Welche Schrift?

Hallöchen Ihr Wissenden,

wenn ich einen Gedichtband zusammenstellen möchte, welche Schrift und Größe verwende ich?
Muss ich meine Werke lektorieren lassen?
Wieviele Seiten sollten es sein?
Wo bekomme ich die ISBN Nr. her ? Ich habe mir sagen lassen, dass man diese ohne Verlag erwerben kann, also ganz privat.

Darf ich auf Informationen hoffen?

Liebe Grüße
Ingrid

Hallo Ingrid,

Zur ISBN gibt es hier alles wissenswerte

http://www.german-isbn.org/isbn_frame.html

Zu den anderen Fragen gibt es weiter unten schon anregungen. Ansonsten was schrift angeht ist die frage ob du schriftart + grösse als Stilmittel verwenden möchtest oder nicht.

Gruß Mirko

Hallo Ingrid,

habe gerade selbige Prozedur erfolgreich hinter mich gebracht, daher hier ein paar Tips:

ZUR SCHRIFT: Da gibt es keine Vorschriften. Ein wichtiges Kriterium sollte jedoch angenehme Lesbarkeit sein – bei den meisten Schriften bedeutet das: mindestens Punkt 12 oder sogar mehr. Auch sollte gute Lesbarkeit gewährleistet sein – die schönste Schnörkelschrift nervt rasch, wenn nach der dritten Zeile alles vor den Augen verschwimmt. Ich empfehle, eine eher neutrale Schrift zu nehmen, die sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängt und dennoch ein angenehmes Gesamtbild hinterläßt (ich habe eine FuturaLight-Variante gewählt, wenn ich recht erinnere): nicht zu schwer/dick, nicht zu spillerig. Probier mit einem Testtext in Word verschiedene Varianten aus und zeige es verschiedenen Leuten.
Natürlich hängt besonders bei Lyrik die Wahl der Schrift auch von der Gestaltung der Texte ab - bei Neigung zu langen Zeilen wirst Du entweder eine schmale Schrift brauchen, breite Seiten oder zusätzliche Zeilenumbrüche. Auch hier empfehle ich, einfach erstmal herumzuprobieren, um ein Gefühl für die möglichen Varianten zu bekommen.

LEKTORAT: Nein, Du MUSST Deine Werke nicht lektorieren lassen, aber ggf. ist das doch recht sinnvoll, zumal bei evtl. fehlender Vorerfahrung. Außerdem hängt es davon ab, wo Du drucken lassen willst. Eine lektorielle Bearbeitung umfasst ja nicht nur die inhaltliche und orthographische Betreuung, sondern z.B. auch die Aufbereitung der Dateiformate zur geeigneten Druckvorlage – das ist kein Hexenwerk, aber Du wirst einige Dinge wissen müssen, damit das Ergebnis Deinen Vorstellungen entspricht. In meinem Fall habe ich wegen vorhandener Vorerfahrungen auf ein Lektorat verzichtet, den Satz selbst gemacht, mich jedoch ausführlich mit meinem Drucker abgesprochen; denn selbst ein so abänderungsgeschütztes Format wie .pdf birgt seine Tücken bei der Umsetzung in die Druckvorlage.

SEITEN: Das hängt vom Buchformat ab. Der Drucker wird Dir sagen, wieviele Seiten bei gegebener Formatvorgabe für ihn günstig sind, also z.B. alle Vielfachen von 12 oder 16.

Die ISBN erhältst Du auch als Privatmensch von der ISBN-Agentur in Frankfurt (www.german-isbn.de). Eine einzelne ISBN kostet ca. 73,- Euro, hinzu kommt (falls gewünscht) der Eintrag ins VLB, der kostet für 1-35 Titel jährlich 35,- Euro. Der Eintrag in den Banger (Verlagserzeichnis) ist dagegen kostenfrei. Die ISBN zu erhalten, hat bei mir etwa zwei Wochen gedauert.

Gutes Gelingen wünscht

der Pengoblin

***
Hallo Mirko,

schön, dass Sie mir so schnell geantwortet haben, diese Informationen sind wichtig für mich, kann ich auch gut verwenden.

liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht Ihnen
Ingrid
***

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo ingrid,

zur ISBN ist bei meinen vorredner schon alles gesagt.

ich möchte aber noch was zur schrift loswerden:
1.) die schrift sollte nicht unter 12 punkt groß sein und der zeilenabstand 1 1/2-zeilig.

