Im Magisterfragment von Lenz habe ich bis jetzt folgende Motive erkennen können:
- Kindsmord
- verführtes Bürgermädchen
- uneheliches Kind
- triebgesteuerte Menschen
Den Text hab ich eingescannt und eingestellt:
http://bilderhosting.aaj.de/aaj/aaj-8416755981118675…
fällt euch noch etwas auf oder ein?
Welche sprachlichen Besonderheiten seht ihr im Vergleich zu früheren Dramen?
Ich sehe als Hauptpunkt Armut/soziales Elend als Ursache der Prostitution.
Aber mir ist noch nicht ganz klar, wonach du genau suchst. Geht es dir um eine bestimmte Interpretationsfrage, um eine zeitliche oder gedankliche Einordnung des Fragments oder „musst“/willst du den Text unter irgend einer selbstgewählten Fragestellung näher betrachten und vorstellen?
(ist jetzt nicht die versteckte Frage nach „Hausaufgabenhilfe“
Die meisten von uns packen wohl gern mit an, wenn jemand an einer konkreten Stelle eine Nuss zu knacken hat. Auch für die Schule. Aber als du z. B. unten einfach nur gefragt hast: „Fällt euch was dazu ein?“ - da wusste ich wirklich nicht, was und wozu, und mir fiel nix ein…)
Welche sprachlichen Besonderheiten seht ihr im Vergleich zu
früheren Dramen?
Also, ich bin kein Lenz-Fachmann, aber ich glaube nicht, dass man bei ihm überhaupt unterscheiden kann zwischen „früheren“ und „späteren“ Werken. Die Stücke sind alle Mitte der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts entstanden, folgten in dicht gedrängter Folge hinter einander weg, und dann kam nichts mehr. Lenz hat versucht, „bürgerlich“ zu werden, im Beruf Fuß zu fassen, ist dann wahnsinnig geworden, in eine Anstalt gekommen und im Alter von nur 41 Jahren gestorben.
Sprachlich habe ich die Dramen nicht mehr auf dem Schirm, aber das Fragment dürfte nicht allzu sehr abweichen von den anderen Texten. Es kann allerdings sein, dass Lenz oder seine Lektoren/Verleger die Sachen für den Buchdruck „geglättet“ haben und dass dort einige dialektale und umgangssprachliche Sachen rausgefallen sind…
Übrigens: Den Hofmeister gibts als Reclamheft mit einem ganz brauchbaren Nachwort und ein paar Literaturhinweisen.
1 „Gefällt mir“
Die Sache ist einfach die:
Ich mache mir Gedanken zu dem Text, möchte dann meine Gedanken auch einfach mal mit anderen Vergleichen. Möchte ja immer was dazulernen 
Mir stellt sich weniger die Frage der Zeitlichen Einordnung (Sturm und Drang) als die Sprachliche Besonderheit und die grundlegenden Motive.
Lenz schreibt in diesemm Magisterfragment übrigens über sich selbst
Er war Magister=Hauslehrer in Moskau bis kurz vor seinem Tod
Vielleicht hat er versucht über die Literatur seine Probleme abzulegen!? Lenz ist für mich mit Abstand einer der spannendsten Autoren die ich bis jetzt kennengelernt habe. Es tuen sich wirklich erstaunliche Paralellen auf, wenn man „seine“ Literatur mit dessen Lebenslauf (Biografie) vergleicht.
Du sieht ich möchte hier nicht einfach eine „billige“ Hausaufgabenhilfe
, sondern mich interessiert das Thema. Ich möchte einfach mehr darüber erfahren. Da es so gut wie keine ergänzende Literatur zum Magisterfragment gibt, bin ich wirklich froh das ich mich über diesen Weg mit anderen austauschen kann, um Neues zu erfahren.
Gruß
Und wie siehst du die sprachlichen Besonderheiten, auch der einzelenen Figuren zu Schriften anderer Autoren des Sturm und Drangs? Mir sind bis jetzt nur Paralellen und keine Unterschiede aufgefallen.
Klar gibt es bei Faust (Goethe) einen Drang zum Übernatürlichen aber sonst habe ich noch nicht viel feststellen können.
Als Unterschied zu den anderen Stürmern und Drängern fällt mir bei Lenz auf, wie elendig „klein“ sich seine Figuren machen. Ängstlich, devot, verzweifelt, hilflos. Lieschen bettelt. Der Magister setzt Geld ein, um sie ins Bett zu kriegen. Jeder andere Sturm-und-Drang-Held hätte sich das Mädel durch die Kraft seiner Ausstrahlung, mächtige Dämonenbeschwörung oder körperliche Gewalt zu Willen gemacht. Stell dir Goethes oder Klingers Faust (lesenswert!) in einer ähnlichen Situation vor. Oder die dämonische Medea bei Klinger. Da würde keiner Geld auch nur einer Erwähnung für wert halten. Dass sich der Hofmeister am Ende selbst kastriert, ist symptomatisch für diese Haltung.
