Hallo Helena,
zugegeben, gelegentlich falle ich mit der Tür ins Haus. Und vergesse dabei sogar, auf die eigentliche Frage zu antworten. Eure im Nachgang genannten Argumente und Reaktionen kann ich aber auch nicht ganz nachvollziehen.
Diese Experimente mit der Nazizeit zu vergleichen ist mMn.
ungeheuerlich.
Ähnliche „Experimente“ in der Nazizeit wurden ebenfalls von „Wissenschaftlern“ ausgeführt mit dem Ziel, Erkenntnisse zur Verhaltens- oder Sozialpsycholgie zu gewinnen. Es ist nicht entscheidend, ob ein Experiment von einem „guten“ oder einem „bösen“ Wissenschaftler durchgeführt wird. Die Erkenntnisse und deren Verwertung werden in beiden Fällen stattfinden und weitergegeben. An wen und für welche Zwecke auch immer. Ihr bezeichnet Stanford Prison als wissenschaftliches Experiment, ich nenne es (grenzwertiger) Menschenversuch. Ein Vergleich zur Nazizeit ist mE daher nicht so weit hergeholt. Erstaunlicherweise wird wieder nur dieser Vergleich kritisiert, Guantanamo etc. fallen offensichtlich in eine andere Kategorie. Hier erleben wir diese Vorgänge zeitnah und resignieren dennoch vor der Macht und dem Einfluss bestimmter Personen. Da wird die eigene Hilflosigkeit gerne mal mit dem Deckmäntelchen Wissenschaft oder ähnlichem ruhiggestellt.
…Aber es ist was anderes als ein Experiment,
die in einem ganz konkreten Raum stattfindet, wird nicht unter
militärischen Aufsicht geleitet, alle Teilnehmer machen das
freiwillig und aus eigenen Stücken und dient
wissenschaftlichen Studien.
Die Bedingungen (Verzicht auf Grundrechte, bezahlte Freiwilligkeit, Beginn des Experiments) und der tatsächliche Ablauf zielen darauf ab, Brutalität, Hass und Gewalt zu provozieren (und den Wissenschaftler vor Regressansprüchen abzusichern). Die im Verlauf des Experiments von den Teilnehmern angewendeten Methoden werden in zahlreichen Gefängnissen und Gefangenenlagern auch heute bewusst eingesetzt. Den Willen brechen, (falsche) Geständnisse erzwingen, Machtgefühle ausleben. Die Erkenntnisse werden nicht ausschließlich für gute Zwecke eingesetzt, der Sinn derartiger Studien erschließt sich mir daher nicht.
(Patr1ck): Es sind gerade diese Experimente, welche die Möglichkeit einräumen durch :eine neue Selbsterkenntnis solche Dinge wie Du sie beschreibst zu vermeiden.
Und welche Erkenntnisse ziehen Militärs und diverse Machthaber daraus? Weshalb werden derartige Experimente realitätsnah verfilmt und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht ? Für die Studien anderer Wissenschaftler oder evtl. auch für potentielle Nachahmungstäter ? Wo bleibt hier die Verantwortung eines seriösen Wissenschaftlers ? Berühmtheit erlangen ? Finanzielle Interessen ?
Lies bitte die Definition von „Faszination“:
[lateinisch »Beschreiung«, »Behexung«] die, fesselnde Wirkung,
die von einer Person oder Sache ausgeht.
Ich verbinde den Begriff Faszination mit Begeisterung und positiven Aspekten (weshalb auch immer). Für Gewalt, Gewaltverherrlichung, Menschenversuche usw. kann ich mich nicht begeistern. Ich halte sie für erschreckend, unmenschlich, pervers und krank. Und benenne sie demzufolge auch so. Ich (er)lebe den Begriff Faszination offensichtlich völlig anders als in der von dir beschriebenen Definition. Gib den Begriff in Google ein, und du wirst an den Überschriften erkennen, was ich meine.
und von „Experiment“:
Experiment [lateinisch] das, methodisch-planmäßige
Herbeiführung von reproduzierbaren, meist variablen Umständen
zum Zwecke wissenschaftlicher Beobachtung; wichtigste
empirische Methode der Naturwissenschaften, aber auch anderer
empirisch vorgehender Wissenschaften (z. B. Psychologie, zum
Teil auch Soziologie).
Ich verstehe nicht, weshalb ein Stanford Prison Experiment seriös wissenschaflich ist, Experimente an anderer Stelle nicht. Eure Abgrenzung ist willkürlich und subjektiv, hat mit der Sache wenig zu tun.
Ein Hohn für die Opfer, wenn man dabei auch nur an Experimente
oder gar (psychologische) Wissenschaft denkt.
Ein Hohn ist es, daß du beides miteinander vermischst!!!
Ich vermische nicht, ich vergleiche. Ich denke nun mal in erster Linie an („freiwillige“) Opfer und verdamme eher die Täter. Und zu letzteren gehören auch die Initiatoren von zweifelhaften Experimenten.
Ich habe den Film nicht bis zum Ende gesehen. Ich fand ihn widerlich und gar nicht faszinierend. Dass ich dann mit meinem Posting deine Einstellung von faszinierenden Experimenten etwas überspitzt kritisiert habe, solltest du nicht persönlich nehmen. Ich unterstelle dir in dieser Hinsicht nichts.
Grüße
BW