hallo liebe wer-weiss-was’ler
ich bin tante eines einjährigen mädchens.
vorgestern rief mich meine schwester an. sie war recht bedrückt und wir besprachen ihr problem. ich stellte aber sehr schnell fest, daß ich ihr nicht weiterhelfen konnte – zumindest nicht aus erfahrung sprechen konnte. sondern nur mutmaßungen anstellen konnte. da dachte ich sofort an w-w-w. vielleicht könnt ihr mir helfen.
meine schwester ist derzeit hausfrau und ihr mann geht arbeiten. es finden seit einem jahr eingespielte rituale statt. so bringt meine schwester die kleine z.b. immer zu bett, während ihr mann morgens mit ihr das morgenritual macht. aufstehen, windeln, waschen, anziehen, zu essen geben, usw.
das kind hat sich im laufe der zeit daran gewöhnt. so weiß sie z.b. auch, daß der papa morgens weggeht und abends wieder kommt, und wann das ist, das spürt sie mittlerweile, denn kurz bevor er kommt wird sie dann immer ganz erwartungsvoll und schaut immer zur tür.
meine schwester verbringt derweilen den tag mit ihr und das klappt mehr oder weniger gut. ist tagesformabhängig 
manchmal geht der papa abends – kurz nachdem er nach hause gekommen ist dann nochmal weg, zum sport. und dann fängt die kleine dermaßen an zu schreien und kriegt sich garnicht mehr ein. das geht so lange, bis sie vor wut erbricht. und wenn meine schwester sie dann irgendwann zu bett bringen will, klappt das nicht, weil sie sich dann nur noch vom papa ins bett bringen lassen will.
ich möchte erwähnen, daß man von anfang an gespürt hat, daß das ein kind mit sehr eigenem willen ist, den sie auch stets durchzusetzen versucht. meine schwester merkt das natürlich auch und läßt sich von ihr aber nicht auf der nase herumtanzen, sondern setzt ganz klar grenzen. das macht der papa weniger. da er sie nicht den ganzen tag um sich hat, macht es ihm weniger aus, in den wenigen stunden, in denen er sie sieht, das zu machen, was töchterchen will.
ihr seht, die situation wird von mir und meiner schwester weitestgehend durchschaut: die kleine hat ihren willen – den kann sie bei papa besser durchsetzen – und da ist es dann schön, wenn papa da ist. ist er nicht da, dann ist das erstens traurig und zweitens ist sie zornig darüber.
vielleicht kann mir von euch ja noch jemand etwas über die hintergründe erzählen. viel wichtiger für mich und meine schwester wäre allerdings, zu erfahren, ob es noch einige eltern auf diesem erdball gibt, denen es ähnlich geht. alle anderen frauen in der krabbelgruppe haben eher das umgekehrte problem. männer, die sich nicht um die kinder kümmern und kinder die weinen, wenn sie zum papa müssen. meine schwester ist dann so enttäuscht, wenn sie den ganzen tag einen schönen tag mit der kleinen verbringt und die dann abends einen so wütenden zorn- und heulanfall bekommt, und die mama so ablehnt. sie befürchtet, sie macht irgendetwas falsch, weswegen die kleine sie dann abends so ablehnt.
gibt es noch andere eltern, denen es so ergeht?
über eure antwort freue ich mich. wenn ich meiner schwester sagen könnte: das ist nicht weiter besorgnis erregend, anderen eltern geht’s genauso. das ist „normal“ 
liebe grüße und schöne weihnachten
yvi
