Hallöchen.
Arbeit ist kein Selbstzweck sondern dient zum Erwerb des
Lebensunterhaltes und des Luxus` (falls es dazu reicht).
Ja. Ich möchte hinzufügen, ihre Tätigkeit definiert auch den
Menschen und der Mensch definiert sich über seine Tätigkeit.
Arbeit hat daher neben dem Überlebenszweck auch einen sozialen
Aspekt.
Ja und? Sollen Arbeitgeber deswegen überflüssige Stellen nicht streichen, weil es den Mitarbeiter dann schlechter geht?
Das
ist keine Erfindung der Marktwirtschaft, sondern das war schon
in der Steinzeit Usus. Damals gabs nur keine monatliche
Überweisung, sondern ein Mammutfilet, wenn man mal jemandem
geholfen hat, die Höhle zu klinkern.
(-:
Arbeit ist keine Erfindung der Marktwirtschaft, sicher nicht.
Ich hatte die Behauptung aufgestellt, dass die Marktwirtschaft
unter die Menschen tritt und sich dort erbarmunslos zeigen
würde, wenn sie nicht sozial abgefedert werden würde, z.B.
durch Kündigungsschutz, Mutterschutz, Elterngeld,
Ausbildungsregelungen.
Mal abgesehen davon, daß sich darüber streiten ließe, ob solche Instrumente den Arbeitnehmern insgesamt wirklich helfen, gibt es sie ja.
Interessanterweise funktionieren Unternehmen genauso wie
Menschen, d.h. sie sind auf Einkommens- bzw. Gewinnerzielung
ausgerichtet.
Der homo oecomicus ist eine überholte Vorstellung. Der Mensch
ist ein emotionales Wesen, welches Entscheidungen nur
subjektiv rational trifft. In der Psychologie wird auch von
einem Verrationalisieren gesprochen. Der Mensch trifft
Entscheidungen, wenn nicht nur, so doch zumindest häufigst
nach emotionalen Erwägungen.
Was nichts daran ändert, daß die wenigsten Menschen arbeiten gehen würden, wenn sie das gleiche Geld fürs Nichtstun bekämen.
„Images of organization“ stellt er diese vor. Das Buch ist
inzwischen ein Klassiker und seine Zusammenfassungen dürften
in fast jeder Einführung zur BWL auftauchen.
Ein Unternehmen agiert als Ganzes selten emotional. Wie sollte
es auch? Dafür sind zu viele konträre Meinungen integriert.
Auf kleine patriarchalische UN kann dies wiederum zutreffen,
aber da ist es ein Mensch der so reagiert.
Das sehe ich anders. Sowohl das Verhalten einzelner als auch die Unternehmenskultur führen dazu, daß Unternehmen nicht nur nicht rational handeln, sondern oft sogar emotional.
Aus diesem Grunde ist jede Rumnölerei über
Arbeitsplatzabbau ziemlich daneben.
Ich weiß nicht ganz, was Du meinst, aber ich vermute, dass Du
auch ziemlich „rumölen“ würdest, wenn es Dich als 50 Jährigen
erwischen würde und Du nach einem Jahr Arbeitslosigkeit Dich
nicht nur nach einer günstigeren Wohnung umsehen müsstest.
Aber wer genug hat, kann auch noch genug abgeben. Dann braucht
in der Tat niemand über Arbeitsplatzverluste „herumzuölen“.
Aber vielleicht verstehe ich Dich hier auch falsch.
Daß sich jeder einzelne Betroffene durchaus aufregen kann, nur ist der öffentliche Unmut unangebracht. Wenn Arbeitskräfte eingespart werden können, ohne daß der Geschäftsbetrieb leidet, hat die Geschäftsleitung das Recht und bei weiter Auslegung der Rechtslage und je nach Rechtsform sogar die Pflicht, diese Arbeitsplätze einzusparen.
Waren diese Arbeitsplätze nicht nicht überflüssig, dann schießt sich das Unternehmen selbst ins Knie. Dann wäre aber weniger kollektive Wut als vielmehr Häme angesagt.
Wenn der Geschäftsbetrieb
eines Unternehmens auch ohne die freigestellten Mitarbeiter
nicht zusammenbricht, waren diese Mitarbeiter offensichtlich
entbehrlich.
In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit werden AN eine ganze Menge
leisten und selbst gesundheitliche Beschwerden in Kauf nehmen,
bevor sie kündigen. Eine ursächliche Rückführung auf
Mitarbeiterentlassungen dürfte nur in Ausnahmefällen möglich
sein.
Ich habe auch schon die ein oder andere Verschlankung miterlebt und komischerweise brach danach niemand zusammen.
Toyota hat mal mit eine extreme Verschlankung durchgeführt und
dabei jede Stelle auf ihren Gewinnanteil durchforstet, kanban
genannt. Nun, wir kennen die unterschiedliche
Arbeitnehmerkultur hier und in China. Ich hoffe, jeder weiß,
was das an Freizeit bedeutet und dann sollte niemand rumölen,
wenn überflüssige Mitarbeiter entlassen werden und die
Arbeitsintensivierung ansteigt.
Tja, eventuell kommt es irgendwann mal so weit, daß fast alle Arbeitnehmer 100% der Arbeitszeit für 100% Gehalt arbeiten müssen. Seiten wie wer-weiss-was, ebay, amazon, yahoo müßten natürlich schnell mangels Besucher schließen - aber gut: der Schaden wäre zu verkraften.
Wenn sie nicht entbehrlich waren, bekommt das
Unternehmen in irgendeiner Hinsicht ein Problem
(Lieferbereitschaft, Qualität, Marktgängigkeit der Produkte).
Das wird lange durch Überstunden ausgeglichen werden. Wenn
Mitarbeiter nicht mehr können und öfter fehlen, krank werden,
ausscheiden, kommen neue nach.
Die Mitarbeiterfluktuation steigt.
Die „Entbehrlichkeit“ von Mitarbeitern bedeutet in der
Realität Arbeitsverdichtung und erhöhte Fluktuation in den
Qualifikationsbereichen, die auf dem Arbeitsmarkt leicht zu
bekommen sind.
In der Theorie hast Du sicherlich Recht, aber die Praxis lässt
ein Unternehmen nicht einfach so abschmieren, weil es ein
falsche Mitarbeiter entlassen hat, geschweige denn, dass sich
einfach feststellen ließe, welche denn nun die falschen waren.
Andere Mitarbeiter übernehmen Aufgaben, andere Aufgaben werden
stillgelegt und Probleme können durch mehrere Methoden
beseitigt werden.
Was Du schilderst, ist das, was ich sagte: Entweder es geht ohne die betreffenden Mitarbeiter (dann war die Entscheidung richtig) oder es geht schief (dann war die Entscheidung falsch), dann schlägt es sich in irgendeiner Form auf die Erträge nieder.
Gruß
Christian