Welchen Wert hat Lästern über andere?

Hallo!

bin in einer Berufsschule (medizinisch-sozialer Beruf) und es wird heftigst gelästert. Es gibt Grüppchen innerhalb derer über die anderen gelästert wird und auch Allgemein über bestimmte Personen oder Sachverhalte, dessen sich alle immer einer Meinung sind.

Auch gibt es Einzelgänger und Aussenseiter, über die von allen Anderen erbärmlich mokiert und massiv gemieden werden. Einerseits will niemand mit diesen zu tun haben, andererseits interessiert sie jedes Detail, jeder mutmaßliche Fehler, jede Veränderung, es wird verfälscht, übertrieben, aufgepuscht, auf Nichtigkeiten herumgehackt, hinter dem Rücken aber auch offensichtlich gemein reagiert… es wird nicht toleriert, nicht respektiert, nicht als interessante Personen wie jeder andere anerkannt, keine Empathie, keine Möglichkeiten, kein Verständnis, keine nachvollziehbaren Argumente:frowning:
Es wird auch über Lehrer gelästert und auch über andere aus anderen Gruppen aber diese besitzen immerhin den Halt der Formation.
Ich erlebe, dass Aussenseiter ständig das Thema Nr.1 des getratsches in den Gruppen sind.

Als ob es nichts wichtigeres gibt, als ob dies so bedeutungsvoll wäre und irgendeinen Wert hätte den eizelnen geradewegs immerzu abschätzig zu behandeln und seelisch zu vergewaltigen. Auch wenn es mal langweilig wird, nur über das selbe Thema zu lästern wird eben über jemand anderes oder einen irgendeinen Zustand oder vermeintlichen Sachverhalt gelästert aber immer nur gelästert, gelästert, gelästert,…

Ich bezeichne mich selbst als Mittelfront und falle hoffentlich nicht auf denn ich habe akzeptablen Kontakt zu fast allen aus unterschiedlichen Gruppen und komme auch gut mit den „schwarzen Schafen“ klar. Jedoch habe ich Angst, dass ich auch wieder gemoppt werden könnte weil ich das selbst schon jahrelang miterlebt habe!

Wenn man Schwierigkeiten hat sich anzupassen, einzugliedern und nicht aufpasst und eigentlich nie einem Menschen weh tun würde, gerät man leicht zur Zielscheibe. Mitzulästern habe ich prinzipiell kein Bedürfnis, da halte ich mich raus und ich finde es schlimm dass die Mehrheit nicht normal kommunizieren kann. In früheren Schulklassen erlebte ich das Selbe Phänomen.

Was hat das für einen Wert, Sinn, Zweck zu lästern? Sind die meisten Leute so doof oder begreifen die nicht wie Schlimm es für Alleingänger schon ist? Wieso lästern so viele nur, an statt sich sachlich-rational zu unterhalten? Zum Glück dass ein paar Jungs in der Klasse sind, die das Geschehen indirekt etwas bremsen. Ist das nur beim weiblichen Geschlecht so oder täusche ich mich? Das Durchschnittsalter ist um die 20. Gibt sich das wieder oder ist das normal? Bei manchen ist es so, das fast jedes Mal wenn sie den Mund aufmachen nur Geläster kommt- fast nicht auszuhalten.

Grüße

hast du eine frage? denn eigentlich hast du doch selbst schön beantwortet worum es beim lästern geht - andere abwerten und damit sich selbst aufwerten - boshaft gesagt - wer es „nötig“ hat sich selbst aufzuwerten muss andere abwerten:wink:

selten aber heute doch mal lästerliche grüsse

:wink:

nina

PS: ich denke mal, lästern ist normal - sofern der rahmen normal ist - der scheint ja aber hier weit überschritten und so werden die ursachen und hintergründe der wesen die es da nötig haben wohl auch manigfaltig sein:wink:
übrigens kann man sich aus sowas heraushalten - selbst wenn die gemeinschaft fast nur von diesem verhalten getragen wird.
dazu müsste man freilich anfangen bei sich selbst anzufangen - dies ist aber für viele nicht halb so spassig:wink:

Hallo,

mir fällt dazu ein schöner Spruch ein, den ich neulich gelesen habe:

Kleine Leute reden über andere Menschen, mittelmäßige Leute reden
über das was sie erlebt haben und große Leute reden über Visionen.

Der Ursprungstext war in Schwedisch, ich hoffe ich habe ihn
einigermaßen sinngemäß wiedergegeben.

Will so viel heißen wie, die Menschen, die selbst voller Komplexe,
wenig Selbstbewusstsein haben und auch sonst do in ihrem Leben wenig
aufregendes passiert, verplempern auch noch ihre Zeit damit sich über
andere Menschen (oftmals negativ) auszulassen. Das fängt damit an,
dass sie sich in irgendeiner Form ständig über jemanden aufregen,
ständig andere Menschen bewerten müssen (was zu vorurteilen führt)
und führt bis hin zu massives Mobbing.

