Welche Behandlung und wie? - Hannover

Hallo ihr lieben Experten,

ich habe bisher immer tolle Antworten von euch bekommen und hoffe ihr könnt mir nun auch einen Rat geben.

Heute habe ich mit meiner Cousine gesprochen und es geht ihr verdammt schlecht. Ich versuche es so kurz und verständlich wie möglich zu beschreiben:

Sie hat schon lange mit dem Gedanken gespielt sich Hilfe zu holen und es auch versucht. Sie hat bei vielen Psychotherapeutischen Praxen angerufen und um einen Termin gebeten. Diese sind aber komplett ausgebucht, nehmen entweder niemanden mehr auf oder erst frühestens in einem 3/4 Jahr. Oder man geht als Selbstzahler hin, aber das kann sie sich nicht leisten. Aber sie merkt sie braucht die Hilfe eben jetzt.

Sie hat so furchtbar geweint und ich weiß nicht wie ich ihr helfen soll, zudem bin ich hier in Limburg in Hessen und sie ist oben in Hannover. Ich weiß nicht was ich ihr empfehlen kann. Sie hat mir gesagt bei jeder Absage, also von Therapeuten, fühlt sie sich als würde sie einen Schlag ins Gesicht kriegen. Also wegen dem Misserfolg.

Ich habe sie gefragt, ob sie mit ihrer Mutter mal gesprochen hat aber das ist wohl einer der Knackpunkte. Ihre Mutter, also meine Tante, hat keinen „guten Ruf“ in der Familie. Sie ist immer sehr auf sich bedacht gewesen, mein Cousin musste früher auf meine Cousine aufpassen, als er selbst noch ein Kind war, damit meine Tante dann weggehen konnte usw. Der Vater hat die Familie irgendwann verlassen, da war sie glaube ich 3 und danach hat meine Tante meine Cousine und meinen Cousin total fallen gelassen. Das konnte man selbst auf Familientreffen merken. Es gibt ja Familien, die auf Familientreffen heiter Sonnenschein machen aber das ist bei ihr gar nicht so. Jeder konnte sehen, wie sie die Kinder angemault hat, nichts war gut genug.

Einmal hat mir meiner Cousine etwas erzählt was ich gar nicht glauben konnte… Das ist aber schon einige Jahre her. Meine Tante war mal wegen irgendeiner OP im Krankenhaus und meine Cousine hat für sie die komplette Wohnung auf vordermann gebracht, gesaugt, staubwischen, putzen, Müll raus, alles was geht. Dann kam sie nach Hause und hat sie gefragt, ob sie sich freut, dass alles fertig ist. Dann hat meine Tante gesehen, dass vom Papiermüll noch ein ein Stückchen auf dem Boden lag. Dann hat sie meine Cousine ins Gesicht geschlagen und gesagt „Mach es das nächste mal verdammt nochmal richtig.“

Sie hat mir gesagt, dass sie ihre Mutter am Telefon um Hilfe gebeten hat (es ist ihrer Meinung nach sonst keiner da den sie fragen kann), aber die sieht nichts anderes außer sich selbst. Sie tickt so nach dem Motto: „in Afrika verhungern Kinder aber im Endeffekt gibt es keinen Menschen auf diesem Planeten, der mehr leidet als ich.“ Jedenfalls meinte meine Tante dann wohl zu ihr, dass sie sich irgendwelche Krankheiten gar nicht einbilden braucht. Sie müsste nur mal richtig schlafen.

Als wir uns das letzte Mal auf einer Familienfeier gesehen haben hatte meine Cousine ziemliche Kopfschmerzen. Ich habe sie gefragt, ob es ihr gut geht und meine Tante fiel direkt wieder ins Wort: „Quatsch, die hat nix. Kopfschmerzen… Soll ICH dir mal was von Kopfschmerzen erzählen? DAS sind vielleicht Schmerzen!“ und lauter solche Sachen. Jetzt wisst ihr in etwa wie die Frau tickt.

