Bei wirklich edlen Weinen die über lange Zeit aufbewahrt werden, werden aber - wie schon dalga geschrieben hat - entweder die Kork-Korken öfters gewechselt oder aber der Korken mit Wachs versiegelt. Also zählt das Argument „Atmungsaktivität“ nicht!

Auch wenn ich als Banause beschimpft werden:
Eine Weinflasche mit Schraubverschluß ist mir lieber als eine Weinflasche mit Kork-Korken bei der Wein korkelt oder gar der Korken beim ziehen abbricht oder zerbröselt. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung der sich keiner anschließen muss!

Grüße von
Tinchen

Bei wirklich edlen Weinen die über lange Zeit aufbewahrt
werden, werden aber - wie schon dalga geschrieben hat -
entweder die Kork-Korken öfters gewechselt oder aber der
Korken mit Wachs versiegelt. Also zählt das Argument
„Atmungsaktivität“ nicht!

Liebes Tinchen, danke für den Einwand, das Auswechseln von Korken bei lang lagernden Flaschen habe ich nicht bedacht!
BTW: In welchen Abständen müssen denn eigentlich die Kork-Korken gewechselt werden? Waren das 10 Jahre oder bin ich da jetzt auf dem Holzweg?

ist mir lieber als eine
Weinflasche mit Kork-Korken bei der Wein korkelt oder gar der
Korken beim ziehen abbricht oder zerbröselt.

Wenn Wein „korkelt“, wie du so schön sagst, oder der Korken abbricht, dann wurde die Flasche entweder nicht liegend gelagert, was zum Austrocknen des Korkens führt, oder die Qualität des Korks ist, wie schon oben beschrieben, durch die frühzeitige Ernte stark vermindert. Für Leute die ihren Wein nicht liegend lagern, kann man sowieso nur den Glas- oder Kronkorken empfehlen (und am besten gleich an den Kopf schmeißen :stuck_out_tongue:)

ciaosen,

the_digger

Servus,

Auch wenn ich als Banause beschimpft werde:

Warum denn das? Du weißt doch: Kenner trinken Württemberger!

Auch unsere Liter-Pfandflasche wird genauso wie der Württemberger Schraubverschluss hie und da scheel beäugt - obwohl das auch bloß vier Viertele am Stück sind…

Schöne Grüße

MM