Guten Morgen Herr Müller,
Wäre da in dem Fall keine Wurzelbehandlung möglich?
Ich meine so wie bei einer unfallbedingten Reimplantation?
Grüße
Servus Lucia,
Nochmals guten Morgen Herr Müller,
die besten Chancen (selber oft genug probiert) haben Zähne,
die noch nicht ‚ganz fertig‘ sind. Ich erinnere mich an einen
Fall, wo mir eine Touristin einen 10jährigen mit blutender
Lippe und fehlendem Schneidezahn in die Praxis brachte. Sie
hatte ihn auf der Straße ‚gefunden‘. Nachdem sie zwar den
Patienten, aber nicht den Zahn gebracht hatte, bat ich sie an
der 2 KM entfernten Unfallstelle danach zu suchen. Sie fuhr,
fand den Zahn im Straßendreck, der Zahn wurde mit reichlich
Kochsalzlösung abgespült und replantiert. Das letzte
Wurzelviertel war noch gar nicht augebildet. Man möcht’s nicht
glauben - mit 21 war der Zahn noch drin.
Ich selber hatte bis jetzt nur einen einzigen Unfallbedingten Fall mitbekommen, deshalb meine Frage, das war nicht bei uns in der Praxis sondern dies ist meiner Cousine passiert.
Sie war damals 21 Jahre jung *G*, blöder Unfall beim Inliner fahren, auch noch Sonntags. Der Zahn wurde im Notdienst wieder eingesetzt, durfte damals zuschauen, der Arzt benütze damals Chlorhexamed zum spühlen und setzte ihn wieder ein, fixierte den Zahn mit einfachem Comosite (Tetric Flow) und Röngte im Anschluss.
Meine Cousine schaffte es erst zwei Wochen später zu uns in die Praxis, der Zahn wurde Wurzelbehandlet, 6 Monate lang alle 4 Wochen fand eine Röntgenkontrolle statt und dan wurde das Tetric enfehrnt *G*
Nun ist meine Cousine 29 Jahre alt und der Zahn hält immer noch, einmal jährlich gibts ne Röntgenkontrolle und toi toi toi, bis dato alles o.B. 
Wenn man eine Wurzelbehandlung machen muß, ist das
Hauptproblem die Austrocknung der Wurzelhaut während der Zeit,
in der der Zahn extrakorporal bleibt. Es gibt höchst
kunstvolle Vorrichtungen, die den Zahn mit Metalllspitzen
festhalten, während man die Vitalexstirpation und die
Aufbereitung und Füllung vornimmt, während die Wurzel mit
NaCl-Lösung beträufelt wird. Die Statistiken sind allerdings
nicht sehr ermutigend, meistens wird die Wurzel doch
resorbiert. Warum in meinem geschilderten Fall die Dr.
Eisenbarth-Methode nicht schiefgegangen ist, kann ich nicht
sagen. In einem anderen Fall hat ein Mädchen denselben Zahn
durch zwei verschiedene Ereignisse zweimal verloren (es war
ein oberer seitlicher Scheidezahn). Ich habe ihn halt zweimal
replantiert. Soviel ich weiss, ist da heute aber ein
Camlog-Implantat drin.
Mhh dan hatte meine Cousine also Glück? =)
Wenn wir schon dabei sind:
für die Laien-mitleser - vor allem Schullehrer/innen,
Schulhausmeister, Trainer, Eltern:
wenn ein Zahn durch Gewalteinwirkung im ganzen herausgebrochen
wird, nimmt man ein Gefäß (Tablettenröhrchen, Yoghourtbecher,
wurscht was, füllt es mit Milch (nix abkochen, sondern
verwenden wie sie ist), gibt den Zahn, den man nur am SCHMELZ
anfasst in das Gefäß und bringt Kind und Zahn schnellstens zum
nächsten Zahnarzt. Ärzte sind zweite Wahl, weil die oft nicht
ganz genau wissen, wie herum ein Zahn gehört
). Wenn man
den Zahnarzt dann schnell arbeiten lassen will, bleibt man am
besten im Wartezimmer, weil der Kollege sich dann nicht um
ohnmächtige Begleitpersonen kümmern muss.
Oder wenn der Verunfallte alt genug ist, einfach den Zahn in den Mund nehmen und in der Backe halten bis man beim Zahnarzt ist.
Gruß
Kai Müller
Grüße