Streben nach Nahrung und Waerme und das Vermeiden von
Gefahren.
Hinzu kommt der Trieb sich fortzupflanzen
Hallo Tychi,
Herzlichen Dank für Deine Antwort.
Beim 4. Punkt zeigt sich genau die Intention meiner Frage :
Haben wir wirklich einen „Fortpflanzungstrieb“ oder nicht eher
einen Sexualtrieb ? Feldbeobachtungen lassen mich eher an
zweiteres glauben. Offenbar ist es uns Menschen also gelungen,
die Instinkte von deren „Zweck“ zu entkoppeln (natürlich gibt
es einen „Zweck“ nur dann, wenn man an Schöpfung glaubt; wenn
man von Evolution spricht, sollte man eher von „Wirkung, die
sich im Nachhinein als Art-erhaltend herausgestellt hat“
sprechen).
Alles voellig richtig. Der Mensch hat den Instinkt (Trieb) sich
fortzupflanzen. Bewusst wird ihm dieser Trieb aber als Sexualtrieb,
denn die Instinkte interpretiert er ja vor dem Hintergrund seiner
gesellschaftlichen Praegung. Und diese sagt ihm gegenwaertig, dass
Sex etwas sehr Gutes sei. Die Fortpflanzung hingegen wird eher als
nachteilig angesehen. Nach Freud waere dies eine Sublimation, in
diesem Fall eine dem unerlaubten Trieb sehr verwandte: Naemlich Sex
statt Fortpflanzung.
Wie ist dann mit dem Vermeiden von Gefahren ? Vermeiden wir
wirklich die echten Gefahren (warum gibt es dann Raucher und
Autofahrer ?) oder meiden wir das, was uns die jeweils
herrschende pädagogische Mode als gefährlich anerzogen hat ?
Rauchen und Autofahren sind abstrakte Gefahren, die man nur
anhand von Statistiken oder anhand des Schicksals anderer sieht.
Sie wirken nicht auf die Gefuehle, wie z.B. das Knurren eines boesen
Hundes. Zudem sind Raucher suechtig und ohne das Auto lebt es sich
schwer in unserer Gesellschaft, es ist also eine Notwendigkeit.
Am Beispiel des Rauchens sieht man, dass wir uns gerade nicht
kuemmern um die Gefahren, die die paedagogische Mode lehrt, denn sie
warnt ja vor dem Rauchen und viele tun es trotzdem.
Worauf ich also hinaus will, sind Fragen wie :
Warum wird heute jedes Grundstück eingezäunt ? (-> Angst
vor’m bösen Wolf ?) Warum müssen wir Feuchtgebiete
trockenlegen ? (-> Angst vor der Pest ?) Warum dürfen
Kinder nicht draußen spielen ? (Angst vor dem Säbelzahntiger
?) Sind die anderen Gefahren - die es ja tatsächlich gibt, wie
z.B. Sittenstrolche - doch nur eine nachträgliche
pseudo-Rationalisierung von instinktiver Angst ?
Teilweise. Der Mensch hat grosse Muehe, Risiken richtig
einzuschaetzen. Es gibt viele Beispiele, in denen jemand aus Angst
bestimmte Aktivitaeten vermeidet, sich anderen aber gerne hingibt,
obwohl sie viel gefaehrlicher sind.
All deine Beispiele koennen nicht mit Basisinstinkten erklaert
werden, da sie alle kultur- und umweltabhaengig sind. Es gibt auch
Gesellschaften, in denen niemand etwas einzaeunt, die Kinder draussen
spielen duerfen u.s.w. Die Sache mit den Feuchtgebieten ist sehr
speziell und ich glaube nicht, dass sie in Deutschland einfach so
trockengelegt werden, wenn es nicht wirklich gute Gruende dafuer
gibt, die also mehr sind, als nur Rationalisierungen von Uraengsten.
Es bleibt schwierig
Ja.
Gruss, Tychi