Es gibt nur zwei Strategien mit solchen lästigen Gesellen umzugehen -
entweder direkt auf ihre Unart ansprechen und/oder, die Person
meiden.

Viele Grüße

Erzänzung
zu deiner Frage im Titel: Welcher Wert hat lästern über andere?

Das Schlechtreden über andere zeigt eindeutig einen Wert, und zwar von
dem der Lästert und der ist als sehr gering einzustufen.

Hallo, Deep Sea,
Lästern und Herabsetzung von Minderheiten dient der Gruppenbildung und der Gruppenidentifikation. Nur wenn man auf „die Anderen“ deutet, kann man deutlich machen, was das Besondere an der eigenen Gruppe ist.

Dass dabei meist recht ungerecht und unqualifiziert geurteilt wird ist klar.

Du kannst Dir das recht schnell klar machen, wenn Du Dir ansiehst wie z.B. die Propaganda (und nichts anderes ist „Lästern“) in der Zeit des kalten Krieges wirkte. Eine angebliche oder reale Bedrohung von außen bewirkt den Zusammenschluß der Gemeinschaft und eine Anhebung der Kritikschwelle gegenüber Maßnahmen der Führungsschicht.

Du kannst das auch sehr gut sehen an den derzeitigen Bestrebungen, bürgerliche Freiheiten dem (vorgeblichen) Zweck einer Bekämpfung von irgendwelchen Gefahren, die angeblich der Gemeinschaft von außen her drohen.

Gruß
Eckard

Hallo deep sea, es wird ja hier auch deutlich demonstriert von den
beiden letztgenannten autoren worum es beim lästern geht, d.h. worin
der wert für das individuum besteht. auch wenn man über die lästerer
lästert die es ja anscheinend nötig haben (schlechtes selbstbewußtsein
usw.) kann man sich über diese moralisch erheben und gleichzeitig
abgrenzen. dadurch gehört man einer höherwertigen gruppe an die eine
solche verhaltensweise nicht nötig hat.
viele grüße nashorn

Hallo,

Lästern bringt nichts, obwohl ich zugeben muß, daß ich mich eigens auch im Nachhinein über bestimmte Leute unterhalte, die mir auffallen. Das tue aber nie im Beisein der anderen. Über bestimmte Personen wird dann später außerhalb der Gruppe mit anderen außerparteiischen Leuten gesprochen, um zu sehen, ob man mit seiner Meinung falsch liegt, wenn bestimmte Dinge oder Situationen eintreffen.

Zum Lästeropfer kann jeder werden. Ich habe oft festgestellt, daß viele keine anderen Gesprächsthemen haben und insgeheim neidisch und eifersüchtig reagieren, weil sie selber so sein wollen es aber nicht schaffen oder können. In allen Gruppen gibt es immer einen Anführer oder Leithammel. Wenn einer etwas sagt folgen alle anderen in die gleiche Richtung. Merke ich so etwas, daß über mich gesprochen wird, gehe ich auf solche Leute zu, spreche sie an, wenn ich den Mut dazu finde, was nicht immer der Fall ist und frage sie, was ihnen an der Situation oder an mir selber nicht gefällt. Die Leute reagieren dann oft völlig überrascht von meiner Reaktion und sagen daraufhin nichts mehr, so daß ich meine Ruhe habe.

Meistens stehe ich jedoch im Abseits, beobachte gerne, wenn andere aufs Korn genommen werden und überzeuge mich selbst, ob die Tatsachen auch stimmen. Das heißt, ich nehme selber Kontakt zu den Leuten auf, die das betrifft, um diese besser kennenzulernen und mich vom Gegenteil zu überzeugen. Oft habe ich dann feststellen können, das diese Äußerungen auf die entsprechenden Personen gar nicht zutreffen oder die Person einen bestimmten Hintergrund hat und gar nicht so ist wie sie auf den ersten Blick erscheint auch wenn ich dann selber im Abseits stehen muß. Kurzerhand, wenn mir das alles zu bunt wird, setze ich mich ab.

Gruß
Hermelin

Moin Nashorn,

auch wenn man über die
lästerer
lästert die es ja anscheinend nötig haben (schlechtes
selbstbewußtsein
usw.) kann man sich über diese moralisch erheben und
gleichzeitig
abgrenzen. dadurch gehört man einer höherwertigen gruppe an
die eine
solche verhaltensweise nicht nötig hat.

najaaa, Lästern bringt immer ein schlechtes Gefühl mit sich. Man weiß nie, ob der, der einem gegenüber gerade über jemanden lästert, nicht später über mich lästern wird.
Früher oder später wird man lästernderweise nicht mehr ernstgenommen und keiner erzählt einem mehr was.

Also, lästern spaltet immer!

Sehr unschön das!
Meint,
Spiff