Naja, es sind eben sehr viele Sachen. Und ich glaube ich weiß noch nicht mal alles. Was mich sehr traurig macht, also nicht, dass sie verpflichtet wäre mir alles zu sagen! wir haben einen sehr guten Draht zueinander, sind eher wie Schwestern als Cousinen. Ich habe mich die letzten Monate so in meinem Glück gesuhlt, dass ich für dieses Jahr noch einen Ausbildungsplatz bekommen habe, dass ich vielleicht gar nicht richtig gemerkt habe wie es ihr wirklich geht.

Vielleicht könnt ihr mir einen Tip geben. Ich gebe ihre Fragen mal weiter. Wenn wichtige Infos fehlen dann sagt das bitte!

Also, sie ist über 18 Jahre (26), normale Kassenpatientin. Was ich von ihr weiß: Depressionen, sie sagte sie wäre mit 16 fast vergewaltigt worden, sie musste mit ihrer Mutter immer häufig umziehen, teilweise fast jedes Jahr. Sie will, dass sich was ändert und vor allem von ihrer Mutter los. Das Problem ist: sie ist alleinerziehend, sie hat eine 2,5 jährige Tochter und sie glaubt, dass man ihr das Kind wegnimmt, wenn sie sich in Behandlung begibt? Soweit ich weiß hat sie aber einen sehr guten Kontakt zum Vater, der nimmt die Kleine auch ausserhalb der Besuchszeiten und hilft ihr wo er kann, auch die Eltern vom Vater. Obwohl die nicht zusammen sind, ist seine Familie mehr Familie für sie als die eigene Verwandtschaft sagte sie mal. Das Sorgerecht ist geteilt und er würde die kleine auch länger nehmen, wenn die Mutter solange in Therapie muss.

Und jetzt wäre die nächste Frage. Bei alle dem was da los ist kommt da nur eine Einweisung in Betracht? Wie funktioniert das? Über normale Praxen schafft sie es ja nicht. Muss sie dann richtig in stationäre Behandlung, oder teilstationär? Und kann sie dort ihr Kind sehen? So wie ich sie verstanden habe ist das ihre größte Angst, dass sie eben Hilfe in Anspruch nimmt und das Jugendamt ihr das Kind wegnimmt.

Aber ich kenne die Kleine auch. Also auch, wenn wir uns nicht so oft sehen wegen der Entfernung, aber die macht nen super Eindruck, hat viele Spielfreunde, ist super entwickelt und von allen Kindern in dem Alter, die ich kenne, spricht sie auch echt klasse, ist super aufgeweckt und meine COusine liebt ihre Tochter abgöttisch und ist immer da.

Kinder sind ja auch wenn sie klein sind nicht doof. Die merken ja, wenn da was im Busch ist. Und sie will halt nicht, dass die kleine vielleicht doch so aufwächst wie sie oder eine „kaputte“ Mutter hat.

Jetzt habe ich doch einen Roman geschrieben aber ich hoffe ihr wisst etwas. Das wäre toll. Ich möchte ihr gerne heute abend schon was nennen können. Habe gesagt, dass ich anrufen werden, wenn ich was weiß.

Vielen lieben Dank schonmal an euch!

Hallo

Eine Möglichkeit bieten Beratungsstellen der Kirche. Dort kann man - unabhängig von der Konfession - sich Hilfe holen.

Z.B. hier : http://www.ka-punkt.de/lebensberatung.html

Dort kann man auch ohne Termin hingehen (siehe Punkt „Beratung im Forum“)
Das Angebot reicht dabei von einzelnen Gesprächen bis hin zur Psychotherapie. Das ganze ist kostenlos, über Spenden freut man sich natürlich, aber wenn es finanziell nicht geht, ist es auch kein Problem.