Und wenn du dir Lieschen anguckst: Sie verweigert den Beischlaf nicht aus Tugend, sie hat schlicht und ergreifend Angst. Angst vor einer (weiteren?) Schädigung ihres Rufes, Angst vor Strafe und Angst vor möglichen Folgen (Schwangerschaft). Vergleich damit mal das selbstbewusste Gretchen im Faust: starke, überschäumende Liebe, aktives Handeln, aktive Übernahme der Gesprächsführung beim Treffen mit Faust und schließlich die eigene Entscheidung, statt ihres Lebens ihre Seele zu retten. Lieschen dagegen ist nur am Wimmern, wie schlecht es ihr geht. Schuld sind immer die anderen. Und am Schluss kann sie gerademal verzweifelt um Hilfe schreien (wo eine echte Heldin doch ins brennende Haus gelaufen wäre und den Kerl rausgeschleppt hätte
)
Also, meiner Meinung nach sind Lenz’ Werke von allen Sturm-und-Drang-Schriften die einzigen, in denen es von elenden, hilflosen Opfern nur so wimmelt. Die unwichtigste Nebenfigur im Götz von Berlichingen hat im kleinen Finger mehr Energie als die schlimmsten Bösewichte bei Lenz.
Woher kommt der Text?
Und? Hast du inzwischen schon herausgebracht, wann und wo der Text herkommt? Irgendwo im Nachlass aufgetaucht?
Weiß du eigentlich das Lenz über sich selbst geschreiben hat? Er war der Magister!!! (Hat in Moskau als Hauslehrer bis kurz vor seinem Tod gearbeitet)
Im Gegenteil zu Faust 1 bleibt Lenz immer realitätsbezogen und begibt sich zudem auch nich in andere Jahrhunderte sondern behandelt die damalige Gegenwart.
Ich denke er wollte zwar zum einen auf die Misstände und das Denken sowie die Zwänge dieser Zeit aufmerksam machen, zum anderen aber auch selbstkritik üben und über die literatur abbauen.
Was hältst du / ihr von der Theorie?
Habe nirgens Literatur gefunden die ergänzt … auch auf seinen, die sich umfassend mit Lenz beschäftigen wird das Fragment nicht aufgeführt.
Ich schätze mal es ist um das Jahr 1781-1785 geschrieben worden, da er zudiesem Zeitpunkt Magister in Moskau war.
Genaue Verbindungen und eindeutige Daten habe ich aber leider keine.
Weiß du eigentlich das Lenz über sich selbst geschreiben hat?
Er war der Magister!!! (Hat in Moskau als Hauslehrer bis kurz
vor seinem Tod gearbeitet)
Ja, das passt gut. Und vermutlich hat er sich oft genau so elendig gefühlt wie seine Charaktere. Trotzdem sollten wir ihn nicht 1:1 mit seinem Magister gleichsetzen. Ich traue ihm zum Beispiel nicht zu, dass er sich von den Dienstmädchen Sex erkauft hat. Und den Flammen aufgegangen ist er am Ende auch nicht. Es stimmt aber schon, dass er die ärmlichen Verhältnisse der dargestellten Personen sehr gut kannte. Er hat auch durchaus einiges versucht, um die sozialen Bedingungen zu verändern. So gibt es von ihm außer dem Stück „Die Soldaten“ eine politische Schrift, in der er eine Reformation des Militärwesens vorschlägt. Da konnte er jedoch nicht mit durchdringen. Als Absender ein Dichter - da haben die Generäle mal kurz gelacht und sind dann wieder zur Tagesordnung übergegangen.
Du schreibst, Lenz sei der spannendste Autor, der dir bis jetzt begegnet ist. Das wundert mich, wo du doch bisher den Hofmeister und die Soldaten noch nicht gelesen hast (und darüber hinaus gibt es ja kaum etwas von ihm). Wo genau ist denn bei dir der „Funken übergesprungen“? Beim Blick auf das Magisterfragement? Bei der Biographie? Ich habe ihn mir mal näher angeschaut, als ich mich mit Georg Büchner beschäftigt habe. Dessen „Lenz“-Fragment gehört (meiner Meinung nach) zu den zehn besten Prosatexten, die in deutscher Sprache je verfasst worden sind.
Gruß - Petra
1 „Gefällt mir“
Weiß du eigentlich das Lenz über sich selbst geschreiben hat?
