Hallo!
Manchmal verrennt man sich so sehr in eine Situation, dass einem die Perspektive von außen fehlt. Diese möchte ich mir u.a. von hier holen, wenn jemand so nett ist, sich meine Geschichte durchzulesen.
Ich bin seit 10 Jahren an einer Berufsschule. Viele Jahre hab ich hier sehr gut gearbeitet und auch positives Feedback erhalten.
Von Anfang an allerdings wurde ich von der Innung und den Betrieben meiner Auszubildenden angegriffen. Das war schon immer die ‚Schattenseite‘ meines Daseins an dieser Schule.
Vor einem halben Jahr stieß ich nun zufällig auf ein Stellenangebot einer Schule in einem anderen Bundesland, bewarb mich und soll die Stelle bekommen. Ob ich dorthin kann hängt nun davon ab, ob ich im Ländertauschverfahren gehen darf und ob meine Schule mich freigibt.
Es ist sogar schon eine Nachfolgerin mit denselben Fächern an der Schule, aber man will mich nicht gehen lassen. Inzwischen hat die andere Schule eine weitere Bewerbung und muss eine Entscheidung treffen, denn sie wollen mich, aber können mich nicht nehmen, wenn ich nicht bald zusage. Das kann ich aber erst im April, wenn das Ländertauschverfahren durchgeführt wird.
Für mich ist es undenkbar, weiter an meiner jetzigen Schule zu bleiben.
Ich habe superliebe Kollegen, bin eine sehr erfahrene Lehrerin und höre auch immer wieder von Schülern, dass sie bei mir viel lernen.
Von Seiten der Schulleitung bekomme ich aber immer wieder Steine in den Weg gelegt und treffe auf viel Illoyalität. Mit den Innungen und Betrieben haben sich sehr polare Strukturen manifestiert: Meine Kollegin ist die Liebe und ich bin die Böse. Es hat sich eine Beschwerdekultur entwickelt, in der nicht mehr thematisiert wird, dass noch nie eine Beschwerde Bestand hatte, sondern die Tatsache, dass es viele Beschwerden gibt gilt als Beweis, dass etwas dran sein muss.
Für mich ist dass alles unerträglich geworden.
Seit 2 Jahren besuche ich einen Coach und habe mich wirklich weiterentwickelt. Doch die Rollenmuster scheinen verteilt und unabänderlich.
Jetzt im Moment bin ich total verzweifelt, dass mir Schulleitung und ADD Steine in den Weg legen wollen bei meinem Weggang, obwohl sie mir immer wieder deutlich machen, dass sie von meiner Arbeit - oder vielmehr von meiner Art - nicht viel halten. Alle Kollegen bestätigen, dass sie diese Sichtweise nicht teilen können und mich für eine geachtete und sehr kompetente Kollegin halten.
Was soll ich bloß tun? Ich denke schon darüber nach, in meinen alten Beruf zu wechseln, aber das ist keine wirkliche Alternative.
Ich habe Fehler, aber ich bin deshalb keine schlechte Lehrerin. Dass man als Lehrer keine Anerkennung bekommt, damit kann ich noch leben. Aber immer wieder zu Unrecht kritisiert zu werten und Geringschätzung zu erfahren (das ist nicht nur mein Eindruck sondern auch der der Kollegen) ist für mich Zustand mehr.
Ich weiß nicht mehr weiter. Ich arbeite doch an mir, aber es ist schwer, das Bild, das andere sich vor 10 Jahren gemacht haben, zu verändern.
Danke fürs Lesen.
LG tunefish