2.) am besten lesbar für kürzere texte ist arial, für mehr text eine serifenschrift - am besten times new roman.

auch wenn dir das etwas nüchtern erscheinen mag - es hat sich bewährt. alles anderen schriftarten, auch fett und kursive schreibweise nerven nur und behindern die aufnahmefähigkeit für den text.

lektorat oder korrektorat ist übrigens keine schande. es gibt leute, die leben davon, daß sie das machen *pfeif*

im ernst: unser menschliches hirn schlägt uns oft merkwürdige schnippchen. so gaukelt es uns schon mal vor, daß ein wort oder wortteil bereits geschrieben ist, obwohl wir es bisher nur gedacht haben. das kommt sehr oft vor und wird beim eigenen korrekturlesen nicht bemerkt, weil der lesende das fehlende wort immer noch automatisch im hirn ersetzt. erst, wenn der text nach einigen tagen pause wieder hervorgenommen wird, sieht man die fehler - nur meist ist es dann zu spät und der brief bereits ans amt abgeschickt (oder so).
oder aber man bemüht eben für wenige € die berühmten 2 augen mehr, denn 4 augen sehen nun mal mehr als 2.

lektorat beinhaltet aber immer auch eine inhaltliche beurteilung, bei gedichten zudem, ob das versmaß stimmt usw.
mein ding ist eher prosa :smile:

schöne grüße
ann

Hallo, Ingrid,
ich habe mal die Gedichtbände so durchgesehen , die bei mir so rumliegen (und das sind ein paar :smile:

Schriftgröße bis auf einen Ausreißer ist Cicero mit einer Konkordanz von 4,5mm (entspricht 12 Punkt, anderthalbzeilig)
Font bei allen ist aufrecht, hat leichte Serifen, normale Schriftbreite und Dickte.

Für den Rest hast Du ja die Informationen bekommen.
Gruß
Eckard

***

Hallöchen, liebe ann,

Deine Informationen sind gut bei mir gelandet, ich danke Dir herzlich!
Einiges habe ich gewußt, Bestätigungen sind immer wichtig, so muss man keine Fehler machen.
Da werde ich mich mal ans Werk machen, Schrift, Größe u.s.w.Vielen dank und einen schönen Tag wünscht Dir

Ingrid
***

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

***
Hallo Eckard,
danke für Deine Aufmerksamkeit und Deine Tipps.
Liebe Grüße
Ingrid
***

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Au weh! Au weh!
Liebe Ann

So sehr ich bisher dein Wissen aus der Verlagsbranche
geschätzt habe (teilweise sogar herrauskopiert und
weggespeichert!) – so sehr enttäuscht mich, dass du zur
Schriftenfrage groben Unsinn als Expertenrat
verkaufst!

1.) die schrift sollte nicht unter 12 punkt groß
sein und der zeilenabstand 1 1/2-zeilig.

Mit Schriftgestaltung, Typografie oder auch nur mit
etwas Gespür für die Sache hat das NICHTS zu tun!
Man kann Lyrik auch in 8 Punkt setzen – wenn man sein
Metier beherrscht.
Von «1 1/2-zeilig» würde eine Fachkraft sowieso nicht
reden – das war Schreibmaschinen-Terminologie und damit
so überholt wie deplaziert (selbst wenn die
Programmierer von «Word» es auch nicht besser wissen).

2.) am besten lesbar für kürzere texte ist arial,

Du wirbst im Ernst für eine der grässlichsten
Missgeburten des letzten Jahrhunderts? Auch wenn sie
dank Microsoft-Monopol «die Welt erobert» hat: si ist
und bleibt ein Graus in JEDER Hinsicht.
Da es Arial nur in einem klobigen «Normalschnitt» gibt
(kein magerer Schnitt), passt das sowieso nie zu einem
feinsinnigen lyrischen Text.

für mehr text eine serifenschrift - am besten
times new roman.

Auch hier wohl nach dem Motto «Millionen Fliegen können
nicht irren»! Oder einfach weil diese Times auf einem
PC das Bequemste und daher Naheliegenste ist?

auch wenn dir das etwas nüchtern erscheinen mag -
es hat sich bewährt.

Fataler Irrtum: man hat sich bloss daran gewöhnt. Was
absolut nichts über die Qualität aussagt!

alle anderen schriftarten, auch fett und kursive
schreibweise nerven nur

Aha. Hunderte, ja Tausende von qualifizierten
Schriftgestaltern geben sich also diesem EINEN
überflüssigen Anliegen hin: die Leser zu nerven …
(Bodoni: ein armer Narr. Baskerville: ein Blender.
Walbaum: ein Idiot. Frutiger: hats immer noch nicht
kapiert …)
Also Ann, ich bitte dich!

und behindern die aufnahmefähigkeit für den text.

