Welche Risikoleben nach Hausbau?

Hallo,

wir haben vor kurzem gebaut und ich schiebe das Thema Risikolebensversicherung schon eine Weile vor mir hin.

Da kürzlich ein Bekannter vom Balkon gefallen (und gestorben) ist und ich auf die 30 zugehe will ich in diesem Jahr die Sache noch unter Dach und Fach bringen. Manchmal kann man gar nicht so blöd denken, wie das Leben so spielt…

Ausgangslage:

  • meine Partnerin und ich sind beide voll erwerbstätig (öffentlicher Dienst)
  • haben einen einjährigen Sohn, ein zweites Kind nicht ausgeschlossen
  • sind nicht verheiratet, ist aber schon in ca. 2 Jahren geplant
  • Kreditsumme fürs Haus 135.000 EURO, Abzahlungsdauer 30 Jahre

Was macht da Sinn (Höhe der Versicherung/Laufzeit)?
Hauptsächlich soll natürlich vermieden werden, dass im Todesfall das Haus durch den verbliebenen Partner nicht mehr zu halten ist.

Es gibt ja auch spezielle Versicherungen wo die Versicherungssumme mit der Zeit abnimmt, weil sich die Darlehenssumme verringert.

Wie sicher ist das mit den Beitragsverrechnungen, für 2007 werden teilweise 70 Prozent garantiert - das scheint mir recht viel zu sein und lässt viel Spielraum nach oben für die kommenden Jahre?

Bin für alle Tipps dankbar.

Gruß
Marko

Hallo,

Was macht da Sinn (Höhe der Versicherung/Laufzeit)?

Eine Faustregel sagt, das Du nach 20 jahren etwa die Hälfte des Kredites getilgt hast. Wenn Du es Dir einfach machen willst , versicherst Du die Hälfte des Kredites über 30 Jahre, die andere über 20 Jahre. Wenn Du Dir mehr Arbeit machen willst, machst Du Dir mit Excel einen Tilgungsplan und siehst Dir an, wie sich die Restschuld entwickelt.

Hauptsächlich soll natürlich vermieden werden, dass im
Todesfall das Haus durch den verbliebenen Partner nicht mehr
zu halten ist.

Ich empfehle eine verbundene RLV, damit wäret Ihr beide versichert.

Es gibt ja auch spezielle Versicherungen wo die
Versicherungssumme mit der Zeit abnimmt, weil sich die
Darlehenssumme verringert.

Davon rate ich immer ab. Die Versicherungssumme fällt linear, die Restschuld logarithmisch. Gerade in den ersten Jahren bleiben Darelehnsteile unversichert. Inzwischen gibt es auch sog. Restschuldversicherungen, die im Todesfall exakt die Restschuld ablösen. Die sind aber erheblich teurer als eine „normale“ RLV bei einem guten Anbieter.

Wie sicher ist das mit den Beitragsverrechnungen, für 2007
werden teilweise 70 Prozent garantiert - das scheint mir recht

Gar nicht sicher, weil sie von den Anlageerfolgen und den Leistungsfällen der Gesellschaft anhängen. Wenn Du eine große, lange am Markt befindliche Gesellschaft nimmst, kann nicht allzu viel passieren.

Gruß

Nordlicht

Hallo,

Ich hänge mich mal einfach an: Hallo!

Was macht da Sinn (Höhe der Versicherung/Laufzeit)?

Ich würde es noch komplizierter machen als von Nordlicht angeregt. Den Kredit abzusichern ist zwar notwendig und gut, aber was ist mit dem Rest des Einkommens, mit dem Sie heute den LEbensstandard sichern?
Mein Vorschlag: Überlegen Sie mal, ob der Partner voll weiterarbeiten kann, wenn der andere stirbt. Oder muss sich derjenige vielleicht halb- oder ganztags um ein oder mehrere Kinder kümmern? Zunächst Kalkulieren Sie für jede Person das aktuelle Nettoeinkommen abzgl. evtl. vorhandener Witwen-/Witwerrentenansprüche und vorhandener Absicherungen. Dann machen Sie eine schöne Excel-Tabelle auf, in der Sie ausrechnen, wie hoch die Todesfallsumme in einem bestimmten Jahr sein muss, um von dort an bis zum Rentenbeginn den Verdienstausfall zu 70% ersetzen kann (man hat ja durch den Tod auch einen Verbraucher weniger). Dann haben Sie eine gute Näherung, die nur noch an Ihre sonstigen Gegebenheiten angepasst werden muss.
Als Absicherung gibt es nun diverse Möglichkeiten:
1.) Mehrere Risikoversicherungen, um mit einer ARt Treppe alle 10 Jahre die Absicherungssumme absacken zu lassen. Finde ich persönlich unschön.
2.) Eine Risikoversicherung mit fallender Todesfallsumme. Find ich schon nicht schlecht.
3.) Eine Risikoversicherung mit frei wählbaren Versicherungssumme für jedes Jahr. Das find ich wirklich gut, macht aber 'ne Menge Arbeit in der ÜBerlegung und ist vielleicht etwas teurer - reduziert dafür aber wiederum die Zeiten der Über- und Unterversicherung wie bei klassischen Varianten wie 1.) oder 2.)

