Hallo, Claudia,
Hmmm, in der Regel genügt es bei unserer Kleinen, wenn wir ihr
androhen, dass dann etwas, auf das sie Wert legt und das für
sie schon in „Sichtweite“ ist (abends wären das z.B. ihre zwei
Gutenachtgeschichten) eben wegfällt (es genügt in der Regel
schon, wenn wir sagen, sie würde nur eine bekommen - schon ist
sie viel einsichtiger … zumindest eine Zeitlang).
Hallo, Baba -
mach drei Kreuze. Ein so kleines Kind, das sich im Hinblick
auf einen Verzicht, der erst in der Zukunft liegt, beherrscht,
ist schon eine Ausnahme.
Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. „Zukunft“ hört sich ja so weitläufig an
es geht doch manchmal um Sachen, die die Kleine direkt und unmittelbar betreffen - schon in fünf oder zehn Minuten. Zukunft im Sinne von „morgen“, „übermorgen“ oder „bald“ - das funktioniert in den wenigsten Fällen.
Ich habe bei meiner fast 8-jährigen immer noch nicht den
Eindruck, dass sie mehr als zu 20% sich etwas verkneift, auch
wenn es für sie selbst ist. Manchmal kann ich schon wahnsinnig
werden, wenn ein Kind, welches mit mir Diskussionen über
Weltgeschichte und lineare Optik führt, so fürchterlich
uneinsichtig sein kann. Trotz aller Intelligenz ganz
und gar unvernünftig. Aber das wundert, so scheint es, nur
mich alleine, all die anderen Mamas nicht.
"Vernunft" darfst du bei Kindern noch nicht verlangen - wenn ich mir an die eigene Nase greife, muss ich sagen: Vieles, was meine Eltern mir verboten haben oder weswegen es Streit gab, verstehe ich erst heute, seit ich eben selbst ein Kind habe und seit ich weiß, welch große Verantwortung man als Elternteil trägt. Aber genau deswegen verlange ich es auch von meiner Tochter nicht, dass sie alles einsieht. Erklären tue ichs ihr trotzdem.
Trotz und Uneinsichtigkeit sind auch ganz normal, immerhin wollen die Kinder testen, wie weit sie gehen können. Wir haben ganz gute Erfahrungen damit gemacht, sie in solchen Phasen kurz (!) mal alleine zu lassen und dann noch einmal nachzufragen. Oder, und das habe ich erst einmal von meiner Frau lernen müssen: Anstatt zu schimpfen oder laut zu werden kann man oft die Kinder ablenken , so dass sie auf einmal ganz vergessen, weswegen sie eigentlich trotzig gewesen sind. Ablenken mit einem Spiel, einer spannenden Aufgabe oder auch schon mal mit einem Eis
Und, was soll ich sagen, damit haben wir die allerbesten Ergebnisse erzielt. Klappt natürlich nicht immer, aber schon sehr häufig.
Was nun die Strafen angeht, habe ich die Feststellung gemacht,
dass sowohl Strafen als auch Belohnungen sich schnell
abnutzen, bzw. abstumpfen. Und Verhalten konnte ich immer nur
durch mein eigenes Vorbild (ganz schön anstrengend!), feste
Tagesabläufe (was jetzt zur Schulzeit nicht mehr geht) oder
Einspannen anderer Erwachsener erreichen.
Ich gebe dir Recht - da hilft nur, sich ständig etwas Neues einfallen zu lassen. Und das mit dem Vorbild: Oje, wem sagst du das. Unsere Kleine wird hier immer aufmerksamer und stellt uns da schon häufig vor die Tatsachen… Warum darf ich nicht machen, was du gestern gemacht hast? Tja - es bleibt also spannend, vermutlich ein Leben lang. Aber das ist ja auch das Tolle. Ich freue mich jedenfalls jeden Tag an meiner Tochter, dass sie gesund, neugierig, lebhaft und eben auch mal frech ist. Das gehört halt dazu.
Grüße
Baba