ich möchte gerne nebenberuflich ein Gewerbe anmelden, weiss
allerdings nicht, welche Handelsform ich wählen soll.
…wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ich im
Endeffekt 75% des Gewinns abführen muss - ziemlich
unverschämt.
…ich mich selbst als Geschäftsführer
anstelle, mir somit auch ein Gehalt zahle und dadurch die
Kosten erhöhe und den Gewinn schmälere…
Hallo Thomas,
Du hast vielleicht Sorgen! Verbiegen und hinrechnen kann man ja eine Menge, aber wie Du auf 75% Abgaben kommst, bleibt mir im Moment noch verborgen. Nach aller Wahrscheinlichkeit wirst Du froh sein, wenn der erste Cent gewinnabhängiger Steuern fällig wird, weil Du dann nämlich endlich aus den roten Zahlen heraus bist.
Im Vorfeld einer Unternehmensgründung ist es i. d. R. unsinnig, sich wegen der Steuerbelastung graue Haare wachsen zu lassen oder gar die Rechtsform des Unternehmens von steuerlichen Überlegungen abhängig zu machen. Du verteilst da Beute, die noch gar nicht erlegt ist.
Es steht Dir frei, für einen nebenberuflich betriebenen Bauchladen eine Kapitalgesellschaft zu gründen, damit Du Dich selbst als Geschäftsführer einstellen kannst. Ein Mittel zum Sparen von Aufwand und Kosten ist das aber nicht. Es führt an dieser Stelle zu weit, alle Möglichkeiten des Einsparens von Abgaben und vom Finanzamt beanstandete Mißbräuche der Gestaltung aufzuführen. Fragestellungen in dieser Richtung sind nämlich arg verfrüht. In den meisten Fällen zahlt der Gründer in der Anfangszeit überhaupt keine gewinnabhängigen Steuern, weil er schlicht keinen Gewinn erwirtschaftet. Ändert sich dieser Zustand, ist es früh genug, sich über Gestaltungen Gedanken zu machen. Vorher gilt es, zu überleben, die Kosten im Griff zu behalten und an zahlungskräftige Kundschaft zu kommen.
Um die Kosten im Griff zu behalten, solltest Du zunächst die Kunst der Buchführung beherrschen. Andernfalls kannst Du nämlich Deine eigenen betrieblichen Zahlen nicht lesen und bekommst auch nicht mit, ob und wann Steuern fällig werden oder ob Du vielleicht längst pleite bist.
Sodann ist ein Geschäftsplan fällig. Wesentlicher Bestandteil ist Deine Idee, wie Du die benötigte Kundschaft davon überzeugst, ausgerechnet Deine Dienste in Anspruch zu nehmen.
Ist die Sache mit Buchführungskursus (an der örtlichen VHS gut und preiswert) und Geschäftsplan erledigt, gilt es, die Idee mit Leben zu erfüllen. Sollte in Deinem Geschäft auch noch nach ein paar Jahren Leben sein, ist Zeit genug, Gedanken für steuerliche Optimierungen zu verschwenden.
Gruß
Wolfgang
PS: Es interessiert mich aber doch, woher Parolen von 75% Steuerlast kommen.