Ich empfehle eine verbundene RLV, damit wäret Ihr beide
versichert.

Im Prinzip ja, allerdings ist i.d.R. die notwendige Versicherungssumme doch stark unterschiedlich, daher ist der eine oftmals über- oder der andere unterversichert!

Es gibt ja auch spezielle Versicherungen wo die
Versicherungssumme mit der Zeit abnimmt, weil sich die
Darlehenssumme verringert.

Davon rate ich immer ab. Die Versicherungssumme fällt linear,
die Restschuld logarithmisch.

Es gibt übrigens auch Versicherungen, bei denen die Absicherung nicht linear fällt!

Gerade in den ersten Jahren
bleiben Darelehnsteile unversichert. Inzwischen gibt es auch
sog. Restschuldversicherungen, die im Todesfall exakt die
Restschuld ablösen. Die sind aber erheblich teurer als eine
„normale“ RLV bei einem guten Anbieter.

Sorry, stimmt. Da war ich etwas voreilig mit meinem Satz. Abhilfe schafft Variante 3.)

Gar nicht sicher, weil sie von den Anlageerfolgen und den
Leistungsfällen der Gesellschaft anhängen. Wenn Du eine große,
lange am Markt befindliche Gesellschaft nimmst, kann nicht
allzu viel passieren.

*hand heb* das seh ich genauso!

Frank Wilke

Hallo Marko,

bitte keine verbundene Risikolebensversicheurng machen, da im Falle einer Auszahlung (also wenn einer von euch verstirbt) die Auszahlungssumme der Erbschaftssteuer unterliegt! Bei 2 Verträgen ist das nicht so! Außerdem, wenn ihr beide z.B. bei einem Unfall ums Leben kommt, erben ja eure Kinder. Bei einer verbundenen Risiko-LV wird die Todesfallsumme ja nur 1 mal ausbezahlt, bei 2 Verträgen 2 mal!!! Riesen-Vorteil, und vom Beitrag her macht es kaum was aus.

Liebe Grüße

Veronika

bitte keine verbundene Risikolebensversicheurng machen, da im
Falle einer Auszahlung (also wenn einer von euch verstirbt)
die Auszahlungssumme der Erbschaftssteuer unterliegt! Bei 2
Verträgen ist das nicht so!

Mööp, Falsch! Auch bei 2 Verträgen kann das passieren, je nach dem wie der Versicherungsnehmer gewählt ist!

Hallo Marko,

bitte keine verbundene Risikolebensversicheurng machen, da im
Falle einer Auszahlung (also wenn einer von euch verstirbt)
die Auszahlungssumme der Erbschaftssteuer unterliegt!
Liebe Grüße
Veronika

Auch Mööp!

Nehmen wir doch mal an, dass es sich um ein Paar handelt, dass den Hausbau nicht bar bezahlt hat, okay? Es sind also noch Schulden da (selbst wenn nicht, ändert sich nicht viel).
Wenn nun einer der beiden stirbt und „seine“ Versicherung nicht mehr ausgezahlt bekommt, fällt die Summe unter die Erbschaftsteuer.
Aber wenn man das schon so dahin sagt, bitte auch ein paar Summen nennen:

1.) Ehepartner hat leider nur mickrige 307.000€ Freibetrag.
2.) Zusätzlich gibt’s noch einen Versorgungsfreibetrag von kümmerlichen 256.000€.
3.) ÜBersteigt das Erbe diesen Beträge, werden bis 512.000€ unglaublich 15% Erbschaftsteuer fällig.

Sichern die beiden hier also 1.000.000€ Todesfallsumme ab, so kostet das den Partner erschreckende, blutgefrierende, konkursverdächtige 65.550€ oder 6,5% der Summe.

500.000€ gehen für lau durch - also immer locker bleiben und nicht mit gefährlichen Halbinfos den Kunden verwirren!

Frank Wilke

Hallo Frank,
auch wenn es Dir vielleicht schwer fällt zuzugeben, Veronika hat doch Recht.
Zur Begründung:

1.) Ehepartner hat leider nur mickrige 307.000€ Freibetrag.

Marko hat eindeutig geschrieben, daß er noch nicht verheiratet ist, und für nicht verheiratete Paare ist der Freibetrag mit derzeit 5.200 Euro (Stand: November 2007) wirklich mikrig.

2.) Zusätzlich gibt’s noch einen Versorgungsfreibetrag von
kümmerlichen 256.000€.

Auch diesen Vorsorgefreibetrag gibt es nur für Ehegatten.

Nun wiederhole bitte noch einmal Deine Rechnung für Marko und auch Du wirst sehen, daß zwei Einzelversicherungen, mit denen sich die unverheirateten Partner „über Kreuz“ versichern doch risikoärmer sind.

Unter bestimmten Voraussetzungen können zwei Einzelversicherungen sogar preiswerter sein, z.B. wenn ein Partner Raucher und der andere Nichtraucher ist!

Freundliche Grüße
Gerd

Schönen Dank für die vielen Tipps…
… das klingt alles überzeugend.