Gruß
diemaus

P.S. meine Schwester geht dort regelmäßig hin und ist ganz zufrieden

Moin

Und jetzt wäre die nächste Frage. Bei alle dem was da los ist
kommt da nur eine Einweisung in Betracht?

Nein. Was ambulant zu behandeln ist, behandelt man ambulant. Und ich sehe hier keine explizit stationäre Indikation.
Sie soll sich weiter intnsiv um einen Behandlungsplatz bemühen und sich von ein paar Absagen nicht abschrcken lassen.
Gruß,
B.

Noch mal was dazu
Moin nochmal

Was
ich von ihr weiß: Depressionen, sie sagte sie wäre mit 16 fast
vergewaltigt worden

Fast vergewaltigt ist so wie n bißchen schwanger. Und die heutigen Depressionn auf so ein Ereignis zurück zu führen, halte ich für mehr als gewagt.
Ich weiß, es wird immer gerne nach Traumata und Traumatachen gesucht, aber das sollte man als Zeitgeist-Marotte abhaken.
Gruß,
B.

Hallo vanBranden und danke für die Antwort(en),

Es mag sicherlich Mädchen und Frauen geben, die zu Übertreibungen neigen, die sich schon belästigt und vergewaltigt fühlen, wenn sie einen Klaps auf den Hintern kriegen oder ein in deren Augen unattraktiver Mann ihr schöne Augen macht.

Meine Cousine gehört nicht zu diesen Menschen und ICH finde es mehr als gewagt, wenn Sie meinen dieses Ereignis als nicht so schlimm darstellen zu wollen bzw. glauben, dass es einen nicht weiter belastet oder beeinträchtigt.

Ich bin froh, dass mir sowas nie passiert ist, egal ob „ganz“ oder beinahe. Und die Depressionen bestehen nicht erst seit gestern, falls Sie es so aufgefasst haben als würde Sie sich nach 10 Jahren denken mensch ich wurde ja fast vergewaltigt da kann ich doch heute spontan mal Depressionen kriegen.

Das finde ich anmaßend.

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Hallo,

also - unabhängig vom Thema des Problems (das müsst ihr entscheiden) gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Hilfe bei der Kirche. Das fällt eher in die Kategorie Seelenhilfe und ersetzt keineswegs eine Therapie. Aber es kann einen ersten, schnellen und lebensrettenden Anker darstellen.

  2. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen und den Lotse-Dienst verlangen. Dort hängt man erstmal in einer scheinbar endlosen Warteschleife bis sich ein Callcenter-Mitarbeiter meldet. Dem dann sagen, dass man einen Therapeuten sucht, sowie die Postleitzahl des Wohnortes und die rücken dann mit bis zu 5 Therapeuten aus, die erstens in der Nähe sind und zweitens freie Kapazitäten haben.

  3. Sich selbst in stationärer Behandlung begeben - der Termin wird geplant, das Kind wird bei Freunden oder Verwandten untergebracht.
    Der erste Schritt ist der Gang zum Hausarzt, der eine Überweisung in die Psychiatrie ausschreibt.

  4. Die Einweisung. Das ist eine eher unschöne Angelegenheit und die würde ich nur im absoluten Not-not-Fall verwenden (Selbstgefährdung und/oder Fremdgefährdung). Da ruft man beim sozialpsychiatrischen Dienst an. Sie kommen und wenn sie Handlungsbedarf sehen, wird die betreffende Person mit in die Psychiatrie genommen. Da sollte man sich aber unbedingt VORHER Gedanken darüber machen, wie das Kind in der Abwesenheit der Mutter versorgt wird.