Das kann man so einfach nicht sagen.
Selbst die Meinung, Serifenschrift liesse sich besser
lesen als Grotesk, ist eine moderne Legende und hält
der Überprüfung in ernsthaften Versuchen nicht stand.

Auch wenn es für die Fragestellerin Ingrid das Leben
wieder komplizierter macht: Schriftgestaltung ist ein
Handwerk, eine Kunst sogar (wenn auch eine DIENENDE
Kunst).

Ingrid: Wenn du willst, dass dein Werk aussieht wie
tausend andere laienhaft zusammengestiefelte – dann
folge den Tipps. Wenn dir die Texte mehr wert sind,
dann suche jemanden, derdich wirklich beraten kann.

Freundliche Grüsse
Rolf

5 „Gefällt mir“

Mitheulentu
Hi Rolf,

Du wirbst im Ernst für eine der grässlichsten
Missgeburten des letzten Jahrhunderts? Auch wenn sie
dank Microsoft-Monopol «die Welt erobert» hat: si ist
und bleibt ein Graus in JEDER Hinsicht.

Da kann ich Dir nur zustimmen.

Ich durfte (!) meine Ausbildung im Verlag der Büchergilde Gutenberg machen und die Zeit in der Herstellung hat meinen Blick für Form und Ästhetik enorm geschärft. Da gab es zu jeder geplanten Neuerscheinung heiße Debatten darüber, welche Schrift denn nun zum Einsatz kommen sollte. Und wenn sie mit den vorhandenen Schriften (Handsatz und Linotype damals) nicht zufrieden waren, ließen sie mit ausgefeiltem Briefing eine entsprechende entwickeln. Das waren noch Zeiten!

Gruß,

Anja

1 „Gefällt mir“

nene
lieber rolf,

anders als von mir beschrieben, wird von seriösen verlagen kein text angenommen - ob du grafisch andere vorlieben hast oder nicht :smile:

ob jemand lyrik in 8 punkt setzen kann, interessiert eigentlich weniger als die frage, wer das dann noch lesen kann.

unter künstlerischen gesichtpunkten mögen andere kriterien zum tragen kommen, im verlag sind schnörkelschriften und alles jenseits der von dir gehaßten schriften ausschluß kriterien.

herzliche grüße
ann

Liebe Anja

Wenn du davon redest, in welcher Form Verlage
MANUSKRIPTE (resp. Typoskripte) annehmen, dann
hast du recht. Diese Usanzen sind mir natürlich
auch bekannt – 1800 Anschläge pro Seite und
so …

Vielleicht liege ich falsch, wenn ich Ingrids
Frage so verstanden habe, dass sie nach
typografischer Gestaltung fragt. Denn DAVON
scheinst du keinen blassen Schimmer zu haben.
Das sieht man schon daran, dass du von
SCHNÖRKELschrift schreibst. Als hätte ich SOWAS
propagiert.

Wenn für dich alles, was nicht Arial oder Times
heisst, nur nervt und als Schnörkelschrift
verunglimpft wird, dann ist das wie wenn du für
die Füsse der ganzen lesekundigen Menschheit ein
einziges Schuhmodell in einer einzigen Grösse
fordern würdest: absurd.

Grüsse
Rolf

Liebe Anja

warum nennst du mich so? :frowning:

hallo rolf,

kann sein, daß wir aneinander vorbei geredet haben. ich war der meinung, es ginge hier um literatur und nicht um typografie. (letztere würde ich auch eher in einem der kunst- und malbretter ansiedeln).

schöne grüße
a nn

Hallo Anja

Danke für die Zustimmung.

Das waren noch Zeiten!

Diese Zeiten sind zum Glück noch nicht vorbei.
Schau zum Beispiel, was mein junger Kollege Bruno Maag
mit grossem Erfolg macht:

http://www.daltonmaag.com/index.html

Liebe Grüsse
Rolf

Sorry
Liebe Ann

warum nennst du mich so? :frowning:

Entschuldigung, ich war wohl vor dem Morgenessen noch
etwas verschlafen, oder ich habe gleichzeitig daran
gedacht, dass ich Anja auch noch etwas antworten wollte.
Ich weiss eigentlich, dass du ANN und nur ANN und nicht
anders als ANN heisst.

Ein schönes Wochenende und liebe Grüsse
Rolf

so ist es besser :smile:
ich bin auch sofort wieder lieb :smile:

ein ebensolches wochenende dir
ann