Er war der Magister!!! (Hat in Moskau als Hauslehrer bis kurz
vor seinem Tod gearbeitet)
Ja, das passt gut. Und vermutlich hat er sich oft genau so
elendig gefühlt wie seine Charaktere. Trotzdem sollten wir ihn
nicht 1:1 mit seinem Magister gleichsetzen. Ich traue ihm zum
Beispiel nicht zu, dass er sich von den Dienstmädchen Sex
erkauft hat. Und den Flammen aufgegangen ist er am Ende auch
nicht. Es stimmt aber schon, dass er die ärmlichen
Verhältnisse der dargestellten Personen sehr gut kannte. Er
hat auch durchaus einiges versucht, um die sozialen
Bedingungen zu verändern.
Ich bin doch irgendwo der Meinung mann kan ihn 1:1 mit dem geschaffenden Charakter gleichtsetzen. Ich habe mir den Hofmeister und die Soldaten jetzt mal angelesen und dort auch eindeutige paralellen gefunden. Er war übrigens auch Hofmeister („Der Hofmeister“ von Lenz) in Straßburg und Soldat wurde er auch noch („Die Soldaten“).
Es handelt sich immer wiederum de Motive von Kindsmord, uneheliche Kinder und triebgesteuerte Charaktäre und zudem wird noch der Zwang in diese Rollen beschreiben.
Letztendlich ist er ja auch verrückt geworden. Dies könnte man so interpretieren, das er mit den Problemen in den Büchern einfach nicht fertig geworden ist und letztendlich daran auch zu grunde gegangen ist.
Du schreibst, Lenz sei der spannendste Autor, der dir bis
jetzt begegnet ist. Das wundert mich, wo du doch bisher den
Hofmeister und die Soldaten noch nicht gelesen hast (und
darüber hinaus gibt es ja kaum etwas von ihm). Wo genau ist
denn bei dir der „Funken übergesprungen“? Beim Blick auf das
Magisterfragement? Bei der Biographie?
Habe mitlerweile wie ich oben schon geschrieben habe „Der Hofmeister“ und „Die Soldaten“ angelesen.
Je mehr man von dem Menschen weiß, desto mehr versteht man auch seine Literatur und die Zusammenhänge mit seiner Biografie. Gerade das er seinen eigenen Lebenslauf in der iteratur verewigt und so detaliert die damalige Gegenwart beschreibt machen ihn einfach zu etwas besonderem. Je mehr ich von ihm entdecke deso bewundernswerter finde ich ihn. Nicht wegen seinen Taten, sondern wegen dem Mut mit dem er sich gegen seine Taten, in die er zum Teil auch gezwungen wurde, zu stellen. Er „redet“ in seinen Dramen und Schriften Klartext und nimmt kein Blatt vor den Mund, wie dies Goethe (Faust) oder auch Shakespear gemacht haben. Shakespear ist war das unumstrittene Vorbild dieser Zeit, aber Lenz ist einfach eine unumstrittene Zentralfigur geworden die den Sturm und Drang wie kein anderer gefördert hat.
Kennst du Texte von ihm, die er nicht über >>> uind >> Probleme geschreiben hat? Ich habe bisher keinen gefunden und glaube auch nicht, das es welche gibt (Habe mitlerweile schon 3 Dramen und 4 Schriften von ihm angelesen)
Eigene Biographie?
Hm, wenn du das Immmer-wieder-die-eigenen-Probleme-Aufschreiben zum Qualitätsmerkmal erhebst, dann hat mein Tagebuch mehr von Weltliteratur als Ilias und Odyssee zusammen
Aber du hast natürlich Recht, wenn du sagst, dass ein Autor immer selbst mit drin sein sollte in seinem Werk. Man merkt ziemlich schnell, wenn da kein Stück Seele mit eingearbeitet wurde. Was Lenz’ Werke zu Literatur macht, ist aber nicht nur das Zu-Papier-Bringen persönlicher Erfahrungen. Sondern, dass er es so tut, dass sich auch andere darin wiederfinden können. Also, dass das rein subjektiv-individuelle Erlebnis so geschildert wird, dass es „der Menschheit“ etwas zu sagen hat.
Das hat übrigens Goethe draufgehabt. Ob du den Werther nimmst, den Götz, den Faust oder den Mephisto - in allen steckt ein Teil des Verfassers. Ist bloß nicht ganz so durchsichtig wie bei Lenz 
Shakespear ist war das
unumstrittene Vorbild dieser Zeit, aber Lenz ist einfach eine
unumstrittene Zentralfigur geworden die den Sturm und Drang
wie kein anderer gefördert hat.
Naja, dieser Ruhm gebührt doch eher Herder. Lenz kommt mir verglichen mit Goethe, Klinger und Herder doch eher als eine Randfigur vor. Selbst der „verspätete“ Beitrag von Schiller (Die Räuber) hat doch mehr vom Sturm und Drang als der Hofmeister… Lenz hat meiner Meinung nach hat seine wirklichen literararischen Kollegen/Gesinnungsgenossen erst in den späteren Autoren wie Grabbe und Büchner gefunden.
Gruß - Petra
1 „Gefällt mir“