Ich bitte um Eure Meinung, ob Ihr die Zeiten in folgenden Sätzen richtig findet und bitte Euch mir die entsprechenden Regeln zu nennen:
„Heldi drehte, wie jeden Abend seine Runden durch das Hotel, als er plötzlich im Flur etwas Fremdes roch. Er wusste automatisch, dass dieser Geruch Gefahr bedeutet und bellte wie verrückt los.“
Heldi ist ein Hund, kommt im Aufsatz einer 5. Gymnasialklasse vor und wittert Rauch. Deshalb meine ich, dass hier „bedeutet“ hingehört, weil Rauch auch in 1.000 Jahren (für einen Hund) Gefahr bedeuten wird. Liege ich falsch?
Nächster Fall:
"… In Afrika sind die Menschen so arm, dass sie sich keine Klassenzimmer leisten können. Also findet der Unterricht unter freiem Himmel statt. … "
Die Geschichte wird anfangs in der Vergangenheitsform erzählt und geht auch in der Vergangenheitsform weiter. Ich meine, dass der Unterricht richtig in der Gegenwartsform stattfindet, weil sich daran bis heute nichts geändert hat (unabhängig vom speziellen Fall in diesem Aufsatz).
Bin gespannt auf Eure Meinung und bedanke mich schon mal dafür.
Vera
Beide Alternative sind richtig, es kommt darauf an, welche Blickrichtung man hat. Also, was man damit ausdrücken will. Für einen Hund bedeutet Rauch im allgemeinen Gefahr, stimmt. Aber dann bedeutete es auch Gefahr im genannten Fall. Will man etwas allgemeines erzählen, kann man „bedeutet“ schreiben. Will man etwas über den besonderen Rauch damals erzählen, kann man „bedeutete“ schreiben. So auch, aber umgekehrt, mit dem anderen Beispiel.
„Heldi drehte, wie jeden Abend seine Runden durch das Hotel,
als er plötzlich im Flur etwas Fremdes roch. Er wusste
automatisch, dass dieser Geruch Gefahr bedeutet und bellte wie
verrückt los.“
Heldi ist ein Hund, kommt im Aufsatz einer 5. Gymnasialklasse
vor und wittert Rauch. Deshalb meine ich, dass hier „bedeutet“
hingehört, weil Rauch auch in 1.000 Jahren (für einen Hund)
Gefahr bedeuten wird.
Liege ich falsch?
Nicht generell, aber da es sich um einen Schulaufsatz handelt, besteht die Möglichkeit, dass bei der Besprechung im Unterricht festgelegt wurde, die Zeitstufe (Präteritum) sei durchgehend einzuhalten.
Gruß
Kreszenz
Liebe Vera,
Da stimme ich dir in beiden Fällen zu — das Präsens ist hier nicht nur grammatikalisch richtig, sondern in diesen speziellen Fällen vielleicht sogar die beste Lösung, da sozusagen allgemeine Aussagen getroffen bzw. Dauerzustände beschrieben haben. Deine Begründung passt also in der Tat.
Das heißt natürlich nicht, dass das Perfekt oder das Präteritum in den Sätzen falsch wären.
Gruß,
Lieber André,
auf eine Antwort wie Deine habe ich schon die ganze Zeit gewartet. Ich möchte nicht undankbar erscheinen, ich weiß wohl, dass die anderen zwei Meinungen auch ihre Gültigkeit haben. Nur bin ich mir ganz sicher, es genau so gelernt zu haben (Deutsch ist nicht meine Muttersprache), wie es jetzt André erklärt, kann mich aber an die „Regel“ nicht erinnern. Wenn die jetzt noch jemand liefern könnte, würde das meine Wissenslücke schließen.
Vielen Dank
Vera
Hallo Vera,
ich stimme Andre auch zu - ich hätte es genauso geschrieben.
Nur bin ich mir ganz sicher, es genau so gelernt zu
haben (Deutsch ist nicht meine Muttersprache), wie es jetzt
André erklärt, kann mich aber an die „Regel“ nicht erinnern.
Ob es da eine explizite Regel gibt, weiß ich nicht. Die anderen Zeiten wären ja auch nicht unbedingt falsch, nur mE nicht so passend.
Gruß,
Max
Hallo, Vera,
Nur bin ich mir ganz sicher, es genau so gelernt zu
haben (Deutsch ist nicht meine Muttersprache), wie es jetzt
André erklärt, kann mich aber an die „Regel“ nicht erinnern.
vielleicht meinst du das sog. „generelle/atemporale“ Präsens (allgemeine Geltung ohne Bezug zum Redemoment) - oder aber „historisches“ bzw. „szenisches“ Präsens (In diesem Fall würden aber im Hunde-Beispiel alle Verben des Satzes in der Gegenwart stehen)?
Erläuterungen siehe
http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/interpretation/in… (2.1.3.1 Das Präsens)
Gruß
Kreszenz
Hallo Kreszenz,
vielen Dank, Du hast mir auf jeden Fall sehr geholfen.
vielleicht meinst du das sog. „generelle/atemporale“ Präsens
(allgemeine Geltung ohne Bezug zum Redemoment) - oder aber
„historisches“ bzw. „szenisches“ Präsens (In diesem
Fall würden aber im Hunde-Beispiel alle Verben des
Satzes in der Gegenwart stehen)?
Erläuterungen siehe
http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/interpretation/in…
(2.1.3.1 Das Präsens)
Der Link wird ab sofort zum unentbehrlichen Lesezeichen und ich kann nun in Ruhe überlegen, welcher Fall in diesen Fällen zutrifft.
Vielen Dank nochmal.
Vera