Das Problem mit der Erbschaftssteuer sehe ich nicht so problematisch an, da wie bereits erwähnt eine Hochzeit absehbar ist.

Noch einigen Fragen:

  1. Kann man eigentlich direkt das Kind als Begünstigten einsetzten lassen oder ist es automatisch der Ehepartner?
    Bei einer Laufzeit von 30 Jahren kann ja viel passieren (Stichwort Scheidungsrate) und da ist es eventuell sinnvoller das Kind als den Expartner versorgt zu wissen.
  2. Der große Nachteil einer verbunden Versicherung sehe ich nach euren Schilderungen in dem Umstand, dass bei gleichzeitigem Todesfall nur ein Summe ausgezahlt wird, obwohl ja beide Verdiener „ausfallen“. Denke daher, dass zwei seperate Versicherungen günstiger sind. Das habe ich doch richtig verstanden, oder?
  3. Unsicher bin ich mir noch über die Höhe der Versicherungssummen. Wir haben zwei Kredite, den „Großen“ (90.000 EURO) bediene ich, den „Kleinen“ (45.000) EURO meine Partnerin. Von daher würden 100.000/50.000 EURO fürs Haus reichen. Jetzt kann man natürlich noch einiges „draufpacken“ um den Verdienstausfall auszugleichen. Allerdings scheinen bei Versicherungssummen über 100.000 EURO die Beiträge auch stark zu steigen.
  4. Hinsichtlich der Unterscheidung von seriösen zu "Bauernfängern"angeboten, gibt es da irgentwo eine Liste. Bei Finanztest liegen ja oft Direktversicherungen und mir eher unbekannte Versicherer vorn.

Gruß
Marko

… das klingt alles überzeugend.

Das Problem mit der Erbschaftssteuer sehe ich nicht so
problematisch an, da wie bereits erwähnt eine Hochzeit
absehbar ist.

*Punkt für mich* olee olee :wink:

Noch einigen Fragen:

  1. Kann man eigentlich direkt das Kind als Begünstigten
    einsetzten lassen oder ist es automatisch der Ehepartner?

Sie können auch den Postboten oder die Dame vom Grill einsetzen lassen!

Bei einer Laufzeit von 30 Jahren kann ja viel passieren
(Stichwort Scheidungsrate) und da ist es eventuell sinnvoller
das Kind als den Expartner versorgt zu wissen.

Sie müssen ja (bitte!) nicht gleich ein unwiderrufliches Bezugsrecht einräumen. Dann darf das nur mit Zustimmung des Bezugsberechtigten geändert werden. Ansonsten können Sie das Bezugsrecht jederzeit ändern.

  1. Der große Nachteil einer verbunden Versicherung sehe ich
    nach euren Schilderungen in dem Umstand, dass bei
    gleichzeitigem Todesfall nur ein Summe ausgezahlt wird, obwohl
    ja beide Verdiener „ausfallen“. Denke daher, dass zwei
    seperate Versicherungen günstiger sind. Das habe ich doch
    richtig verstanden, oder?

Die einen sagen so, die anderen so. Aber wenn Sie schon dabei sind, den Gedanken einer möglichen Scheidung nicht unberücksichtigt zu lassen: Im Falle einer Scheidung wäre die Versicherung auf „verbundene Leben“ echt unglücklich.

  1. Unsicher bin ich mir noch über die Höhe der
    Versicherungssummen. Wir haben zwei Kredite, den „Großen“
    (90.000 EURO) bediene ich, den „Kleinen“ (45.000) EURO meine
    Partnerin. Von daher würden 100.000/50.000 EURO fürs Haus
    reichen. Jetzt kann man natürlich noch einiges „draufpacken“
    um den Verdienstausfall auszugleichen. Allerdings scheinen bei
    Versicherungssummen über 100.000 EURO die Beiträge auch stark
    zu steigen.

Das ist mir ehrlich gesagt noch nicht aufgefallen - man lernt ja nie aus. Ich fand meine Rechnung jetzt nicht so schlecht, daher verweise ich mal auf mein älteres Posting.

  1. Hinsichtlich der Unterscheidung von seriösen zu
    "Bauernfängern"angeboten, gibt es da irgentwo eine Liste. Bei
    Finanztest liegen ja oft Direktversicherungen und mir eher
    unbekannte Versicherer vorn.

Die weitläufige Meinung ist ja, dass Direktversicherer im LEistungsfall zumzicken. Das mag bei Brand, Diebstahl, Unfall oder änhlichem wider Erwarten so sein, aber ich behaupte mal, dass es am Tod nicht viel zu deuteln gibt.
Tests sind nur bedingt geeignet, da die persönliche Gesundheitssituation eigentlich in einen Vergleich einfließen sollte. Dazu suchen Sie ein paar Büros um die Ecke, Internetforen oder Makler auf und lassen sich mit Angeboten beglücken. Einfacher wird die Entscheidung nicht unbedingt…

Frank Wilke

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Dann werde ich mal ein paar Angebote einholen…
… und dann mal schauen.
Schönen Dank für de kompentente Hilfe.
Sternchen ist unterwegs :wink:

Gruß
Marko