Meine Empfehlung: kurzfristig bei einer konfessionellen Institution Hilfe holen, den Lotse-Dienst anrufen und in der Zusammenarbeit mit dem Therapeuten einen stationären Aufenthalt in einer Klinik vorbereiten, wobei das Kind in Obhut eines vertrauten Menschen gebracht wird.
Letzteres nur wenn es wirklich notwendig ist (medikamentöse Behandlung, Diagnostik und einen Schnitt um in die Therapie rein zu kommen). Bringt aber nichts, wenn die Frau sich Sorgen um ihr Kind machen muss. Es gibt aber auch Mutter-Kind-Kliniken, wo das Kind mitkommen kann (was aber von manchen Ex-Männern und Vätern gern zum Anlass genommen wird gegen die Mutter zu verwenden, wenn es sich um Sorgerechtstreitigkeiten geht).

Viele Grüße

Hallo Branden,

ups… das stimmt so nicht!

Wo fängt denn die Vergewaltigung an? Sicherlich nicht mit dem Geschlechtsakt. Damit meine ich nicht den juristischen Standpunkt, sondern den Psychichen.

mit besten Grüßen

Guten Tag!

Das finde ich anmaßend.

Dennoch ist sein Satz
„Und die heutigen Depression auf so ein Ereignis zurück zu führen, halte ich für mehr als gewagt.“
sachlich schlicht und einfach korrekt.

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Kranke (egal ob psychisch oder körperlich) ihre Krankheit gern mit einem Schlüsselereignis erklären, das ihnen „von außen“ zukommt. Das mag bei der Bewältigung des Leidens durchaus hilfreich sein, therapeutisch hilfreich ist es nicht.

E.T.

Hallo Ernst!

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Kranke (egal ob
psychisch oder körperlich) ihre Krankheit gern mit einem
Schlüsselereignis erklären, das ihnen „von außen“ zukommt. Das
mag bei der Bewältigung des Leidens durchaus hilfreich sein,
therapeutisch hilfreich ist es nicht.

Das interessiert mich. Kannst Du das noch weiter ausführen?

Gruß,
Max

Guten Tag!

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Kranke (egal ob
psychisch oder körperlich) ihre Krankheit gern mit einem
Schlüsselereignis erklären, das ihnen „von außen“ zukommt. Das
mag bei der Bewältigung des Leidens durchaus hilfreich sein,
therapeutisch hilfreich ist es nicht.

Das interessiert mich. Kannst Du das noch weiter ausführen?

In welche Richtung ausführen?

Es ist so, dass sich bei chronisch Kranken immer Fragen der Art stellen: Warum gerade ich? Wie kams dazu? Was war der Auslöser? Was kann ich selbst dafür? usw.

Eine zeitliche/situationale Eingrenzung verleiht wieder ein Stück mehr Stabilität, Fremdattribution verleiht wieder ein Stück mehr Selbstwert, weils es den Gedanken der eigenen Schuld zur Seite schafft.
Darum ist das „Trauma“ (d.h. exakter Zeitpunkt + äußeres Ereignis) als Erklärungsfaktor auch so „beliebt“.
Das ist ja nicht nur eine Modeerscheinung, wie der User vanBranden in diesem Thread schreibt.
Modisch ist lediglich, dass die Mediziner und Psychologen momentan an der Trauma-Inflation kräftig mitmachen.

E.T.

Hi,

  1. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen und den
    Lotse-Dienst verlangen. Dort hängt man erstmal in einer
    scheinbar endlosen Warteschleife

Kostete mich 20.65 Euro!

bis sich ein
Callcenter-Mitarbeiter meldet. Dem dann sagen, dass man einen
Therapeuten sucht, sowie die Postleitzahl des Wohnortes und
die rücken dann mit bis zu 5 Therapeuten aus, die erstens in
der Nähe sind und zweitens freie Kapazitäten haben.

Kostete mich nochmal 10.50 Euro.

Ich frage mich schon lange, warum solche Institutionen, die Menschen helfen wollen - meine Krankenkasse,

Sorry,

entschuldigung
mein posting war zu schnell weg…

wäre ein Grenzfall zwischen Psychologie und Esoterik.

Karin